Serie: Jungpolitiker (5) Jung, fröhlich, linksaußenSeite 2/2

Deshalb lautet sein Ziel für die erste Legislaturperiode: "Gute und konsequente Oppositionsarbeit." Meckern reiche nicht. Die Linke müsse "klare Alternativen" aufzeigen und die Debatte prägen. An eine baldige Koalition mit der SPD glaubt er nicht. Im Neuen Deutschland sprach er der NRW-SPD "die Regierungsfähigkeit" ab. Am Telefon sagt er, etwas diplomatischer, dass die SPD sich friedens- und sozialpolitisch stark verändern müsse, bevor man mit ihr zusammenarbeiten könne. Und auch personell müsse sie sich ändern: Steinmeier, der geistige Vater der Reform-Agenda sei ja nach wie vor da als Fraktionschef. "Und Gabriel hat alles mitgetragen."

Wo er sich selbst politisch verortet? Pragmatiker oder Fundi? Man hört wie Movassat die Luft einzieht. Er halte solche Begriffe für "wertend". Aber tendenziell ordne er sich eher "dem linken Flügel der Linken" zu. Schnell fügt er hinzu: Aber auch mit manchen christdemokratischen Arbeitnehmern in Nordrhein-Westfalen habe er "durchaus Übereinstimmungen". Die Erhöhung des Schonvermögens für Hartz-IV-Empfänger, das die FDP im schwarz-gelben Koalitionsvertrag durchgesetzt hat, finde er ebenfalls "völlig vernünftig".

Zwei Wochen später stimmt er natürlich trotzdem gegen Angela Merkel im Bundestag. Es ist der Tag der Kanzlerinnen-Wahl, Movassat ist auf Stippvisite in Berlin. Diesmal klappt es mit dem Treffen. Für eine knappe Stunde stiehlt er sich aus der Sitzung seiner Fraktion, die noch immer einen Nachfolger für Oskar Lafontaine als Vorsitzenden sucht. "Pressetermine gehen vor", sagt er routiniert.

Die Video-Kollegen sind dabei. Movassat führt durch die Kellergewölbe des Reichstags. Heute ist er nicht ganz so spritzig wie neulich am Telefon. Inzwischen hat er erfahren, dass er im Entwicklungshilfeausschuss gelandet ist. Also doch nicht die erste Geige der Linken in der Rechtspolitik...

Außerdem hatte er gestern erst um zehn Uhr "Feierabend", und war am Morgen schon auf einer Demo der IG Bau. Eine Wohnung hat er noch nicht gefunden. "Dat hat zweite Priorität", nach dem politischen Eingewöhnen. Er longiert die paar Nächte im "Motel One". Der Ruhrpott ist fern. Berlin ist anstrengend.

ENDE DER SERIE

Wir werden die fünf Bundestags-Neulinge weiter im Auge behalten und in unregelmäßigen Abständen wieder von ihnen berichten.

 
Leser-Kommentare
    • tidyho
    • 04.11.2009 um 13:44 Uhr

    dieser Artikel kein Inhalt, äh, Satz, meint Verb.

    im übrigen hätte ich zwei Fragen:

    1. was ist der Unterschied zwischen logieren und longieren (vielleicht hat letzteres was mit Bett-Überlänge oder besonders langer Aufenthaltsdauer zu tun)?

    2. was zum Teufel ist ein Vermittlungshilfeausschuß? Ich zweifle nicht an seiner Existenz - es gab ja schon deutlich verrücktere Erfindungen der sehr geehrten Damen und Herren Politiker...

    omg... ich glaub' ich geh' lieber wieder meine Lieblingsblogs lesen, da wird die Simulation von Qualitätsjournalismus wenigstens als solche gekennzeichnet.

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