Verkürzter Wehrdienst Zivildienst mutiert zum SozialpraktikumSeite 2/2
Günter Knebel, der Geschäftsführer der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer, findet das alles nicht so schlimm. "Die Dienststellen sollten froh sein, dass ihnen die Jungs überhaupt noch sechs Monate zur Verfügung stehen." Eine Verkürzung des Zivildienstes werde auf den Sozialbereich kaum eine Auswirkung haben. Vorausgesetzt, Politik und Wohlfahrtsverbände treffen geeignete Maßnahmen.
Eine Lösung könnte die freiwillige Verlängerung des Grundwehrdienstes sein. So hatte es Helga Roesgen, die Präsidentin des Bundesamtes für den Zivildienst, 2006 vorgeschlagen. Ob der Vorschlag ein weiteres Mal geprüft wird, bleibt abzuwarten.
Fest steht: Die Wohlfahrtsverbände müssen sich nach Alternativen zu den Zivildienstleistenden umsehen. Sonst wird der Spielenachmittag im Seniorenheim künftig ausfallen oder zum teuren Vergnügen für die Pflegebedürftigen. Ehrenamtliche, angelernte Hilfskräfte und "FSJler" könnten helfen.
Das Interesse am Freiwilligen Sozialen Jahr ist groß, besonders das der weiblichen Jugendlichen. Während es ein Überangebot an Zivildienststellen gibt, kommen auf jede FSJ-Stellen durchschnittlich bis zu drei Bewerber. Junge Männer, die ersatzweise für den Zivildienst ein Freiwilliges Soziales, Kulturelles oder Ökologisches Jahr absolvieren, müssen mindestens zwei Monate länger als Zivildienstleistende arbeiten und werden nicht vom Staat, sondern vom Träger selbst entlohnt. Der erstattet Fahrtkosten, zahlt ein Taschengeld, Verpflegung und Unterkunft – ein Betrag, weit unter dem staatlichen Sold des Zivildienstleistenden.
Ähnlich verhält es sich mit dem sogenannten "Anderen Dienst im Ausland". Auf diesem Weg engagieren sich jährlich zirka 1100 junge Männer für soziale Projekte im Ausland. Künftige Helfer dürften von der Dienstzeitverkürzung kaum betroffen sein. "Bleibt es bei der bestehenden Regelung, reduziert sich die Pflichtzeit auf acht Monate, was nicht heißen muss, dass die jungen Männer bereits nach eben dieser Zeit die Heimreise antreten", erklärt Jens Kreuter, der Bundesbeauftragte für den Zivildienst, ZEIT ONLINE.
Welche Folgen die mögliche Verkürzung der Dienstzeit indes für den Zivildienst hat, möchte er nicht beurteilen. Er habe mit ihnen zu leben und Rahmenbedingungen zu schaffen. Damit wird er, setzt die neue Koalition ihre Pläne in die Tat um, ohnehin genug zu tun haben.
- Datum 03.11.2009 - 12:53 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Man führe ungefähr die Steuersätze von 1980 wieder ein -- und schon hat die öffentliche Hand Geld für zigtausende *sinnvolle*, ordentlich bezahlte Arbeitsplätze.
Ach nein, geht ja nicht, die Reichen brauchen ja mehr Geld.
Also doch weiter Sklaverei ("Dienstpflicht").
Die "Sozialverbände" haben lange genug mit Zwangsarbeit Kasse gemacht. Das hat jetzt ein Ende und das ist gut so!
Ich war selbst Zivi, ist aber schon länger her, damals gab's noch Wehrgerechtigkeit, und Ausmustern war noch nicht so einfach. Als Zivi ist man nicht nur Arschputzer, nein, man kostet den Träger auch überhaupt nichts, und wird deshalb als Lohndrücker eingesetzt, schließlich ist man ja ein billiger Zwangsarbeiter. Kein Wunder, dass die Träger am liebsten Zivis nehmen, und sich die Mädels um die Stellen für's freiwillige soziale Jahr prügeln müssen (dabei ist auch das ein Job mit asozial niedrigem Lohn). Kassiert hat der Träger für die Leistungen des Zivis übrigens trotzdem erheblich: Für jedes Blutdruckmessen bei Privatpatienten z.B. 10DM.
Wie man über den Umweg Zivi einen sozialen Arbeitsplatz schmackhaft gemacht bekommt, ist mir auch unklar - mich hat das eher abgeschreckt, und wie mir ging es vielen anderen Zivis auch.
Schade, dass sich die FDP nur teilweise durchgesetzt hat, und der Unsinn Wehrpflicht nicht gleich ganz abgeschafft wird - oder zumindest ausgesetzt, denn im Moment stören die Wehrpflichtigen auch bei der Bundeswehr mehr als sie nützen. Stehlt den jungen Leuten kein halbes Jahr.
Einfach Zivildienst bzw. Bundeswehr auch für Frauen verpflichtend machen, und - schwupps! - schon ist das Problem gelöst und die Welt ein bisschen gleichberechtigter.
... denn mit nur 6 Monaten Zivildienst verliert man wenigstens nur ein Semester. Nach 13 Jahren Schule und 9 Monaten Zivildienst bin ich nun mit 20 im ersten Semester, während viele Kollegen von mir aus Bundesländern mit einem 12jährigen Schulsystem kommen und sich vor Wehrdienst/Zivildienst gedrückt haben und so erst 18 sind.
Sicher hat mir der Zivildienst nicht geschadet, zumal ich im Krankenhaus mehr Sachen machen durfte als die normalen Schwesternschüler, trotzdem ist es schade um die zwei verlorenen Semester. Da ich Medizin studiere hätte ich dem Gesundheitssystem wohl als Arzt mehr geholfen, als als Zivildienstleistender.
Im Prinzip ist der Zivildienst aber eine vernünftige Institution und jeder der später im Alter gepflegt werden möchte, sollte mindestens einmal ein Pflegepraktikum geleistet haben, das öffnet einem schon sehr die Augen (z.B. sind Krankenschwestern NICHT, wie viele Patienten glauben, nur am Kaffee trinken, sondern haben im Krankenhaus so etwa den schwersten Job).
Zivildienst sollten ALLE leisten, Männer und Frauen und man sollte sich auch nicht befreien können... Was hat beispielsweise eine Bienenstich- oder Sojaallergie mit der Arbeit im Krankenhaus zu tun?
"...denn mit nur 6 Monaten Zivildienst verliert man wenigstens nur ein Semester."
...denn an vielen Hochschulen bzw. Studiengängen kann das Studium nach wie vor nur im Wintersemester begonnen werden. Wenn man dann Anfang April entlassen wird, muss man trotzdem bis Oktober warten.
Man kann höchstens die Zeit bis dahin sinnvoller nutzen...
"...denn mit nur 6 Monaten Zivildienst verliert man wenigstens nur ein Semester."
...denn an vielen Hochschulen bzw. Studiengängen kann das Studium nach wie vor nur im Wintersemester begonnen werden. Wenn man dann Anfang April entlassen wird, muss man trotzdem bis Oktober warten.
Man kann höchstens die Zeit bis dahin sinnvoller nutzen...
Man kann ja sagen was man will, aber ungerecht ist diese ganze Wehrpflichgeschichte von vorne bis hinten. Alleine dafür gehören CDU/CSU schon nicht gewählt. Jetzt machen aber auch die mal zumindest einen Schritt in die richtige Richtung, da wird bedauert, dass es nicht mehr genug Zivis gibt. Aber nach wie vor interessiert sich niemand dafür, dass man uns immer noch 6 Monate klauen will. Gerade genug um den Semesteranfang zu verpassen. Super.
Mag auch sein, dass es viele Jugendliche gibt, die gerne ein Jahr überbrücken wollen, was ja die hohen FSJ-Anfragen von Frauen auszusagen scheinen. Wobei wir da wieder bei der Lösung der Gleichberechtigung wären, wenn es einfach beide Geschlechter machen müssten. Trotzdem ist der Zivildienst, der ja eigentlich nur eine Ausnahmeregelung für pazifistische junge Menschen ist, eine altmodische, teure und bescheurte Pflicht.
Ich bin zur Zeit selbst Zivi. Ich finde es zwar nicht toll, dass es das überhaupt gibt, aber mit der Idee etwas soziales/ökoligisches oder kulturelles für das Vaterland zu tun kann ich durchaus leben. Aber ungerecht und alt bleibt auch ungerecht und alt wenn man es um ein Drittel küzt. Und die Diskussion über die fehlende Ware "Zivi" machts nicht besser...
Einfach Zivildienst bzw. Bundeswehr auch für Frauen verpflichtend machen, und - schwupps! - schon ist das Problem gelöst und die Welt ein bisschen gleichberechtigter.
Noch besser, Berufsarmee und Zivildienst 12 Monate für beide Geschlechter. FSJ könnte man dann abschaffen.
Offiziell darf kein 1-Euro Jobber einen regulären Arbeitsplatz besetzen. Inoffiziell tut er es doch. Der Hartz IV-ler, ein wichtiger Teil des Sozialsystems.
Wer fragt in diesem System noch nach Gerechtigkeit?
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