Schwarz-gelbe Koalition

Anfang ohne Zauber

Eigentlich hätte es für FDP und Union die Woche des großen Aufatmens werden müssen. Stattdessen wird geschwiegen und gestichelt. Szenen aus den ersten schwarz-gelben Tagen.

Manchmal huscht die Wahrheit in einem Nebensatz vorbei, und manchmal steckt sie in dem Nebensatz, der fehlt. Diesmal fällt er mitten im Trubel. Erstes Treffen der Unionsfraktion. Die frisch gewählten Grünschnäbel eilen draußen durch unbekannte Flure; zweie beäugen durch die Glasfronten auf der Fraktionsebene schon mal den künftigen Arbeitsplatz, den Plenarsaal tief unter ihnen. Die Davongekommenen strahlen. „Geschafft!“, ruft der Baden-Württemberger Andreas Schockenhoff. Die Ausgeschiedenen nehmen Abschied.

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Laurenz Meyer zeigt gefasste Wehmut, na ja, war irgendwie vorher klar, dass das nichts wird mit dem Direktmandat in Hamm-Unna II: Am Rande vom Ruhrpott is nu ma rotes Revier. Andreas Storm, der schon immer die leicht gebückte Haltung großer Menschen hatte, sieht von hinten noch gebückter aus. Der Rentenfachmann hat in Darmstadt gegen Brigitte Zypries verloren. Er ist die ärmste Sau von allen. 46 Stimmen fehlten. Die anderen flüstern sich die Zahl zu, als klebe Gift an ihr, und drücken mitleidschaudernd Storm die Hand.

Und dann ist da mitten im Gewimmel dieser kleine ältere Abgeordnete, der auf einen der Wichtigen in der Unionsfraktionsführung zustürzt, ihn am Arm packt und ihm zuwispert – aber das Wispern gerät ihm doch ziemlich laut: „Westerwelle spinnt!“ Der Wichtige guckt an dem aufgeregten Mann vorbei. „Ach ja“, sagt er, „auf der einen Seite freut man sich ...“

Wenn etwas diese neue Regierung im Werden charakterisiert, dann ist es der Halbsatz, der da fehlt. Sie haben gewonnen. Und jetzt?

Es scheint neuerdings das Schicksal deutscher Wunschkoalitionen zu sein, dass sie zu spät kommen für das, was sie verändern wollten. Rot-Grün ging es so – mindestens vier, wahrscheinlich sogar acht Jahre zu spät; der Atomkonsens roch schon nostalgisch, als er endlich unter Dach und Fach war. 2005 hätte Schwarz-Gelb in den Zeitgeist gepasst, die Koalition der großen Reformen. Stattdessen kam die große Koalition. Die war, als ob Schalke und Dortmund zusammen spielen müssen. Eine Zeit lang hat so was den Reiz des Neuen, in der Krise erwies es sich als richtig gut; aber Schalke-Fans finden Dortmunder trotzdem blöde.

Man hätte also am Wahlabend, spätestens am Montag, ein riesiges Aufatmen hören müssen. Die Unionsfraktion erinnert aber zwei Tage später immer noch eher an ein Etwas, das kollektiv die Luft anhält. Als warteten sie darauf, ob endlich mal einer das Signal zum Freuen gibt. Oder zum Aufbruch. Oder jedenfalls irgendein Signal. Die einzige Botschaft hat sich aber bisher auf den T-Shirts gefunden, die der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla noch am Wahlabend ausgeteilt hat. „Wir bleiben Kanzlerin“ steht da drauf.

Die Gemeinte hat am Wahlabend immerhin laut gesagt, dass sie sich freut. Ihr Nahestehende versichern, dass Angela Merkel sich wirklich freut. Wer sie zu sehen bekommt, kann jedenfalls bestätigen: Unzufrieden ist sie nicht. Einmal in dieser Woche wirkt Merkel sogar höchst zufrieden. Das ist der Moment kurz vor Beginn der Fraktionssitzung, in dem Horst Seehofer gemessen auf sie zuschreiten und ihr zur Begrüßung die Hand reichen muss. Merkel lächelt den großen Vorsitzenden der CSU von unten derart anhaltend und derart zuckersüß an, dass jeder sieht: Das gönnt sie sich jetzt doch mal.

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Leser-Kommentare

  1. Es ist doch klar, der Regierungswechsel wird von den Medien aufgenommen und richtig schwammig kommentiert. Es ist bisher noch nichts geschehen und trotzdem kommen schon scharfe Töne. Wenn die Koalitionsvereinbarung steht, dann sollen die Medien ihre Kommentare abgeben.
    Ich mag nur an die letzte Woche vor der Wahl erinnern. Überall wurde herumposaunt - schwarz-gelb verliert - die SPD gewinnt hinzu - und was noch alles.
    Und was war letztendlich das Ergebnis. Nur Panikmache!
    Die SPD ist halt doch an zu vielen Zeitungen in Deutschland über verdeckte Gesellschaften beteiligt. Für diese Wahl hat die Propaganda nicht gewirkt.

  2. [Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  3. Szenen einer Ehe.
    Sie küssten und sie schlugen sich.

    Demnächst in diesem Theater!

  4. und mit unverholenen Genuss der Presse immer wieder zelebrierte Thema dieses sonderlichen BBC Reporters soll.

    Da muss man auch nicht mit einem Weithergeholten Obama-Vergleich kommen, da langt es schon, wie der britische Außenminister reagieren würde, wenn ihn der Reporter der ARD auf einer internationalen Pressekonferenz bitten würde, seine Fragen in Deutsch zu beantworten.

    Aber nein, daran kann sich die deutsche Presse (mit Ausnahmen) genüsslich abarbeiten und scheut sich dabei nicht mal, darauf zu verweisen, dass man ja anderswo eigentlich gar nicht anders reagieren würde.

    Und wenn die Szene 10x mal die Runde bis in die britische Presse gemacht hat, die Briten sind auch nicht dafür bekannt, Sprachgenies zu sein.

    Im Gegenteil, Schlusslicht beim Lernen von Fremdsprachen ist Großbritannien, hier lernt über die Hälfte der Oberstufenschüler keine Fremdsprache mehr.

    Im Übrigen, hat jemals einer die sprachlichen Kompetenzen eines Steinmeier oder Fischer hinterfragt?

  5. ...mit der SPD konnte sie es ja machen wie sie wollte.

    Da kam kein echter Widerspruch mehr und im Kern war man sich einig: "Wir haben das Sagen und das ist auch gut so"

    Es kam nicht darauf an das man etwas bewegen wollte sondern das man der Beweger war.

    Jetzt ist da plötzlich die FDP, massiv gestärkt mit 14,8%, und da ist man selbst, mit 33,8%. Und ganz hinten im Kopf weiss man, man stünde wie die SPD da, mit einem Ergebnis knapp über 20%, hätte man nicht seine treuen alten Anhänger.

    Der nette Hinterbänkler denkt da wohl nicht daran, aber der Wichtige, der weiss das ganz genau.

    Und deswegen hält er die Luft an und hat Angst.

  6. was wir alles politisch noch erleben, als Aussenminister wo jedes Wort
    auf die Goldwaage gelegt wird solte man schon ueberdurchschnittlich
    englisch sprechen koennen, franzoesisch erst, oh je ! wenn man noch
    nicht einmal das Wort BIENVENU aussprechen kann stellt man seine Sprachbegabung schon zur Position, Superminister ja, Aussenminister
    bitte nicht, Dummkoepfe wie zur Zeiten KOHL's konnten notfall in BONN
    bestehen BERLIN aber ist ein paar Nummern zu gross, meine ICH.

  7. Die Verteidiger von Herrn Westerwelle dürfen sich getrost ihren Nationalismus in die Haare schmieren: Englisch ist Weltsprache, deutsch nicht. Man kann von einem Aussenminister verlangen, dass er es spricht, sonst fehlt ihm eine wichtige Fähigkeit fürs Amt. Dass die anderen Politiker nicht unbedingt viel besseres Englisch drauf haben spricht nicht für Westerwelle, sondern gegen die andern.

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    ,lieber „querzahnmolch“, und stellen anschliessend gleich mal ne Petition auf Änderung der Nationalsprache.

    Zu den Weltsprachen zählt neben Mandarin, Arabisch, Russisch, Japanisch Spanisch, Hindi und Portugiesisch (welche Frechheit) auch Deutsch.

    Falls Sie es nicht wissen, es gelten internationale Regeln, das derartige Pressekonferenzen in der jeweiligen Landessprache gehalten werden.
    Das ist in England nicht anders, wie auch in Frankreich, Russland, Spanien oder anderswo, daran ändert auch die englische Sprache nichts.

    Denn:
    „Language is the source of misunderstandings. “

    Gleich gar nicht hat das mit Nationalismus zu tun, aber bei Ihnen ist man ja wohl schon Nationalist (warum eigentlich nicht gleich Nazi?) wenn man auf solche Unsinnigkeiten hinweist ("Die Verteidiger von Herrn Westerwelle dürfen sich getrost ihren Nationalismusin die Haare schmieren"). Thats jaw-dropping! Sorry!

    „Man kann von einem Außenminister verlangen, dass er es spricht, sonst fehlt ihm eine wichtige Fähigkeit fürs Amt.“

    Ich bitte Sie, nur weil ein „Clown“ von der BBC gegen alle internationale Regeln solche Forderungen stellt, muss ich das nicht auch gutheissen.
    Was meinen Sie, was in Frankreich mit dem passiert wäre auf solch einer Konferenz?

    Daher gilt auch hier wie immer: PMIGBOM
    (Put mind in gear before openning your mouth!)

    • 02.10.2009 um 18:36 Uhr
    • sudek

    es fängt gut an ! Die, die die Truppe hochgeschrieben haben, spüren, dass da etwas schon in statu nascendi wie Knallgas zerplatzen könnte! Aber das ist wichtig für die Menschen, dass sie endlich erleben, was sie da gewählt haben!!

    [«1] http://www.youtube.com/wa...

    [«2] http://www.youtube.com/wa...

    [«3] http://www.tagesschau.de/...

    [«4] http://de.wikipedia.org/w...

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