Interview mit Angelika Beer "Die Piraten sind wie die Grünen vor 30 Jahren"
Die frühere Grünen-Vorsitzende Angelika Beer spricht erstmals über ihre Gründe, zur Piratenpartei zur wechseln. Und darüber, wie sich ihre neue Partei breiter thematisch aufstellen will.
ZEIT ONLINE: Frau Beer, Sie sind über 50, eine Frau und kein Nerd. Also passen Sie eigentlich gar nicht in die Piratenpartei. Wie kamen Sie dennoch zu denen?
Angelika Beer: (lacht) Ja, eigentlich passe ich da gar nicht rein. In der Tat sind die Piraten eine männliche Partei. Aber das kann sich ja noch ändern. Nachdem ich im Frühjahr bei den Grünen ausgetreten bin, haben natürlich verschiedene Leute an die Tür geklopft. Aber ich wollte zunächst eine Pause machen. Es liefen ja auch die Wahlkämpfe. Und es ging mir nie darum, mich an den Grünen zu rächen. Deshalb bin auch erst jetzt, nach der Bundestagswahl, in die Piratenpartei eingetreten.
ZEIT ONLINE: Wer hat sonst noch angeklopft?
Beer: Noch am Tag meines Austrittes habe ich eine E-Mail von den Linken bekommen mit dem Angebot, bei denen mitzumachen. Aber bis zum Sommer saß ich ja noch für die Grünen im Europaparlament. Dort hatte ich übrigens schon Kontakt zu Piraten aus anderen europäischen Ländern.
ZEIT ONLINE: Was hat sie gerade zu denen gelockt?
Beer: Dort habe ich zumindest den Spaß an der Politik wiedergefunden. Es ist dort ein bisschen wie in der Gründerzeit der Grünen. Aber das Parteiwerden geht bei den Piraten viel schneller, auch weil die Zeit eine schnellere ist.
ZEIT ONLINE: Sie sind Sicherheits- und Verteidigungsexpertin. Ist der Eintritt von Leuten wie Sie ein Zeichen, dass die Piraten ihre Themen ausweiten wollen?
Beer: Ja. Ich bin zum Beispiel aktiv in der Initiative „Piraten gegen Rechtsextremismus“…
ZEIT ONLINE: … von der Abgrenzung gegenüber Neonazis war aber vor der Bundestagswahl bei den Piraten nicht viel zu spüren. Immerhin ging Ihr Vorsitzender mit einem Interview der in rechtsextremen Kreisen beliebten „Jungen Freiheit“ auf Stimmenfang…
Beer: Ja, darüber habe ich vor meinem Parteieintritt mit denen auch kontrovers diskutiert. Es herrscht bei vielen Piraten die Meinung vor, dass in der Demokratie jeder alles sagen darf – auch ein Nazi. Ich dagegen finde, dass es Grenzen gibt. Und deshalb ist es gut, dass wir uns als Piraten nun gegen Rechtsextremismus stellen.
ZEIT ONLINE: Also bewegen sich die Piraten weg von der monothematischen Internetpartei?
Beer: Natürlich. Denn auch ein Pirat, der eher computerfixiert ist, und auf einmal einen Einberufungsbescheid bekommt, fängt ganz schnell an, über die Abschaffung der Wehrpflicht zu diskutieren. Wir haben auch eine klare Position zur Gentechnik und zum System der Parteienfinanzierung. Ich persönlich hoffe darauf, mich bald in eine Arbeitsgruppe zur Außen- und Sicherheitspolitik einbringen zu können.
ZEIT ONLINE: Um den Piraten außenpolitisches Profil zu geben?
Beer: Zum Beispiel in der Frage der Meinungsfreiheit von Bloggern in Ländern wie Iran sind die Piraten näher dran als andere Parteien. Ich streite auch um ein anderes Mandat der Bundeswehr in Afghanistan. Denn einfach nur den Abzug zu fordern – wie die Linke – ist keine Lösung.
- Datum 30.11.2009 - 12:16 Uhr
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Olaf Sundermeyer zeigt in dem Interview, wie man es nicht machen sollte.
Typisch: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern.
Wer will das noch hören?
Ich jedenfalls nicht.
Noch zum Interview.
Ich hoffe, daß die Piraten nie eine feministische Partei werden, wie unsere sonstigen ignoranten etablierten Parteien.
die zeiten ändern sich. die parteien nicht. grün bleibt grün, gelb bleibt gelb, rot bleibt rot usw usw.
der erfolg der piraten wird hoffentlich phänomenal sein. ohne internet ist heutzutage kein arbeiten mehr denkbar. kaum eine freizeitgestaltung geht ohne internet (man denke nur an die e-Mails, welche an mitglieder verschickt werden, etc etc). ich habe jetzt schon ein ungutes gefühl, wie mit meinen daten umgegangen wird. aktuell das thema mit den usa. aber wie schlimm wird das erst in 2 jahren sein? piraten, ho!
Hehe, eine leise Stimme in meinem Kopf hat genau Dasselbe geflüster :)
Ich hoffe aber dass die Piraten weiterhin politisch präsent sind und dass durch deren Einfluss unsere Gesellschaft etwas mehr Anschub in Richtung von Wissensgesellschaft bekommt. Ich habe immer noch das Gefühl dass bei den meisten technologischen Fragen -- das betrifft das Urheberrecht, aber auch Biotechnologie -- Deutschland relativ planlos in seine Zukunft steuert (/schlingert).
Hehe, eine leise Stimme in meinem Kopf hat genau Dasselbe geflüster :)
Ich hoffe aber dass die Piraten weiterhin politisch präsent sind und dass durch deren Einfluss unsere Gesellschaft etwas mehr Anschub in Richtung von Wissensgesellschaft bekommt. Ich habe immer noch das Gefühl dass bei den meisten technologischen Fragen -- das betrifft das Urheberrecht, aber auch Biotechnologie -- Deutschland relativ planlos in seine Zukunft steuert (/schlingert).
Passt auf, das Lob dieser Dame ist vergiftet! Wollt Ihr wirklich in 30 Jahren so ätzend langweilig sein wie die heutigen Grünen? Und immer schön den Wendehals machen, wenn es um neue Futtertröge geht? Wollt Ihr das wirklich? Das wäre schade, schaut nach vorne, nicht zurück!
Angelika Beer beschreibt in dem Interview das derzeitige Alleinstellungsmerkmal der Piraten ziemlich deutlich:
Die Piraten stehen abseits des Internetthemas für eine offenere Art, innerhalb einer Partei Politik zu gestalten. Damit schaffen sie Vertrauen bei Wählern, weil sie sich jedem öffnen, der mitdiskutieren - und gestalten - will.
Wenn sie diesem Grundsatz treu bleiben, sehe ich die Piraten zu Recht in 8 Jahren im Bundestag
Hehe, eine leise Stimme in meinem Kopf hat genau Dasselbe geflüster :)
Ich hoffe aber dass die Piraten weiterhin politisch präsent sind und dass durch deren Einfluss unsere Gesellschaft etwas mehr Anschub in Richtung von Wissensgesellschaft bekommt. Ich habe immer noch das Gefühl dass bei den meisten technologischen Fragen -- das betrifft das Urheberrecht, aber auch Biotechnologie -- Deutschland relativ planlos in seine Zukunft steuert (/schlingert).
ich berührt sehr tief in meinem Innersten, wie Angelika Beer das wertvolle Gut der Meinungsfreiheit beschreibt, auch wenn ich weder kommunistisches noch grünes Gedankengut teile. Wenn die PiratenPartei jedoch die einzige politische Kraft ist, die eine wirksame Mehrheit für eine Steuerreform mit einem neuen Steuermodell, für eine einfache Steuer schafft, dann ist diese Partei für mich ein geeignetes Ambiente, auch wenn ich einzelne Positionen des Parteiprogrammes der PiratenPartei nicht teile.
Wer von Parteimitgliedern erzwingt, in allen Positionen mit der Partei-Ideologie übereinzustimmen, ist ein Diktator. Die PiratenPartei akzeptiert sogar die gleichzeitige Mitgliedschaft in einer anderen Partei. Persönliche Überzeugungen bedürfen keines Konsens. Nur demokratische Entscheidungen bedürfen einer Mehrheit.
ihre Leidenschaft für eine andere Partei entdeckt, nachdem Sie bei den GRÜNEN keine Chance mehr bekam, wieder ins Europaparlament einzuziehen. Mit anderen Worten: Sie wäre jetzt noch bei den GRÜNEN, wenn Sie dort weiter hätte Karriere machen können.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
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