Parteigremien Zerrissene SPD nominiert neue Führung

Die Spitzengremien der SPD haben sich für Sigmar Gabriel als neuen Parteichef ausgesprochen. Für Andrea Nahles und Klaus Wowereit gab es einen Dämpfer.

Schon vergangene Woche zeichnete es sich ab, nun wird es offiziell: Der bisherige Umweltminister Sigmar Gabriel soll die SPD künftig führen. Der frühere niedersächsische Ministerpräsident folgt Franz Müntefering nach, der nach dem Stimmen-Einbruch der SPD bei der Bundestagswahl beim nächsten Parteitag nicht wieder antreten wird. Während das SPD-Präsidium diesem Wechsel einmütig zustimmte, unterstützten im Parteivorstand in geheimer Abstimmung 28 der 36 Anwesenden die Personalie. Gabriel selbst hatte um das verdeckte Votum gebeten.

Präsidium und Vorstand nahmen auch das übrige Personalkonzept an. Im Präsidium enthielt sich die frühere hessischen SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti als einzige der Stimme. Bei der Abstimmung im Parteivorstand erhielten die Parteilinken Andrea Nahles und Klaus Wowereit einen Dämpfer. Für die designierte Generalsekretärin Andrea Nahles stimmten 24 Vorstandsmitglieder, für den künftigen Parteivize Klaus Wowereit nur 22.

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Zur Führungsriege sollen in Zukunft vier stellvertretende Vorsitzende gehören: Neben Wowereit der bisherige Arbeitsminister Olaf Scholz, NRW-Landeschefin Hannelore Kraft sowie die Gesundheitsministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig. Der Europapolitiker Martin Schulz wird in herausgehobener Funktion Beauftragter des SPD-Vorstands für EU-Angelegenheiten. Barbara Hendricks bleibt Bundesschatzmeisterin.

Sigmar Gabriel nannte das Votum des Parteivorstandes "ehrlich". Es gebe die Aufgewühltheit wieder, die derzeit in der Partei herrsche. Gemeinsam mit Nahles plant Gabriel, in den kommenden Wochen die Landes- und Bezirksverbände zu besuchen. Auf dieser "Bewerbungstour" wolle er um das Vertrauen der Basis gewinnen.Gabriel sprach von einem "Vertrauensvorschuss" durch den Parteivorstand. Die Mitglieder will er enger in die Meinungsbildung in der SPD einbinden. Daher solle es künftig in der SPD Urabstimmungen zu inhaltlichen Fragen geben.

Ein Parteitag Mitte November in Dresden soll über die neue Führung endgültig entscheiden. Stimmt der Parteitag zu, wäre der 50-jährige Gabriel der zehnte und jüngste SPD-Vorsitzende seit der ersten Wahl von Willy Brandt zum Parteichef im Jahr 1964. Im Präsidium gab es für die Neuformation der SPD-Spitze breite Unterstützung. In dem 45 Mitglieder zählenden Parteivorstand zeichnete sich jedoch auch Widerspruch ab. Partei-Linke kritisierten, dass die künftige Spitze ein kleiner Führungszirkel vorbei an den zuständigen Gremien "ausgekungelt" habe.

Wowereit hatte vor Beginn der Beratungen betont, die SPD müsse in der Opposition wieder zu eigener Stärke zurückfinden. Deshalb sei es richtig, die Kräfte der verschiedenen Parteiflügel zu bündeln.

Die Partei-Linke verlangt eine stärkere programmatische Neuausrichtung. Ansonsten werde die SPD nicht aus ihrem Tief herauskommen. In den vergangenen Tagen hatten die Vertreter der verschiedenen Lager über die Reformen der Agenda 2010, über die von Müntefering durchgesetzte Rente mit 67 und ähnliche sozialpolitische Projekte gestritten. Gabriel hingehen hält nichts davon, "das was wir in elf Jahren geleistet haben, nun über Bord zu werfen", wie er nach der Sitzung sagte. Statt dessen will er die Politik der SPD "weiterentwickeln".

Die Sozialdemokratie habe dieses Land "positiv verändert", etwa im Umweltschutz, bei der Integration von Ausländern und auch im Kampf gegen Arbeitslosigkeit. Es habe aber auch "kritische Themen" gegeben, bei denen die Partei jetzt diskutieren müsse, "was war falsch und was war schwer vermittelbar". Bei der Rente mit 67 regte er an, den Übergang dahin besser zu gestalten und darüber hinaus das Rentensystem fortzuentwickeln.

Nach Ansicht der designierten SPD-Vize Kraft darf die SPD Bündnisse mit der Linkspartei im Bund nicht mehr grundsätzlich ausschließen. In Nordrhein-Westfalen, wo im Mai nächsten Jahres gewählt wird, seien die Linken aber derzeit "nicht regierungs- und koalitionsfähig", sagte sie im WDR. Für Gabriel ist die Linkspartei im Bund "nach der Bundestagswahl von der Regierungsfähigkeit genauso weit entfernt wie vorher". Die SPD dürfe "nicht als erstes über Machtoptionen diskutieren", sondern darüber, wofür sie steht.

 
Leser-Kommentare
  1. Wer noch vor wenigen Jahren diese Namen als künftige Führungsspitze der SPD genannt hätte, wäre für verrückt erklärt worden.

    Die Personalnot der SPD ist aber inzwischen dramatisch - und die Festlegung auf Nahles und Gabriel eine Bankrotterklärung.

  2. Nie war dieser Spruch wahrer als bei diesem herrlich entlarvenden Foto von SPD-Plisch und -Plum. Köstlich, ist es nicht? Hinter diesen beiden wird die SPD den gar nicht mehr allzu langen Marsch ins Randgruppendasein bald erfolgreich hinter sich gebracht haben. Schließlich sind die beiden nicht allein, sondern erhalten tatkräftige Unterstützung von Leuten wie Steineimer und dem Realtheologen Matsch..., bei dem man immer versucht ist, das folgende "ie" durch bidlichere Wörter zu substituieren.
    Für den gegebenen Zeitpunkt empfehle ich aus Sparsamkeitsgründen http://www.der-billigbest.... Die bieten Feuerbestattungen in der Schweiz ab 400 Euro an. nun gut, für die SPD gilt dann der Steinbrück-Malus: 600 Euro ...

    • dacapo
    • 05.10.2009 um 18:40 Uhr

    Warum ist die Nominierung des Gabriel als Parteivorsitzender und der Nahles als Parteisekretärin eine Bankrotterklärung? Was spricht genau gegn diese Leute? Das sollte man schon in dem entsprechenden abfälligen Kommentar mit einflechten, sonst kann man mi solch einer Meinung nichts anfangen. Ohne Angaben von Gründen, die gegen oder für eine Nominierung sprechen, könnte man sich auch wundern, dass ein Westerwelle als Vorsitzender der FDP so viel Erfolg hat.

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    ... hahm se sich noch nich e klee bissl mit Leuten wie dem Gabriel und der Nahles, mit dem Steinmeier und dem Matsch..., bei dem man immer versucht ist, das folgende "ie" durch bidlichere Wörter zu substituieren, befasst? Nee? Dann tun se das mal, bevor se hier Erwachsene Leute, die schon wissen wern, was se saachn, krumm von der Seite her anreden. Sie erklärn doch ihrer Frau ooch nicht tächlich neu, warum se nich mehr Geld hahm, oder?. Den Schwesterwelle wer' mer ooch noch verhackstücken. "Kannste glauben!" hat der Pittiplatsch immer gesagt ;-))

    Wenn man sich einmal den politischen Lebenslauf Sigmar Gabriels anschaut, dann steht mehr als nur der Verdacht im Raum, der "Genosse der Bosse" hätte bei der Nominierung Gabriels als SPD-Parteivorsitzender seine Hände im Spiel gehabt:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Als ein Zögling Schröders etpuppt sich da Sigmar Gabriel... Hier wird Alter, schlecht schmeckender Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen versucht.

    ... hahm se sich noch nich e klee bissl mit Leuten wie dem Gabriel und der Nahles, mit dem Steinmeier und dem Matsch..., bei dem man immer versucht ist, das folgende "ie" durch bidlichere Wörter zu substituieren, befasst? Nee? Dann tun se das mal, bevor se hier Erwachsene Leute, die schon wissen wern, was se saachn, krumm von der Seite her anreden. Sie erklärn doch ihrer Frau ooch nicht tächlich neu, warum se nich mehr Geld hahm, oder?. Den Schwesterwelle wer' mer ooch noch verhackstücken. "Kannste glauben!" hat der Pittiplatsch immer gesagt ;-))

    Wenn man sich einmal den politischen Lebenslauf Sigmar Gabriels anschaut, dann steht mehr als nur der Verdacht im Raum, der "Genosse der Bosse" hätte bei der Nominierung Gabriels als SPD-Parteivorsitzender seine Hände im Spiel gehabt:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Als ein Zögling Schröders etpuppt sich da Sigmar Gabriel... Hier wird Alter, schlecht schmeckender Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen versucht.

  3. ... hahm se sich noch nich e klee bissl mit Leuten wie dem Gabriel und der Nahles, mit dem Steinmeier und dem Matsch..., bei dem man immer versucht ist, das folgende "ie" durch bidlichere Wörter zu substituieren, befasst? Nee? Dann tun se das mal, bevor se hier Erwachsene Leute, die schon wissen wern, was se saachn, krumm von der Seite her anreden. Sie erklärn doch ihrer Frau ooch nicht tächlich neu, warum se nich mehr Geld hahm, oder?. Den Schwesterwelle wer' mer ooch noch verhackstücken. "Kannste glauben!" hat der Pittiplatsch immer gesagt ;-))

  4. Es nützt nichts. Wir müssen uns mit der Riege der derzeitigen Spitzenpolitiker abfinden - das gilt für alle Parteien. Andere gibt es nicht. Gut sind sie auch. Seit Jahren sind sie bekannt. Im Fernsehen machen sie meist eine gute Figur. Rhetorisches Geschick kann man ihnen nicht absprechen. In den Printmedien werden sie wie immer kritisiert. So ist das nun mal - Ende offen. Die Spannung ist wieder erträglich geworden nach der Wahl.

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    ... die FDJ-AgitProp-Sekretärin i. R. "gut"? Richtig: Im Umsetzen des seinerzeit Gelernten unter gewandelten Umständen. Agitieren im Verborgenen. Ausspitzeln. Kontrollieren. So tun, als sei die eigene Doktrin das einzig Heilsbringende. Macht sichern. Angela Merkel, Bundeskanzel: "Es läuft eigentlich alles prima. Trotzdem brauchen wir mehr Kontrolle." - Fürwahr: "gut". Worin ist z. B. der bayerische Ministerpräsident "gut". Erkennbar nur im wohlwollenden Reagieren auf das wohlabgepolsterte Verlangen von Lobbyistengruppen: Seine einzige erinnernswerte "Tat als Bundesgesundheitsminister: Die Praxisgebühr. Seine einzige erinnernswerte "Tat" als Bay-MP: Die Auflockerung des Rauchverbots. Fürwahr: "gut". Beliebig fortsetzbar.

    ... die FDJ-AgitProp-Sekretärin i. R. "gut"? Richtig: Im Umsetzen des seinerzeit Gelernten unter gewandelten Umständen. Agitieren im Verborgenen. Ausspitzeln. Kontrollieren. So tun, als sei die eigene Doktrin das einzig Heilsbringende. Macht sichern. Angela Merkel, Bundeskanzel: "Es läuft eigentlich alles prima. Trotzdem brauchen wir mehr Kontrolle." - Fürwahr: "gut". Worin ist z. B. der bayerische Ministerpräsident "gut". Erkennbar nur im wohlwollenden Reagieren auf das wohlabgepolsterte Verlangen von Lobbyistengruppen: Seine einzige erinnernswerte "Tat als Bundesgesundheitsminister: Die Praxisgebühr. Seine einzige erinnernswerte "Tat" als Bay-MP: Die Auflockerung des Rauchverbots. Fürwahr: "gut". Beliebig fortsetzbar.

  5. ... die FDJ-AgitProp-Sekretärin i. R. "gut"? Richtig: Im Umsetzen des seinerzeit Gelernten unter gewandelten Umständen. Agitieren im Verborgenen. Ausspitzeln. Kontrollieren. So tun, als sei die eigene Doktrin das einzig Heilsbringende. Macht sichern. Angela Merkel, Bundeskanzel: "Es läuft eigentlich alles prima. Trotzdem brauchen wir mehr Kontrolle." - Fürwahr: "gut". Worin ist z. B. der bayerische Ministerpräsident "gut". Erkennbar nur im wohlwollenden Reagieren auf das wohlabgepolsterte Verlangen von Lobbyistengruppen: Seine einzige erinnernswerte "Tat als Bundesgesundheitsminister: Die Praxisgebühr. Seine einzige erinnernswerte "Tat" als Bay-MP: Die Auflockerung des Rauchverbots. Fürwahr: "gut". Beliebig fortsetzbar.

    Antwort auf "Personaldecke"
  6. Wenn man sich einmal den politischen Lebenslauf Sigmar Gabriels anschaut, dann steht mehr als nur der Verdacht im Raum, der "Genosse der Bosse" hätte bei der Nominierung Gabriels als SPD-Parteivorsitzender seine Hände im Spiel gehabt:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Als ein Zögling Schröders etpuppt sich da Sigmar Gabriel... Hier wird Alter, schlecht schmeckender Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen versucht.

    • hardob
    • 05.10.2009 um 19:43 Uhr

    so schnell mit den Urteilen. Warten wir doch ab. Und immer der Glaube, die Oben werden es richten oder auch nicht richten. Die SPD hätte derzeit selbst dann Probleme, wenn Sie jetzt Lafontane aus dem Hut zaubern würde und ihn wieder einsetzte. Die Unzufriedenheit der sog. "Basis" (des mittleren SPD-Managements, das gerade auch ein wenig Existenzsorgen plagt), die zählt mir auch noch nicht so richtig. Die SPD muss sich an Haupt und Gliedern neu besinnen, das wird ein spannender Prozess. Warum soll Gabriel da nicht der richtige Mann sein. Er wird schon zuhören können. Und er weiß wahrscheinlich wie zig andere auch, dass es so nicht weiter gehen kann. Der Muff der letzten Jahre (sind's schon Jahrzehnte?) muss mal rausgeblasen werden, der Wechsel an der Spitze ist da eher ein Randproblem.

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