Dreifachrücktritt

Guttenbergs Gesellenprüfung

Was uns die blitzschnellen Rücktritte dreier Schlüsselfiguren in der Kommando-Kette des Afghanistan-Krieges lehren. Ein Kommentar

Der eine muss gehen, der andere greift durch: Franz Josef Jung und Karl-Theodor zu Guttenberg

Der eine muss gehen, der andere greift durch: Franz Josef Jung und Karl-Theodor zu Guttenberg

Das Bemerkenswerte an der Causa Jung-Schneiderhan-Wichert ist das Tempo der Demission. Affären und Skandale sind so alt wie die Bundeswehr. Mal wurden unbotmäßige Generäle gefeuert, sehr oft mussten Verteidigungsminister gehen. Der jüngste, Karl-Theodor zu Guttenberg, hat aber in dieser Woche mit rascher Hand und kaltem Blick seine Gesellenprüfung bravourös
bestanden.

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Theodor Blank, der erste Verteidigungschef, gab nach nur 16 Monaten entnervt auf. Franz Josef Strauß stolperte über die Spiegel-Affäre. George Leber wurde eine Abhöraffäre zum Verhängnis. Manfred Wörner wäre fast an seinem Kampf gegen einen vermeintlich homosexuellen General zugrunde gegangen, der es gar nicht war und voll rehabilitiert wurde. Gehen mussten dafür ein Staatssekretär und der Chef der militärischen Aufklärung. Rupert Scholz schaffte nur ein paar Monate. Gerhard Stoltenberg wurden Panzer zum Verhängnis, die er illegal an die Türkei hatte liefern lassen. Rudolf Scharping wäre (im politischen Sinne) fast im Swimmingpool einer Freundin untergegangen; erwischt hat es ihn ein Jahr später wegen einer Honorar-Affäre.

Nur wenige - wie Helmut Schmidt und Volker Rühe - haben die "Hardthöhe" in den Griff bekommen. Die Suppe, welche die Generalität anrichtete, musste gemeinhin der Minister auslöffeln. Die zivile Vorherrschaft war das Prinzip, die Eigen-, manchmal auch Böswilligkeit, der Troupiers war die probate Praxis.

Guttenberg mag aus dieser Geschichte geschöpft haben, als er gemessen am üblichen bundesrepublikanischen Usus nachgerade mit Lichtgeschwindigkeit agierte. Sein Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan musste weg, dito der Staatssekretär Peter Wichert. Der Grund ist der älteste in der Demokratie: "Was haben sie gewusst, und wann?" Die Herren wussten mehr als sie über die zivilen Verluste beim Bombenangriff in Kundus zugegeben hatten. Sie hatten taktiert und wohl verschleiert.

Der damalige Verteidigungschef Franz-Josef Jung ist das dritte Opfer. Er hat zu früh so geredet, als sei die deutsche Kommando-Kette unschuldig am Tod der Zivilen. In seiner Rücktrittserklärung (als Arbeitsminister) heißt es: "Ich habe....über meinen Kenntnisstand korrekt unterrichtet." Er hätte besser gar nicht oder erst später reden sollen - oder seine Militärs früher und härter ins Verhör nehmen müssen.

Wie dem auch sei: Entlassungen und erzwungener Rücktritt in diesem Tempo sind neu für die Republik. Angela Merkel hat wieder ihren feinen Killer-Instinkt bewiesen, und ihr junger Minister auch. Die Truppe und Jungs Mäzen, Ministerpräsident Koch, werden es ihnen nicht danken. Merkel hat ihren gefährlichsten CDU-Rivalen Koch elegant geschwächt, und Guttenberg hat bewiesen, dass er den Stab für Höheres im Tornister hat. Nicht schlecht für zwei Tage Arbeit im verholzten Weinberg Berliner Politik.

Für die demokratische Entwicklung der Republik waren es auf jeden Fall gute Tage. Das Verantworungsprinzip wurde, wiewohl für manchen zu hastig und brutal, doppelt und dreifach unterstrichen. Und so muss es sein. Die Lehre für die Nachfolgenden besteht aus drei Teilen:

1. Der Minister kriegt sein Ressort in den Griff, oder er wird scheitern

2. Recherchieren kommt vor dementieren.

3. Was man weiß, lieber gleich sagen; es kommt doch an den Tag.

In diesem 60. Jahr der Staatsgründung darf die Republik zufrieden sein: Das Verantwortungsprinzip lebt und gedeiht; es verkommt nicht zu einem leeren Entschuldigungsritus.

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Leser-Kommentare

  1. ???????????????????????????

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    ?????????????????   Glaubwuerden

    Genau. Wenn in diesem Lande auch die politische Weitsicht eine Chance hätte - aber wer will schon bei dieser Dame und ihrem Personal darauf hoffen - dann wäre die Herr Jung spätestens nach den Wahlen aus dem Verkehr gezogen, gezerrt, aus der Schusslinie genommen worden.

    Aber nein, diese Dame, diese Führungsschwache, war nicht Frau genug, um sich gegen einen Herrn Koch durchzusetzen. Denn den brauchte sie ja, um den Herrn Brender zu entfernen, der es doch gewagt hatte, nicht ihrer vorgegebenen Linie zu folgen.

    Vier Jahre Merkel gilt es schon jetzt aufzuarbeiten, um vielleicht doch noch den zu erahnenden Schaden abzuwenden.

    Mit dem Herr von und zu Guttenberg, diesem adligen Unteroffizier, ist es wie mit einer Blendgranante, erst knallt es furchtbar, dann sieht man nichts mehr, aber nach einer gewissen Zeit blickt man um so klarer auf diese Person.

    Natürlich nur, wenn man auch will und dazu in der Lage ist.

    Was macht...   Lafayette

    diese Frau Merkel nur, dass sie allen deutschen Journalisten seit Jahren den Kopf verdreht. Noch nie wurde ein amtierender Kanzler so unkritisch bejubelt wie diese Frau! Man ist intwischen immer mehr auf politische Blogs oder ausländische Publikationen angewiesen, um zu erfahren was im eigenen Land vorgeht. ber seitenweise wird die Ablösung des eigenen Kollegen Brender vom ZDF bejammert.

    Investigativer Journalismus ist gefragt. Nicht weicheiernde Kommentare, die in Berliner Hinterzimmern schon mit den Kommentierten abgesprochen scheinen!

    ???: "Das Verantworungsprinzip wurde, wiewohl für manchen zu hastig und brutal, doppelt und dreifach unterstrichen." Eher kann man sagen, dass Schneiderhan wohl schon dem Ministerium die Unterlagen zum lesen gab. Es beschleicht einem das Gefühl, man habe die lokale Interpretetion des "Verantwortungsprinzips" definieren wollen, das nur Bauernopfer verlangt. Das allerdings hat man tatsächlich "brutal, doppelt und dreifach unterstrichen"; "hastig allerdings war es nicht. Man versuchte ja die "Panne" auszusitzen und machte erst nach der Wahl den Schnitt.

    • 28.11.2009 um 12:13 Uhr
    • knuham

    Man sollte Herrn zu Guttenberg rasch weitere Ministerien zur Verfügung stellen. Mein erster Wunschkandidat wäre das Finanzministerium. Hier herrscht das Motto "nach mir die Sintflut". Hier wird Geld verbrannt ohne Ende, aber nicht nur das eigene, sondern das künfiger Generationen. Und Sie werter Herrr Joffe sprechen davon, "das Verantwortungsprinzip lebt und gedeiht". Wo leben Sie eigentlich ?

  2. Ich bin nun wirklich kein Pedant, aber dass der Autor an gleich zwei Stellen einen gewöhnlichen Relativsatz mit "dass" einleitet, tut mir in der Seele weh. Solche Fehler müssen doch gerade in der ZEIT zu vermeiden sein.

  3. Genau. Wenn in diesem Lande auch die politische Weitsicht eine Chance hätte - aber wer will schon bei dieser Dame und ihrem Personal darauf hoffen - dann wäre die Herr Jung spätestens nach den Wahlen aus dem Verkehr gezogen, gezerrt, aus der Schusslinie genommen worden.

    Aber nein, diese Dame, diese Führungsschwache, war nicht Frau genug, um sich gegen einen Herrn Koch durchzusetzen. Denn den brauchte sie ja, um den Herrn Brender zu entfernen, der es doch gewagt hatte, nicht ihrer vorgegebenen Linie zu folgen.

    Vier Jahre Merkel gilt es schon jetzt aufzuarbeiten, um vielleicht doch noch den zu erahnenden Schaden abzuwenden.

    Mit dem Herr von und zu Guttenberg, diesem adligen Unteroffizier, ist es wie mit einer Blendgranante, erst knallt es furchtbar, dann sieht man nichts mehr, aber nach einer gewissen Zeit blickt man um so klarer auf diese Person.

    Natürlich nur, wenn man auch will und dazu in der Lage ist.

    Antwort auf "Ist dies wirklich so?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    "diese Dame"   burgunderbauer

    Meinen Sie, ein Herr hätte es besser gemacht; Basta-Schröder zum Beispiel?

  4. doch vielleicht ganz anders.

    Wie konnte es der Bundesregierung kurz vor der Wahl gelingen,
    die fatalen Folgen des Einsatzbefehlehles eines Bundeswehroffiziers, nämlich den Tod zahlreicher afghanischer Zivilisten, vor der deutschen Öffentlichkeit so lange zurück zu halten, obwohl er der Weltöffentlichkeit (Washington Post 07.Sept. 2009) kurz nach dem Desaster bereits bekannt war.

    "...davon mindestens zwei Dutzend Zivilisten, berichtete die »Washington Post« am Sonntag."

    Quelle:
    http://www.uni-kassel.de/...

    Diese Frage müssen sich natürlich auch die Medien stellen lassen.

    Angesichts der Schadensbegrenzung für die Kanzlerin kurz vor der Wahl erscheinen die Offiziersopfer inkl. Jung (die Metapher Bauernopfer passt nicht so recht) gut verkraftbar;
    bieten sie dem amtierenden Verteidigungsminister zu Guttenberg doch die Gelegenheit, sich als konsequnter Saubermann zu profilieren. Die ZEIT berichtet wunschgemäß.

    Man kennt sich aber auch schon länger.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Brücke

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    ja VERBAT sich sogar kritische Äußerungen aus dem befreundeten Ausland. So da waren z.b. der französische Außenminister Kouchner, aber auch aus Großbritannien.

    Nur so nebenbei erwähnt.

    Ich weiß jetzt wirklich nicht, mit wem ich mehr Mitleid haben soll. Mit Dieben, die getötet werden, während sie mit Raubmördern über die Beute verhandeln? Oder mit Leuten, die die "AG Friedensforschung" an der Uni Kassel ernst nehmen und als objektive Quelle angeben?

  5. Josef Joffe - zu Guttenberg

    http://www.google.de/sear...

    Man kennt sich schon länger.

  6. ja VERBAT sich sogar kritische Äußerungen aus dem befreundeten Ausland. So da waren z.b. der französische Außenminister Kouchner, aber auch aus Großbritannien.

    Nur so nebenbei erwähnt.

    Antwort auf "Die Frage stellt sich"
  7. "(Und Frau Merkel) ja VERBAT sich sogar kritische Äußerungen aus dem befreundeten Ausland."

    Natürlich sind diese Reaktionen der NATO, vor allem seitens der USA, eine Retourkutsche auf die beckmesserische Kritik an den "Kollateralschäden" unter den Zivilbevölkerung durch amerikanische Bombardierungen. Insofern würde ich diese Kritik nicht ernster nehmen, als sie ist.

    Ansonsten ist die Heuchelei derjenigen Leute, welche die Bundeswehr erst nach Afghanistan geschickt haben und sich heute nicht genug darüber empören können, daß bei den kriegerischen Auseinandersetzungen dort unten Menschen getötet werden, nicht zu überbieten.

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    ...der NATO, vor allem seitens der USA, eine Retourkutsche auf die beckmesserische Kritik ...."

    Ich denke es war eher, dass man der deutschen Regierung zeigen wollte, wie schädlich ihr Verhalten der Vergangenheit war, damit sie sich in Zukunft mit den pharisäerhaften Hetzen zurückhält. Solche hetzerische -meist gegen die USA gerichteten- Beiträge der hiesigen Politik haben zerstörerische Wirkungen in den letzten Jahren und viele Tote gefordert.

    So würde ich das Wort "Retourkutsche" ersetzen mit "Demonstrationsbeispiel" oder "Lernexempel" ersetzen.

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  • Von Josef Joffe
  • Datum 27.11.2009 - 23:05 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE
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  • Schlagworte Verteidigungspolitik | Ministerium | Bundeswehr
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