Bundeswehr-Affäre Jung tritt als Minister zurück
Minister Jung hat die Konsequenz aus den Informationspannen nach einem tragischen Luftangriff in Afghanistan gezogen. Kanzlerin Merkel will die Nachfolge schnell regeln.
Franz Josef Jung hat am Freitag seinen Rücktritt vom Amt des Arbeitsministers erklärt. Der ehemalige Verteidigungsminister übernimmt damit die politische Verantwortung für die Informationspannen des Bundesverteidigungsministeriums im Zusammenhang mit einem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff auf Taliban Anfang September.
"Nach reiflicher Überlegung" habe er, Jung, Bundeskanzlerin Angela Merkel am Morgen unterrichtet, dass er sein Amt als Arbeitsminister zur Verfügung stelle. Zugleich betonte der CDU-Politiker, dass er die Öffentlichkeit und das Parlament über seinen damaligen Kenntnisstand als Verteidigungsminister immer korrekt informiert habe. Er wolle mit dem Schritt Schaden für die Bundeswehr abwenden und sie vor unberechtigten Angriffen in Schutz nehmen, sagte Jung. Seine Erklärung dauerte nur wenige Minuten, Fragen beantwortete er keine.
Jungs Nachfolge an der Spitze des Arbeitsministeriums soll nun schnell geregelt werden. Nach Agenturangaben will Kanzlerin Merkel noch am Mittag erste Gespräche führen.
Ein Name, der häufiger fällt, ist Silke Lautenschläger, die hessische Wissenschaftsministerin. Als frühere Sozialministerin habe sie den Vorteil, mehr als Jung von der Materie zu verstehen, heißt es. Hinzu kommt, dass Lautenschläger in der hessischen CDU verankert ist und das Vertrauen des dort amtierenden Ministerpräsidenten Roland Koch genießt. Jung hatte 2005 diese Tatsache überhaupt erst ins Kabinett gebracht.
Jung ist der dritte Verantwortliche, der wegen der Informationspannen seinen Hut nehmen muss. Bereits am Donnerstag hatte der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert entlassen.
Zugleich hatte es die Kanzlerin vermieden, sich hinter Jung zu stellen. Sie äußerte sich nur äußerst zurückhaltend zur politischen Zukunft ihres Kabinettskollegen und verwies auf die Erklärung, die Jung am Donnerstagabend im Bundestag abgeben wollte. Die volle Rückendeckung sprach sie nur dem neuen Minister Guttenberg aus.
Mit seinem Auftritt im Parlament konnte Jung die Vorwürfe gegen sich jedenfalls nicht entkräften. Die Opposition kritisierte seine Informationspolitik scharf, warf ihm "Salamitaktik" vor und forderte ihn zum Rücktritt auf. Der Tenor in den meisten Pressekommentaren war ähnlich vernichtend: Entweder Jung habe Informationen verschwiegen oder sein früheres Ministerium nicht unter Kontrolle. Beides sei bei einer so heiklen Angelegenheit wie dem Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan nicht tragbar.
Selbst bei den Koalitionsparteien war am Morgen die Ansicht weit verbreitet, dass Jung als Arbeitsminister zurücktreten wird. Zwar wollte sich kaum ein Politiker mit dieser Einschätzung zitieren lassen ("Etwas Loyalität ist schon noch da", sagte ein hessischer CDU-Abgeordneter), aber dennoch galt Jung auch bei seinen Parteifreunden als äußerst angeschlagen, wenn nicht als politisch erledigt.
Am Donnerstagabend wurden sogar schon Wetten abgeschlossen, wie lange er sich noch im Amt hält. Ein FDP-Politiker setze eine Weinflasche darauf, dass er noch an diesem Wochenende zurücktreten wird. "Die CDU fragt sich doch selbst, wie lange sie Jung noch mitschleifen will."
Auch nach Jungs Rücktritt besteht die Opposition auf der Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. "Wir wollen, dass diese Vorgänge lückenlos aufgeklärt werden", erklärten die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin. Deshalb solle sich der Verteidigungs- als Untersuchungsausschuss konstituieren, um die Hintergründe des Luftangriffs in Afghanistan von Anfang September aufzuklären.
Ähnlich äußerten sich die Sozialdemokraten zum Rücktritt von Jung. "Ein Untersuchungsausschuss hat sich damit natürlich nicht erledigt", sagte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Thomas Oppermann. Der verteidigungspolitischer Sprecher der Linken, Paul Schäfer, erklärte: "Der Minister geht, der Aufklärungsbedarf bleibt." Die Tragweite der Verfehlungen und die bisher errichtete Nebelwand erforderten die weitreichenden Befugnisse eines Untersuchungsausschusses.
- Datum 27.11.2009 - 16:00 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, ms
- Kommentare 47
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13:30 tritt Minister Jung (offenbar) zurück!
Endlich ist dieses verlogene Etwas weg, was der Bundeswehr und den Soldaten viel Schaden zugefügt hat.
Wird jetzt noch die Schuld des Herrn Jung untersucht, weil er den Soldaten in Kunduz gegen den Rat von Experten PZH2000 KZO verweigert hat? Damit hätte das Problem wesentlich schonender für Zivilbevölkerung gelöst werden können.
Mit dem vor Ort nur mangelhaft vorhandenem Material blieb Oberst Klein nur die Bombardierung als Option.
Blut klebt hier an den Händen der Politiker, die Soldaten die notwendige Ausrüstung verweigerten.
Haben Sie in BILD auch den Dialog zwischen den amerikanischen Piloten und Oberst Klein verfolgt?
Warten wir die Untersuchung von Guttenberg ab!
Das ist jetzt seine Chance!
Meinen Sie die Sache mit dem "erst einmal bei Mach 1 im Tiefflug drüber herdonnern?"
Leider haben die Taliban gerade im Bundeswehr-Gebiet gelernt, dass Zivilisten (bzw. Teilzeit- Taliban, die nicht eindeutig zuzuordnen sind und kein Primärziel darstellen) für sie ein Schutzschild darstellen, da die Bundeswehr dann nicht schießt und versuchen bei Gefechten gezielt eine Vermischung mit diesen zu suchen.
Eine "Warnung" kann also dazu führen, dass mehr Nicht- Vollzeit Taliban zum Ort des Geschehens kommen/ gebracht werden werden und diese ihre Söhne mitbringen.
Auch dieses Thema ist also differenziert zu betrachten.
Im Grundsatz haben Sie jedoch recht, dass man die genaue Untersuchung abwarten muss.
Aber zu Guttenberg zeigt mal wieder, dass er offenbar auf dem richtigen Stuhl sitzt.
Meinen Sie die Sache mit dem "erst einmal bei Mach 1 im Tiefflug drüber herdonnern?"
Leider haben die Taliban gerade im Bundeswehr-Gebiet gelernt, dass Zivilisten (bzw. Teilzeit- Taliban, die nicht eindeutig zuzuordnen sind und kein Primärziel darstellen) für sie ein Schutzschild darstellen, da die Bundeswehr dann nicht schießt und versuchen bei Gefechten gezielt eine Vermischung mit diesen zu suchen.
Eine "Warnung" kann also dazu führen, dass mehr Nicht- Vollzeit Taliban zum Ort des Geschehens kommen/ gebracht werden werden und diese ihre Söhne mitbringen.
Auch dieses Thema ist also differenziert zu betrachten.
Im Grundsatz haben Sie jedoch recht, dass man die genaue Untersuchung abwarten muss.
Aber zu Guttenberg zeigt mal wieder, dass er offenbar auf dem richtigen Stuhl sitzt.
...ist das Thema hoffentlich nicht vom Tisch.
Zwar hat er den Deckel drauf gehalten bis nach der Wahl, aber es war Pflicht des Kanzleramts zu wissen, was die genauen Zusammenhänge waren. Hat das Kanzleramt die Dokumente nicht gesichtet? Wenn das so wäre, warum nicht? Schließlich war offensichtlich, wie brissant die Situation war und welche Auswirkungen Enthüllungen auf den Ausgang der Wahlen haben würden. Es darf nicht sein, dass ein Politiker Verantwortung nicht trägt, weil er wichtige Informationen nicht lesen mag und daher die Sachlage nicht kennt.
Geht ein Politiker so gewappnet in eine Wahl, so muss das als Irreführung geahndet werden. Wie will man sonst den Aussagen von Politikern glauben? und kann man einem Politiker nicht trauen, so darf er keine Macht über Bürger haben.
Das Ausland lacht sich wahrscheinlich jetzt schon wieder schlapp über uns.
Ich erinnere bloß an den TÜV, der Fahrzeuge in Afghanistan hat stillegen lassen, da sie den deutschen TÜV-Normen nicht mehr entsprachen.
Gut, das "der Russe" nie gekommen ist. Die Deutschen hätten ihre Panzer gar nicht benutzen dürfen in der Lüneburger Heide, hätte ja Proteste vom BUND und den Grünen gegeben.
Ach ja, was ist eigentlich mit Frau Merkel? die hat doch die Richtlinienkompetenz. Hat die ooch nichts gewußt? Hat ihren Saus... äh, Kabinett wohl nicht im Griff. Aber man schmeißt ja immer die nächst niedrigeren raus.
Viel interessanter wäre ja die Frage, was wir in Afghanistan derzeit eigentlich noch wollen? Wie lautet den die Exit-Strategie? Haben wir eine? Albern das Ganze
Pispers hat recht. "Früher nannte man es Volksverarschung, heute nennt man es parlamentarische Demokratie". Frei nach Pispers, Programm "bis neulich" 2007.
das war zu erwarten! Aber ist Verteidigungsminister von Guttenberg wirklich so uninformiert gewesen? Wenn ja, da fragt man sich doch, was ist mit dieser generalität los. Quasi ein Widerholungsfall. Erst Jung, jetzt von Guttenberg. Beide Verteidigungsminister haben ihr BW-Ministerium überhaupt nicht im Griff. Das ist purer Chaos. Was soll da alles verborgen bleiben. Das grenzt ja fast an gezielter Sabotage. Nicht nur Jung, auch Guttenberg muß zurück treten. Man nennt so etwas Vorwärtsverteidigung.
Aber lassen wir uns nicht täuschen!!!
Ich teile Ihre Meinung voll und ganz.Ist ein Menue verdorben entsorge ich nicht nur die Erbse.Spätestens seit dem Nato-Bericht wußte die Regierung und somit auch Guttenberg Bescheid.Herr von und zu Guttenberg hatte nichts anderes zu tun, als sich medienwirksam zu verkaufen und die Öffentlichkeit mit Auslandsarmee neue Nato abzulenken.
Ich teile Ihre Meinung voll und ganz.Ist ein Menue verdorben entsorge ich nicht nur die Erbse.Spätestens seit dem Nato-Bericht wußte die Regierung und somit auch Guttenberg Bescheid.Herr von und zu Guttenberg hatte nichts anderes zu tun, als sich medienwirksam zu verkaufen und die Öffentlichkeit mit Auslandsarmee neue Nato abzulenken.
Meinen Sie die Sache mit dem "erst einmal bei Mach 1 im Tiefflug drüber herdonnern?"
Leider haben die Taliban gerade im Bundeswehr-Gebiet gelernt, dass Zivilisten (bzw. Teilzeit- Taliban, die nicht eindeutig zuzuordnen sind und kein Primärziel darstellen) für sie ein Schutzschild darstellen, da die Bundeswehr dann nicht schießt und versuchen bei Gefechten gezielt eine Vermischung mit diesen zu suchen.
Eine "Warnung" kann also dazu führen, dass mehr Nicht- Vollzeit Taliban zum Ort des Geschehens kommen/ gebracht werden werden und diese ihre Söhne mitbringen.
Auch dieses Thema ist also differenziert zu betrachten.
Im Grundsatz haben Sie jedoch recht, dass man die genaue Untersuchung abwarten muss.
Aber zu Guttenberg zeigt mal wieder, dass er offenbar auf dem richtigen Stuhl sitzt.
Dem Ansehen der Politik hätte ein Rücktritt noch im September genutzt, das abgelieferte Schauspiel mit dem Titel "Uhu-Alleskleber auf dem Stuhl" hat dem aber weiteren Schaden zugefügt. Im September hätte es den Wahlkampf gestört, unter dem Strich hätte aber auch das Kanzleramt kaum Schaden genommen, das ist nun deutlich anders. Die Chefin sollte sich nun schon mal überlegen wie sie aus dem Quassel- und Wichtiggucken-Club wieder eine respektable Regierung hinbekommt.
Warum sollte ein Politiker, der die Situation verantwortet weitermachen dürfen? Ist es Ihnen vorstellbar, dass Jung nicht gefragt wurde, was da mit dem Luftangriff ist, wie er seine Generale fragte? Die Partei war verantwortlich für die Aussagen vor der Wahl. Sie hat zugelassen oder betrieben, dass die Wähler falsch informiert wurden. Man hat Ausländer kritisiert, die offenbar die Wahrheit sagten, weil sie sie sagten.
Deutschland sieht da ganz schön schlecht aus,
Warum sollte da der Teilverantwortliche erschoßen werden und nicht der Gesamtverantwortliche ausgetauscht?
Warum sollte ein Politiker, der die Situation verantwortet weitermachen dürfen? Ist es Ihnen vorstellbar, dass Jung nicht gefragt wurde, was da mit dem Luftangriff ist, wie er seine Generale fragte? Die Partei war verantwortlich für die Aussagen vor der Wahl. Sie hat zugelassen oder betrieben, dass die Wähler falsch informiert wurden. Man hat Ausländer kritisiert, die offenbar die Wahrheit sagten, weil sie sie sagten.
Deutschland sieht da ganz schön schlecht aus,
Warum sollte da der Teilverantwortliche erschoßen werden und nicht der Gesamtverantwortliche ausgetauscht?
Warum sollte ein Politiker, der die Situation verantwortet weitermachen dürfen? Ist es Ihnen vorstellbar, dass Jung nicht gefragt wurde, was da mit dem Luftangriff ist, wie er seine Generale fragte? Die Partei war verantwortlich für die Aussagen vor der Wahl. Sie hat zugelassen oder betrieben, dass die Wähler falsch informiert wurden. Man hat Ausländer kritisiert, die offenbar die Wahrheit sagten, weil sie sie sagten.
Deutschland sieht da ganz schön schlecht aus,
Warum sollte da der Teilverantwortliche erschoßen werden und nicht der Gesamtverantwortliche ausgetauscht?
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