Haushalt Schäuble will Steuerreform 2011 nicht versprechen
Trotz der extremen Staatsverschuldung verspricht die neue Regierung Steuersenkungen in Milliardenhöhe. Der designierte Finanzminister Schäuble mahnt zur Vorsicht.
Bis zu 24 Milliarden Euro soll die Steuerentlastung von Bürgern und Unternehmen laut neuem Koalitionsvertrag von Union und FDP betragen. Die Kritik von Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbänden an der massiven Neuverschuldung wies der designierte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nun zurück und verteidigte den Koalitionsvertrag.
"Wir wollen möglichst schnell viele Arbeitsplätze schaffen", kündigte Schäuble am Sonntagabend in der ARD-Sendung Anne Willan. "Wir werden alles tun, um die Wachstumskräfte zu stabilisieren." Der Aufschwung solle die Finanzierung sichern.
Zugleich schloss Schäuble einen ausgeglichenen Haushalt für die kommenden vier Jahre aus. "Es ist ehrgeizig genug, die Schuldenbremse des Grundgesetzes einzuhalten", sagte der CDU-Politiker der Welt am Sonntag. Auf die Frage, ob ein ausgeglichener Haushalt auf absehbare Zeit Utopie sei, sagte Schäuble: "In dieser Legislatur natürlich."
Auch Steuerentlastungen zum 1. Januar 2011 könne die neue Koalition nicht definitiv zusagen. "Sie können sich darauf verlassen, dass die Koalition die feste Absicht hat, das zu verwirklichen". Auf die Frage, ob die Steuern zu dem Zeitpunkt auf jeden Fall gesenkt würden, antwortete er: "Möglichst zum 1. Januar 2011." So stehe es im Koalitionsvertrag von Union und FDP. Die Ehrlichkeit gebiete es zu sagen, dass die Wirtschaftsentwicklung nicht vorhersehbar sei: "Wir fahren ziemlich auf Sicht".
Zunächst einmal gelte es "mit exorbitant hohen Schulden" fertig zu werden, "wie wir sie in der Geschichte der Republik bislang nicht kannten", ergänzte der CDU-Politiker. An eine Schuldenrückführung und Sparmaßnahmen sei erst nach einem Ende der Wirtschafts- und Finanzkrise zu denken. "Wann das schließlich sein wird, kann niemand sicher sagen", fügte Schäuble hinzu.
Der bisherige Innenminister räumte zudem ein, dass die undankbare Rolle des Finanzministers nicht sein Wunsch gewesen sei. "Ich habe keinen persönlichen Wunsch geäußert, sondern die Bundeskanzlerin hat mich gefragt, ob ich bereit wäre, das Finanzministerium zu übernehmen." Diese Aufgabe sei riesengroß. "Es ist aber auch ein Ausdruck außergewöhnlichen Vertrauens, und deshalb ist es mir eine Ehre".
Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland muss Schäuble seine Arbeit voraussichtlich mit einem Rekorddefizit starten. Die Nettokreditaufnahme des Bundes könnte im Jahr 2010 und damit im ersten von Schäuble zu verantwortenden Haushalt auf bis zu 90 Milliarden Euro steigen, hieß es aus Kreisen von Haushaltspolitikern der Koalition.
Der von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Sommer vorgelegte Haushaltsentwurf hatte neue Schulden in Höhe von 70 Milliarden Euro vorgesehen.
- Datum 26.10.2009 - 17:54 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 12
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und der Schäuble mittendrin.
Ist schon faszinierend, wie man jemanden, der nun wirklich jenseits aller Realitäten als Innenminister fungierte, nun auch noch als Finanzminister weiter sein Unheil treiben darf.
Während er vorher nur überall Terrorbomber sah, sind es sicher jetzt die vielen Einnahmequellen, die sich ihm offenbaren werden. Und anstatt einmal klar zu benennen, dass seit Kohl die CDU sich jedes Jahr saftig in den Schuldentopf gegriffen hat. ( ob mit oder ohne SPD spielt da keine Rolle, wobei auch unsere Sozis keine Hemmungen hatten, kräftig zuzugreifen )
Und während "unsere" Regierung weiter Geld ausgibt, was wir schon lange nicht mehr haben, hofft man auf ein Wunder von oben. ( Oder von sonst wo her )
Und es ist ja nicht "nur" der Bund, der sich weiter verschuldet. Landesbanken und Co lassen grüßen.
Das haben Kohl, Schröder und Merkel bereits und selbst heute hält man an den Ausdrücken dieser Bewegung gebetsartig fest und murmelt selbst im Herzen der FDP: "Wir sind solidarisch. Wir sind sozial. Wir sind eine Sozialemarktwirtschaft...."
Das haben Kohl, Schröder und Merkel bereits und selbst heute hält man an den Ausdrücken dieser Bewegung gebetsartig fest und murmelt selbst im Herzen der FDP: "Wir sind solidarisch. Wir sind sozial. Wir sind eine Sozialemarktwirtschaft...."
Das haben Kohl, Schröder und Merkel bereits und selbst heute hält man an den Ausdrücken dieser Bewegung gebetsartig fest und murmelt selbst im Herzen der FDP: "Wir sind solidarisch. Wir sind sozial. Wir sind eine Sozialemarktwirtschaft...."
dass Steuererleichterungen für die Mittelschicht nicht so recht in die Zeit passen. Ich erwarte mir davon auch keinen schlagkräftigen Beitrag zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Aber es ist nunmal jetzt erstmals seit langer Zeit (und vielleicht auch für gar nicht lange Zeit?) eine politische Konstellation eingetreten, wo der Einstieg in das gerechte und einfachere Steuersystem politisch möglich ist. Das "Zeitfenster für Veränderungen" wie es manche ausdrücken, ist geöffnet. Deshalb sollte man jetzt Nägel mit Köpfen machen.
... es mag ja sein, dass jetzt ein Zeitfenster geöffnet wurde, aber bitte, mikeberlin, halten Sie sich doch mit dem Gebrauch des Wortes 'gerecht' zurück.
Das wird in diesem neoliberalen Zusammenhang doch komplett entwertet, wenn Gerechtigkeit zu einer Gerechtigkeit der Besitzenden wird ist es keine Gerechtigkeit der gesamten Gesellschaft mehr.
Es kann einfacher werden, aber gerechter? Dazu müsste man erstmal wissen was Gerechtigkeit ist und das ist selbst nach einer bald 3000 Jahre dauernden Diskussion immer noch nicht so ganz klar.
Lieber mikeberlin,
was vestehen Sie unter gerechter und einfacher?
Ich liege mit ca. 73.000 Euro zu versteuerndem Einkommen bei gerade mal 22.0407% Steuerbelastung (Steuerbescheid 2008). Ich kann die Klagen über den geschröpften Mittelstand (wer auch immer das sein mag) bald nicht mehr hören.
... es mag ja sein, dass jetzt ein Zeitfenster geöffnet wurde, aber bitte, mikeberlin, halten Sie sich doch mit dem Gebrauch des Wortes 'gerecht' zurück.
Das wird in diesem neoliberalen Zusammenhang doch komplett entwertet, wenn Gerechtigkeit zu einer Gerechtigkeit der Besitzenden wird ist es keine Gerechtigkeit der gesamten Gesellschaft mehr.
Es kann einfacher werden, aber gerechter? Dazu müsste man erstmal wissen was Gerechtigkeit ist und das ist selbst nach einer bald 3000 Jahre dauernden Diskussion immer noch nicht so ganz klar.
Lieber mikeberlin,
was vestehen Sie unter gerechter und einfacher?
Ich liege mit ca. 73.000 Euro zu versteuerndem Einkommen bei gerade mal 22.0407% Steuerbelastung (Steuerbescheid 2008). Ich kann die Klagen über den geschröpften Mittelstand (wer auch immer das sein mag) bald nicht mehr hören.
... es mag ja sein, dass jetzt ein Zeitfenster geöffnet wurde, aber bitte, mikeberlin, halten Sie sich doch mit dem Gebrauch des Wortes 'gerecht' zurück.
Das wird in diesem neoliberalen Zusammenhang doch komplett entwertet, wenn Gerechtigkeit zu einer Gerechtigkeit der Besitzenden wird ist es keine Gerechtigkeit der gesamten Gesellschaft mehr.
Es kann einfacher werden, aber gerechter? Dazu müsste man erstmal wissen was Gerechtigkeit ist und das ist selbst nach einer bald 3000 Jahre dauernden Diskussion immer noch nicht so ganz klar.
"Dazu müsste man erstmal wissen was Gerechtigkeit ist und das ist selbst nach einer bald 3000 Jahre dauernden Diskussion immer noch nicht so ganz klar"
Ja eben, weil jeder eine andere Meinung hat, was "gerecht" ist. Ich schreibe hier meine Meinung und Sie können gerne Ihre dagegen stellen. Ich bin der Meinung, dass in den letzten Jahrzehnten eine steuerliche Gerechtigkeitslücke entstanden ist, die geschlossen werden muss. Früher zahlte man den Spitzensteuersatz, wenn man das 20-fache des Durchschnittseinkommens verdiente, heute genügt das 1,5-fache, inzwischen sind sogar gutverdienende Facharbeiter betroffen. Wie gesagt, man kann das für gerecht halten, ich sehe das nicht so.
Lieber mikeberlin,
was vestehen Sie unter gerechter und einfacher?
Ich liege mit ca. 73.000 Euro zu versteuerndem Einkommen bei gerade mal 22.0407% Steuerbelastung (Steuerbescheid 2008). Ich kann die Klagen über den geschröpften Mittelstand (wer auch immer das sein mag) bald nicht mehr hören.
Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, ich bin für eine Steuererhöhung für Besserverdienende (wer immer das sein mag, vielleicht sogar ich)!!!!
Ich möchte nicht, dass sich nur Reiche einen schwachen Staat leisten können!!!!
Wir brauchen einen starken Staat, keine Privatisierungsorgien!!!!
...dann spenden Sie doch was. Im übrigen bin ich der Meinung, dass man zur Gegenfinanzierung der Steuerreform auch gern an das Ehegattensplitting herangehen könnte, von dem Sie offensichtlich profitieren.
...dann spenden Sie doch was. Im übrigen bin ich der Meinung, dass man zur Gegenfinanzierung der Steuerreform auch gern an das Ehegattensplitting herangehen könnte, von dem Sie offensichtlich profitieren.
...dann spenden Sie doch was. Im übrigen bin ich der Meinung, dass man zur Gegenfinanzierung der Steuerreform auch gern an das Ehegattensplitting herangehen könnte, von dem Sie offensichtlich profitieren.
Ihre Bemerkung verdient volle Unterstützung. Hier wird immer noch allein die Ehe steuerlich begünstigt und nicht die Familie mit Kindern.
Eine kinderlose Ehe, bei dem der eine Partner viel verdient, der andere jedoch wenig oder nichts, profitiert durch eine erhebliche Steuerentlastung. Wann wird endlich das Familiensplitting eingeführt ?
Wer hindert die Politik daran, etwa die Angst vor dem Widerstand konservativer kirchlicher Kreise ? Das würde nicht nur zu Mehreinnahmen für den Staat führen, sondern das ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.
Ein anderes Thema:
Schäuble hat nach all den vielen Fragen, warum er denn das Amt des Finanzministers übernehme wörtlich gesagt. "Das ist eine ehrenvolle Zumutung". Bei allen Vorbehalten, was die Person betrifft,
Schäuble denkt nach, bevor er etwas sagt und das sorgt dann für Wahrheit und Klarheit. "Zumutung"...und "wir fahren ziemlich auf Sicht". Und wenn Nebel kommt ? Mit diesen Aussagen wurden alle Wahlversprechen auf Steuersenkungen, Haushaltskonsolidierung usw. zunächst aufgehoben. Auch die beschlossenen Fristen relativierte er auf "Möglichkeiten". Im Klartext: Schäuble müßte zurücktreten und das wird der Hardliner auch tun, würde man ihn bei seiner Fahrt auf Sicht die Vorfahrt nehmen.
Ihre Bemerkung verdient volle Unterstützung. Hier wird immer noch allein die Ehe steuerlich begünstigt und nicht die Familie mit Kindern.
Eine kinderlose Ehe, bei dem der eine Partner viel verdient, der andere jedoch wenig oder nichts, profitiert durch eine erhebliche Steuerentlastung. Wann wird endlich das Familiensplitting eingeführt ?
Wer hindert die Politik daran, etwa die Angst vor dem Widerstand konservativer kirchlicher Kreise ? Das würde nicht nur zu Mehreinnahmen für den Staat führen, sondern das ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.
Ein anderes Thema:
Schäuble hat nach all den vielen Fragen, warum er denn das Amt des Finanzministers übernehme wörtlich gesagt. "Das ist eine ehrenvolle Zumutung". Bei allen Vorbehalten, was die Person betrifft,
Schäuble denkt nach, bevor er etwas sagt und das sorgt dann für Wahrheit und Klarheit. "Zumutung"...und "wir fahren ziemlich auf Sicht". Und wenn Nebel kommt ? Mit diesen Aussagen wurden alle Wahlversprechen auf Steuersenkungen, Haushaltskonsolidierung usw. zunächst aufgehoben. Auch die beschlossenen Fristen relativierte er auf "Möglichkeiten". Im Klartext: Schäuble müßte zurücktreten und das wird der Hardliner auch tun, würde man ihn bei seiner Fahrt auf Sicht die Vorfahrt nehmen.
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