Franz Josef Jung Der Mann, der durch Loyalität nach oben kam
Er gilt als der Mann Roland Kochs im Merkel-Kabinett. Diesem verdankt Franz Josef Jung seine Karriere – eine Laufbahn voller Kommunikations-Pannen.
Sein Amt als Bundesverteidigungsminister verdankte er nicht seiner Leistung, sondern seiner Loyalität. Franz Josef Jung hatte seinen Kopf hingehalten und war 2000 als Landesminister zurückgetreten, um den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch in den CDU-Spendenaffäre zu entlasten. Aus Dankbarkeit und weil er einen Vertrauten im Kabinett Merkel haben wollte, drängte Koch die Kanzlerin 2005 dazu, Jung zum Minister zu machen.
Bloß in der Ämterlotterie der schwarz-roten Koalitionsverhandlungen hatte der hessische Winzersohn dann Pech. Das Landwirtschaftsministerium hätte er gerne übernommen. Er hat in Rheingau das Winzerhandwerk gelernt, den Beruf seines Vaters. In der Landwirtschaft kennt sich der Jurist aus. Doch das von Jung begehrte Ministerium ging an die CSU. Am Ende landete er im Bendlerblock in Berlin, dem Amtsitz des Verteidigungsministers. Richtig an kam er dort nie. Es wollte ihm einfach nicht gelingen, das Amt, das mit dem zunehmenden Auslands-Engagement der Bundeswehr immer wichtiger wurde, auszufüllen.
Jungs politische Karriere begann 1983 als Landtagsabgeordneter in Hessen. Bald galt er als Vertrauter von Roland Koch. Später sogar als dessen Kronprinz. Jung war oft zuständig fürs Grobe. Beim politischen Gegner war er für seine harten verbalen Attacken gefürchtet.
Jung wurde Generalsekretär und Vertrauter von Koch. Doch war er in der hessischen CDU nicht unumstritten, vor allem die von ihm erfundene Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, die von vielen Migranten als diskriminierend empfunden wurde, sorgte für Unmut unter Parteifreunden. Koch aber stützte stets Jung, dessen Kampagnen ihm den Sieg bei der Landtagswahl 1999 einbrachten.
Nach Kochs Amtsübernahme schien Jungs Karriere richtig Schwung zu bekommen. Er übernahm die Hessische Staatskanzlei und stieg zum Minister für Bundes- und Europangelegenheiten auf. Beide Ämter musste Jung allerdings schon im September 2000 wieder aufgeben. Schuld war die Spendenaffäre in Hessen, über die auch andere CDU-Schwergewichte fielen und die nur Roland Koch ganz unbeschadet überstand. 2003 holte Koch seinen Kronprinzen zurück in die Verantwortung: Jung wurde Fraktionschef im Landtag.
Die große Überraschung folgte fünf Jahre später: Zum Erstaunen der politischen Beobachter in der Hauptstadt holte Merkel Jung in ihr Kabinett. Am 22. November 2005 wurde Jung vom Bundespräsidenten als 14. Verteidigungsminister der BRD vereidigt. Vielleicht war es der schönste Tag in seiner Amtszeit, denn schnell wirkte Jung überfordert. Er versuchte sich mit dem Aktenstudium in die Bundeswehr einzuarbeiten.
Immerhin war der damals 56-Jährige der erste Verteidigungsminister in der Geschichte der Bundesrepublik, der in der Armee gedient hatte. Seinen Wehrdienst trat er 1968 in einer Kaserne in Lahnstein an. Dorthin führte ihn auch der Antrittsbesuch als Minister. Mit Verteidigungspolitik hatte er bis dahin nichts zu tun gehabt.
Als "Ibuk", Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt, wie der Verteidigungsminister im Soldatenjargon gerne genannt wird, machte er weder bei den Truppenbesuchen, noch bei politischen Debatten eine gute Figur. Er war stets bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden, würde wohl in einem Arbeitszeugnis stehen. In der Schule hätte es dann doch eher geheißen: Setzen. Sechs.
Schon sein Antrittsbesuch in den USA geriet zum Desaster, weil sein amerikanischer Kollege Rumsfeld ihn unhöflich vorführte und Jung sich nicht wehrte.
Zu Auslandsbesuchen brachte Jung gerne einige Flaschen Wein aus dem väterlichen Gut mit. Und die Soldaten in Afghanistan oder auf den Fregatten vor Somalia beschenkte er mit Bier aus Hessen. Dennoch ist Jung kein Kumpeltyp wie sein SPD-Vorgänger Peter Struck, der sich beim Truppenbesuch gerne mit einem Bier in der Hand an den Tisch zu den einfachen Soldaten setzte. Jung hingegen schaute dem Treiben meist lieber aus der Ferne zu, ließ sich von Offizieren etwas erklären.
Nach wenigen Monaten bereits galt Jung als völlige Fehlbesetzung. Die Hauptstadtkorrespondenten schrieben über „den schwachen Minister“, den Merkel nur nicht entlasse, um kein Signale der Schwäche an die SPD zu entsenden. Als der damalige Arbeitsminister Franz Müntefering 2007 zurücktrat, forderten viele eine Kabinettsumbildung und die Neubesetzung des Verteidigungsministers. Doch Merkel ließ Jung im Kabinett – trotz aller Kritik.
Jung überraschte das Kabinett immer wieder mit Alleingängen. 2007 spekulierte er in einem Zeitungsinterview über das Ende des Afghanistaneinsatzes bis 2011. Abgesprochen war das weder mit der Kanzlerin noch mit dem Koalitionspartner. Kurz davor kündigte er eigenmächtig den Abzug der Bundeswehr aus Bosnien an. Merkel musste daraufhin ihren Verteidigungsminister öffentlich zur Ordnung rufen.
Das Wehrressort blieb im Kabinett ein ständiger Unruheherd. Über den Kongo-Einsatz zerstritt er sich öffentlich mit Javier Solana, dem Außenbeauftragten der EU. Deutsche Soldaten, die in Zentralafrika eingesetzt wurden beschwerten sich über verschimmelte Zelte und klagten, dass sie erst Wochen nach Einsatzbeginn ausreichen Munition erhielten Nach wenigen Monaten verließ die Bundeswehr wieder den Kongo. Außer Spesen nichts gewesen, hieß es in der Truppe.
Als Jung dennoch öffentlich über einen Einsatz von deutschen Soldaten im Suden spekulierte, wies ihn der Fraktionsvorsitzende Kauder in die Schranken.
Für Ärger sorgte er auch, als er dem Bundesverfassungsgericht widersprach und trotz eines anderen Votums der Richter für den Abschuss von entführten Zivilflugzeugen plädierte. Jungs Abschusspläne führten zum Koalitionskrach und zu offenem Protest von Bundeswehrpiloten. Selbst in der Union fanden sich zahllose Kritiker, die dem Verteidigungsminister politische Ungeschicklichkeit vorwarfen.
Kritik prasselte auch 2007 auf Jung ein, als herauskam, dass die Bundeswehr beim G8-Gipfel in Heiligendamm mit Aufklärungseinheiten die Demonstranten überwachten. Damals wie heute wollte er davon nichts gewusst haben.
Doch alle Rücktrittsforderungen aus der Opposition und aus den eigenen Reihen prallten an dem Teflon-Minister ab. Er saß einfach alles aus. Sitzfleisch wird der umstrittene Minister auch in den kommenden Tagen und Wochen brauchen: Die Opposition will einen Untersuchungsausschuss einrichten. Diesmal könnte es knapp werden für Franz Josef Jung.
- Datum 27.11.2009 - 08:58 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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so können wir die Sache länger genießen.
Jung ist ein typisches Beispiel wie heute regiert wird:
Sach- und Fachverstand spielen kaum eine Rolle. Wichtig ist, dass jemand ein braver Parteisoldat ist.
Im vorliegenden Fall dient die Beschäftigung von Jung als Bundesminister auch der Ruhigstellung von Koch.
Jung hat die wichtigste und letztendlich tatsächlich erfolgreiche CDU-Tugend von seinen Vorbildern Kohl, Koch und Merkel verinnerlicht:
Das brutalst mögliche Aussitzen.
Allerdings übersieht er eines: Es gibt noch wichtigere Leute, denen er nicht gewachsen ist und die ihn, wenn der Druck doch zu groß wird, fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.
ist in der Lage das ganze kranke System zu beschreiben. Er ist Max Frisch's fleischgewordener Biedermann auf politischer Ebene. Der Typus, der sich geschmeichelt fühlte, wenn ein Pferdedieb über ihn sagen würde: "Mit dem kann man Pferde stehlen". Loyalität auf Kosten des kompletten Arsenals an Anstand, seinen Amtseid - gebrochen wäre noch verharmlost - zertrümmert ("...meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann..."), das ist Jung's Welt. Er ist ein Nützlicher.
während Guttenberg in seinem Haus Führungsstärke bewies, zaudert Angela Merkel mal wieder.
Sie hatte gestern und auch heute noch die Gelegenheit, Jung zu entlassen wie Schröder Scharping.
Aber nein, Mutti laviert und wartet.
Deutschland wird schlecht regiert und die Politverdroosenheit wird befördert.
Nichtwähler und die Linke erhalten so Zuwachs.
Handeln Sie endlich, Frau Merkel!
...liest, http://www.sueddeutsche.d...
Dannn kommen einem zwei Gedanken:
a) Jung hat die fraglichen Papiere wirklich nicht gelesen, weil ihn seine Spitzenbeamten in Watte gepackt haben. Dazu passt das Guttenberg die beiden RuckZuck hochkant rausgeworfen hat. Er ist wohl lieber selber Chef, im Gegensatz zu Jung.
b) Jungs Führungsschwäche und Unfähigkeit ist seine Kernkompetenz, die auch Merkel an ihm schätzt, keine Gefahr für sie.
Merkel hat jeden Gestaltungswillen aufgegeben, sie will nur eins: Kanzler bleiben.
Damit ist auch klar warum Jung nicht fliegt, er macht was soll: inkompetent sein.
Beschämend was da im Bundestag abläuft. Bin kein Freund von Jung. Doch wie da auf diesem Mann eingehackt wird, erinnert mich an Kondore die sich über ihr Wildbret hermachen.
Alle haben doch davon vorher gewusst, vor allem die SPD.
Außerdem muss der Verteidigungsminister hinter seiner Truppe loyal stehen, wenn nicht, haben wir eine Bananenrepublik voller Falschheit und untreue, wenn nötig sollen sich die gerichtlichen militärischen oder zivilen Instanzen damit befassen. Wir haben eine verlässliche Justiz in Deutschland.
Zu unseren Parteien habe ich weniger Vertrauen.
Der unglückliche Mann ist das Paradebeispiel dafür, dass Fähigkeiten in der Politik kaum noch gefragt sind, und dass solche Figuren die rasant steigende Politikverdrossenheit massiv befördern. Wer will sich denn von solchen Leuten repräsentiert sehen, wenn man glaubt, die Hälfte der eigenen Nachbarn könnte den Job besser...
Mutti, tu endlich was!
Eine dumme Titelwahl ! Denn die Gegenfrage ist : Wer kam
mit Illoyalität nach oben ? Ich wüsste keinen !
Also erst denken, denn Titel wählen !
Da muss ich zustimmen! Schon gestern wurde entgegen aller Tatsachen seitens der ZEIT die Mär von der "Informationspanne" in der Schlagzeile aufrecht erhalten. Das war von Anfang an keine Panne!
Da muss ich zustimmen! Schon gestern wurde entgegen aller Tatsachen seitens der ZEIT die Mär von der "Informationspanne" in der Schlagzeile aufrecht erhalten. Das war von Anfang an keine Panne!
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