Schwarz-gelbe Finanzakrobatik Dieser Wortbruch war zu erwarten
Steuersenkungen und eine Sanierung der Staatsfinanzen versprachen Union und FDP im Wahlkampf. Doch nun zeichnet sich immer deutlicher ab: Aus Letzterem wird wohl nichts.
© dpa - Bildfunk

Am Mittwoch sollen die Entscheidungen fallen: Die Generalsekretäre der künftigen schwarz-gelben Regierung während der Koalitionsverhandlungen
Während des Wahlkampfes konnte man zeitweise den Eindruck gewinnen, Union und FDP hätten ein Mittel zur Quadratur des Kreises gefunden. Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten und trotz gewaltig angestiegener Staatsverschuldung versprachen beide Parteien unverdrossen sowohl Steuersenkungen als auch eine solide Haushaltspolitik.
Die von manchem CDU-Politiker ursprünglich einmal vorgenommene vorsichtige Einschränkung, wonach die Steuern erst dann gesenkt werden könnten, wenn es für den Staat wieder zusätzliche Einnahmen gebe, war schon im Unions-Wahlprogramm hinfällig. Dort wurde, auch auf Druck der CSU, eine Steuersenkung für die neue Legislaturperiode in Aussicht gestellt – unabhängig von der Entwicklung der Einnahmen. FDP-Chef Guido Westerwelle legte sich gar fest, dass er einen Koalitionsvertrag ohne Steuersenkung nicht unterschreiben werde.
Seit Beginn der Koalitionsverhandlungen vor zwei Wochen ist allerdings endgültig für alle offensichtlich, was auch vorher schon bekannt war: Von erwartbaren Mehreinnahmen kann vorerst gar keine Rede sein. Stattdessen fehlen bis 2013 im Bundeshaushalt mindestens 30 Milliarden Euro, wobei es sich dabei noch um eine konservative Berechnung handelt. Zu tun hat dies mit der Schuldenbremse, die nicht zuletzt auf Druck der Union eingeführt wurde und das Schuldenmachen ab 2011 begrenzt. Hinzu kommen die Milliardenlöcher bei Kranken- und der Arbeitslosenversicherung.
Nichtsdestotrotz halten Union und FDP unverdrossen an ihrem Trugbild fest, Steuererleichterungen und die Sanierung der Staatsfinanzen ließen sich auch vor diesem Hintergrund vereinbarem. Und nicht nur das. Seit der Wahl haben die künftigen Regierungspartner die Zwickmühle, in die sie sich selbst gebracht haben, noch verschärft durch eine dritte Handlungsmaxime: Schwarz-Gelb will nämlich niemandem wehtun – zumindest nicht vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Frühjahr 2010. Höhere Sozialabgaben soll es deshalb ebenso wenig geben wie Leistungskürzungen und Einsparungen, mit denen die neue Regierung größere Teile der Bevölkerung gegen sich aufbringen würde.
Doch je länger die Verhandlungen dauern, desto deutlicher zeigt sich, was ohnehin zu erwarten war: Schwarz-Gelb kann nicht zaubern. Stattdessen werden sich die künftigen Koalitionäre wohl wieder einmal diverser Taschenspielertricks bedienen. Die Behauptung, dabei handele es sich um eine solide Haushaltspolitik nach dem Muster der von Angela Merkel bemühten schwäbischen Hausfrau, werden sie damit allerdings nur schwerlich aufrechterhalten können.
Um nicht allzu offensichtlich werden zu lassen, dass die geplanten Steuererleichterung mittels neuer Schulden, also auf Pump finanziert werden, ist nun beispielsweise die Einrichtung eines Schattenhaushaltes im Gespräch. Ähnlich wie bei dem zur Ankurbelung der Wirtschaft im Zuge der Krise eingerichteten Investitions- und Tilgungsfonds würde ein Fonds, aus dem die krisenbedingten Mehrausgaben der Sozialversicherungen beglichen würden, nicht den Bundeshaushalt belasten. In dem blieben dann Spielräume für die verheißenen Steuersenkungen.
In eine ähnliche Richtung zielen Überlegungen, Ausgaben aus dem kommenden Jahr durch einen weiteren Nachtragshaushalt in dieses Jahr vorzuziehen und die dadurch 2010 entstehenden "Einsparungen" entsprechend zu nutzen. Dies hätte zudem den Vorteil, dass die Neuverschuldung der kommenden Jahre niedriger ausfallen würde als 2009. Union und FDP könnten also den Eindruck erwecken, im Zuge ihrer Regierungszeit seien kontinuierlich weniger Schulden gemacht worden. All solche geplanten Operationen und Luftbuchungen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie die Schuldenlast des Staates nicht begrenzen, sondern steigern. Und die Steuerermäßigungen nicht solide finanziert werden können.
- Datum 21.10.2009 - 09:02 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 20.10.2009
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jetzt erwarte ich von den Medien, Journalistinnen und Journalisten, dass sie diese schwarz/geld(b) Wortbrecher genauso verfolgen, bis es Neuwahlen gibt!! Kein Interview mehr ohne Thematisierunbg des Wortbruchs...
Oder ist Wortbruch nicht gleich Wortbruch???
Ja natürlich ist das ein Wortbruch. Aber nicht so schlimm wie der von der Dame Ypsilanti.
Das war schon wegen der pösen Kommunisten viel viel schlimmer.
Warum soll die Presse also tätig werden und "irgendwas" anprangern ??!!
Du kennst doch bestimmt den Satz aus George Orwells "Farm der Tiere":
Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher
Ja natürlich ist das ein Wortbruch. Aber nicht so schlimm wie der von der Dame Ypsilanti.
Das war schon wegen der pösen Kommunisten viel viel schlimmer.
Warum soll die Presse also tätig werden und "irgendwas" anprangern ??!!
Du kennst doch bestimmt den Satz aus George Orwells "Farm der Tiere":
Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher
Was ist eigentlich aus dem "Versprechen" geworden, das Steuersystem radikal zu vereinfachen?
Das deutsche Steuerrecht ist meiner kürzlichen Erfahrung nach so kompliziert, dass man sich im Ausland schon darüber lustig macht... Wenn für den Rest schon kein Geld da ist ("Sag bloss!") dann könnte man ja vielleicht damit anfangen, oder?
... geht da wohl nichts mehr!
Dem Junkie noch einmal ein richtiges Pfund in die Armbeuge jagen und ihm den verachtenden Satz mitgeben "damit du den Entzug besser überstehst, mein Junge!"
Steuersenkung auf Kredit, den wir dann gaaaaaaaaaaaaanz locker über das rasant einsetzende Wachstum und die neusprudelnden Steuereinnahmen tilgen. Bloß: mit getilgtem Kredit sind wir dann erst bei dem status quo VOR Steuersenkung angekommen - bezogen auf die Staatsverschuldung. Den Vorteil geringerer Steuern, und sei es nur relativ, hat dann eine kleine Gruppe bereits inkassiert. Und wer glaubt noch die Mär, dass die Steuermehreinnahmen just durch die Gesellschaftsgruppe generiert wird, welche zuvor entlastet wurde?
Parallel dazu die lauter werdenden Stimmen der Vernünftigen lesend, die eine Abkehr vom tumben Wachstumsglauben, den immer neuen Schecks auf die Zukunft fordern. In Berlin hockt eine Truppe von urzeitlichen Handwerkern, die mit Steinaxt und Binsenfeuer pleistozäne Waren für ihre Kunden fertigt. Diese fahren mit dem Porsche an der Markthöhle vor, werfen sich für Minuten Tarnfelle über, kassieren die Geschenke und tauschen sie noch vor Tagesende gegen harte, moderne Währung ein.
dass es bei den "WAHLEN" nur um Poestchenversorgung geht, Luegner wo man hinsieht, einen auf die NUSS bei den Wahlen in NRW ist die einzige
Antwort die der "Souverain" der sogenannte Waehler geben kann, 2- oder gar 3- Klassengesellschaft erstreckt sich sogar auf den Impfschutz, ein von Herzen kommendes PFUI den Herrschaften !
ist alles was einem Wähler bleibt, der nicht fortlaufend belogen werden will und der auf alle tollen Geschenke im Sinne des Landes verzichten würde, die ja doch nicht wegen der Sache sondern um sich eunzuschleimen gemacht werden. Wenn nicht einmal mehr die bürgerlichen Parteien dafür stehen, das Füllhorn der Geschenke zu verschließen um den Staat handlungsfähig zu halten, ist die Demokratie am Ende. Wenn das Husarenstüch, das hier verhandelt wird in den Koalitionsvertrag kommt, werden alle Minister bei ihrer Vereidigung Meineide schwören.
Mir kommt das Würgen von ganz unten - mögen alle Wortbrecher an ihrem machtgeilen Populismus ersticken!!!
Das war doch eh klar, dass dieses Wahlversprechen weder gehalten werden konnte noch gehalten werden sollte. Die Parteien des "bürgerlichen Lagers" können eben nicht mit Geld umgehen, und im Vergleich zu diesen Zauberkünstlern war Per Steinbrück grundehrlich und grundsolide.
"Selber schuld!" - kann man da nur sagen.
Das war doch eh klar, dass dieses Wahlversprechen weder gehalten werden konnte noch gehalten werden sollte. Die Parteien des "bürgerlichen Lagers" können eben nicht mit Geld umgehen, und im Vergleich zu diesen Zauberkünstlern war Per Steinbrück grundehrlich und grundsolide.
"Selber schuld!" - kann man da nur sagen.
Der Wortbruch der Parteien mit den Aussagen vor der Wahl ist anzuprangern und ich erwarte von der FDP, dass sie mit erhobenen Haupt und zugunsten des Vertrauens der Wähler in die Opposition geht! Das wäre mal ein Mittel gegen Politikerverdrossenheit! So wären die nächsten Wahlerfolge, könnte man es auch so vermitteln, garantiert!
Aber: Ich möchte als studierender junger Bürger gar nicht um jeden Preis weniger Steuern zahlen! Ich möchte ein einfaches und damit gerechtes Steuersystem! Ohne hunderttausend Verordnungen und Abschreibungsregeln. Ich möchte nicht WENIGER sondern es geht um das WIE!!! Siehe Kirchhof: Der Bürger muss das System verstehen, es muss transparent sein und ohne riesige Bürokratie, die massenhaft (weil keine umfassende Ahnung) normale Steuerbescheide verschickt und es ermöglicht, das sehr vermögende Personen mittels großer Kanzleien das Beste herausholen können!
Das wäre ein Erfolg! Dann müsste nicht jeder WISO kaufen und der Bierdeckel scheint greifbar!
ein einfacheres Steuersystem, das jeder versteht, würde zur Transparenz beitragen, sondern auch auf längerfristige Sicht auch dazu, den nicht ganz so guten Ruf unserer Politiker wieder zu rehabilitieren. Steuern zahlen: ja. Aber es muß klar sein, wie sie sich zusammensetzen und wohin sie fließen bzw. verwendet werden.
ein einfacheres Steuersystem, das jeder versteht, würde zur Transparenz beitragen, sondern auch auf längerfristige Sicht auch dazu, den nicht ganz so guten Ruf unserer Politiker wieder zu rehabilitieren. Steuern zahlen: ja. Aber es muß klar sein, wie sie sich zusammensetzen und wohin sie fließen bzw. verwendet werden.
stehen immer Wähler gegenüber, die diese Lügen glauben.
Und wenn Lügen die Voraussetzung sind, um eine Wahl zu gewinnen, werden die Wähler eben weiter belogen.
Wundert mich nur, dass unsere großen neoliberalen Wirtschaftsexperten offensichtlich nicht mal die Grundrechenarten beherrschen.
...nennt man das wohl. Denn wenn Wähler weiß er wird sowieso angelogen, kann er auch gleich die Partei mit den schönsten Lügen wählen, nicht? Lügen ja eh alle. Also ist der belogene Wähler damit defakto genauso unschuldig wie der zwangsweise Lügner.
Und was ist das Fazit?: repräsentative Demokratie funktioniert nicht! Zumindest nicht mit einem normalen Volk, denn es ist nirgendwo auf der Welt besser. Man muss also nur einen Schritt weiter denken und man hat die Sache durchschaut, vielleicht sollten wir von "real existierender Demokratie" reden, wenn wir von diesem System sprechen. Würde irgendwie passen.
...nennt man das wohl. Denn wenn Wähler weiß er wird sowieso angelogen, kann er auch gleich die Partei mit den schönsten Lügen wählen, nicht? Lügen ja eh alle. Also ist der belogene Wähler damit defakto genauso unschuldig wie der zwangsweise Lügner.
Und was ist das Fazit?: repräsentative Demokratie funktioniert nicht! Zumindest nicht mit einem normalen Volk, denn es ist nirgendwo auf der Welt besser. Man muss also nur einen Schritt weiter denken und man hat die Sache durchschaut, vielleicht sollten wir von "real existierender Demokratie" reden, wenn wir von diesem System sprechen. Würde irgendwie passen.
... aber:
1. hat *jeder* gewusst, dass bewusst nicht Einhaltbare Versprechungen gemacht wurde.
2. war es abzusehen, dass zuerst die Industrie entlastet wird -- und erst wenn die zufrieden ist, kümmert man sich um den Bürger.
3. Schattenhaushalt? Klasse! Wenn ein Unternehmer einen Schattenhaushalt führt, rasseln die Handschellen. Aber so kann der Staat natürlich auch halbwegs vorzeigbare Finanzen produzieren. Wobei interessant wäre, wieviel Verbindlichkeiten schon jetzt vertuscht werden. Deutsche Einheit, "Rettungsschirm", ...
Alles Gute
Kai Hamann
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