Tanklaster-Bombardierung Auch Jung muss Verantwortung übernehmenSeite 2/2

Falls die Bundeswehr aber tatsächlich schon am Abend des Bombardements von zivilen Opfern wusste und Jung dennoch tagelang den Eindruck erweckte, es gebe darüber keine Erkenntnisse, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wurde er von seinen Untergebenen nicht informiert, hatte also sein Ministerium nicht im Griff. Oder – noch schlimmer – er sagte in der Öffentlichkeit und im Bundestag wissentlich die Unwahrheit.

In beiden Fällen ist er als Minister auch im neuen Ressort nicht tragbar. Die politische Verantwortung für den Vorfall kann Jung nicht mit dem Amtswechsel abstreifen oder seinem Nachfolger übertragen. Ein Minister, der nicht minestrabel ist, ist eine Belastung für das Kabinett.

Die Rücktritte eines 63-jähriger Spitzensoldaten und eines 64-jähriger Staatssekretärs sollten den ehemaligen und den aktuellen Verteidigungsminister gleichermaßen entlasten. Doch, was als Befreiungsschlag gedacht war, ging nach hinten los. Schon macht der Begriff "Bauernopfer" die Runde. Guttenberg bestätigte, dass unter Jung wichtige Informationen zurückgehalten worden seien. Guttenberg muss nun sein Haus umstrukturieren und die Kommunikation komplett ändern. Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee, sie muss transparent arbeiten und den Bundestag über Vorfälle von solch gravierender Bedeutung umfassend und umgehend informieren.

Ohne den Rücktritt des letztendlich Verantwortlichen wird es aber nicht abgehen. Kanzlerin Merkel hatte Jung in ihrem Kabinett behalten, obwohl er als Verteidigungsminister auch sonst nicht geglänzt hatte. Wenn sie die Sache nun weiter laufen lässt, wird der Schaden auch sie treffen – neben all den Reibereien, den Rekordschulden und der Krise, mit der die schwarz-gelbe Koalition ohnehin schon zu kämpfen hat.

 
Leser-Kommentare
    • sudek
    • 26.11.2009 um 15:48 Uhr

    Bernd Ulrich übernehmen Sie! Sie wissen es ja immer genau! Was wusste Merkel vor den Wahlen und bis heute von diesen Vorgängen??

    • knuham
    • 26.11.2009 um 15:51 Uhr

    ist doch eigentlich recht einfach :

    Entweder har er nichts gewußt, und das als Minister in einer nicht unproblematischen Angelegenheit nationaler Bedeutung, dann sollte er gehen wegen seiner Unwissenheit (will sagen, mit dem kann mans ja machen) oder er hat es gewußt und hat gelogen, dann muß er gehen, denn das Parlament belügen ist kein Kavaliersdelikt. Herr Jung hat schlechte Karten und sollte das zumindest heute noch einsehen.

  1. warum tritt der Generalinspekteur (immerhin der höchste Repräsentant nach dem Verteidigungsminister der BW und ein Staatssekretär, zurück?
    Fast immer nur, nach einem Zerwürfnis zwischen der politischen Führung (Verteidigungsminister) und militärischer Führung (Generalität). Also zwischen von Guttenberg und Generalität, könnte es sein. Das wird nach Außen natürlich nicht gesagt. Mal davon abgesehen, wenn der Bild-Bericht konsequent zuende gedacht wird, hat Jung gelogen und betrogen. Die Frage lautet nun, hat von Guttenberg seit Amtsantritt von diesem Bericht gewußt? Ich weiß es nicht, aber wenn nicht, hat er den Laden, wie Jung nicht in der Hand, wenn doch, warum nicht er, sondern über die Bild-Zeitung, darüber informiert. Aus Feigheit? Ein Untersuchungsausschuß sollte dies klären.

  2. Ich denke, nachdem ein Kanzlerkandidat und eine nun Kanzlerin im Falle Kurnaz schon Sattelfestigkeit bewiesen haben, geschieht es uns mit Herrn Jung als "nur" Minister ganz recht ... im Zweifel kann man sich an nichts erinnern oder man hat dem Minister damals eben nicht alles vorgelegt - Wer wollte da justiziabel gegen angehen?
    Die Vergesslichkeit übrigens umgarnt unseren jetzigen Finanzminister ja immer noch und der 16-Jahre-Kanzler Kohl bekommt seinen Friedensnobelpreis (auch trotz der Affaire um das Geld des Waffenhändlers Schreiber) irgendwann auch noch.
    Würde uns ein Minister Jung also schockieren oder einfach nur bestätigen, dass es meist die Bauern sind, die auf dem Feld fallen?

  3. hat die jüdischen Vermächtnisse überstanden. Er wird auch jetzt durchkommen. Und zudem ist er UnionsCHRIST. Die dürfen alles. An die hat niemand moralische Ansprüche.

  4. "Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee, sie muss transparent arbeiten[...]"
    Genau. Das wird der Fall und Gott sei Dank war es das in der Geschichte auch bisher. Genau wie der Staat transparent ist, die Polizei nicht repressiv und Politiker sowohl immer im Wohle des Volkes, als auch vorausschauend handeln...Utopie.

  5. dass wesentlich mehr aus der Riege in Berlin eingeweiht waren.Ich erfahre gerade, dass alle aufgedeckten Informationen im Nato-Bericht aufgeführt waren.Also war auch der Herr von und zu Guttenberg informiert.Da wir ein Rechtsstaat sind,müssen die richtigen Konsequenzen folgen und zwar sofort.Die Öffentlichkeit ist bewußt belogen worden.

    • FahadA
    • 26.11.2009 um 16:57 Uhr

    Alles halb so wild. Wie uns der target="_blank" href="http://weblog-sicherheitspolitik.info/2009/11/26/tanklaster-vorfall-voreilige-schlussfolgerungen-uber-zivile-kollateralschaden/">weblog Sicherheitspolitik aufklärt, werden derartige combatants nicht als Kinder bezeichnet, sondern sind Fighting Age Males.

    Fahad

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