Tanklaster-Bombardement von Kundus

Guttenberg verteidigt Nato-Luftschlag

Der Neu-Verteidigungsminister hat sich zum geheimen Nato-Bericht geäußert, die Folgerungen wurden von der Opposition heftig kritisiert: Berlin bewertet das Kundus-Unglück.

Bleiben auf Nato-Linie: Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, r) und der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr, Generalleutnant Georg-Johann Dora (hinten)

Bleiben auf Nato-Linie: Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, r) und der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr, Generalleutnant Georg-Johann Dora (hinten)

Der Ton ist anders, das Auftreten ist anders, und die Linie ist es auch. Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich nicht gerade gewünscht, seine erste Pressekonferenz als Verteidigungsminister mit einem derart heiklen Thema wie dem umstrittenen Bombardement von zwei Tanklastern in Kundus bestreiten zu müssen. Auf der anderen Seite: Besser als bei diesem Anlass hätte gar nicht deutlich werden können, dass der Neue wirklich frischen Wind in den Bendler-Block hineinbringt. Offen distanziert sich Guttenberg nicht von seinem Vorgänger Franz Josef Jung, und er beteuert auch, dass er keinen Zweifel an der Einschätzung von Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan habe. Aber neben ihm stand nicht der Vier-Sterne-General, der auf Dienstreise war, sondern dessen Vize Johann-Georg Dora.

Zu welchem Ergebnis kommt Guttenberg?

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Das Urteil, das Guttenberg über das Verhalten des Obersten Georg Klein und seiner Soldaten abgibt, unterscheidet sich im Endergebnis nicht von dem Jungs und Schneiderhans. In Abwägung des „gesamten Bedrohungshintergrunds“ an jenem 4. September sei es „militärisch angemessen“ gewesen, die von Taliban entführten Tanklastzüge zu bombardieren. Doch der neue Minister räumt ein, was der alte nie so aussprechen wollte: Es habe „Verfahrensfehler“ gegeben bei Anwendung der Einsatzregeln der Afghanistan-Schutztruppe Isaf, und es habe offenbar zivile Opfer gegeben. Er persönlich gehe jedenfalls davon aus, sagt Guttenberg und versichert zugleich, dass er jedes dieser zivilen Opfer „von Herzen und zutiefst bedauere“. Gleichwohl komme er zu dem Schluss: „Selbst wenn es keine Verfahrensfehler gegeben hätte, hätte es zu dem Luftschlag kommen müssen.“

Wie Guttenberg zu diesem Schluss kommt, sagt er nicht – denn, leider, die Berichte, auf deren Basis er urteilt, seien nun mal geheim. Und die Nato habe sich auch nicht bereit erklärt, den „Geheim“-Stempel zu löschen – „Ich hätte es mir anders gewünscht.“ Eine Ausnahme von der Geheimnistuerei macht der Minister dann aber doch. Dass die entführten zwei Tanklaster sich in der Nacht auf einer Sandbank im Kundus-Fluss festgefahren hatten, ist schließlich bekannt. „Jetzt kann man zu dem Schluss kommen, dass die Tanklaster noch zwei Tage festgesteckt hätten“, sagt Guttenberg. Denkbar sei aber auch gewesen, dass sie in den nächsten fünf Minuten wieder flott gewesen wären. Dass es schon Anschläge gegeben hat, bei denen Taliban solche Tanklaster als rollende Bombe eingesetzt haben, ist bekannt. Oberst Klein, der in sehr kurzer Zeit entscheiden musste, habe aus seiner Wahrnehmung der Gefahrenlage heraus gehandelt – und im Ergebnis eben „militärisch angemessen“.

Ist die Angelegenheit damit erledigt?

Die Opposition mag sich dieser Darstellung so noch nicht anschließen. Vor der Presse hat Guttenberg am Freitag die Verteidigungsobleute der Fraktionen in Vertretung ihrer Fraktionschefs unterrichtet. Zwar loben Beteiligte danach ausdrücklich dieses Gespräch – Guttenberg habe alle Fragen beantwortet und sei präzise über den Nato-Bericht im Bilde gewesen – „der hat nicht nur die Zwischenüberschriften gelesen, sondern auch den Text“, sagt ein Teilnehmer. Doch könne man, sagt etwa der Grünen-Wehrexperte Omri Nouripour, die Regelverstöße unter Oberst Kleins Kommando nicht zur Lappalie erklären: „Das würde ja bedeuten, dass die Regeln unwichtig sind.“ Auch Guttenbergs Hinweis darauf, dass diese Regeln teilweise „widersprüchlich, verwirrend und auch veraltet“ seien, rechtfertige nicht den Verstoß dagegen. Der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold sieht sogar einen Grundsatzkonflikt heraufziehen. „Wenn er glaubt, in Afghanistan ist der Abwurf von schweren Bomben auf große Menschenmassen zu rechtfertigen, dann kann die Sozialdemokratie da nicht mehr mitgehen“, sagt Arnold. „Das ist nicht gerechtfertigt und nicht angemessen.“ SPD und Grüne rügen überdies die Geheimhaltung: So erfreulich es sei, dass Fehler zugegeben würden – das ersetze nicht eine offene Debatte darüber. „Die kann man aber nicht auf der Grundlage von Geheimpapieren führen“, kritisiert Nouripour.

Zumal, hätte er anfügen können, andere mit den angeblichen Geheimnissen sehr viel lockerer umgehen. Egon Ramms, deutscher General, aber als Kommandeur des Nato-Hauptquartiers in Brunssum dem Bündnis unterstellt, sagt offen, was am 4. September in Kundus falsch gelaufen ist: Die Bomber-Piloten, die Klein zur Luftunterstützung angefordert hatte, hätten ausdrücklich darum gebeten, vor dem Bombardement im Tiefflug über den Schauplatz donnern zu dürfen. Das ist das übliche Vorgehen, um Unbeteiligte in die Flucht zu treiben. Doch Klein hatte abgelehnt. Wie viele Zivilisten starben, als die F-15 ihre Bomben ausklinkten und die zwei Tanklastzüge in die Luft jagten, ist bis heute unklar – 17 bis 142 nennt der Nato-Bericht.

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Leser-Kommentare

  1. und der Jutenberch, dat war ne gute Chef! Der stand zu uns, der hat uns aus der xxx rausgeholt. Der hat auch als erste jesacht, dat Kriech ist. Der andere da, davor, der Jung, der hat mit Wörtern gespielt. Aber der Jutenberch, dat ist ne rischtiche Kerl! Der hat damals einjesehn, dass uns das Pippi bis zum Hals stand. Da kann man keine Unterschied mehr machen zwischen Taleban und Talmachlan. Die sin doch eh alle bekloppt da unten, je weniger davon, desto besser.

  2. wenn man mal eben so 124 Unschuldige ueber den Jordan geschickt hat?

    Fuer mich war das Mord.Krieg hin oder her.Wenn ich mir vorstelle ,dass einer meiner Söhne oder meine Frau bei einem solchen "Unfall" ums Leben gekommen waere, dann dreht sich mir der Magen um....wie kann man sowas noch als militärisch angemessen akzeptieren?Jungs Weigerung vom Krieg zu reden war lacchhaft,Guttenbergs Geseiere ist auch nicht auszuhalten.

    Jedenfalls steht fuer mich ab diesen Tag fest,dass der "Westen" den Krieg miltitärisch und vor allem poltisch verlieren wird.
    Wie hat ein bekannter Philosoph doch so einleuchtend erklärt?Der Westen hat ja nicht wegen der Ueberlegenheit seiner Werte die Welt so lange dominieren koennen sondern aufgrund der grosseren Skrupellosigkeit beim Einsatz von Gewalt."

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    > 2, laudatio   pjotrunlustig

    Reicht Ihre Vorstellungskraft auch so weit, zu erkennen dass Ihre Frau und Ihr Sohn nachts nichts dort zu suchen haben wo bewaffnete Terroristen zwei gekaperte Lastzüge versuchen, freizulegen? Es sei denn, sie werden von den Bewaffneten unter Gewalt gezwungen sich dort aufzuhalten um die fahrenden Bomben wieder in Bewegung zu bekommen.

    Reicht Ihre Vorstellung auch so weit, anzuerkennen, dass der Oberst davon ausgehen musste, dass die rollenden Bomben demnächst dann auf einem zivilen Markt unter Zivilbevölkerung oder als militärisches Angriffsobjekt auf Mischziele eingesetzt werden würden und er dieses ganz einfach zu verhindern hatte, das ist seine Pflicht?

    Andererseits: Hunderte Tote durch zwei rollende Großbomben - das wäre ja auch wieder eine tolle Gelegenheit geworden, den sofortigen Abzug der Soldaten zu fordern. Darauf zu spekulieren, das ist perfide.
    Das unterstelle ich Ihnen aber nicht. Ich schließe solch eine Denke insgesamt aber bei Manchen nicht aus.

    Eins war es aber garantiert nicht: Mord.

    Und hier in Deutschland am warmen Ofen zu sitzen und Mörder zu schreien gegen Jemanden, der in einer konkreten Gefahrensituation abwägen und Entscheidungen treffen muss ist zynisch.

    Der Oberst konnte in der konkreten Gefahrensituation nicht die Erkenntnisse der nachfolgenden Untersuchungen in seine Entscheidung einbeziehen, wie Sie hier.

    Ich sage zu einem Mitmenschen wie Ihnen: Pfui. Schreibtischtäter.

    Hallo
    Ja, das kann er.
    Denn seine Aufgabe ist es unter anderem auch dafür zu sorgen das SEINE Untergebenen heil und vollzählig wieder nach Hause kommen. Und die Risikobewertung und das reagieren darauf obliegt nun mal den Soldaten/Offizieren vor Ort und niemand anderem.
    Was die Druckserei betrifft.
    Es waren die Rot/Grünen "Friedensapostel" und Realitäts-Verweigerer, die dafür gesorgt haben das Krieg nicht Krieg genannt werden darf, und sie waren es die den Einsatz zu verantworten haben.
    Btw.
    Das sich ein Verteidigungsminister vor seine Untergebenen stellt gehört zu seinen vornehmsten Pflichten.
    Gruss
    Rene

  3. Die "Absetzbewegungen" von SPD und Grünen sind nur noch peinlich.

    Es war die rot-grüne Koalition, die unsere Soldaten in diesen Krieg geschickt hat.
    Es waren Schröder, Fischer und Struck, die auf jegliche Exitstrategie verzichtet haben. Es waren die Bundestagsabgeordneten von SPD und Grünen, die für die Entsendung unserer Soldaten in diesen Krieg gestimmt haben.

    Nebenbei sind von 2002 bis 2005 auch von deutschen Soldaten kriegerische Handlungen vorgenommen worden, gegen die die Ereignisse vom 04.09.2009 in Kundus ein harmonischer Kindergeburtstag waren.

    Abgesegnet wurde das von der rot-grünen Regierung unter Schröder und Fischer. In der Sache waren diese Entscheidungen richtig. Aber wenn SPD und Grüne neuerdings einen anderen Beurteilungsmaßstab haben, dann müssen sie sich auch an ihren Taten messen lassen.

    Vielleicht sollte man mal bekannt machen, was rot-grün für einen geheim gehaltenen Krieg im Kabinett beschlossen und betrieben hat.

    Wenn SPD und Grüne weiterhin einen derartigen Populismus auf dem Rücken der Soldaten der Bundeswehr betreiben, dann werden sich viele Soldaten nicht mehr an ihre Geheimhaltungsverpflichtung gebunden fühlen.

  4. die UNO, der Bundestag, das Bundesverfassungsgericht, das diesen Einsatz gebilligt haben.

  5. Es ist unglaublich, wie hier von manchen Seiten auf unsere Soldaten eingedroschen wird.

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    wie die jenigen, die scheinbar am wenigsten Verständins vom Militär haben, unsere Soldaten in Schutz nehmen. Der, auf den hier "eingedroschen" wird, ist Oberst Klein, ein Offizier. Zwar auch "Soldat", aber das Wort Soldat wird ja ohnehin nur als Synonym für den einfachen Mannschaftsdienstgrad verwendet.

  6. Reicht Ihre Vorstellungskraft auch so weit, zu erkennen dass Ihre Frau und Ihr Sohn nachts nichts dort zu suchen haben wo bewaffnete Terroristen zwei gekaperte Lastzüge versuchen, freizulegen? Es sei denn, sie werden von den Bewaffneten unter Gewalt gezwungen sich dort aufzuhalten um die fahrenden Bomben wieder in Bewegung zu bekommen.

    Reicht Ihre Vorstellung auch so weit, anzuerkennen, dass der Oberst davon ausgehen musste, dass die rollenden Bomben demnächst dann auf einem zivilen Markt unter Zivilbevölkerung oder als militärisches Angriffsobjekt auf Mischziele eingesetzt werden würden und er dieses ganz einfach zu verhindern hatte, das ist seine Pflicht?

    Andererseits: Hunderte Tote durch zwei rollende Großbomben - das wäre ja auch wieder eine tolle Gelegenheit geworden, den sofortigen Abzug der Soldaten zu fordern. Darauf zu spekulieren, das ist perfide.
    Das unterstelle ich Ihnen aber nicht. Ich schließe solch eine Denke insgesamt aber bei Manchen nicht aus.

    Eins war es aber garantiert nicht: Mord.

    Und hier in Deutschland am warmen Ofen zu sitzen und Mörder zu schreien gegen Jemanden, der in einer konkreten Gefahrensituation abwägen und Entscheidungen treffen muss ist zynisch.

    Der Oberst konnte in der konkreten Gefahrensituation nicht die Erkenntnisse der nachfolgenden Untersuchungen in seine Entscheidung einbeziehen, wie Sie hier.

    Ich sage zu einem Mitmenschen wie Ihnen: Pfui. Schreibtischtäter.

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    Niemand schreit Mörder. Aber wenn sie behaupten, Oberst Klein habe um die afghanische Zivilbevölkerung zu schützen 124 Afghanen, in der großen Mehrzahl wohl Zivilisten, in die Luft gejagt, dann unterstellen Sie ihm entweder Zynismus oder Dummheit. Ob diese Zivilisten sich um den Tanklaster hätten scharen dürfen oder nicht ist völlig, völlig!, irrelevant. Sie haben es getan, und Oberst Klein wusste das, oder hätte es mindestens leicht in Erfahrung bringen können. Fertig.

    Es ging und geht nicht um das afghanische Volk. Es geht darum, dass wir da unten einen Krieg führen ohne einen Krieg führen zu wollen. Und deswegen alles, wirklich alles tun, um Verluste auf unserer Seite zu verhindern. Das hat unsere Regierung zu verantworten. Man muss aber auch dazusagen, dass die Bevölkerung hierzulande da mitzieht und eine andere Strategie - bei der im Zweifelsfall Bundeswehrsoldaten Opfer des Tanklasters würden - niemals mittragen würde. Ein gefallener deutscher Soldat bekommt hier nun einmal ein größeres Medieninteresse, eine größere Anteilnahme, als 20 afghanische getötete Zivilisten, die auf unser Konto gehen. Das ist mir gar nicht fremd, verstehen Sie mich nicht falsch. Aber auf diese Weise werden wir den Krieg nicht gewinnen. Ganz - oder eben gar nicht. Die "Methode Oberst Klein", die eigentlich die Methode Bundesregierung ist, wird uns jedenfalls nur immer weiter zurückschlagen.

    • 06.11.2009 um 23:29 Uhr
    • Rellem

    Hallo
    Ja, das kann er.
    Denn seine Aufgabe ist es unter anderem auch dafür zu sorgen das SEINE Untergebenen heil und vollzählig wieder nach Hause kommen. Und die Risikobewertung und das reagieren darauf obliegt nun mal den Soldaten/Offizieren vor Ort und niemand anderem.
    Was die Druckserei betrifft.
    Es waren die Rot/Grünen "Friedensapostel" und Realitäts-Verweigerer, die dafür gesorgt haben das Krieg nicht Krieg genannt werden darf, und sie waren es die den Einsatz zu verantworten haben.
    Btw.
    Das sich ein Verteidigungsminister vor seine Untergebenen stellt gehört zu seinen vornehmsten Pflichten.
    Gruss
    Rene

  7. wie die jenigen, die scheinbar am wenigsten Verständins vom Militär haben, unsere Soldaten in Schutz nehmen. Der, auf den hier "eingedroschen" wird, ist Oberst Klein, ein Offizier. Zwar auch "Soldat", aber das Wort Soldat wird ja ohnehin nur als Synonym für den einfachen Mannschaftsdienstgrad verwendet.

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  • Von Robert Birnbaum
  • Datum 6.11.2009 - 21:07 Uhr
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