US-Soldaten in Afghanistan: Für sie ist es Krieg, der Einsatz Deutschlands gilt offiziell nur als Kampfeinsatz.© Simon Lim/AFP/Getty Images

Sein Vorgänger Franz Josef Jung hat das Wort tunlichst gemieden, was ihm angesichts steigender Opfer-Zahlen zunehmend Kritik eingebracht hat.

Der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) tastet sich nun gleich zu Beginn an die schwierige Vokabel heran. In einem Interview mit der BILD-Zeitung sagte er, er habe Verständnis dafür, dass die Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan ihren Einsatz als Krieg ansehen. "In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände", sagte er dem Blatt. Er wolle "ganz offen" sein, fügte er hinzu.

Zwar bekräftigte der CSU-Politiker die auf das Völkerrecht gestützte Position der Bundesregierung, dass es Krieg nur zwischen Staaten geben könne. "Aber glauben Sie, auch nur ein Soldat hat Verständnis für notwendige juristische, akademische oder semantische Feinsinnigkeiten?" Manche herkömmliche Wortwahl passe nicht mehr auf die Bedrohung von heute.

Auf die Frage, ob er Verständnis dafür habe, dass die deutschen Soldaten in Afghanistan längst von einem Krieg sprechen, antwortete Guttenberg: "Ich selbst verstehe jeden Soldaten, der sagt: In Afghanistan ist Krieg, egal, ob ich nun von ausländischen Streitkräften oder von Taliban-Terroristen angegriffen, verwundet oder getötet werde."

Der Einsatz in Afghanistan sei seit Jahren auch ein Kampfeinsatz. "Wenigstens in der Empfindung nicht nur unserer Soldaten führen die Taliban einen Krieg gegen die Soldaten der internationalen Gemeinschaft."