Geplatzter Opel-Deal Politiker – zornig, aber wohlgesonnen

Die Bundesregierung wurde unangenehm überrascht von der Entscheidung des GM-Verwaltungsrats, Opel zu behalten. Welche politischen Konsequenzen hat das?

Der zweitgrößte Opel-Standort in Bochum wird nicht zwingend gebraucht, kann aber aus politischen Gründen nicht geschlossen werden.

Der zweitgrößte Opel-Standort in Bochum wird nicht zwingend gebraucht, kann aber aus politischen Gründen nicht geschlossen werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat schon am Mittwochabend mit US-Präsident Barack Obama telefoniert. Das Gespräch habe ihr gezeigt, "dass auch er von der Wende bei General Motors nichts gewusst hat", sagt Merkel der Bild-Zeitung. Diese im internationalen Politikgeschäft unübliche Art der direkten Öffentlichkeitsarbeit zeigt: Die Kanzlerin will keinen Verdacht aufkommen lassen, Obama könne ihr bei ihrem Washington-Besuch etwas verschwiegen haben.

Der Fall Opel ist schwierig genug, er soll nicht noch zu einer transatlantischen Katastrophe werden. So versichert auch die deutsche Seite, man habe die Zukunft von Opel in Washington nicht angesprochen. Dafür habe man, erklärt der Opel-Beauftragte der Bundesregierung, Jochen Homann, keinen Anlass gesehen: "Auch für die unmittelbar Beteiligten kam dieser Schwenk überraschend", sagt der Wirtschafts-Staatssekretär. "Es gab keine Signale, die auf eine andere Entscheidung hingedeutet hätten." Die Überraschung dürfte dadurch noch größer werden, dass der Beschluss im 13-köpfigen GM-Verwaltungsrat nach Auskunft von GM-Chef Fritz Henderson einstimmig fiel.

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Wie reagiert die deutsche Politik?

In Wahrheit ist die deutsche Politik längst wieder dabei, den Fall Opel realpolitisch zu betrachten. In gewisser Weise war die Empörung des ersten Tages ja sogar der erste Schritt in diese Richtung. So sehr sich Merkel und alle anderen Opel-Sanierer blamiert sehen, so sehr ist auch richtig: Gelingt die Rettung des Autobauers jetzt nicht, ist jedenfalls nicht mehr die Politik die Schuldige. Homann betont: Verantwortlich für Umbau und Finanzierung von Opel sei jetzt allein GM.

Auch Merkel hat Obama erklärt, die Regierung erwarte jetzt von GM "schnellstmöglich" eine neue Konzeption für die Zukunft von Opel. Und natürlich werde sie auf pünktlicher Rückzahlung des 1,5- Milliarden-Euro-Kreditrahmens bestehen, den der Bund Opel gewährt hatte, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Rückzahlung – aktuell in Anspruch genommen sind rund 800 Millionen Euro – ist zum 30. November fällig.

Wie wird das Verhältnis zu GM sein?

GM-Chef Fritz Henderson hat Konzept und Rückzahlung am Donnerstag zugesagt und hinzugefügt, sein Konzern und die deutsche Regierung teilten das Interesse, die Überlebensfähigkeit von Opel zu sichern. Er hat die Botschaft verstanden, die in Merkels Ruf nach einer neuen Konzeption steckt. Die Kanzlerin weiß schließlich: Beim Übelnehmen kann die Politik nicht stehen bleiben, wenn 25 000 deutsche Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, rund 5200 davon im nächsten Wahlkampfland Nordrhein-Westfalen.

Und so ist – meist halblaut – schon wieder die Rede davon, dass auch GM mit Staatshilfen rechnen kann, wenn Opel erhalten bleibt. Deutlich macht das zum Beispiel der CDU-Ministerpräsident von NRW, Jürgen Rüttgers, schon am Mittwochabend im ZDF: GM müsse alle vier Opel- Werke in Deutschland erhalten, auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten und Stellen sozial verträglich abbauen. "Dann erst kann man helfen." Aber eben – helfen. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) fordert anderntags ebenfalls Arbeitsplatzerhalt und einen Plan, dann erst könne man über Staatshilfen reden. Aber eben – reden. "Die Amerikaner dürfen nicht glauben, dass sie Deutschland in irgendeiner Form erpressen können", fügt er hinzu, eine Reaktion auf Töne aus Detroit, man könne Opel auch in die Insolvenz schicken.

Und es sind keineswegs nur Unionspolitiker, die finden, man könne – ein plausibles Konzept vorausgesetzt – GM nicht gut verweigern, was man Magna zugesagt hatte. Auch die FDP ist längst dabei. Volker Wissing zum Beispiel, FDP-Wirtschaftspolitiker, spricht zwar von einem "Kuckucksei", das die große Koalition den schwarz-gelben Nachfolgern hinterlassen habe. "Es sieht so aus, als habe sich die frühere Bundesregierung von GM an der Nase herumführen lassen." Aber auch er sagt: "Wir wollen eine Lösung, mit der Opel dauerhaft ohne staatliche Hilfen am Markt überleben kann. Eine Entscheidung über staatliche Hilfen kann deshalb erst dann gefällt werden, wenn GM ein solches Konzept vorgelegt hat." Aber eben – staatliche Hilfen nicht ausgeschlossen. Über den Weg dahin wollte am Donnerstagabend die Bundesregierung in Berlin mit den Ländern beraten – selbstverständlich mit dabei: Rainer Brüderle, Bundeswirtschaftsminister, FDP.

Leser-Kommentare
  1. GM will mit dem (Opel-)Kopf durch die europäische Wand.

    In ein paar Monaten bauen sie dann mit unwilligen Mitarbeiten Autos, die dann an enttäuschte Händler geliefert werden.

    Der Kunde meidet die Opel-Verkaufshallen, denkt an eine immer noch drohende Insolvenz und sucht andere (deutsche) Anbieter auf.

    Aber so einen Image-GAU stehen die toughen guys aus USA locker durch.

    • xtc
    • 06.11.2009 um 14:48 Uhr

    ... hat der Bundeskanzlerin niemand Nichts verschwiegen.
    Der Verwaltungsrat von General Motors (GM) ist ein 13-köpfige Gremium. Nach dem Insolvenzverfahren wurde die Runde mit Vertretern der neuen Anteilseigner, also den Vereinigten Staaten und Kanada, teilweise neu besetzt. Der Verwaltungsrat hat selbstverständlich nicht im voraus gewußt, wie er entscheiden wird. Nein, nein; schließlich werden solche Entscheidungen erst am gleichen Abend ausgewürfelt. Und selbst wenn er es gewußt hätte (was er ja keinesfalls hat), hätte er selbstverständlich nicht die Obama-Administration informiert. Und die hätte ja auch unter keinsten Umständen den Präsidenten informiert; schließlich erwartet man ja hohen, ach was sage ich, allerhöchsten Besuch aus Deutschland.
    Also bitte, liebe Freunde, die ganze Geschichte stinkt doch zum Himmel.

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