Eiserner Vorhang Maueropfer ohne Mauer
Wer an den Außengrenzen der DDR-"Bruderstaaten" getötet wurde, hat keine Chance auf Rehabilitierung. Die Geschichte eines jungen Mannes, der 1988 in Bulgarien starb.
© Martin Athenstädt/ dpa

Erinnerung an die Mauertoten: Installation am Checkpoint Charlie in Berlin aus dem Jahr 2004
"Hiermit beantrage ich meine Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR und die gleichzeitige Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland." Anderthalb Seiten lang ist der Ausreiseantrag von Frank Schachtschneider, den er beim Rat des Stadtbezirks Berlin-Köpenick abgibt, Abteilung Inneres. Er trägt das Datum vom 13. Juni 1988. Drei Monate später ist der 26-Jährige tot.
Wegen der "sozialen und politischen Situation in dem Land" könne er "nicht länger den Staat DDR mittragen", hat Schachtschneider in den Ausreiseantrag geschrieben. Er habe keine Chance auf eigenen Wohnraum, für seinen Nettolohn von 1100 bis 1200 DDR-Mark beim Textilreinigungskombinat Rewatex in Berlin kriege er nichts Ordentliches zu kaufen. Die Möglichkeiten zu reisen würden immer mehr eingeschränkt.
Weil es aber "für die DDR auch ein materieller Verlust" sei, wenn einer, der aus Mitteln des Staates ausgebildet wurde, das Land verlässt, macht der 26-Jährige dem Staat ein Angebot: Er biete an, "dass mein gesamter Besitz außer ein paar persönlichen Sachen der Gesellschaft zur Ausgleichung für die Kosten meiner Ausbildung zukommen soll, ungefährer Wert des Ganzen 20.000 Mark".
Wenige Tage später schickt Schachtschneider einen Brief an die Bundesministerin für innerdeutsche Fragen, Dorothee Wilms, mit der Bitte, "mich aktiv dabei zu unterstützen, die DDR verlassen zu können". Er wolle "mit allen Mitteln" seine Ausreise erreichen; und "(ich) scheue mich auch nicht davor, ins Gefängnis zu gehen".
Im Sommer 1988 verbringt der 26-Jährige seinen Urlaub im Schwarzmeerort Sosopol in Bulgarien. Am 18. August 1988 versucht er, die nahe gelegene Grenze zur Türkei zu überwinden, um von dort aus in die Bundesrepublik zu gelangen. Er wird von bulgarischen Grenzern gestellt und tödlich verletzt. Am 10. September stirbt er in einer Klinik in Burgas.
Olaf Schachtschneider ist ein kräftiger Mann von 71 Jahren, den so leicht nichts umwirft. Doch wenn Franks Vater über den Tod seines Sohns spricht, ist er auch nach 21 Jahren noch aufgewühlt. Und das nicht allein deshalb, weil der Verlust noch immer wehtut. Heute empfindet Schachtschneider neben Trauer vor allem Wut. "Bis heute kann jeder ungestraft behaupten, mein Sohn sei ein Verbrecher gewesen", sagt Olaf Schachtschneider. So, wie es in den Stasi-Akten steht.
Wer dabei erwischt wurde, eine Flucht geplant zu haben, oder wer gar bei dem Fluchtversuch gestellt wurde, spürte in der DDR die ganze Härte des Repressionsapparates und des Strafrechts. Nach der deutschen Einheit garantierten dann entsprechende Gesetze in diesen Fällen eine Rehabilitierung, die auch Voraussetzung für einen Entschädigungsanspruch ist. Und Maueropfer werden nach den gleichen Maßstäben rehabilitiert – jedoch nur, wenn sie an der innerdeutschen Grenze ums Leben kamen. Für diejenigen, die an der "verlängerten Mauer" – an den Außengrenzen von Bulgarien, Rumänien, Ungarn oder Tschechien zum Westen – getötet wurden, besteht bislang keine Möglichkeit der Rehabilitierung.
- Datum 04.11.2009 - 15:32 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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... ist die Tatsache, dass eben jene Verbrecher, die die Mauer errichten und die Selbstschussanlagen installieren ließen sowie den Schusswaffengebrauch angeordnet haben, heute im deutschen Bundestag und in Landes- und Regionalparlamenten sitzen und sich demokratisch gebärden.
Wo keine Lobby ist, die politischen oder sonstigen Vorteil verspricht, werden heute überwiegend politischerseits keine Denkmäler gesetzt oder Hände gerührt.
Wenn man zu DDR-Zeiten ein Stasiopfer wurde, hat man dies leider selbst Verschuldet.Wenn man die Fahne in den Wind gehangen hätte, könnten diese Opfer heute noch Leben!Denn aus den alten Opfern werden neue Opfer! Redet man zu Laut über die Vergangenheit, hören das die ehemaligen Verfolger! Dann wird der Mensch dann wieder zum Opfer!
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