Lafontaine-Rückzug Die Genossen fallen übereinander her
In der Linkspartei sind die Vorbehalte groß, nun die Nachfolge Lafontaines zu debattieren. Dennoch bringen sich potenzielle Kandidaten in Stellung.
© Johannes Eisele/Reuters

Die Krebserkrankung Oskar Lafontaines sorgt für Unruhe in der Linkspartei
Die Linkspartei streitet: Die einen über die Nachfolge von Oskar Lafontaine, die anderen darüber, ob eine solche Debatte sich verbietet. Während sich der Parteichef am Donnerstag in die Uniklinik Homburg/Saar begab, um sich einer Krebsoperation zu unterziehen, fielen die Genossen übereinander her.
Vor allem Bodo Ramelow, Fraktionschef in Thüringen und selbst interessiert am Spitzenamt, musste sich gegen heftige innerparteiliche Angriffe verteidigen. In zahlreichen Interviews versicherte er, es gebe keine Nachfolgedebatte. Er selbst strebe "tagesaktuell" nicht den Parteivorsitz an.
In die Kritik einbezogen wurde auch Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, gleichfalls an der Lafontaine-Nachfolge interessiert. Parteifreunde verdächtigten ihn hinter vorgehaltener Hand, Informationen über Lafontaines Privatleben – eine angebliche Affäre mit der Kommunistin Sahra Wagenknecht – der Presse zugespielt zu haben. Bartsch hatte sich mit der Aussage zitieren lassen, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Lafontaines Rückzug vom Fraktionsvorsitz und seiner jetzigen Erkrankung.
NRW-Landeschef Wolfgang Zimmermann griff Bartsch und Ramelow in der Zeitung Junge Welt als "pietätlos" an. Parteivize Klaus Ernst sagte an die Adresse von Ramelow, es sei "geschmacklos, jetzt ungefragt Namen ins Spiel zu bringen, wo wir einen amtierenden Vorsitzenden haben". Bartsch nahm im Sender N24 die Entscheidung über die politische Zukunft von Lafontaine vorweg: "Oskar Lafontaine ist Parteivorsitzender der Linken. Er wird im Mai nächsten Jahres wieder kandidieren."
Doch hinter den Kulissen geht die Diskussion ungebremst weiter. Ohne damit zitiert werden zu wollen, spekulierten Spitzenpolitiker der Linken weiter über ein Ende von Lafontaines politischer Laufbahn. Fidel Castro, Kubas Staatschef, sei ja "ganz lange" geblieben, "so lange" werde Lafontaine wohl nicht bleiben, hieß es.
Ein Engagement von Lafontaine und Gregor Gysi im Bundestagswahlkampf 2013 sei zwar vorstellbar und wünschenswert, nicht aber eine weitere Spitzenkandidatur. Denn die beiden Vormänner, jetzt 66 und 62 Jahre alt, könnten die Partei wohl kaum noch bis 2017 prägen. Lafontaine stehe für den Erfolg im Westen, sichere gegenwärtig auch die innere Balance der Partei. Andererseits habe er "seine großen Ziele erreicht", darunter die Ablösung von Gerhard Schröder als Kanzler und die Etablierung der Linken im Parteiensystem. "Ich glaube, dass er nicht die Absicht hat, nochmal ernsthaft in ein Bundeskabinett zu gehen", sagte ein Funktionär.
In Gegensatz zur Diskussion in der Linkspartei überboten sich Sozialdemokraten mit Solidaritätsadressen. Die Bild-Zeitung zitierte eine E-Mail von Altkanzlergattin Doris Schröder-Köpf an Lafontaine: "Lieber Oskar, die Zeit ist vergangen, die Wut auch. Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute. Liebe Grüße." SPD-Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier wünschte Lafontaine "baldige Genesung und alles Gute".
Ex-SPD-Chef Rudolf Scharping, 1995 auf dem Mannheimer Parteitag von Lafontaine gestürzt, sagte, wenn es um die Gesundheit gehe, müsse man über politische Gräben hinwegsehen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles spekulierte über eine Linkspartei ohne Lafontaine an der Spitze. Dies würde zu einer "Belastungsprobe erster Ordnung" für die Linke, sagte sie: "Dann wird diese Partei zerfallen."
(Erschienen im Tagesspiegel)
- Datum 20.11.2009 - 10:29 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 8
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Was will der Text uns sagen?
- Dass Lafontaines Krankheit innerparteiliche Überlegungen auslöst? ( Was würde geschrieben, wenn das nicht der Fall wäre?) oder
- Dass die Linkspartei a) ein zerstrittener Haufen und somit unwählbar ist und b) ohne Oskar Lafontaine ohnehin zerfallen wird?
Frau Nahles hat immer noch nicht begriffen, dass die LINKE durch das Abrücken der SPD vom sozialdemokraatischen Gedankengut entstanden ist. Die LINKE entstand durch das Versagen der SPD, nicht durch die Lafontaine gerne unterstellte Eitelkeit etc. Mit oder ohne ihn wird sie wachsen.
Das geifern der (politische) Beute riechenden Hyänen und Aasgeier am Krankenbett des Linken-Vorsitzenden sagt viel über Anstand und politische Kultur der agierenden Personen aus.
Archaisch wie in der Savanne umkreisen sie den gesundheitlich Angeschlagenen und warten auf ihr Stück vom politischen Kadaver.
War natürlich klar, dass Frau Nahles bei so was mal wieder in erster Reihe anzutreffen ist.
dass die Gründung und Existenz der LINKEN das Beste ist, was Lafontaine für die Zukunft der SPD tun konnte. Auch damit hat er sich als einer der wenigen - wenn nicht gar als der einzige - deutsche Politiker ausgewiesen, der nicht nur pragmatisch in seinem Tagesgeschäft dahin wurstelt, sondern der eine große, strategische Vision hat.
Ramelow sagte, dass unabhängig von der Erkrankung Lafontaines man langsam beginnen müsste über einen Generationenwechsel nachzudenken. Das meint Gysi, Lafontaine und Byski. Angesichts deren Alters nur vernünftig. Was die Zeit da jetzt draus macht. Namentlich nicht genannt werden wollende. Und es kursiert.. und bla. bla. bla. Gossenjournalismus willkommen. Wurstblatt "die Zeit". Der SPD Rechte Naumann bringt das Blatt dahin wo er und andere es eben haben wollen.
Ohne Lafontaine und Gysi ist die Linke kopflos als Sammelsurium von unzufriedenen EX-SPDlern, Ostalgikern und dem linken Rand des politischen Spektrums.
Wie die USPD wird sie zu einer Seifenblase der Geschichte, die zwischen einer nach links rückenden SPD und Sachzwängen vielleicht schon bis zum Ende dieser Legislaturperiode zerplatzt.
Da, wo sie mit in Regierungsverantwortung genommen wird, macht sie keinesfalls Furore, wie auch O.L. für Brandenburg richtig realisiert hat.
Eine politische Partei ist doch kein Fußballverein, der ü30-Spieler ins Rentnerdasein verdammt. Ein 40-jähriger Torwart wird trotz Topform in Richtung Aufhören gedrängt.
Ein Alter jenseits der 65 gilt in der Politik ja mittlerweile als Fossilwerdung im fortgeschrittenen Stadium. Verjüngung ja, aber Alte raus? Grast da die Angst eines Generationenkonfliktes? Oder ist es bloß kommunikative Unfähigkeit zwischen den verschiedenen Altersgruppen? In einer wählbaren politischen Partei möchte man doch bitte sehr alle Altersgruppen entsprechend berücksichtigen. Auch in den Führungsgremien.
Die Protagonisten in der Linkspartei wären gut beraten, sich nicht von machtbesessenen Linken eine eventuelle Zukunftsfähigkeit mit Verjüngungswahn aufschwatzen zu lassen.
Nicht das Alter sondern die Fähigkeit, politisch zu wirken, sollte der Qualifizierungsmaßstab sein.
Ach ja, als 50jähriger läge ich gerade in der günstigen Alterskonstellation, gehöre jedoch keiner politischen Partei an.
... das wäre ein anderes Thema, ein parteipolitisches, das an den Grundfesten demokratischer Gepflogenheiten rütteln würde: Weshalb ist Parteizugehörigkeit wichtiger als Fachkompetenz?
zur gelungenen Artikelüberschrift. Der Leser ist sofort im Bilde. Danach kann man sich den Artikel selbst zu Gemüte führen, muss das aber nicht. Die Aussage ist klar. Vor allem die Aussage des Zeit-Redakteurs über sich und seine Redaktion. Man ist auf viel versprechendem Wege. Die Vereinigung von Wochenblatt und Boulevard. Könnte die Zukunft sein in schwierigen Zeiten.
Schon wieder ein Artikel über Lafontaine und die Linkspartei der sich fast ausschließlich auf Spekulationen und Gerüchte bezieht.
Wieso geben Sie angeblichen Informanten, die aber nicht zitiert werden wollen ein Plenum?
Haben Sie nun endgültig den Boden seriösen Journalismus' verlassen?
Dieser Artikel hat wirklich nichts zu bieten, was am Ende des Tages noch Bestand hat.
Ich habe Verständnis, wenn politische Gegner sich solcher populistischer Methoden bedienen um Zwietracht zu sähen und politisches Kapital zu schlagen(Ich schätze es jedoch bei keiner Partei und finde es entlarvt die Akteure).
Aber bisher hat sich die ZEIT als überparteilich verstanden.
Wo sind die alten ZEITen als man sich für solche Art von Boulevard-Journalismus zu schade war.
Oder gelten für die Online-Ausgabe die Spielregeln korrekter journalistischer Arbeit nicht mehr?
Lieber Masse als Klasse???
Wenn Sie zu einem Thema nichts relevantes zu sagen haben, dann lassen Sie es doch einfach, anstatt sich beim Tagesspiegel mit minderwertiger Ware zu bedienen.
Das ist einfach nur ärgerlich.
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