Bundesregierung
Merkels Glücksgriff
Mehr Chaos war nie, so kurz nach einem Regierungsantritt. Doch die Kanzlerin bildet geschickt ihr Kabinett um - und stärkt so ihre Macht
© Michael Gottschalk/ ddp

Enge Vertraute: Kanzlerin Angela Merkel und Ursula von der Leyen am Tag der Kanzlerwahl im Bundestag
Das muss man erst einmal schaffen: Nach gerade vier Wochen einer neuen Regierung bereits den ersten Minister austauschen und das Kabinett umbilden müssen. Angesichts des politischen Erdbebens, dass die Bundesregierung in den vergangenen zwei Tagen erschütterte, klingt der zuvor schon erhobene Vorwurf, die schwarz-gelben Koalition sei fehlgestartet, fast wie Schmeichelei.
Doch gerade in der Stunde der stärksten Turbulenzen zeigt die oft so unbeteiligt wirkende Kanzlerin, dass sie energisch handeln kann, wenn es sein muss. Franz Josef Jung hat sie zum raschen Rücktritt bewegt. Mag die Opposition nun einen Untersuchungsausschuss fordern, um die Ereignisse um den Tanklasterbeschuss nahe der afghanischen Stadt Kundus und die verfehlte Informationspolitik des Verteidigungsministeriums zu klären – Angela Merkel will und muss sich mit den Fall des abgelegten Ministers nicht mehr belasten.
Mehr noch: Die Kanzlerin nutzte die Kabinettskrise, um ihre Macht zu stärken. Sie besetzte den freigewordenen wichtigen Posten des Arbeits- und Sozialministers mit ihrer Vertrauten Ursula von der Leyen. Die hat sich schon im Amt der Familienministerin als tatkräftig, durchsetzungstark und erfolgreich erwiesen, und sie fühlte sich zu Höherem berufen. Gesundheitsministerin konnte sie nicht werden; davor waren die Liberalen, die dieses Ressort für sich beanspruchten.
Nun rückt von der Leyen in ein Ressort auf, das bald schon im Zentrum der politischen Debatte stehen dürfte. Denn die Sorge bleibt, dass die Wirtschaftskrise im kommenden Jahr den Arbeitsmarkt hart treffen könnte. Mit von der Leyen schließt Merkel hier eine Flanke, die auch gefährlich offen gestanden hätte, wäre Jung unbeschädigt gewesen.
Gleichzeitig wies Merkel den mächtigen CDU-Landesverband von Hessen in die Schranken. Es ist absurd genug, dass das Proporzdenken es unmöglich machte, für den frei gewordenen Ministerposten einen anderen Kandidaten als jemanden aus der Hessen-CDU zu benennen. Dafür wehrte die Kanzlerin zumindest ab, einen neuen Vasallen von Ministerpräsidenten Roland Koch an ihrem Kabinettstisch gesetzt zu bekommen.
Stattdessen hat sie ein weiteres junges Gesicht in ihre Regierung geholt. Kristina Köhler, der neuen Familienministerin, mag Koch zwar ein Vorbild sein. Sie mag zudem in ihrem neuen Ressort bisher nichts Zählbares geleistet haben. Doch erstens übernimmt sie ein Ministerium, dass nur durch die Person von der Leyen derart an Gewicht gewonnen hat. Viel zu bewegen und falsch zu machen ist dort vorerst nicht mehr. Und setzt Köhler tatsächlich den Kurs ihrer Vorgängerin fort, wie sie angekündigt hat, könnte sie sich zu einem weiteren lebenden Beweis dafür entwickeln, dass moderne Familienpolitik in der CDU keine Ausnahme mehr ist.
Zum Zweiten fügt Köhler sich in den Kreis der neuen Politiker-Generation von Philip Rösler, Karl Theodor zu Guttenberg und Norbert Röttgen, die Merkel um sich schart: Jung, smart im Auftritt, klar in der Sache.
Ein alter schwacher Hesse geht, eine junge dynamisch Frau kommt, eine andere wechselt in ein Schlüsselressort: Wäre dies nicht alles durch die Umstände erzwungen worden, man könnte glauben, dahinter stecke Strategie.
- Datum 27.11.2009 - 22:47 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 54
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der artikel laeuft doch final auf diesen satz hinaus:
"Zum Zweiten fügt Köhler sich in den Kreis der neuen Politiker-Generation von Philip Rösler, Karl Theodor zu Guttenberg und Norbert Röttgen, die Merkel um sich schart: Jung, smart im Auftritt, klar in der Sache."
roesler (fdp) und guttenberg (csu) sind entsandte ihrer parteien und keine nominierungen von angela merkels gnaden.
Mußte diese Jubelei hinterergeschoben werden nach "Jung, blond und keine Ahnung?", ein Titel, der fatal an Blondinen-Witze erinnert. Leider sind beide Artikel nicht so doll. Laßt euch doch lieber mehr Zeit und schreibt fundierter.... :-/
die Unheimlich vielen Lügen werden fortgesetzt.
Gut, Fr UvL ist darin ja geübt.
Und mit Beleidigung von Petendenten inzwischen auch.
Ihre Erfolge sind schließlich auch vielfach nur scheinbare.
Deshalb wollte sie ja schnell das Ressort wechseln, da die Fehler der Vergangenheit sonst an ihr kleben geblieben wären.
Fr. Köhler kann man nur wünschen, daß sie wirklich erfolgreicher ist.
Doch dazu müßte sie zuerst in diesem Frauenministerium mit hartem Besen kehren.
Ob sie diesen Augiasstall wirklich reinigen kann?
Bzw. überhaupt dieses will?
...wieso in den Medien dieses HipHipHurrah Merkel entstanden ist? Immerhin war sie Chefin des entlassenen Ministers und hätte die gleiche Pflicht einen so brissanten Fall zu kennen und vor der Wahl zu klären gehabt wie dieser. Warum sollte in der Befehlskette die Verantwortung beim schlecht ausgewählten Minister halt machen? Da lag die Gesamtverantwortung nicht.
@joG
"KANN MIR JEMAND ERKLÄREN,...
...wieso in den Medien dieses HipHipHurrah Merkel entstanden ist? Immerhin war sie Chefin des entlassenen Ministers und hätte die gleiche Pflicht einen so brissanten Fall zu kennen und vor der Wahl zu klären gehabt wie dieser"
Darauf hätte ich auch gern eine Antwort!
Dasselbe frage ich mich seit einigen Tagen auch immer wieder.
Und zwar als König von Deutschland. Dann brauchen wir diesen Mist nicht mehr, und das wird sehr viel billiger. http://mug.im/isyt
Ursula von der Leyen wirkt sympatisch und glaubwürdig, doch das politische Tagesgeschäft ist voller Fallen. Überall wird man von den Radarstrahlen der Kritik abgetastet.
Merkels Glücksgriff...soll das ein Witz sein? Man stelle sich ein Krankenhaus vor in dem ab Morgen der Chirurg die Psychiatrie übernimmt, der Psychiater als Narkosearzt die Patienten einschläfert, während der Kinderarzt im OP den Bauch aufschneidet...geht nicht sagen Sie? Warum nicht? Ach, weil die dafür nicht ausgebildet sind? Na, und in der Politik geht's doch auch!
Wenn wenigstens die Zeit eine angemessene Berichterstattung folgen ließe, stattdessen eine Jubelorgie auf die Oberpfeife aus der Uckermark...
offensichtlich sind SIE in unserer Republik fehl am Platz,
wann begreifen SIE und "die Menschen draussen im Lande" endlich, das unsere Politelite einfach alles kann ! WIR SOLLTEN FROH SEIN EIN SOLCH EFFIZIENTES CABINETT ZU HABEN, jemand der in Sachen Verteidigung offensichtlich kein blassen Dunst hatte wird auf einmal ARBEITSMINISTER obwohl er keine Akten lesen will oder kann ! ER HAETTE ES EBEN GELERNT, Hauptsache ist doch: keiner dieser "Lichter" kann Madame in die Quere kommen, die entsprechende Grundausbildung (parteilich) hatte SIE ja und
nicht nur deshalb wird SIE uns lange erhalten bleiben, aber bei DIESEM VORGAENGER wohl das kleinere Uebel ! schoenen SONNTAG noch (uns allen) !
Ich frage mich gerade welchen Anteil die Medien an der Inhaltslosigkeit der Politik haben.
Ein Fehlstart einer Regierung kann für mich persönlich nicht in der Personalwahl sondern nur durch falsche bzw. schlechte politische Inhalte begründet sein. Die Erörterung über diese Inhalte wäre für mich persönlich viel interessanter als die "einfachgehaltene" Darstellung des Machtausbaus der Kanzlerin.
Aber ich merke gerade dass ich mir meine Frage selbst beantwortet habe.
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