Tanklaster-Bombardement Bundesanwaltschaft soll wegen umstrittenen Luftangriffs ermitteln

Die Staatsanwaltschaft Dresden gibt den Fall des deutschen Luftangriffs nahe Kundus nach Karlsruhe ab. Die Bundesanwaltschaft soll den Befehl von Oberst Klein bewerten.

Der Luftangriff vom 4. September ist umstritten. Bei dem Bombardement sollen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben gekommen sein

Der Luftangriff vom 4. September ist umstritten. Bei dem Bombardement sollen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben gekommen sein

Nach dem umstrittenen Luftangriff auf zwei Tanklastwagen nahe Kundus soll auf höchster Ebene über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens entschieden werden. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wird sich mit den möglichen strafrechtlichen Konsequenzen wegen des Bombardements mit bis zu 142 Toten in Afghanistan beschäftigen müssen. Die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft gab am Freitag die Prüfungen an den obersten Ermittler in der Bundesrepublik ab.

Nach Ansicht der Dresdner Behörde müsse sich nun der Generalbundesanwalt mit der Frage beschäftigen, ob der von dem Bundeswehr-Oberst Georg Klein am 4. September angeordnete Angriff auf die Tanklastwagen im Sinne des Völkerstrafrechts zulässig war. Die Bundesanwaltschaft solle den Angriff "unter dem rechtlichen Gesichtspunkt der völkerstrafrechtlichen Zulässigkeit des Militäreinsatzes" prüfen, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden.

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Die Dresdner Ermittler schließen nicht aus, dass sich in Afghanistan derzeit ein bewaffneter Konflikt im Sinne des Völkerstrafgesetzbuches ereignet. Mit diesem könnte der Luftangriff in Zusammenhang stehen. Wenn es sich tatsächlich um einen solchen bewaffneten Konflikt handele, würde dies, so die sächsische Behörde, nicht nur zur Anwendung des Völkerstrafgesetzbuches führen, sondern auch zu den Regeln des humanitären Völkerrechts. In diesem Fall könnten völkerrechtskonforme Militäreinsätze innerhalb des Mandats der Vereinten Nationen grundsätzlich gerechtfertigt sein.

In einer ersten Reaktion gab die Bundesanwaltschaft bekannt, dass sie bislang keine Anhaltspunkte für eine Straftat sähe. Nach einer vorläufigen Bewertung der allgemein zugänglichen Quellen ergäben sich keine Hinweise auf eine Straftat nach dem Völkerstrafgesetzbuch, erklärte die Behörde am Freitag in Karlsruhe. Die Bundesanwälte würden nun allerdings auch den Nato-Untersuchungsbericht zu dem Vorfall auf die Frage prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren gegen deutsche Soldaten eingeleitet werden müsse.

Überblick

Im Kalten Krieg war Afghanistan ein wichtiger Stellvertreterkonflikt, der sich in den 1990er Jahren zu einem brutalen Bürgerkrieg entwickelte. Ab 1996 gewannen die paschtunisch-islamistischen Taliban die Überhand und errichteten eine fundamentalistische Diktatur. Besonders Frauen wurden unterdrückt.

Die Taliban gewährten der Terror-Organisation al-Qaida Unterschlupf, auch nach deren Anschlag auf das World Trade Center im September 2001. Damit lösten sie eine Invasion der USA und ihrer Verbündeten aus. Nach wenigen Wochen war das Regime der Taliban beseitigt.

Auf der Petersberg-Konferenz einigten sich Vertreter aus Afghanistan und internationale Politiker auf einen Fahrplan zum Wiederaufbau und zur Demokratisierung des Landes, das durch mehr als 25 Jahre Krieg zerstörten Landes. Die Unterstützung dieses Prozesses durch die internationale Gemeinschaft erfolgt zwar durch zahlreichen Organisationen, ist aber zu gering und folgt keiner gemeinsamen Strategie.

Obwohl einige Fortschritte erzielt werden konnten, hält der Widerstand gegen die neue Regierung und die internationalen Truppen an. Seit 2006 hat sich die Sicherheitslage erheblich verschlechtert. In Mai 2008 starben erstmals mehr US-Soldaten in Afghanistan als im Irak.

Aktuelles

Bis 2004 galt Afghanistan als Beispiel für erfolgreiches "Nation-Building". Doch die Taliban wurden weder ganz besiegt noch in das neue Afghanistan integriert. Der Wiederaufbau ging nur langsam voran, auch weil die verschiedenen internationalen Akteure sich blockieren. Die soziale Situation vieler Afghanen verbesserte sich nicht so wie erhofft. Der Kampf gegen die Taliban brachte zudem nicht deren Niederlage, sondern zahlreiche zivile Opfer (sogenannte "Kollateralschäden").

Ende 2008 kontrollieren die Taliban ungefähr 70 Prozent des Landes (Ende 2007: ca. 50%), vor allem im Süden und Osten des Landes. Dort liegen auch die wichtigsten Mohn-Anbauflächen, aus denen Opium und Heroin gewonnen wird. Mehr als 90 Prozent dieser Drogen stammte 2008 aus Afghanistan.

Kurz nach Amtsantritt Obamas wurden die US-Truppen im März 2009 von 33.000 auf 68.000 aufgestockt. Im November plante Obama eine Truppenverstärkung um weitere 30.000 Soldaten.

Zunehmend gerät auch die afghanische Regierung in die Kritik: Sie sei ineffizient und tue zu wenig gegen Korruption und Drogenhandel. In Afghanistan steigt hingegen der Unmut über das erfolglose Handeln der internationalen Akteure.

OEF (USA+Alliierte)

Die militärische Antwort der USA auf die Anschläge vom 11. September 2001 wurde Operation Enduring Freedom (OEF) getauft. Das Ziel der Operation ist, die verantwortlichen Terroristen zu fassen und zu verhindern, dass terroristische Organisationen von Afghanistan aus Anschläge planen können. Am 7. Oktober 2001 begann der Angriff auf die Taliban. Nach der Eroberung Kandahars im Dezember 2001 kontrollierten die Taliban keine größere Stadt mehr. Sie zogen sich in ländliche Bergregionen zurück und konnten von OEF-Einheiten nicht entscheidend besiegt werden.

Die OEF wird von den USA kommandiert. Die Strategie der USA war, lokale Verbündete die Hauptlast der Kämpfe tragen zu lassen und möglichst wenig eigene Truppen einzusetzen. Man verbündete sich mit der afghanischen Nord-Allianz, einer losen Sammelbewegung zumeist nicht-paschtunischer Milizen. So konnte das Taliban-Regime ohne den Einsatz von vielen Bodentruppen gestürzt werden. Über Menschenrechtsverletzungen und Korruption der Verbündeten wurde hinweggesehen.

Die in Afghanistan stationierten Nato-Truppen haben nach und nach die OEF-Einheiten abgelöst. Seit Ende 2006 ist nominell nur noch die Nato für Afghanistan verantwortlich. Ungefähr 8.000 US-Soldaten operieren aber weiterhin im Rahmen der OEF in der Terrorismusbekämpfung.

Unama (UN-Mission)

Zur Koordination der wirtschaftichen und politischen Wiederaufbaumaßnahmen wurde Anfang 2002 eine UN-Mission für Afghanistan eingerichtet. Sie soll die afghanische Regierung dabei unterstützten, den afghanischen Staatsapparat aufzubauen. Die Unama (United Nations Assistance Mission to Afghanistan) ist eine zivile Mission: Es sind keine UN-Soldaten im Land, auch die Isaf untersteht nicht der UN.

Zusätzlich zu der Beratung der afghanischen Regierung soll die Unama die verschiedenen uni- und bilateralen Wiederaufbaumaßnahmen der internationalen Gemeinschaft und der verschiedenen UN-Organisationen koordinieren. Zurzeit leitet der Norwege Kai Eide die Unama.

Es ist schwer abzuschätzen, wie einflussreich die Unama ist. Ihre Vertreter sitzen in fast allen Gremien, verfügen aber über wenig Druckmittel. Zudem ist die Personaldecke zu dünn, um den breiten Auftrag der Unama effektiv auszufüllen.

Isaf (Nato)

Am 20. Dezember 2001 rief der UN-Sicherheitsrat die International Security Assistance Force (Isaf) ins Leben. Ihre Aufgabe war zunächst, für die Sicherheit in Kabul zu sorgen und so der afghanischen Übergangsregierung zu helfen. Im August 2003 übernahm die Nato das Kommando der Isaf. Das Operationsgebiet der Isaf vergrößerte sich anschließend phasenweise auf ganz Afghanistan (Ende 2006). Zurzeit sind mehr als 55.000 Soldaten unter Isaf-Befehl in Afghanistan stationiert.

Die Isaf soll Zivilisten und Wiederaufbauprojekte beschützen. Sie bekämpft mitunter aber auch direkt Aufständische. Viele truppenstellende Länder haben eingeschränkt, wie ihre Truppen verwendet werden dürfen. Deutsche Soldaten dürfen z.B. nicht an Kampfeinsätzen teilnehmen. Solche Einschränkungen lassen keine einheitliche Strategie im Kampf gegen die Aufständischen zu.

Wie den OEF-Einheiten wird auch der Isaf vorgeworfen, zu wenig Rücksicht auf Zivilisten zu nehmen. Annähernd 100 Zivilisten sind 2008 von Isaf-Soldaten getötet worden.

Taliban

Die Taliban sind radikale Fundamentalisten, deren Milizen 1996 die Kontrolle über Afghanistan errungen hatten. Nach ihrer Niederlage gegen OEF-Einheiten und die afghanische Nord-Allianz Ende 2001 zogen sich die Taliban aufs Land und nach Pakistan zurück. Direkten Gefechten weichen sie aus und destabilisieren das Land durch Anschläge und Guerilla-Aktivitäten. Die Taliban sind vor allem in den Gebieten mit paschtunischer Bevölkerung aktiv. In den letzten Jahren haben die Taliban ihre Einflusssphäre ausgeweitet.

Sie präsentieren sich zunehmend als afghanische Alternative zur Regierung in Kabul, die sie als Marionette des Westens darstellen. Die restriktiven Normen der Taliban werden nicht von der Mehrheit der Bevölkerung geteilt. Doch verglichen mit der als korrupt und inkompetent wahrgenommenen Politikergeneration, in der viele ehemalige Warlords vertreten sind, gelten die Taliban vielen Afghanen im Süden und Osten des Landes als das kleinere Übel.

Viele Basen und Trainingslager der Taliban befinden sich in Pakistan. Es gilt als sicher, dass die Taliban den blühenden Drogenhandel wenigstens zum Teil kontrollieren und sich so finanzieren.

PRTs

Um schnell den Wiederaufbau beginnen zu können, hat das US-Militär sogenannte Provincial Reconstruction Teams (PRTs) nach dem Ende der konkreten Kampfhandlungen gebildet. PRTs bestehen aus mehreren hundert Soldaten und einigen zivilen Technikern und Helfern. Sie sollen weniger kämpfen, als Wiederaufbauprojekte vor Ort beschützen und eigene Projekte durchführen. Zudem sollen sie Kontakt zur lokalen Bevölkerung herstellen und Aufklärung betreiben.

PRTs waren ursprünglich im Rahmen der OEF aktiv, wurden aber bis Oktober 2006 nach und nach in die Isaf eingegliedert. Es gibt zurzeit 26 PRTs in Afghanistan. Jedes PRTs ist einer Lead-Nation zugeordnet. Deutschland unterhält drei PRTs im Norden Afghanistans: in Mazar-i-Sharif, Fayzabad und Kunduz.

Aufgrund dieser nationalen Kommandostruktur gibt es keine einheitliche PRT-Strategie. Fast jeder Staat verfolgt mit seinen PRTs andere Ansätze. Grundsätzlich gelten PRTs aber als erfolgreiches Instrument, das deswegen auch im Irak eingesetzt wird.

Pakistan

Pakistan ist der östliche Nachbar Afghanistans. Die mehr als 2600 Kilometer lange Grenze verläuft im nördlichen Teil durch die paschtunischen Stammesgebiete. Weil dort weder der afghanische noch der pakistanische Staat die Grenze überwachen kann, hat sie im täglichen Leben der Bevölkerung wenig Bedeutung.

Pakistans politische und militärische Elite sieht ein stabiles Afghanistan als potentielle Bedrohung und hat deswegen an einem erfolgreichen Wiederaufbauprozess wenig Interesse.

Pakistans Geheimdienst ISI hat die Taliban seit je her unterstützt und wahrscheinlich auch mit al-Qaida zusammengearbeitet. Obwohl Pakistan zu den Verbündeten der USA im Kampf gegen der Terror zählt, können die Taliban im Nord-Westen Pakistans recht ungestört operieren. Die US-Armee hat mehrfach Taliban-Stellungen in Pakistan ohne Zustimmung der Regierung angegriffen.

Erst im Winter 2008 hat Pakistan eine Militäroffensive gegen Taliban in den Gebieten entlang der Durand-Linie gegonnen. Allein in der Provinz Swat kämpfen 15.000 Soldaten gegen mindestens 5.000 Taliban, bislang ohne Erfolg.

Opiumanbau

Nach UN-Angaben stammten 2008 ungefähr 95 Prozent des weltweit produzierten Opiums aus Afghanistan. Ungefähr jeder Zehnte Afghane ist am Opiumanbau beteiligt. Die Anbauflächen befinden sich vor allem im Süden und Westen des Landes. Taliban und andere Aufständische kontrollieren den Drogenhandel und erwirtschaften so mindestens 500 Millionen Dollar pro Jahr.

Zwar verurteilt die Mehrheit der Afghanen den Anbau von Opium, doch sowohl aus klimatischen als auch infrastrukturellen Gründen bietet sich die Mohn-Pflanze als Anbaupflanze an. Zudem ist der Gewinn aus Opium-Anbau pro Hektar fast dreimal so hoch wie der Gewinn aus Weizen.

Ethnizität

Als Afghanistan im 18. Jahrhundert Gestalt annahm, war es vor allem das Königreich der Paschtunen, einer indo-europäischen Bevölkerungsgruppe. Die Paschtunen, die vor allem im Süden und Osten des Landes wohnen, stellten sowohl den König als auch die militärische Elite. Die paschtunische Dominanz in Afghanistan endete erst mit dem Einmarsch der sowjetischen Armee 1979. Heute gibt es ungefähr 40 Millionen Paschtunen, die sich auf Afghanistan und Pakistan verteilen.

Es gibt noch zahlreiche andere ethnische Gruppen in Afghanistan, wie Hazara, Tadschiken, Turkmenen oder Nuristanis. Aus der Perspektive des an westliche Nationalstaaten gewöhnten Beobachters ist häufig überraschend, dass es kaum ethnisch motivierten Separatismus in Afghanistan gibt. Die Afghanen sind sich über alle ethnische Grenzen hinweg einig, dass die Unabhängigkeit und Souveränität Afghanistans unbedingt erhaltenswert ist.

Die Bundeswehr war wegen des Luftangriffs auf zwei von den Taliban entführte Tanklaster in die Kritik geraten. US-Kampfjets hatten am 4. September auf Anordnung des deutschen Kommandeurs Georg Klein in der nordafghanischen Region Kundus zwei Tanklastzüge bombardiert, die zuvor von Taliban gekapert worden und in einem Flussbett stecken geblieben waren. Einer Untersuchung der afghanischen Regierung zufolge kamen dabei neben 69 Taliban auch 30 Zivilisten ums Leben, die Benzin aus den Tanks zapften.

Am Freitag will Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Bundestag über seine Bewertung des geheimen Nato-Berichts informieren. Er lud die Fraktionschefs für den frühen Nachmittag ins Ministerium ein. Der Bericht beschäftigt sich ausführlich mit den Ereignissen des 4. September.

 
Leser-Kommentare
  1. Es hat wohl niemand der Verantwortlichen realisiert, dass in Afghanistan Krieg herrscht. Jetzt jemanden für eine Handlung verantwortlich zu machen, die unter den gegebenen Umständen nicht anders möglich war, ist unglaublich. Wenn Herr Klein verurteilt wird bedeutet das eine Lähmung aller zukünftigen Handlungen, auch wenn diese notwendig sein sollten.

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    • susanB
    • 06.11.2009 um 11:48 Uhr

    ...da haben wir uns wohl überschnitten. Ich bin froh zu lesen, dass ich mit meiner Meinung nicht allein bin!

    • susanB
    • 06.11.2009 um 11:48 Uhr

    ...da haben wir uns wohl überschnitten. Ich bin froh zu lesen, dass ich mit meiner Meinung nicht allein bin!

    • susanB
    • 06.11.2009 um 11:45 Uhr

    Ich finde es wirklich unglaublich, was da gerade um Oberst Georg Klein herum passiert.
    Wenn man Leute in Kriegseinsätze schickt (egal ob man das als "Friedenseinsatz" oder sonstwie beschönigt- es ist Krieg) muss man damit rechnen, dass die Soldaten in schwierige Entscheidungssituationen kommen und auf die Schnelle nicht immer die Entscheidung treffen, die wir auf die Entfernung viellt. als die "richtige" ansehen.
    Diese soldaten setzen sich dort unten mit ihrem Leben ein! Sie sind nicht fehlerfrei, sie stehen in solchen Situationen unter enormem Druck und ein Kommandant wie Oberst Klein hat die Verantwortung für die ihm unterstellten Soldaten und deren Leben.
    Und nun soll über ihn gerichtet werden, von Menschen die nicht in Afghanistan waren, die niemals im Krieg waren und niemals in einer solch verworrenen Situation steckten.
    Der Mann tut mir so leid, ich kann das gar nicht in Worte fassen. Er hat sein Leben dort eingesetzt, versucht seine Männer zu schützen und sicher nicht leichtfertig entschieden. Aber er ist nunmal auch ein Mensch, ein Mensch dem Fehler passieren, und im Krieg können solche Fehler verhängnisvoll sein. Hätte er anders entschieden und es wäre zu einem Anschlag gekommen, dann wäre er auch der Dumme...
    Ich hoffe sehr, dass man in Karlsruhe erkennt, dass der Grad zwischen richtig und falsch, zwischen Leben und Tod, zwischen Mörder und Held im Krieg zu schmal ist um im Fall Klein eine Schuld zuweisen zu können.

    • susanB
    • 06.11.2009 um 11:48 Uhr

    ...da haben wir uns wohl überschnitten. Ich bin froh zu lesen, dass ich mit meiner Meinung nicht allein bin!

    Antwort auf "Unglaublich"
  2. ...aber mach mich nicht nass!

    Das sind doch eigentlich ganz vernünftige Entwicklungen.

    Es wäre sehr vorteilhaft, wenn mögliches Fehlverhalten unserer Soldaten im Einsatz nicht mehr von willkürlich erscheinend zufällig zuständigen Feld- Wald- und Wiesen Staatsanwaltschaften geahndet wird, sondern zentralisiert von einer Staatsanwaltschaft, die sich dann entsprechend professionalisieren kann. Wenn das die Bundesanwaltschaft sein soll, ist das auch OK. Hautsache es wird gebündelt.

    Dann ist die juristische Klärung der Frage, ob Krieg herrscht oder nicht sehr sinnvoll.

    Herrscht auch juristisch Krieg in Afghanistan, wovon auszugehen ist, wir sind dort unten aufgrund des erklärten Verteidigungsfalls gem. Art. 5 Nato- Vertrag, dann gilt auch der entsprechende Rechtsrahmen. Der Befehl von Oberst Klein wäre rechtmäßig, eine möglicherweise bewusste Akzeptanz von Kollateralschäden im Rahmen eines Abwägungsprozesses auch.

    Krieg führen, ohne es Krieg zu nennen, geht nun mal nicht.

    In jedem Fall wird die Politik gezwungen, für Klarheit zu sorgen. Der gegenwärtige politische Eiertanz auf dem Rücken unserer Soldaten ist unerträglich.

    • ADoria
    • 06.11.2009 um 12:27 Uhr

    … wohl jetzt ihr größtes Meisterwerk in Sachen Feigheit, Verrat und Charakterlosigkeit ab. Die Feststellung, dass sich in Afghanistan möglicherweise ein bewaffneter Konflikt im Sinne eines Gesetzbuches ereignet, ist entweder surreal oder krank oder pervers.
    Dass die Dinge sich dermaßen verbiegen, liegt an den Regierungen, den bisherigen Verteidigungsministern und den Kanzlern, die in endlosen Scharaden und Winkelzügen sich aus ihrer Verantwortung winden. Soviel zum Thema: Robustes Mandat. Scharping, Struck, Jung und auch das Laminarprofil gehörten eigentlich anstelle des Offiziers vor Gericht. Sie sind für die Situation verantwortlich.

  3. ...ist schon seit jeher das Lieblingsspiel der Mächtigen. Wenn in Deutschland etwas weniger über die Lightkultur geredet und mehr dafür getan würde, würde sich vielleicht der eine oder andere an einen Herrn namens Schiller erinnern:

    "Man hat Exempel, / Daß man den Mord liebt und den Mörder straft." (Wallenstein)

    oder auch
    http://de.wikisource.org/...

    Kein Wunder, daß die Geisteswissenschaften so verhasst sind, sie können zu unerwünschten Einsichten beitragen...

  4. Wenn ich mich recht erinnere war der Einsatz in Somalia der erste 'scharfe' Auslandseinsatz der Bundeswehr. Das war 1993.

    16 Jahre später weiss der deutsche Soldat immer noch nicht, ob er nicht mit einem Bein zu Hause im Gefängnis sitzt, wenn er im Ausland schiesst - ein Skandal !

    Herr/Frau Verteidigungsminister/Bundeskanzler (wer auch immer es gerade ist):
    Politische Verantwortung besteht aus mehr als Truppenbesuchen bei Kaffee und Gebäck mit gefilterten 'Briefings' im warmen Sessel während die Truppe kämpft.

    (Gefilterte Briefings sind manipulierte Berichte der militärischen Führung. Auch hier wird die Wahrheit verdreht, um der Politik zu zeigen, dass der Laden läuft, was er z.T. nicht tut).

    Dass 16 Jahre nach Somalia die Truppe immer noch auf Antworten zu essenziellen Fragen wartet zeigt mal wieder die amateurhafte Qualität unserer politischen Führung.

    Hauptsache man kann sich vor laufender Kamera mit Sprüchen wie 'Deutschland wird am Hindukusch verteidigt' profilieren. Beliebt ist auch die tägliche Managerschelte.
    Die politische 'Elite' sollte lieber mal bei sich selbst anfangen und zeigen, dass sie das Geld Wert ist, das der Steuerzahler monatlich überweist.

    Das ist sie schon seit langem schuldig.

  5. wie unsere Verfassung und unsere Gesetze mal wieder nicht zum Tragen kommen.Herr Guttenberg hat wohlweißlich mit seiner Aussage "kriegsähnliche Zustände" die Weichen für die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens wegen "Völkerrechts" gestellt. Jetzt kann man ja mit Ruhe und Gelassenheit dem Urteil entgegensehen.Eine Schande für unser Land!!

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