SS-Vergleich "Das ist eine Unverschämtheit"
Platzecks Vergleich zwischen dem Umgang mit den DDR-Eliten und der Behandlung von SS-Leuten nach 1945 sorgt für Streit mit der Linken. Die SPD versucht, zu beschwichtigen.
© Bernd Settnik/ dpa

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck wollte eigentlich versöhnen. Nun hat er eher noch mehr gespalten
Töricht oder "außerordentlich klug"? Mit seinem Debattenbeitrag im Spiegel zum Umgang mit der DDR- Vergangenheit hat sich der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck gewaltig in die Nesseln gesetzt. Nachdem bereits die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Dagmar Ziegler, es für "unzulässig" hielt, sich im Umgang mit "belasteten Gruppen" aus der DDR ausgerechnet den Umgang mit der Waffen-SS in den fünfziger Jahren zum Vorbild zu nehmen, kritisiert nun auch die Linkspartei Platzeck heftig.
"Das ist völlig unangemessen", sagte Linken-Fraktionsvize Ulrich Maurer nach einer Sitzung des Parteivorstandes in Berlin. "Man kann ja über die Fehler der Kommunisten in der DDR viel zu Recht sagen", ärgerte sich Maurer. "Aber zu sagen, man müsse an ihnen die gleiche Integrationsleistung vollziehen wie in der BRD an der Waffen-SS, das ist eine beispiellose Unverschämtheit." Dem Vernehmen nach rief Platzecks Beitrag bei der Linken flügelübergreifend Empörung hervor.
Auch in der CDU stießen Platzecks Thesen auf Ablehnung. Brandenburgs CDU-Vize Sven Petke sprach von einem "törichten Versuch", die angestrebte Koalition mit der Linken durch Nazi-Vergleiche zu rechtfertigen. Die Thesen des Ministerpräsidenten zur Integration von Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland würden "allenfalls Jubel bei Extremisten auslösen". Platzecks Geschichtsbild sei "vollkommen abwegig" und tauge nicht für das Amt eines Ministerpräsidenten, sagte der CDU-Politiker. Platzeck werde weder ehemaligen SED-Mitgliedern noch heutigen Linke-Politikern gerecht, wenn er seine Koalition darauf baue, diese mit Nazis oder mit Mitgliedern der Waffen-SS zu vergleichen.
Platzeck hatte in seinem Beitrag geschrieben: "Zwei Jahrzehnte nach dem revolutionären Umbruch in der DDR müssen wir in Deutschland endlich anfangen, es mit dem überfälligen Prozess der Versöhnung wirklich ernst zu meinen." Quer durch die ostdeutsche Gesellschaft ziehe sich noch immer ein "ungesunder Riss". Als Beispiel für gelungene Integrationsbemühungen lobte der Ministerpräsident ausdrücklich versöhnliche Gesten des früheren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher gegenüber Mitgliedern der Waffen-SS. Schumacher, der fast zehn Jahre lang KZ-Häftling war, hatte 1951 einen versöhnlichen Umgang mit den überlebenden Mitgliedern der Waffen-SS als "menschliche und staatsbürgerliche Notwendigkeit" bezeichnet.
Nur der scheidende SPD-Generalsekretär Hubertus Heil nahm Platzeck am gestrigen Montag in Schutz. Heil sprach in Berlin von einem "außerordentlich klugen" Beitrag Platzecks "zu einer wichtigen Debatte". In Deutschland müssten alle einen Platz finden können, die aus der Geschichte gelernt haben. Platzecks Position werde "in weiten Teilen der SPD" positiv aufgenommen.
(Erschienen im Tagesspiegel vom 3.11.2009)
- Datum 04.11.2009 - 10:24 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Er hat doch beides nicht miteinander verglichen - das wird von Schlagzeilenmachern &, natürlich, seinen Gegnern getan. Das eine wurde genannt, und das andere wurde genannt. Ein "wie" lese ich nicht heraus.
kennt sich aus mit dem DDR System. Man siehe sich diese Wendehälse mal genauer an! Obwohl es geht um wie die Schweinegrippe, denn die Grünen haben sich schon angesteckt !
an den roten Oktober und jetzt ein Vergleich mit der Wende 89 !
Wer denn glaubt das das Volk heute so einen Aktionismus noch ein mal auf die Straße bringen könnte ohne Tote der irrt !
denn in Ostdeutschland. Sofort seine Vergangenheit durchleuchten und wehe er war Pionier oder ähnliches !
Zumindest ist die Täterverfolgung bei DDR Größen eher noch unterentwickelter, als bei den Altnazis. Das ist auch logisch, denn hier gab es keinen totalen Zusammenbruch und nicht so viele Tote, sondern einen Übergang auf dem Verhandlungswege, dabei werden Unrechte eben niemals so eindeutig aufgedeckt wie bei einer totalen Kapitulation oder eindeutigen Siegern.
Oder glaubt irgendjemand im Ernst, dass bei einem Verhandlungsfrieden 1945 einer der staatlichen Verbrecher zum Tode verurteilt worden wäre, oder die Verbrechen so vollständig offengelegt worden wären?
Das die ehemaligen SED Politiker, oder diejenigen, die mit Ihnen koalieren wollen, das unsäglich finden ist wohl logisch.
Das ist das selbe Verhalten, wie es in vielen Filmen der Nachkriegszeit über Nazis übermittelt wurde. Nur das denen keiner Glauben schenkte.
H.
nach Ihrer Biographie haben sie einen Grungwehrdienst von drei Jahren geleistet( geht immer 1 1/2 jahre) ! Ich gehe davon aus , um sich die Möglichkeit auf ein Studium nicht zu versauen, oder war es Überzeugung? Ich habe mein Studium aus diesem Grunde nicht angetreten. Da ich mich nicht zum Handlanger dieser Politik machen lassen wollte wurde natürlich dann eingezogen für 1 1/2 Jahre mit 18 Jahren. So wenn ich mir daran erinnere, waren es Leute wie Sie, die einem das Leben zur Hölle machten und schon mal wieder daran gedacht? Wie war es denn in ihrem alter endlich etwas Macht über andere zu haben? Haben Sie es den bis zum Unteroff. geschafft ? Nein Sie haben bestimmt noch einige Ränge mehr geschaft über die Reserve !
Na toll, Sie sind ja ein richtiger Wiederstandskaepfer.
Na toll, Sie sind ja ein richtiger Wiederstandskaepfer.
Es ist doch gerade das "deutsche Drama", dass in diesem Staat die Handlanger des Systems, mögen Ihre Aktionen und das Ausmaß Ihrer "Verbrechen" sehr unterschiedlich sein, nicht wirklich ernsthaft zu Rechenschaft gezogen worden sind und durch Ihre im "alten System" priviligierte Stellung auch im neunen System oft Schlüsselpositionen besetzen, so nach 45 und 90.
Beispiel Mitglieder SS: kaum verfolgt, wenige Prozesse. Gute "Integration" in das System BRD, das erst in den 60ziger Jahren Fragen stellt. Von Reue oft keine Spur. Der Staat nimmt erst jetzt noch 2,3 90zig Jährige ins Visier! Da ist so vieles ungesühnt! Aber man brauchte ja viele ehem. NSDAP-Genossen, im aufkommenden Kalten Krieg.
DDR: Hier wurde auch wenig persönlich aufgearbeitet, es wird viel verschwiegen! Die Spitzel und Stasi-Angehörigen haben keinen Völkermord begangen, aber auch sie tragen Schuld im Rahmen Ihrer Tätigkeiten! Da gibt es immer noch Opfer und viele Täter ohne Reue! Spitzel könnten sich ja auch mal entschuldigen!
Tatsache ist leider: In der Linken wird eine Stasivergangenheit ungern thematisiert, siehe Gysi! Das ist ja gerade ein Grund für viele SPD-Anhänger derartige Koaltionen nicht zu begrüssen! Und Frau Wagenknecht ist ja auch Fan von Stalin, dessen Völkermord ja nun eindeutig vor etwagigen anderen Verdiensten zu stehen hat!
Nein Herr Platzeck, die Täter müssen erst bereuen und sich entschuldigen bevor die Gesellschaft sie aufnimmt. Sie und die Zeit arbeiten leider für die Täter!
>>Man fragt sich schließlich welchem Mythos diese permanenten Bemühungen um Singularisierung der Naziverbrechen oder-verbrecher eigentlich dient.<<
dagegen ist ziemlich klar, welchem mythos die leugnung der besonderheit der nazi-verbrechen dient. wann und wo sonst wurde denn in einer modernen, kulturell hochdifferenzierten industriegesellschaft ein technokratisch-rationell organisierter und fabrikmäßig ausgeführter völkermord (unter mitwirkung bzw. duldung nahezu der gesamten bevölkerung) begangen? zählen Sie mal auf!
finde ich nicht
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