Opposition zur Regierungserklärung "Sie haben die schönsten Tage schon hinter sich"

Mit einem Fünf-Punkte-Plan will Kanzlerin Merkel Deutschland aus der Krise führen. Doch die Opposition warnt mit Schärfe vor einer sozialen Spaltung des Landes.

In ihrer ersten Regierungserklärung der neuen Wahlperiode hat die Kanzlerin die Deutschen auf schwierige Zeiten eingestimmt. Ihre Pläne für die Überwindung der Wirtschaftskrise und die Reform der Sozialsysteme, für mehr Fortschritt beim Umweltschutz und eine neue Balance von Freiheit und Sicherheit stießen bei der Opposition aber auf Kritik.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier warf der schwarz-gelben Koalition Versagen vor. "In dieser Regierung steckt der Wurm. Und deshalb haben Sie die schönsten Tage Ihrer Regierungspolitik schon hinter sich." Merkel hielt er vor, den sozialen Zusammenhalt zu gefährden, die Axt an die Solidarsysteme zu legen und "Schuldenpolitik im Blindflug" zu betreiben. Den Liberalen, die bisher für Steuersenkungen eintreten, attestierte der frühere Vizekanzler, der jetzt die größte Oppositionsfraktion anführt, "Schuldenmacher der Nation" zu sein.

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Linksparteichef Oskar Lafontaine sagte, Merkel habe keine Vorschläge zur Bewältigung der Krise gemacht. Das Vorgehen von Schwarz-Gelb sei völlig falsch angelegt. "Wir müssen nicht zuerst die Folgen ins Auge fassen, sondern wir müssen die Ursachen der Weltwirtschaftkrise finden", sagte Lafontaine.

"Deutschland steht vor einer Bewährungsprobe wie seit der deutschen Einheit nicht mehr", hatte Merkel zwei Wochen nach Amtsantritt im Bundestag gesagt. Fünf Ziele nannte sie für ihre Regierungsarbeit: Die Überwindung der Wirtschaftskrise, ein besseres Verhältnis von Bürgern und Staat, die Bewältigung demografischer Veränderungen, einen angemessenen Umgang mit natürlichen Ressourcen und eine Austarierung des Verhältnisses von Freiheit und Sicherheit in der Innen- und Außenpolitik.

Wachsende Zweifel an der geplanten großen Steuerreform wies die Kanzlerin zurück. Die Regierung werde "auch im Jahr 2011 noch einmal einen weiteren Wachstumsimpuls setzen, und zwar in Form von Einkommensteuersenkungen." Dabei werde die Koalition die Struktur des Steuersystems ändern. Im Koalitionsvertrag steht, dass eine Reform mit Stufentarif "möglichst" 2011 kommen soll. Die Länder haben Bedenken wegen der finanziellen Lasten.

Sie haben dem Wort Fehlstart eine völlig neue Interpretation gegeben.

Grünen-Fraktionschef Trittin zur Kanzlerin

Die Linkspartei sprach Schwarz-Gelb jedwede Kompetenz für die Bewältigung ihrer Aufgaben ab. "Diese Regierung ist unfähig, die Kernaufgaben unserer Zeit überhaupt anzugehen", sagte Lafontaine. Schwere Vorwürfe machte er der Koalition auch in der Arbeitsmarktpolitik. "Wer jetzt noch sagt, wir müssen die befristeten Arbeitsverhältnisse ausweiten, der hat nicht mehr alle Tassen im Schrank", sagte Lafontaine. Er forderte erneut, Hartz IV für Langzeitarbeitslose abzuschaffen und gesetzliche Mindestlohn-Regelungen auszuweiten. Leiharbeit gehöre verboten oder sei zumindest weitgehend zu reduzieren.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warf der neuen Koalition einen nie dagewesenen Fehlstart vor. "Dafür dass sie hier nur als Revivalband angetreten sind, war dieser Anfang doch reichlich holprig", sagte Trittin in der Debatte nach Merkels Regierungserklärung. Schwarz- Gelb regiere mit alten Rezepten. "Sie haben dem Wort Fehlstart eine völlig neue Interpretation gegeben", sagte er. Wegen ihren Meinungsverschiedenheiten müsse die neue Regierung nämlich schon jetzt eine Kabinettsklausur abhalten.

In der Steuerpolitik äußerte Trittin deutliche Zweifel am eingeschlagenen Kurs: "Steuersenkungen in dieser Form haben noch nie in irgendeiner Form zu Wachstum geführt, außer auf den Konten der Besserverdienenden", sagte er. Union und FDP setzen darauf, dass durch Steuersenkungen und Entlastungen der Bürger der Konsum steigt und so die Wirtschaft wieder erstarkt.

 
Leser-Kommentare
  1. die oppostion querbeet spricht die grausamen wahrheiten aus, welche merkel u westerwelle nicht in der lage sind, zu realisieren.sowas hinterweltlerisches hat noch nie so schlecht eine regierung gebildet.es ist bald zeit fuer ein mißtrauensvotum u das ist nicht spassig gemeint. wie haben wir das nur verdient??

    • CM
    • 10.11.2009 um 18:57 Uhr

    "Das Merkel" ist out, es lebe "das Bla". Einen anderen Spitznamen hat sich die amtierende Kanzlerin nach dieser schlaffen Ansprache nicht verdient. Ist sie immer noch "Kohls Mädel" und traut sich nicht, auch mal konkret zu werden, weil sie sonst ihren Status als wandelnde Beruhigungspille verlieren könnte?

    Ich glaube kaum.

    Sie ist wohl eher die erste Marionette im Kanzleramt, deren Aussagen nur dazu dienen, von der Tätigkeit der eigentlichen Strippenzieher abzulenken.

    Bei der nächsten Kanzleramtsparty wird Ackermann dann wohl den anderen Herren sagen: "Wer ist eigentlich diese Frau da hinten?" Er wird als Antwort bekommen: "Das ist unser Ablenkungsmanöver für das Volk." Und dann darf sie nach den Schnittchen nach hause gehen während andere Politik machen.

  2. Es sind wirklich Überzeugungstäter, die an ihrer Wahnvorstellung festhalten, mit Steuersenkungen aus der Krise zu kommen und das bei einer exorbitant hohen Verschuldung der öffentlichen Haushalte. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass diese Politik zum Scheitern verurteilt ist. Nach einem Jahr schwarzgelber Regierung wird es auch so ziemlich der Letzte erkennen,dass seine Wahlentscheidung ein Irrtum war.

  3. Irgend eine Idee zum Thema "Wer zahlt für die Bankenkrise" ?

    Fehlanzeige.

    Da zahlen allein wir.

    Die Deutsche Bank fährt 1,5 Mrd. Euro Gewinn ein. Davon ist ein guter Teil unser Geld, das via Bankenrettung für HRE,IKB zur Deutschen Bank umgeleitet wurde.

    Frau Merkel findet das offensichtlich okay.

    PS:
    Die Deutschen Steuereinnahmen reichen gerade noch für Schuldendienst und den Sozialbereich.

    DER GANZE RESTLICHE BUNDESHAUSHALT SIND SCHULDEN !

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