Regierungskoalition Schwarz-gelber Schlingerkurs
"Schwarz-Gelb versinkt im Chaos": Das Urteil der Opposition steht fest. Und tatsächlich: Nur wenige Wochen nach ihrem Start müssen Union und FDP haufenweise Probleme lösen. Ein Überblick
Elf Jahre hat es gedauert, bis Union und FDP wieder gemeinsam eine Regierung übernehmen konnten. Nur wenige Wochen aber brauchte es, bis die Wunschkoalition von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) deutlich ins Schlingern geriet.
Der Rücktritt von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bescherte Schwarz-Gelb den schnellsten Ministerwechsel und die schnellste Kabinettsumbildung in der Geschichte der Republik. Doch die Kanzlerin und ihre Traumkoalition müssen auch nach Jungs Rücktritt harte Nüsse in der Steuer-, Außen-, Familien- und Gesundheitspolitik knacken.
"Das ist ein Fehlstart, wie ihn diese Republik noch nicht gesehen hat. Keine Regierung ist jemals schlechter gestartet als die schwarze-gelbe Wunschkoalition", sagt Thomas Oppermann, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. "Schwarz-Gelb versinkt im Chaos."
Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und FDP hat in der Tat einige Probleme zu besprechen, wenn er sich am Dienstag zum ersten Mal trifft.
Steuern/Haushalt
Sogar das Prestigeobjekt "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" wackelt, das eigentlich schon am 1. Januar in Kraft treten sollte. Es soll Familien, Unternehmen und Erben um 8,5 Milliarden Euro entlasten. Der Widerstand dagegen kommt auch aus den eigenen Reihen. Etliche schwarz-gelbe Landesregierungen haben Bedenken angemeldet, wobei es einigen auch um eine finanzielle Kompensation für Steuerausfälle gehen dürfte. Solche Kompensationsgeschäfte aber hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Wochenende kategorisch ausgeschlossen.
Bezahlen sollen die Steuerentlastungen der Bund (4,6 Milliarden Euro), die Länder (2,3) und die Kommunen (1,5). Nicht nur die Opposition warnt, dass angesichts knapper Kassen der Handlungsspielraum des Staates gefährlich eingeschränkt werde. Vor allem an der Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen entzündet sich Streit – sie gilt als Zugeständnis an die CSU. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) zeigt sich besonders bockig: Bei einem Treffen der Unions-Länderchefs mit Merkel soll er sogar mit Rücktritt gedroht haben. Falls Schleswig-Holstein nicht zustimmt, hätte Schwarz-Gelb keine Mehrheit im Bundesrat. Die harte Linie des Finanzministers dürfte deshalb vor allem der Abwehr neuer Forderungen dienen. Hinter den Kulissen wird die Kanzlerin jede Möglichkeit prüfen, ein Scheitern dieses Kernprojekts zu vermeiden. Selbst wenn das Wachstumsbeschleunigungsgesetz zum Jahreswechsel in Kraft treten sollte, bliebe der Koalition noch viel Stoff für Streit um Steuerpolitik. Zum 1. Januar 2011 sollen die Bürger um weitere 20 Milliarden Euro entlastet werden. Geplant ist ein neuer Stufentarif, für den die FDP vehement eintritt. Doch die Ausgestaltung der künftigen Einkommensteuer sowie die Anzahl der Stufen ist umstritten. Die CSU nennt das Drei-Stufen-Modell der FDP schlicht “Theorie-Murks“.
Steinbach
Es ist ein merkwürdiger Streit, der schon seit Wochen um die Besetzung eines Sitzes im Beirat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung tobt. Denn eigentlich hat Erika Steinbach ihr Ziel längst erreicht: Eine Bundesstiftung unter dem Dach des Deutschen Historischen Museums widmet sich nun gewissermaßen im Staatsauftrag der Aufgabe, deutsche Vertreibungsschicksale aufzuarbeiten und in einen europäischen Kontext zu setzen – ein Kontext, der noch vor wenigen Jahren hoch umstritten war, sehen doch viele Wissenschaftler beiderseits von Oder und Neiße die von Steinbach betriebene Gleichsetzung etwa des Genozids in Armenien mit den Vertreibungen Deutscher aus Polen als problematisch an.
Steinbach will sich aber partout nicht mit einem deutsch-polnischen Kompromiss abfinden, mit dem Merkel vor zwei Jahren das Problem zu lösen glaubte: Deutschland bekommt eine staatsnahe Gedenkstätte und Polen toleriert das – solange die im Nachbarland höchst umstrittene Steinbach draußen bleibt. Nun hat die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen wieder auf Angriff umgeschaltet.
- Datum 30.11.2009 - 14:07 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 11
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Herrlich mitanzusehen wie sich die Biene Maja selbst täglich demontiert. Die benötigen noch nicht mal eine Opposition um sich auf den Müllhaufen der Geschichte zu verfrachten. Die Erosion dieser Regierung hat mittlerweile ein Ausmass, das allen Beschreibungen spottet. Vor der Wahl das politische Traumpaar. Nach der Wahl ist wohl eher "Zwei bei Kalwass" angesagt. Bitte mehr davon :-)
Kann doch nicht gut gehen, diese EHE, oder?
Sagt Mann zu Frau: Wir machen jetzt eine WELTREISE.
Wir werden nur in Palästen wohnen und nur das beste vom Besten esen. Mal richtig so auf den „Putz“ hauen!
"Und wer soll das bezahlen?": sagte Frau.
Man(n) hat schließlich ein Bankkonto!
Gut, dass es jetzt „SWIFT“ gibt.
Die „Staaten“ haben jetzt Zugriff auf Bankendaten, dass macht alles viel transparenter und die Hochstapelei fliegt früher auf.
Nachhaltigkeit: möglichst lange an aten Dingen festhalten.
Inovation: mit immer neuen Argumenten alte Dinge schön
reden.
Diese Koalition, abgesehen von ihren unsozialen Vorhaben, verweigert jedwede sinnvolle Maßnahme dieses Land vorranzubringen.
Auch der Autor des Artikels scheint von der Koalition bereits verblödet worden zu sein, denn er redet davon, dass die Regierung die Bürger 2011 nochmals um 20 mrd entlasten will.
Die, die nicht entlastet werden scheinen also keine Bürger zu sein?
das ist wirklich interessant.
Alle weiteren Absätze sind taktisches Koalitionsgeplänke, weil sie bis zur NRW-Wahl sowieso nichts wirklich auf den Weg bringen wollen.
Wenn sie aber so weiter machen, kann es sein, dass es mit NRW nichts wird und die Koalition 2013 ggf. abgewählt wird, weil der Souverän und die nicht wählen dürfen zu recht erwarten dürfen, dass dieses Land zukunftsfest gemacht wird.
Dies geht aber nicht mit Rezepten von annodazumal!
Märchen, wie z. Bsp. das vom allein selig machenden, vermeintlich alles rettenden Wirtschaftswachstum, werden auch nicht wahrer, in dem man sie paternosterartig immer wieder und wieder runter betet!
Es bedarf schlicht völlig neuer, grundlegend neuer Konzepte! Dem umgehenden Abschied von der herkömmlichen, im Endeffekt nur zerstörerischen Ökonomie, die nur zu Überproduktion und Müllproduzierung auf der einen, Arbeitslosigkeit, fortschreitendem Neo-Prekariat, sowie irreversible Ausbeutung/Versiffung der Natur, auf der anderen Seite geführt hat; Mit dem alleinigen Ziel die Taschen der "oberen Zehntausend", koste es (an Mensch und Umwelt) was es wolle, bis zum Bersten mit Geld voll zu stopfen!
Schadenfreude hilft hier (leider) nicht. Die Kanzlerin muss jetzt auch mal Mut zu härteren Entscheidungen zeigen.
Entweder zeigt sie jetzt in der Krise, was in ihr steckt oder die Wähler braten ihr in NRW so eins über, dass einem Jürgen Rüttgers leid tun wird.
Schon einmal musste ein Kanzler nach einer NRW-Wahl erkennen, dass man nicht mit dem Kopf durch die Wand kann.
er hat eine gewisse soziale Ader, die mich manchmal an seiner rechten Parteizugehörigkeit zweifeln lässt.
Ach wie gerne würde ich ihn wählen, wenn er auch einer Partei angehören würde, für die der Mensch über dem Kapital steht...
er hat eine gewisse soziale Ader, die mich manchmal an seiner rechten Parteizugehörigkeit zweifeln lässt.
Ach wie gerne würde ich ihn wählen, wenn er auch einer Partei angehören würde, für die der Mensch über dem Kapital steht...
er hat eine gewisse soziale Ader, die mich manchmal an seiner rechten Parteizugehörigkeit zweifeln lässt.
Ach wie gerne würde ich ihn wählen, wenn er auch einer Partei angehören würde, für die der Mensch über dem Kapital steht...
Ist klar, eine neu gebildete Koalition startet mühelos und gar ohne Probleme in die alltäglichen Geschäfte. Wie kann man nur Unstimmigkeiten erwarten... Betriebsblindheit ist anstrengend.
Und! Das Thema Steinbach wurde schon monatelang gründlich zerkaut.
"Der Rücktritt von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bescherte Schwarz-Gelb den schnellsten Ministerwechsel und die schnellste Kabinettsumbildung in der Geschichte der Republik."
Interessante Berichterstattung. Meinen Sie, damit ist die Kuh vom Eis?
Die Bundesregierung hat mit dem Bombardement afghanischer Zivilisten unter deutscher Verantwortung eine handfeste Affäre allerersten Ranges aufzuarbeiten,
die derzeit als Kriegsverbrechen untersucht wird.
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