Ministerin Köhler

Jung, loyal und keine Ahnung von Familienpolitik

Kristina Köhler ist neue Familienministerin. Die CDU hofft, einen Befreiungsschlag gelandet zu haben. Die Opposition ist fassungslos. Von Michael Schlieben

Kristina wer? Viele dürften heute zum ersten Mal von Frau Köhler gehört haben. Kein Wunder, die künftige Familienministerin fiel mit ihren 32 Jahren bislang eher unter die Kategorie Nachwuchspolitikerin, obgleich sie bereits seit 2002 Mitglied im Deutschen Bundestag ist.

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Als Expertin in ihrem neuen Fachgebiet ist sie bisher noch nicht aufgefallen. Trotzdem ist Frau Köhler an diesem denkwürdigen Freitag die Karriereleiter um mehrere Stufen hinaufgefallen: Sie beerbt die bisherige Familienministerin, die sich in ihrem Ressort zusehends langweilende Ursula von der Leyen, die ihrerseits Nachfolgerin von Franz Josef Jung als Arbeitsministerin wird.

Wieso also Frau Köhler? Die Kanzlerin begründete ihre Nominierung offiziell mit Köhlers beruflicher Ausbildung. "Als ausgebildete Soziologin" werde Köhler bestimmt "sehr gute Arbeit" als Familienministerin verrichten, sagte Angela Merkel in einem kurzen Pressestatement am Freitagnachmittag, auf der sie ihre Kabinett-Rochade bekannt gab. Merkel räumte allerdings selbst ein, dass die promovierte Wissenschaftlerin politisch bislang eher im "Bereich Integration" tätig gewesen sei. Bislang war sie Mitglied im Innenausschuss des Bundestags – und dort zuständig für die Themen Islam und Integration.

Was also qualifiziert Frau Köhler? Hübsch sei sie, sagen manche der christdemokratischen Funktionäre – und meinen das durchaus ernst als Kompliment. Ein frisches Gesicht, nett, fröhlich, aufgeschlossen. Hinter diesen etwas unbeholfenen Lobreden verbirgt sich die in der CDU seit geraumer Zeit verbreitete Hoffnung, endlich auch mal einen jungen Shootingstar in den eigenen Reihen präsentieren zu können. Die FDP hat ihren Rösler, die CSU ihren zu Guttenberg. Nun ist auch die CDU mit einer ausgesprochen jungen Ministerin vertreten.

Peter Tauber kennt Christina Köhler besser. Der junge Bundestagsabgeordnete ist – wie Köhler – seit Jahren in der Nachwuchsorganisation der hessischen CDU aktiv. Köhler sei "eine moderne junge Frau", sagt er. Sie werde bestimmt eine "große Kontinuität" zur Politik von Frau von der Leyen aufweisen. In der Debatte zum Betreuungsgeld, das die CSU gerne einführen möchte, werde sie bestimmt nicht klein beigeben. Er habe sie als selbstbewusst und durchaus streitbar kennengelernt. Außerdem hat Köhler sich als Obfrau im BND-Untersuchungsausschuss bereits in der vergangenen Legislaturperiode ihre Meriten verdient. So konnte sie Merkels Vertrauen gewinnen.

Angela Merkel ist das Familienressort wichtig. Aus Prestigegründen, hier kann sie am besten demonstrieren, wie sehr sich die CDU unter ihrer Führung gewandelt hat, wie viel offener und liberaler sie geworden ist. Insofern ist es ihr vermutlich tatsächlich recht, dieses Ressort mit einem jungen unverbrauchten Gesicht zu besetzen. Köhler selbst  sagte dem ZDF kurz nach ihrer Nominierung: Von der Leyen sei eine "ganz tolle Familienministerin" gewesen. "Ich will ihre erfolgreiche Familienpolitik fortsetzen."

Und noch etwas dürfte Merkel zu dieser Nominierung bewogen haben. Mit Köhler verhinderte sie, dass nach Jungs Abgang wieder einer der alten Weggefährten von Roland Koch in ihr Kabinett einzieht. Den ganzen Tag über galten in vielen Medien der hessische Innenminister Volker Bouffier oder der hessische Fraktionschef Christean Wagner als heißeste Favoriten auf die Jung-Nachfolge. Beides Politiker, die von der Landesopposition wahlweise als "Hardliner" oder als "Kulturkämpfer" bezeichnet werden. Das hätte nicht in Merkels Personalprofil gepasst.

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Leser-Kommentare

    • 27.11.2009 um 20:53 Uhr
    • TDU

    Vermutlich hätte es viel geeignetere Kandidaten gegeben unter denen, die dieser Tage viel von Familie reden, aber in dieser Richtung politisch ebenfalls nicht aufgefallen sind....

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    ... als Obfrau im BND-Untersuchungsausschuss bereits in der vergangenen Legislaturperiode ihre Meriten verdient. So konnte sie Merkels Vertrauen gewinnen."

    Was kam eigentlich bei besagtem Ausschuß heraus? Na, also! Eine wertvolle Frau.

    ..."politisch aufgefallen", wie das unten verlinkte UTube Vid zeigt. Sie stellte Deutschen Hass von Ausländern fest. Leider hat sie in gewisser weise Recht. Es ist seit geraumer Zeit eine zunehmende Abneigung zumindest in meiner persönlichen inländischen Ausländerstichprobe festzustellen und die Auslandsmedien konstatieren zwischenzeitlich immer öfter eine Zunahme reprehensibler Handlungen und Verhaltensweisen der deutschen Politik.
    Die Begründungen, was so schlimm an "den Deutschen" sein soll, sind recht konsistent und basieren in meiner Beobachtung recht solide in realistischer Erkennung der Lage. Ich kenne die Kritik aus dem Ausland seit Jahrzehnten und beobachte, dass sie hier im Inland schlicht ignoriert wird. Man feindet sogar die Boten an, die die Nachricht ins Inland tragen. Aus dem UTube Beitrag scheint hervorzugehen, dass Frau Köhler eine der Anfeinder ist. Wollen wir hoffen es sei nicht so....

  1. frisch aus der Dusche Gezerrt? Mann bzw. Frau, die Typenberatung!! http://kallewestrich.blog...

    • 27.11.2009 um 21:10 Uhr
    • quax74
    3.

    Hatte Renate Künast eigentlich einen Bauernhof?

  2. Naja, man sollte Ihr erst mal eine Chance geben, noch hat Sie immerhin nichts falsch gemacht. Und viel schlimmes hat die Zeit ja nicht gefunden – schade das im Artikel nicht steht, was sie genau und in welcher Qualität im BND-Untersuchungsausschuss gemacht hat.

    Mir macht ihr Dauergrinsen etwas Angst, dass könnte Sie sich von Ihrer Vorgängerin ab geschaut haben. Ansonsten kennt Sie das Vokabular „Zielkonflikte“ und hat etwas über den Tellerrand „Uni-Erfahrung“ – dies kann der CDU im Bereich des Interkulturellen sicherlich nicht schaden. In Ihrem ersten Interview hat Sie sich m. M. gut verkauft.

    Viel Glück von dieser Stelle, in der Hoffnung das es Familienministerin bald mehr gibt als gelenkte Propaganda und PR. Bleiben wohl die Staatssekretäre? Was sind das eigentlich für Leute? Solche Fragen wäre mal für den nächsten Artikel in der FAZ/SZ/Zeit interessant.

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    Zu ihren Äußerungen zu »deutschenfeindlicher Gewalt« gibt es noch ein youtube Video. Fr. Köhler benutzt hier wohl einen Prof. Pfeifer zum Thema „Jugendgewalt“ als „Wahlkampfbelegmaterial“ für R. Koch.

    Sie macht also genau das Gegenteil von dem, was ich von einer universitär vorgebildeten Person erwartet hätte. Schade, der erste Eindruck schon ruiniert, knapp eine Minute später. Böses Internet.

    (ab: 5:28 Ende)
    http://www.youtube.com/wa...
    http://www.kfn.de/Mitarbe...

    • 27.11.2009 um 21:17 Uhr
    • Jelau

    Wenn Unternehmen Ihre Führungspositionen nach ähnlichen Kriterien vergeben wie unsere Kanzlerin Ministerämter vergibt, dann verschwinden sie alsbald vom Markt. Es besteht also noch Hoffnung!

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      TheAnarch0

    Große Unternehmen besetzen ihre Führungspositionen nach ähnlich undurchsichtigen Verfahren. Mit der Qualität der ausgesuchten Bewerber hat das meistens nichts zu tun sondern ehr mit dem Windschatten in dem er/sie fährt.

    Dies mag ja teilweise stimmen, aber Sie werden keine wirklich funktionierende Firma finden, in der der Anteil an Warmluftpiraten in der Führungsetage so hoch ist, wie in in diesem Bundeskabinett.

  3. Wer für die Kinder politische Verantwortung bernimmt, sollte auch deren Zukunft sichern.

    Frau Köhler hat sich stattdessen in einer Bundestags-Rede für den Ausbau "effizienter, fossiler Technologien" eingesetzt, die nach ihrer Auffassung "so weit entwickelt sind, dass sie auch in Schwellen- und Entwicklungsländern ressourcenschonend und wirtschaftlich eingesetzt werden könnten". Die kostengünstige Förderung von Alternativen durch das EEG lehnt se ab.
    Kein Wort zu den Gefahren, die Schwellenländer eingehen, wenn sie ihre Volkswirtschaften jetzt mit neuen fossilen Kraftwerken aufbauen, die vielleicht in 10 Jahren nur noch Schrottwert haben, so wie früher die Fabriken von Ozonschicht-schädigendem FCKW. Die Kohlekraftwerke, die bei uns dichtgemacht werden müssen, sind bis dahin im Schntt 40 Jahre alt, da ist der Verlust nicht so groß.

    Ein "Augen zu vor der Zukunft" macht jedenfalls keinen Mut, Kinder in diese Welt zu setzen. Aber das Ministerium ist ja auch für die Senioren zuständig - die mit Staatskrediten finanzierte Rente ist mit Frau Dr. Köhler wohl noch eine Weile sicher.

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      Babanus

    Frau Köhler hat sich stattdessen in einer Bundestags-Rede für den Ausbau "effizienter, fossiler Technologien" eingesetzt, die nach ihrer Auffassung "so weit entwickelt sind, dass sie auch in Schwellen- und Entwicklungsländern ressourcenschonend und wirtschaftlich eingesetzt werden könnten". Die kostengünstige Förderung von Alternativen durch das EEG lehnt se ab.

    Das spricht doch eher für sie.....

  4. 7. [...]

    "keine ahnung von familie" titelt die ZEIT.
    woher weiß die das?
    ist ja auch egal, hauptsache niedermachen!
    ach, dieser 'rebellische mut' der ZEIT, es ist doch einfach nur der der ewig nörglerische zeitgeist.

    köhler - der spiegel schreibt "jung, kinderlos und unverheiratet" - und die ZEIT exekutiert: "keine ahnung von familie".

    die ZEIT?
    keine ahnung von anstand
    [entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke. Die Redaktion/ew]

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    Sicher, der Artikel trieft nur so von der urbanen Häme gegen die sogenannte Provinz. Dieser Stiel ist wohl en vogue seit Berlin wieder Hauptstadt ist. Nichts desto Trotz lässt die politische Herkunft der Dame nichts gutes Erwarten.

    Vielleicht wollen sich die geneigten Konservativen hier (aber vor allem auch die jenigen, die keine sind) mal dieses video aus einer PANORAMA-Sendung zu Gemüte führen:

    http://www.youtube.com/wa...

    Ab 5:20 geht's los!

    Viel Spaß!

    naja   Wernerinitaly

    bezieht sich wohl auf ledig und kinderlos ... das ist nicht gerade das Gebiet, auf dem man Erfahrungen mit Familienleben macht.

    Und dass sie auf dem Fachgebiet Familie noch nicht beruflich (politisch) hervorgetreten ist, steht j auch im Artikel.

    Ich denke, da es unbedingt eine Hessin sein musste, hat wahrscheinlich Herr Al-Wazir recht mit seiner Einschätzung.

    na, liebe redaktion,
    jetzt also ist ihnen aufgegangen, dass ihr erster titel beleidigend war - haben den ja auch geändert, von 'keine ahnung von familie' in '...familienpolitik'.

    schade, dass ihre redakteure den "achten sie auf ihre ausdrucksweise"-standardspruch der 'zensur' so oft nicht beachten.

    aber ein paar deftige worte dringen schon durch, auch wenn die dann den ZEIT-pünktchen weichen müssen.
    gäbs die sternchen noch, ich hätte einen vollen himmel gekriegt.

    gruß an die usurpatoren der ZEIT

    Anstand.   lawaschkiri

    Anstand kann sich u. U. geradezu im Verstoß gegen das Schickliche, die Etikette, oder die geltende soziale Norm bewähren, sofern diese den grundlegenden Wert verletzt.

    Quelle: http://de.wikipedia.org/w...

    Vielleicht ist es sehr anständig von der ZEIT- oder der SZ-Redaktion solche Artikel zu produzieren und so dazu beizutragen, dass man Worthülsen wie "Leistungsträger" oder "Neidgesellschaft" zu analysieren lernt. "Meritokratie" funktioniert nicht immer so schön, wie man uns das vorgaukelt, bzw. funkioniert gut, aber nicht gerecht. Hinter die Kulissen zu blicken lohnt sich immer, und dafür haben wir unabhängige Journalisten bzw. sollten wir diese haben.

  5. Zu ihren Äußerungen zu »deutschenfeindlicher Gewalt« gibt es noch ein youtube Video. Fr. Köhler benutzt hier wohl einen Prof. Pfeifer zum Thema „Jugendgewalt“ als „Wahlkampfbelegmaterial“ für R. Koch.

    Sie macht also genau das Gegenteil von dem, was ich von einer universitär vorgebildeten Person erwartet hätte. Schade, der erste Eindruck schon ruiniert, knapp eine Minute später. Böses Internet.

    (ab: 5:28 Ende)
    http://www.youtube.com/wa...
    http://www.kfn.de/Mitarbe...

    Antwort auf "Es geht nur besser"
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    Immer wieder muß ich erkennen, wie wenig ich weiß und wievielen Meldungen ich immer wieder als wahr einschätze obwohl sie von Politikern frei erfunden oder manipuliert wurden.

    ...   Manfred Mustermann

    Einfach wunderbar, wie der Kriminologe Pfeiffer Frau Köhler auffliegen lässt, die seine Studie erstens missversteht, und zweitens für eigene politische Zwecke instrumentalisiert.
    Sehr bemerkenswert im übrigen auch, dass bei 4:34 von "Arbeitslagern" die Rede ist.
    Zum Thema: Der letzte Abschnitt des ZEIT-Artikels bzw. al-Wazir bringen die Sache auf den Punkt.

    Volksverhetzung mit Hilfe von missbräuchlichen & verstümmelten Interpretationen, so dass sich sogar ein zitierter Prof. ausdrücklich dagegen verwahren muss ---

    Die Dame scheint einen recht herzhaften Umgang mit Begriffen wie Humanität, Ehrlichkeit & Anstand zu pflegen.
    Wahrscheinlich müssen wir bald damit rechnen, das alle Harz IV Familien die auf Deutschland schimpfen abgeschoben werden. Aber was soll's, man kann ja das Problem als Chance begreifen und eine drohende Zwangsumsiedlung als längere Urlaubsreise betrachten, und außerdem ist Madagaskar eine wirklich zauberhafte Insel..

    Dazu gibt es schon seit ewigen Zeiten eine sehr gute Stellungnahme von Frau Köhler: http://www.kristina-koehl...

    Diese Panorama-Sendung war eine Beleidigung für jeden halbwegs selber denkenden Menschen.

    MfG

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