Der ehemalige Verteidigungs- und jetzige Arbeitsminister Franz Josef Jung will sich im Laufe des Tages zu den Informationspannen nach dem von einem deutschen Oberst angeordneten Luftangriff in Afghanistan äußern. "Für mich gilt Offenheit und Ehrlichkeit", sagte der CDU-Politiker im Bundestag. Er wolle die Chance haben, die Unterlagen zu überprüfen, um vor dem Parlament korrekt Stellung nehmen zu können.

Die Ankündigung des Arbeitsministers folgte auf den Versuch der SPD, Jung zur Stellungnahme zu zwingen. Per sogenanntem Hammelsprung hatten die Parlamentarier über einen Antrag der Sozialdemokraten abgestimmt, dass Jung sich erklären müsse. Nach Stimmen scheiterten die Sozialdemokraten zwar, Jung zeigte sich aber dennoch bereit.

Der frühere Ressortchef ist unter Druck, weil die Bundeswehr es offensichtlich versäumte, den Minister über einen Bericht und ein Video von einem Vorfall in Afghanistan zu informieren. Dabei geht es um einen Bombenangriff durch US-Flieger auf zwei von Taliban gekaperte Tanklastzüge am 4. September nahe der nordafghanischen Stadt Kundus. Den Einsatz hatte Bundeswehroffizier Oberst Georg Klein angefordert und befohlen. In verschiedenen Untersuchungsberichten kamen afghanische Stellen und die Nato zu der Erkenntnis, dass neben Dutzenden Extremisten dabei auch 30 bis 40 Zivilisten starben.

Jungs Amtsnachfolger, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, entließ am Morgen bereits den Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, und einen Spitzenbeamten, Staatssekretär Peter Wichert. Alarmiert durch einen Bericht der Bild-Zeitung, hatte das Ministerium in der Nacht recherchiert und Konsequenzen gezogen. Noch ist unklar, ob die Informationspannen fahrlässig entstanden oder ob jemand in der Truppe Oberst Klein nicht belasten wollte.

Guttenberg sagte im Bundestag, er habe am Mittwoch zum ersten Mal Berichte und Meldungen gesehen, die vor der Bundestagswahl zurückgehalten worden seien. Schneiderhan und Wichert hätten die Verantwortung dafür übernommen. Er kündigte eine eingehende Untersuchung des gesamten Vorgangs und des neuen Berichts an.