Kristina wer? Viele dürften heute zum ersten Mal von Frau Köhler gehört haben. Kein Wunder, die künftige Familienministerin fiel mit ihren 32 Jahren bislang eher unter die Kategorie Nachwuchspolitikerin, obgleich sie bereits seit 2002 Mitglied im Deutschen Bundestag ist.

Als Expertin in ihrem neuen Fachgebiet ist sie bisher noch nicht aufgefallen. Trotzdem ist Frau Köhler an diesem denkwürdigen Freitag die Karriereleiter um mehrere Stufen hinaufgefallen: Sie beerbt die bisherige Familienministerin, die sich in ihrem Ressort zusehends langweilende Ursula von der Leyen , die ihrerseits Nachfolgerin von Franz Josef Jung als Arbeitsministerin wird.

Wieso also Frau Köhler? Die Kanzlerin begründete ihre Nominierung offiziell mit Köhlers beruflicher Ausbildung. "Als ausgebildete Soziologin" werde Köhler bestimmt "sehr gute Arbeit" als Familienministerin verrichten, sagte Angela Merkel in einem kurzen Pressestatement am Freitagnachmittag, auf der sie ihre Kabinett-Rochade bekannt gab. Merkel räumte allerdings selbst ein, dass die promovierte Wissenschaftlerin politisch bislang eher im "Bereich Integration" tätig gewesen sei. Bislang war sie Mitglied im Innenausschuss des Bundestags – und dort zuständig für die Themen Islam und Integration.

Was also qualifiziert Frau Köhler? Hübsch sei sie, sagen manche der christdemokratischen Funktionäre – und meinen das durchaus ernst als Kompliment. Ein frisches Gesicht, nett, fröhlich, aufgeschlossen. Hinter diesen etwas unbeholfenen Lobreden verbirgt sich die in der CDU seit geraumer Zeit verbreitete Hoffnung, endlich auch mal einen jungen Shootingstar in den eigenen Reihen präsentieren zu können. Die FDP hat ihren Rösler, die CSU ihren zu Guttenberg. Nun ist auch die CDU mit einer ausgesprochen jungen Ministerin vertreten.

Peter Tauber kennt Christina Köhler besser. Der junge Bundestagsabgeordnete ist – wie Köhler – seit Jahren in der Nachwuchsorganisation der hessischen CDU aktiv. Köhler sei "eine moderne junge Frau", sagt er. Sie werde bestimmt eine "große Kontinuität" zur Politik von Frau von der Leyen aufweisen. In der Debatte zum Betreuungsgeld, das die CSU gerne einführen möchte, werde sie bestimmt nicht klein beigeben. Er habe sie als selbstbewusst und durchaus streitbar kennengelernt. Außerdem hat Köhler sich als Obfrau im BND-Untersuchungsausschuss bereits in der vergangenen Legislaturperiode ihre Meriten verdient. So konnte sie Merkels Vertrauen gewinnen.

Angela Merkel ist das Familienressort wichtig. Aus Prestigegründen, hier kann sie am besten demonstrieren, wie sehr sich die CDU unter ihrer Führung gewandelt hat, wie viel offener und liberaler sie geworden ist. Insofern ist es ihr vermutlich tatsächlich recht, dieses Ressort mit einem jungen unverbrauchten Gesicht zu besetzen. Köhler selbst  sagte dem ZDF kurz nach ihrer Nominierung: Von der Leyen sei eine "ganz tolle Familienministerin" gewesen. "Ich will ihre erfolgreiche Familienpolitik fortsetzen."

Und noch etwas dürfte Merkel zu dieser Nominierung bewogen haben. Mit Köhler verhinderte sie, dass nach Jungs Abgang wieder einer der alten Weggefährten von Roland Koch in ihr Kabinett einzieht. Den ganzen Tag über galten in vielen Medien der hessische Innenminister Volker Bouffier oder der hessische Fraktionschef Christean Wagner als heißeste Favoriten auf die Jung-Nachfolge. Beides Politiker, die von der Landesopposition wahlweise als "Hardliner" oder als "Kulturkämpfer" bezeichnet werden. Das hätte nicht in Merkels Personalprofil gepasst.