Schwarz-gelbe Steuerpläne

Schäuble warnt vor Steuer-Illusion

"Versprecht euch nicht zu viel": Finanzminister Schäuble hat die Bürger vor überzogenen Erwartungen an eine schwarz-gelbe Steuerreform gewarnt. Der Spielraum sei begrenzt.

Finanzminister Wolfgang Schäuble: Erneut hat er seine Skepsis gegenüber den hochfliegenden Steuerreformplänen deutlich zum Ausdruck gebracht

Finanzminister Wolfgang Schäuble: Erneut hat er seine Skepsis gegenüber den hochfliegenden Steuerreformplänen deutlich zum Ausdruck gebracht

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble steht den schwarz-gelben Steuerplänen und insbesondere der maßgeblich von der FDP postulierten Steuerreform skeptisch gegenüber. Kein Wunder, muss er als Deutschlands oberster Kassenwart doch die mehr als prekäre Haushaltslage im Blick behalten. Und so warnte er nun erneut vor überzogenen Erwartungen an die Steuerreform, die Union und FDP im kommenden Jahr auf den Weg bringen wollen.

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"Die Bürger dürfen sich keine Illusionen machen", sagte der CDU-Politiker der Bild am Sonntag. "Die Steuerreform wird vernünftig, aber ich muss warnen: Versprecht euch nicht zu viel!" Der Spielraum sei begrenzt, insgesamt stünden 2011 für die Reform 20 Milliarden Euro zur Verfügung.

Völlig offen ist für Schäuble, welche konkrete Gestalt der Stufentarif, auf dem die FDP besteht, haben wird. Ob es ganz viele kleine oder drei große Stufen geben werde, werde "ohne Zeitdruck" im nächsten Jahr entschieden. "Jetzt müssen wir das Wachstumsbeschleunigungsgesetz in Kraft setzen und den Haushalt für 2010 aufstellen. Wer den dritten Schritt vor dem ersten machen will, stolpert."

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erneut zu den Steuersenkungsplänen von Union und FDP geäußert. In ihrer Rede auf der Bundesversammlung der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU/CSU Deutschland (KPV) am Freitag in Mainz versuchte sie die Vertreter der Städte und Gemeinden zu beruhigen. Diese befürchten erhebliche Einnahmeverluste ob der geplanten Abschaffung der Gewerbesteuer, die für die Kommunen die Haupteinnahmequelle ist.

Niemand wolle die Gewerbesteuer "ohne Einverständnis der Kommunen und ohne Gegenleistung" abschaffen, sagte die Kanzlerin. "Lieber lasse ich die Gewerbesteuer so wie sie ist, wenn uns nichts Besseres einfällt", betonte sie. Die Bundesregierung wolle vielmehr mit den Kommunen eine enge Zusammenarbeit zu den Kommunalfinanzen pflegen.

Die CDU-Chefin reagierte damit auf die Proteste bei Städten und Gemeinden, die die Verabredungen von Union und FDP in ihrem Koalitionsvertrag zur Gewerbesteuer in den vergangenen Wochen ausgelöst hatten. In dem Regierungsprogramm heißt es, eine Kommission solle den Ersatz der Gewerbesteuer durch einen höheren Anteil an der Umsatzsteuer und einem Kommunalzuschlag auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer prüfen.

Merkel zeigte Verständnis für die finanziellen Sorgen in den Kommunen. Auch das Wachstumsprogramm der Bundesregierung für 2010 mit zahlreichen Entlastungen für Familien und Unternehmen belaste die kommunalen Finanzen zusätzlich. "Die rein statische Berechnung, die ist so", sagte die Kanzlerin. Ziel sei aber, damit Unternehmen vor der Insolvenz zu schützen.

Natürlich werde man die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der schwarz-gelben Steuerpläne "nicht wegdefinieren können", sagte Merkel weiter. Diese würden aber auch den Kommunen mittelfristig wieder Wachstumsimpulse geben, etwa durch die Änderungen bei der Unternehmenssteuer, mit denen Firmen vor der Insolvenz geschützt werden könnten. Der Erhalt und die Förderung von Unternehmen sichere für die Kommunen mittelfristig auch Einnahmequellen. Dies müsse in der Debatte bedacht werden.

Prompte Reaktion Brüderles

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) forderte Kanzlerin Merkel auf, die Unions-Ministerpräsidenten von den geplanten Steuersenkungen zu überzeugen. "Einige Landeshaushalte sind in einer schwierigen Lage - das weiß ich. Aber ohne Wachstum wird es keine Haushaltskonsolidierung geben", sagte Brüderle dem Hamburger Abendblatt. "Ich setze fest darauf, dass die Bundeskanzlerin im Dialog mit den Ministerpräsidenten der Union genügend Überzeugungskraft entwickelt."

Der Wirtschaftsminister beharrte auf der Einführung eines steuerlichen Stufentarifs noch in der laufenden Wahlperiode. "Es muss zu einer Vereinfachung des Steuersystems kommen, denn einfache Steuersysteme sind gerechter", sagte der FDP-Politiker. "Deshalb werden wir noch in dieser Wahlperiode einen Stufentarif einführen. Offen ist lediglich, ob es drei, vier oder fünf Steuerstufen werden."

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Leser-Kommentare

    • 21.11.2009 um 10:28 Uhr
    • joG

    ....wie man auf den Gedanken kommen kann, die Wahl auf Bundesebene könne dazu instrumentalisiert werden dürfen die Steuern auf Landes- oder Kommunenebene zu reduzieren. Wie kann man überhaupt erwägen, es sei in Ordnung, wenn Wahlversprechen von Anderen erfüllt werden müssen, als von denen, die versprachen.
    Auf jeder politischer Ebene muss man die eigeneverantwortliche Finanzierung der Aufgaben dieser Ebene unabhängig des Erhebungsweges ansiedeln. Wenn das nicht so ist, so hat der Wähler keinen Einfluß auf die Politik dieser Ebene und man sollte die Ebene auf eine Verwaltung reduzieren.

    Wenn eine Bundeswahl also die Steuerbasis und damit die Mölichkeiten der Politik von Ländern und Kommunen beschränkt, so muss man sich überlegen, ob nicht die gesamte politische Ordnung verkrüppelt ist.

    • 21.11.2009 um 11:14 Uhr
    • lepkeb

    dass sich die Koalition so schnell selbst entzaubert. Aber der Bürger in D-land hat gewählt (auch wenn er nicht gewählt hat) und muss jetzt damit Leben. Aber das ist halt der realexistierende Neoliberalismus und erst wenn die Leute wieder aktiv und mitdenken werden, ändert es sich.

  1. durch eine "Steuer-Klientel-Subventions-Politik". Steuersenkungen bedeuten hier "Skaleneffekte" mitnehmen als eine Art "innerdeutschen Gewinnzuschuss". Kein Arbeitsplatz entsteht mehr, viele Preise werden nicht gesenkt. Beispiel: Gastronomie-/Hotelsteuersenkung. Experten erwarten hier ein Steuergeschenk zwischen 1 Mrd. € bis 5 Mrd. €. Die Mindereinnahmen müssen hier woanders wieder gedeckelt werden. Fällt die zudem die Gewerbesteuer, müssen Kommunen an anderer Stelle die Steuern erhöhen (noch mehr Schulden geht nicht, da die meisten Kommunen bereits hoch über beide Ohren verschuldet sind); erschreckend kommt hier hinzu, dass man zu spät die Konsolidierung aufgenommen hat; auch Pensionslasten drücken die verfügbaren Einnahmen.

    Es ist also etwas "politisch ideologisch", das erst aus vollen Händen über Klientelgeschenke Steuern in Milliardenhöhe ausgibt und sich anschließend erst 12 Monate später ernsthaft Gedanken macht, wie man es kompensieren bzw. zurückzahlen will. Wird es gar zu unangenehm .... verschiebt man vielleicht die Zahlungsverantwortung in die nächste Regierungsperiode. So kann man dann auch prima in Schuldenzeiten leben.

    Wachstum geschieht NICHT durch Schulden machen und Steuereinnahmen fradwürdig verschwendend zu nutzen, sondern durch das Wirken fleißiger und innovativer Unternehmen. Nicht Subventionen schaffen dauerhaft einen Erfolg, sondern überzeugende Produkte und Dienstleistungen, die klare Kosten- und Inhaltsvorteile aufzeigen.

    • 28.11.2009 um 16:56 Uhr
    • ddkddk

    und er wird noch enger, wenn erst die Steuervergünstigung für Hoteliers vom Spielraum-Kuchen herausgeschnitten wurde.

    Kann mir im Übrigen jemand auch nur andeutungsweise sagen, welche Vorteile ein Stufentarif bei der Einkommensteuer gegenüber dem jetzigen Tarif bringen soll und warum dies manche als Steuerreform verkaufen?

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  • Datum 21.11.2009 - 10:08 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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  • Schlagworte Angela Merkel | Steuer | Steuerreform | Gewerbesteuer
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