SPD Ein Kandidat macht auf Demut
Der Generationenwechsel in der SPD ist vollzogen, jetzt wollen sich der designierte Parteichef Sigmar Gabriel und seine Generalsekretärin der Basis stellen.
Da steht Sigmar Gabriel nun also im Atrium der SPD-Zentrale. Übergroß ragt neben ihm die bronzene Willy-Brandt-Statue in die Höhe. Der legendäre ehemalige SPD-Vorsitzende wacht wie ein kollektives Über-Ich über die gedemütigte Partei und zeugt von besseren Zeiten. Jetzt soll der bisherige Bundesumweltminister in dessen Fußstapfen treten, die Brandt-Enkel in der SPD sind abgetreten, sie haben die Partei in einem denkbar schlechten Zustand hinterlassen, nun soll ein Ur-Enkel die SPD retten.
Es ist Sigmar Gabriel am Montagabend nicht anzusehen, ob er die Präsenz von Brandt als Last oder Herausforderung empfindet. Gerade hat der SPD-Vorstand den 50-Jährigen für das Amt des SPD-Vorsitzenden nominiert. Seit dem Wahlsonntag, der so schlimm verlief für seine Partei, hat Gabriel geschwiegen, jetzt spricht er wieder.
Selbstbewusst ist Gabriel, das hat er in den letzten Jahren mehr als einmal gezeigt, doch bei seinem ersten Auftritt als designierter SPD-Vorsitzender am Montag hat er sich für Demut entschieden. Er will in den kommenden Wochen zusammen mit der designierten Generalsekretärin Andrea Nahles durch das Land reisen, an der SPD-Basis "diskutieren", "zuhören", "um Vertrauen bitten". Er sei bislang nur der Kandidat, sagt Gabriel, blickt Franz Müntefering an und fährt fort: "Der Vorsitzende steht neben mir."
Doch es ist ein geschlagener und gestürzter SPD-Chef, der an diesem Abend wohl zum letzten Mal aus dem Parteivorstand berichtet. Die Debatten in der Partei hätten in den letzten Tagen "Tempo gewonnen", sagt Müntefering. Das ist eine nette Formulierung für den Putsch, der ihn gerade aus dem Amt gefegt hat. Gerne wäre der 68-Jährige noch zwei Jahre im Amt geblieben, um den politischen und personellen Übergang zu moderieren. Aber so lange wollten sich der Nachwuchs nicht mehr gedulden.
Jetzt kommt in der SPD also die junge Garde. Der Generationenwechsel, der vor vier Jahren noch am Zwist des politischen Nachwuchses scheiterte, wird vollzogen. Schon am Tag nach der Bundestagswahl haben Sigmar Gabriel, Andrea Nahles, Olaf Scholz und Klaus Wowereit zusammen gesessen und die Posten an der Spitze der Partei untereinander aufgeteilt. Viel Unmut hat es deshalb in der SPD gegeben, von "Selbstnominierung" war die Rede und von "Hinterzimmerpolitik". Gabriel verteidigt sich und seine Mitstreiter, nennt es "selbstverständlich, dass die Erstellung eines Personalvorschlages nicht im Präsidium erfolgen konnte".
Ein Hoffnungsträger ist Gabriel nicht, eher die letzte Hoffnung und Teil des letzten Aufgebotes. Die SPD liegt danieder, die Basis ist orientierungslos, die Personaldecke dünn. Alle, die noch für eine Führungsrolle in Frage kommen, wurden in das Team von Gabriel eingebunden, auch deshalb konnten die Jungen die SPD jetzt im Handstreich übernehmen. Die zukünftige Generalsekretärin heißt Andrea Nahles. Gabriels vier Stellvertreter sollen NRW-Landeschefin Hannelore Kraft, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der bisherige Arbeitsminister Olaf Scholz und Manuela Schleswig werden. Dazu kommen noch Schatzmeisterin Barbara Hendricks sowie der Europaabgeordnete Martin Schulz, für den in der engeren Parteiführung eigens das Amt des EU-Beauftragten geschaffen wird. Fein austariert wurde das Personaltableau damit zwischen links und rechts.
Trotzdem hat es in der Vorstandssitzung eine scharfe Debatte gegeben. Der linke Parteiflügel und die rechten Agenda-Anhänger gerieten aneinander, lieferten sich einen offenen Schlagabtausch. Die Partei ringt in diesen Tagen um die politische Neuorientierung und tut sich auch schwer mit dem personellen Neuanfang. Misstrauen schlägt dem neuen Führungsteam schon jetzt entgegen. Unter den Parteistrategen wächst die Angst, eine offene und öffentlich geführte Debatte mit der Basis könnte im Chaos enden.
Gabriel hat offenbar gespürt, dass sich im Vorstand etwas zusammenbraut. Als am Montagabend die Abstimmung über die neue Führungsriege ansteht, bittet er deshalb um ein geheimes Votum über seine Nominierung. Im Nachhinein erweist sich dies als kluger Schachzug, denn auch seine Mitstreiter müssen nun um eine geheime Abstimmung bitten.
- Datum 06.10.2009 - 14:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wäre Gabriel nicht der bessere Fraktionsvorsitzende gewesen?
Können Sie nicht mal was Interessantes bringem?
Meinethalben Michelle Hunziker im Minirock oder was.
Das ist auch nicht wichtig, aber wenigstens angenhem zu sehen.
Wen interessieren denn schon die Personalprobleme einer bedeutungslosen Nischenpartei?
würde ich einem der früheren Wasserträger Schröders zuhören, ja glauben können?! Einem der willfährigen Mitinitiatoren jener unsäglichen Agenda-2010, die der SPD bei der letzten Wahl fast den Genickbruch beschert hat?!
Saulus's demütige Wandlung zum Paulus? Daran mag ich net so recht glauben!
Herr Seils, ich bin enttäuscht. Andererseits in den letzten Monaten nichts anderes gewohnt. Sie mutmaßen die verunsicherte Basis. Vielleicht ist die gar nicht so verunsichert, wie sich das manche Berichterstatter zusammenträumen.
... ist denn Manuela Schleswig (sic!)? Herr Seils ist ja so richtig in der Materie drin, wie's scheint...
Sie ist schon bemerkenswert, diese Überschrift "Ein Kandidat macht auf Demut".
Hierzulande wird der Begriff Demut viel zu selten eingefordert.
Aber da ist der neue SPD Vorsitzende noch nicht mal im Amt, und schon
wird ein "er macht auf" bagatellisierend beigefügt.
Ich möchte diesen Herrn Gabriel ersteinmal ernst nehmen.
Die Harzgesetze, der Kriegseintritt, der Deutschlandplan, usw, wurden
in der SPD von "oben" verortnet.
Die Gliederungen der Partei waren in der SPD wenig gefragt.
Wenn der Neue Parteivorstand zurück zur Programmpartei findet, Demut vor dem Willen der Partei zeigt, wird sie auch wieder zur solidarischen Auseinanderstzung fähig. Dann, und nur dann, werden
neue und Alte neue Menschen Freude daran haben wieder in dieser Partei
ihre politische Gesinnung und Heimat zu finden.
Herr Gabriel hat, und das ist ein wohltuender Schritt, angekündigt
in diesem Sinne Vorsitzender zu werden.
Warten Sie mal ab. Geben Sie ihm DIE ZEIT zu machen. Nach dem Parteitag werden wir wissen ob die Mitglieder ihm glauben.
Was ich vermute. Und dann, nach 100 Tagen im Amt, werden wir sehen
wie die SPD sich durch ihre Vorstände vertreten fühlt, wie geschlossen die SPD mit dem Hauptgegner Schwarz Gelb umgeht, wie sich der Mitgliederzuwachs der SPD entwickelt, und nicht zuletzt wie sich die SPD wieder zur relevanten Kraft der Mehrheit links von CDU/CSU etablieren will.
´Er will die Basis stärker in die innerparteiliche Willensbildung einbeziehen, spricht sogar von "Urabstimmungen über inhaltliche Fragen".´
Bei der Glühbirnentötung hat er elegant ´über Bande´ gespielt und sich als bedenkenloser Undemokrat zu erkennen gegeben. Und jetzt will er plötzlich den Basisdemokraten geben?
Der Herr ist ganz offenbar ein machtlüsterner Opportunist.
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