ZEIT ONLINE: Frau Beer, Sie sind über 50, eine Frau und kein Nerd. Also passen Sie eigentlich gar nicht in die Piratenpartei. Wie kamen Sie dennoch zu denen?

Angelika Beer: (lacht) Ja, eigentlich passe ich da gar nicht rein. In der Tat sind die Piraten eine männliche Partei. Aber das kann sich ja noch ändern. Nachdem ich im Frühjahr bei den Grünen ausgetreten bin, haben natürlich verschiedene Leute an die Tür geklopft. Aber ich wollte zunächst eine Pause machen. Es liefen ja auch die Wahlkämpfe. Und es ging mir nie darum, mich an den Grünen zu rächen. Deshalb bin auch erst jetzt, nach der Bundestagswahl, in die Piratenpartei eingetreten.

ZEIT ONLINE: Wer hat sonst noch angeklopft?

Beer: Noch am Tag meines Austrittes habe ich eine E-Mail von den Linken bekommen mit dem Angebot, bei denen mitzumachen. Aber bis zum Sommer saß ich ja noch für die Grünen im Europaparlament. Dort hatte ich übrigens schon Kontakt zu Piraten aus anderen europäischen Ländern.

ZEIT ONLINE: Was hat sie gerade zu denen gelockt?

Beer: Dort habe ich zumindest den Spaß an der Politik wiedergefunden. Es ist dort ein bisschen wie in der Gründerzeit der Grünen. Aber das Parteiwerden geht bei den Piraten viel schneller, auch weil die Zeit eine schnellere ist.

ZEIT ONLINE: Sie sind Sicherheits- und Verteidigungsexpertin. Ist der Eintritt von Leuten wie Sie ein Zeichen, dass die Piraten ihre Themen ausweiten wollen?

Beer: Ja. Ich bin zum Beispiel aktiv in der Initiative „Piraten gegen Rechtsextremismus“…

ZEIT ONLINE: … von der Abgrenzung gegenüber Neonazis war aber vor der Bundestagswahl bei den Piraten nicht viel zu spüren. Immerhin ging Ihr Vorsitzender mit einem Interview der in rechtsextremen Kreisen beliebten „Jungen Freiheit“ auf Stimmenfang…

Beer: Ja, darüber habe ich vor meinem Parteieintritt mit denen auch kontrovers diskutiert. Es herrscht bei vielen Piraten die Meinung vor, dass in der Demokratie jeder alles sagen darf – auch ein Nazi. Ich dagegen finde, dass es Grenzen gibt. Und deshalb ist es gut, dass wir uns als Piraten nun gegen Rechtsextremismus stellen.

ZEIT ONLINE: Also bewegen sich die Piraten weg von der monothematischen Internetpartei?

Beer: Natürlich. Denn auch ein Pirat, der eher computerfixiert ist, und auf einmal einen Einberufungsbescheid bekommt, fängt ganz schnell an, über die Abschaffung der Wehrpflicht zu diskutieren. Wir haben auch eine klare Position zur Gentechnik und zum System der Parteienfinanzierung. Ich persönlich hoffe darauf, mich bald in eine Arbeitsgruppe zur Außen- und Sicherheitspolitik einbringen zu können.

ZEIT ONLINE: Um den Piraten außenpolitisches Profil zu geben?

Beer: Zum Beispiel in der Frage der Meinungsfreiheit von Bloggern in Ländern wie Iran sind die Piraten näher dran als andere Parteien. Ich streite auch um ein anderes Mandat der Bundeswehr in Afghanistan. Denn einfach nur den Abzug zu fordern – wie die Linke – ist keine Lösung.