Bundeswehr-Skandal Jung will im Amt bleiben
Die Rücktrittsforderungen werden lauter – doch Minister Jung bleibt dabei: Er habe Öffentlichkeit und Parlament über den tödlichen Angriff von Kundus korrekt informiert.
Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung hat sich vor dem Bundestag für seine Informationspolitik als Verteidigungsminister über den von einem deutschen Oberst angeordneten Luftangriff gerechtfertigt. Er habe sich nach dem Bombardement in der Nähe von Kundus am 4. September sofort um eine "sachgerechte Aufklärung" bemüht, sagte er in einer eigens anberaumten Debatte im Bundestag am Abend über die neuen Vorwürfe, er habe über den Luftschlag in Nordafghanistan und zivile Opfer nicht korrekt informiert.
Ein Bericht der Behörden von Kundus vom Tag des Angriffs hatte laut Jung keine Hinweise auf zivile Opfer erbracht, sondern von 56 getöteten bewaffneten Personen gesprochen. Danach habe er, Jung, auf Ergebnisse weiterer Untersuchungen gewartet.
Nachdem Medien am 6. September über zivile Opfer berichtet hatten, so führte Jung weiter aus, habe er umgehend mit den Verantwortlichen in Afghanistan gesprochen. Dabei habe er auch mit Oberst Klein, der den Angriff angefordert hatte, und dem Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe, US-General Stanley McChrystal, telefoniert. Beide habe er dringendst um Aufklärung gebeten. Schon zu diesem Zeitpunkt habe er im Übrigen zivile Opfer nicht mehr ausgeschlossen.
Von dem jetzt bekannt gewordenen Feldjäger-Bericht habe er erstmals Anfang Oktober erfahren, sagte der Minister weiter. Er habe den Bericht freigegeben und zugestimmt, dass er der Untersuchungskommission der Nato übermittelt wurde. "Konkrete Kenntnisse von diesen Bericht habe ich allerdings nicht erhalten", räumte Jung ein. Erst heute wisse er, dass dieser Bericht schon am 9. September erstellt worden und anschließend an das Verteidigungsministerium gegangen sei. Aus all dem folgerte Jung, "dass ich sowohl die Öffentlichkeit als auch das Parlament korrekt über den Sachstand informiert habe".
Die Opposition kritisierte Jungs Informationspolitik scharf und forderte ihn zum Rücktritt auf. Von einem Minister erwarte man, dass er, "auch wenn es schwierig wird, politische Verantwortung übernimmt", sagte SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. Er warf Jung eine "Salami-Taktik" und "Vernebelung" vor. Der Minister habe das Parlament immer nur scheibchenweise informiert und immer nur, wenn die Informationen nicht mehr zurückzuhalten gewesen seien.
Auch Links-Fraktionschef Gregor Gysi kritisierte, dass Jung nur Schritt für Schritt informiert und auch die Arbeit der Staatsanwaltschaft erschwert habe. "Sie werden letztlich keine andere Wahl haben. Ziehen Sie die Konsequenzen, das ist in Ihrem und in unserem Interesse." Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Jürgen Trittin, warf Jung vor, er habe "wissentlich oder unwissentlich" auch im Parlament die Unwahrheit gesagt: "Sie haben uns alle hinter die Fichte geführt." Trittin forderte wie Gysi auch Kanzlerin Angela Merkel und Guttenberg auf, sich zu dem Vorgang zu äußern.
Für die FDP reagierte deren verteidigungspolitische Sprecherin Elke Hoff distanziert auf Jungs Erklärung. Ihre Fraktion nehme sie "in der vorgebrachten Form zur Kenntnis". Hoff forderte ebenfalls eine lückenlose Aufklärung, warnte allerdings wie auch Abgeordnete der Union vor "Vorverurteilungen".
Am Freitagmorgen wird sich der Verteidigungsausschuss in einer Sondersitzung mit den neuen Vorwürfen befassen. Die Oppositionsparteien kündigten bereits an, dass sie einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss fordern werden, falls ihnen die Antworten nicht ausreichen. Union und FDP erklärten sich dazu bereit.
Kanzlerin geht auf Distanz
Den ganzen Tag über hatte es so ausgesehen, als sei die politische Karriere von Franz Josef Jung beendet – zu schwer wogen die Vorwürfe zur Informationspolitik des Verteidigungsministeriums im Zusammenhang mit dem Luftangriff auf die beiden Tanklaster in Afghanistan.
Am Nachmittag äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel auffallend distanziert zu Jung. Sie habe immer gesagt, dass der Afghanistan-Einsatz nur dann das Vertrauen der Bevölkerung haben könne, wenn es stets "volle Transparenz" und "volle Aufklärung" gebe.
Ausdrücklich stärkte sie dagegen dem neuen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den Rücken. Er habe ihre "volle Unterstützung, wenn er das aufklärt, was vielleicht noch aufzuklären ist und auch die notwendigen Konsequenzen vollzieht", sagte die Kanzlerin.
Der Verteidigungsminister hatte am Morgen als Konsequenz für die mangelhafte Information der Öffentlichkeit Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan entlassen. Auch Staatssekretär Peter Wichert musste seinen Posten räumen. Der politische Spitzenbeamte im Verteidigungsministerium war bereits unter Jungs Vorgängern Volker Rühe und Rudolf Scharping im Amt.
Zuvor hatte Guttenberg vor dem Bundestag bestätigt, dass Angaben zu zivilen Opfern im Ministerium zurückgehalten worden waren. Diese seien ihm erst am Vortag bekannt geworden. Auf die Rolle seines Vorgängers Jung ging Guttenberg nicht ein. Der CSU-Politiker kritisierte jedoch, dass ihm auch "andere Berichte und Meldungen aus der letzten Legislaturperiode" vorenthalten worden seien.
Auslöser der "Vertuschungsaffäre" ist ein geheimer Untersuchungsbericht zu dem Bombardement auf zwei von Taliban entführte Tankzüge bei Kundus. Den Angriff hatte die Bundeswehr bei den amerikanischen Einheiten der Isaf-Truppe angefordert. Dabei kamen nach Nato-Angaben bis zu 142 Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten ums Leben.
- Datum 27.11.2009 - 07:39 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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Jeder Krieg ist Grundfalsch auch wenn jeder Krieg mit den besten guten Gründen einher kommt.
In jedem Krieg gibt es Massenmord - sonst ist es kein Krieg!
Hier wird scheinheilig beklagt und ob man den Kopf wechselt oder nicht - völlig egal!
Der US Krieg besitzt nur einen Grund - es wird Geld dabei gemacht - gwinnen will den eh keiner - dann währe ja Frieden!
...ob bei einer so offensichtlich explosiven und politisch potentiell tödlichen Situation ein "Nicht Wissen" Schutz für die Befehls- und Politikkette zulassen sollte. Es ist unvorstellbar, dass man den jeweiligen Vorgesetzten belogen hätte. Es ist vorstellbar, dass ein Vorgesetzter nicht wissen wollte, nicht fragte oder Kenntnissen auswich; die Berichte nicht anforderte, nicht las.
Die Frage muss sein, ob man von sojemandem Regiert werden will oder sogar darf.
Jung will von nichts gewußt haben? Und unsere Frau Merkel hat auch nichts gewußt? Komisch ist das schon, bei all den Geheimdiensten!!!!! Aber was für uns doofes Volk gut ist, dass scheinen sie zu wissen. Krankhaft. Auch der Chef sollte seinen Hut, nein ihr Handtäschchen nehmen.
ZUSTIMMUNG !!
ZUSTIMMUNG !!
versuchte Herr Jung gerade damit zu überzeugen, daß er zwar von der Existenz des fraglichen Berichtes wußte, ihn selber aber nicht gelesen habe und daher den Jnhalt nicht kannte.
Auf Deutsch also: Er sei kein absichtlicher, böser Lügner, sondern nur ein ehrlicher, naiver und unfähiger Jung(e).
Seine Schlussfolgerung finde ich allerdings recht abendteuerlich: Deswegen könne er auch weiter Minister bleiben !
Jetzt muß Frau Merkel Farbe bekennen. Ist für ein Ministeramt Kompetenz nötig, oder geht es auch ohne !?
Es geht wohl ohne - leider! Dieser Herr hat das ja nun schon 4 Jahre geübt und Übung macht bekanntlich Meister. Die Führung im Berliner Bendlerblock konnte das vielleicht noch irgendwie kompensieren. Aber wie nun den Sozialsystemen, bei den Arbeitslosen?
Flache Kompetenz im Kabinett setzt die Kanzlerin besser ins Licht, nur wenn das Schwarzlicht ist ... ?
Es geht wohl ohne - leider! Dieser Herr hat das ja nun schon 4 Jahre geübt und Übung macht bekanntlich Meister. Die Führung im Berliner Bendlerblock konnte das vielleicht noch irgendwie kompensieren. Aber wie nun den Sozialsystemen, bei den Arbeitslosen?
Flache Kompetenz im Kabinett setzt die Kanzlerin besser ins Licht, nur wenn das Schwarzlicht ist ... ?
wurde offenbar von einem deutschen Offizier befohlen. Klar, dass so etwas vertuscht werden muss.
Wenn die Bombardierung auch nur halbwegs hätte gerechtfertigt werden können, hätte die militärische und wohl auch die zivile Führung keinen Grund zur Verschleierung gehabt.
Bereits kurz nach dem Vorfall wurde im Übrigen in der Print-Ausgabe des Stern überzeugend dargelegt, dass von den steckengebliebenen Tanklastzügen keine Gefahr für das deutsche Lager ausgehen konnte. Ferner wurden Fotos der verletzten Kinder gezeigt.
Oberst Klein gehört vor Gericht gestellt und diejenigen, die ihn bisher gedeckt haben, sollten sich schämen.
Der jetzige Verteidigungsminister hat den Zivilistenkiller Oberst Klein ja ebenfalls in Schutz genommen: Dieser habe sich korrekt verhalten. Schneiderhahn mag als Soldat nicht gerade der ethisch sauberste Mensch sein, aber immerhin war er kein Abnicker, sondern hat - vor dem Massaker am Tanklastzug - mitunter auch schon mal Kritik am Kriegsministerium geäußert, als dieses den Krieg als solchen vertuschen bzw. kleinreden wollte. Vermutlich wurde ihm das nun heimgezahlt.
Der jetzige Verteidigungsminister hat den Zivilistenkiller Oberst Klein ja ebenfalls in Schutz genommen: Dieser habe sich korrekt verhalten. Schneiderhahn mag als Soldat nicht gerade der ethisch sauberste Mensch sein, aber immerhin war er kein Abnicker, sondern hat - vor dem Massaker am Tanklastzug - mitunter auch schon mal Kritik am Kriegsministerium geäußert, als dieses den Krieg als solchen vertuschen bzw. kleinreden wollte. Vermutlich wurde ihm das nun heimgezahlt.
Krieg ist unsinnig und fordert mehr Tote und Leiden bei der Zivilbevoelkerung als bei den Soldaten selbst. Dies ist uns seit Urbeginn bekannt. Europa kann davon ein Lied singen und wir uns an die eigene Nase fassen...
Warum daher die Aufregung um 'nur' 142 Menschen? Jeder Menschenverlust ist tragisch aber in einem Krieg unausweichlich. Zudem nennt niemand die exakten Zahlen der im Verlaufe dieses Krieges getoeteten Menschen. Niemand dividiert die Toten nach Gefallenen, Zivilisten und nach internen Saeuberungsprozessen verloren gegangenen Mitbuergern.
Zudem unterstuetzt man international ein Regime, dass man als das mindere Uebel akzeptiert, da man eine neue Regierung nicht einschaetzen kann und eine erneute islamische Republik befuerchtet. Einserseits zu Recht andererseits hat jedes Land das Recht seinen eigenen Weg zu gehen und aus seinen Fehlern zu lernen; wir kennen das auch....
Ich bin nicht hier um Herrn Jung zu unterstuetzen sein politisches Schicksal ist mir nebensaechlich. Hier geht es um die Grundsatzfrage: Krieg in Afghanistan ja oder nein und wofuer? Die Traenen um Tote koennen wir uns dabei sparen; dafuer sorgen schon die Familien vor Ort. Egal ob es Kaempfer oder Zivilisten sind.
Es geht wohl ohne - leider! Dieser Herr hat das ja nun schon 4 Jahre geübt und Übung macht bekanntlich Meister. Die Führung im Berliner Bendlerblock konnte das vielleicht noch irgendwie kompensieren. Aber wie nun den Sozialsystemen, bei den Arbeitslosen?
Flache Kompetenz im Kabinett setzt die Kanzlerin besser ins Licht, nur wenn das Schwarzlicht ist ... ?
... Die Mär der Geschichte fängt schon damit an, dass der Name „KRIEG“ in Afghanistan im Bundestag bisher nicht in den Mund genommen werden durfte, sonst käme die Bundeswehr dort gar nicht zum Einsatz.
... Die ersten Meldungen in den Medien: „Bomben-Lufteinsatz“, waren schon mit gesundem Menschenverstand mit dieser Härte nicht nachvollziehbar.
“Zwei volle Tanklastzüge, - im FLUSS-SUMPF festgefahren- nun in -Taliban-Hand- und zum -Selbstmord-Kommando- bereit, wurden bombardiert!“
Wenn ein Herr JUNG -selbst Berufssoldat- die Meldung über die Medien so zu hören bekommt, müssten ihm schon von vorneherein Zweifel kommen. Wie kann ein LKW -einmal im Fluss-Schlamm dort festgefahren- über eigene Kraft dort noch herauskommen? Ohne Hilfe von außen bestimmt nicht. Der einzige Weg wäre das „Leichtern“ gewesen, d.h. Benzin abzulassen, um es dann nochmals zu versuchen. Dann geht aber erstrecht keine Gefahr mehr aus!
Dummstellen ist bekanntlich nicht strafbar!
Aber man sollte so hoch dotierte Bundesminister nicht mehr im Amt belassen. Diese schaden nur dem Ansehen Deutschlands.
Frau Bundeskanzlerin -ANGELA MERKEL- Ihre Machtwort ist nun gefragt, auch wenn es ihren "KOCH-Freund" indirekt betrifft, entlassen Sie ihn, sonst sägt die ZEIT an Ihnen!
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