Schwarz-Gelb Auf Merkel kommt es an

Die neue Koalition geht in ihre erste Kabinettsklausur mit tief greifenden Konflikten. Lösen wird sie die nur, wenn die Kanzlerin endlich klar Position bezieht.

Wie schnell sich die Wahrnehmung in der Politik ändern kann. Bis zum Wochenende stand die SPD nach ihrem historischen Wahldebakel als desolater, demoralisierter und verzankter Haufen da, den die neue Regierungskoalition auf lange Zeit nicht als Gegner fürchten zu müssen glaubte. Nun aber, nach dem Parteitag in Dresden, präsentieren sich die Sozialdemokraten einig wie lange nicht mehr und beseelt von dem Wunsch, sich gemeinsam wieder aufzurichten – in scharfer Opposition zu Schwarz-Gelb.

Auch wenn die drei Tage von Dresden nicht über die tiefe Krise hinwegtäuschen können, in der die SPD nach wie vor steckt, richtet sich der Blick nun umso stärker wieder auf die jetzt Regierenden. Und die führen täglich vor, dass die vermeintliche schwarz-gelbe Wunschkoalition in punkto Streitkultur der vormaligen Großen Koalition in nichts nachsteht. Schon während der Koalitionsverhandlungen hatten CDU, CSU und FDP ihre Differenzen an zentralen Stellen nur durch Formelkompromisse und die Installation zahlreicher Kommission verdecken können.

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Nun aber entzünden sich ständig neue Streitereien – an aktuellen Fragen ebenso wie an der unterschiedlichen Auslegung des Koalitionsvertrags. Schon drohen sich die Regierungspartner wechselseitig mit Blockaden oder gesetzgeberischen Alleingängen. Das gehört zwar zum politisch-medialen Geschäft, aber es zeigt doch, dass das Klima im konservativ-liberalen Regierungsbündnis schon kurz nach dem Start arg aufgeladen ist. So sehr, dass schon eine Kabinettsklausur nötig ist, um die größten Streitigkeiten zu schlichten. Die tagt ab Dienstag im brandenburgischen Ort Meseberg.

Angela Merkel bezieht in all den Konflikten bislang kaum Stellung. Zumindest öffentlich nicht. Dabei ist ihre Position in der jetzigen Koalition so stark wie noch nie: Sie verfügt über Mehrheiten im Bundestag und Bundesrat; sie hat keinen fast gleich starken Regierungspartner mehr neben sich, sondern bloß zwei kleine; in der Union ist sie unangefochtener denn je; und die Opposition schien – zumindest bis zum Wochenende – vor allem mit sich selbst beschäftigt. Beste Voraussetzungen also, um Beschlossenes entschlossen in Regierungshandeln umzusetzen.

Doch bei genauerem Hinsehen ist das Regieren für Merkel in ihrer zweiten Amtszeit nicht unbedingt leichter geworden. Sie muss sich nun mit Koalitionspartnern herumschlagen, die in einer ganzen Reihe von Punkten vollkommen gegensätzliche Positionen beziehen. Dazu kommen die Unions-Ministerpräsidenten, auf die Merkel im Bundesrat angewiesen ist und die vor allem bei der Steuerreform bremsen – aus Angst um ihre maladen Länderhaushalte.

Schwarz-gelbes Dauerhickhack

Exemplarisch lässt sich das Hickhack in der Koalition amFall Erika Steinbach ablesen. Außenminister Guido Westerwelle hat unmissverständlich deutlich gemacht, dass er eine Berufung der umstrittenen Vertriebenen-Präsidenten in den Rat der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung verhindern will. Der Vorstand des Bundes der Vertriebenen gibt sich unbeeindruckt, auch weil er weiß, dass er die CSU hinter sich hat. Möglicherweise wird er an diesem Dienstag, also ausgerechnet zum Auftakt der Kabinettsklausur in Meseberg, über die brisante Personalie entschieden.

Der Außenminister fürchtet nicht ohne Grund, dass eine Berufung Steinbachs, die in Polen wegen verschiedener Äußerungen und ihrer früheren Ablehnung der Oder-Neiße-Grenze zwischen Deutschland und Polen eine persona non grata ist, das Verhältnis zum Nachbarland schwer belasten würde. Die Bundesregierung, so sagte er schon bei seinem Antrittsbesuch in Warschau, werde alles unterlassen, was der Versöhnung zwischen beiden Ländern entgegenstehen könnte.

Die CSU, die sich seit jeher als Schirmherrin der Vertriebenen versteht, droht nun wiederum damit, den Koalitionsausschuss einzuberufen, falls die FDP die autonome Entscheidung des Bundes der Vertriebenen blockiere. Merkel bringt dies in Nöte. Schon im Frühjahr hatten Konservative in der Union gezürnt, als die Personalentscheidung - auch auf ihr Drängen - wegen des Widerstands der SPD bis nach der Bundestagswahl verschoben wurde. Nun kann sich die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende schwerlich erneut hinter einem Koalitionspartner verstecken. Sie wird also Farbe bekennen müssen, ob ihr ein gutes Verhältnis zu Polen wichtiger ist als der innerparteiliche Frieden in der Union. Am liebsten wäre ihr vermutlich, wenn der Vertriebenenverband von sich aus verzichtete, und sie dürfte derzeit intern darauf hinwirken. Trotzdem wird ihr jede Entscheidung gegen Steinbach in der Union als Einknicken vor Westerwelles Partei ausgelegt werden. 

Leser-Kommentare
    • jps-mm
    • 16.11.2009 um 17:57 Uhr

    Im Jahr 2005 stellte die Merkel das Programm für die Legislaturperiode unter das Motto "Mehr Freiheit wagen". Tatsächlich aber hat die Merkel in den letzten 4 Jahren u.a. dafür gesorgt, dass
    - die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art unverändert fortgesetzt wurden,
    - die dafür verantwortlichen Rechtsbrechter systematisch der Strafverfolgung entzogen wurden,
    - mittels Vorratsdatenspeicherung sämtliche Verbindungsdaten von Internet- und Handy-Verbindungen über einen Zeitraum von 6 Monaten gespeichert werden,
    - das BKA eigenmächtig - ohne Beaufsichtigung durch einen Staatsanwalt -präventive Ermittlungen ohne konkreten Tatverdacht durchführen darf,
    - die Befugnisse des BKA zu Lauschangriffen auf Wohnungen nochmals deutlich ausgeweitet wurden,
    - das BKA auch die Befugnis für Video-Überwachungen von Wohnungen erhalten hat,
    - die Durchsuchung und Überwachung von Computern im Wege der sogenannten Online-Durchsuchung zulässig ist.

    Die Merkel hat die Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt.

    Die Merkel hat den Begriff "Freiheit" damit vollständig entkernt.

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    "Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt" haben Sie doch auch schon bei SZ-online zum Besten gegeben.
    Mann o Mann, tuts nicht langsam weh?

    "Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt" haben Sie doch auch schon bei SZ-online zum Besten gegeben.
    Mann o Mann, tuts nicht langsam weh?

    • joG
    • 16.11.2009 um 19:00 Uhr
    2.

    "Ein einfacher Tarif mit drei Stufen von 10, 25 und 35 Prozent, wie ihn die FDP ursprünglich propagierte, dürfte Illusion bleiben, da dies nach Schätzungen von Experten bis zu 60 Milliarden Euro kosten würde."

    Das wird gesagt, aber es ist nicht grundsätzlich wahr. das behaupten lediglich die Gegner der Reform. Es kommt aber nur darauf an, wo die Steuersatzsprünge sind und welcher Freibetrag oder Kindergeld bezahlt wird. Prinzipiell kann man die Strukturreform auch Beitragsneutral durchführen und ist grundsätzlich von der Steuerminderung zu trennen, wenn man Verwirrung vermeiden will.
    Die Probleme der Steuerstruktur, wie sie von der FDP vorschlägt sind andere und bspw in den Steuersatzsprüngen und daher sprunghaften Steuerbeträge zu sehen. Das kann dazu führen, dass ein relativ kleiner Gehaltsanstieg zu einem geringeren Nettolohn führen kann. Man bekommt sagen wir, 10% Lohnsteigerung und muss 15% mehr Steuern zahlen. Da kommt Freude auf.

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    "...Ein einfacher Tarif mit drei Stufen von 10, 25 und 35 Prozent...
    ...10% Lohnsteigerung und muss 15% mehr Steuern zahlen...."
    .
    Diese Fälle würden sich doch bei dem FDP-Modell mit 10, 25 und 35 %
    noch gravierend verschärfen.
    Denn wenn ich durch Steigerung meines Brutto-Einkommens von der 10%
    in die 25% Stufe komme, was hätte ich dann wohl netto (weniger)?
    Und wie sollte man jemand erklären, das er mit 2000€ Brutto-Einkommen
    10 % Steuer bezahlen soll, mit 2001€ Brutto-Einkommen aber 25%?
    .
    Aber natürlich, Spitzenverdiener würden die 35% genießen - typisch
    FDP eben, dieser Vorschlag.

    "...Ein einfacher Tarif mit drei Stufen von 10, 25 und 35 Prozent...
    ...10% Lohnsteigerung und muss 15% mehr Steuern zahlen...."
    .
    Diese Fälle würden sich doch bei dem FDP-Modell mit 10, 25 und 35 %
    noch gravierend verschärfen.
    Denn wenn ich durch Steigerung meines Brutto-Einkommens von der 10%
    in die 25% Stufe komme, was hätte ich dann wohl netto (weniger)?
    Und wie sollte man jemand erklären, das er mit 2000€ Brutto-Einkommen
    10 % Steuer bezahlen soll, mit 2001€ Brutto-Einkommen aber 25%?
    .
    Aber natürlich, Spitzenverdiener würden die 35% genießen - typisch
    FDP eben, dieser Vorschlag.

    • franti
    • 16.11.2009 um 19:32 Uhr

    Wenn man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht und diesen, bildlich gesprochen, nicht mehr wahrnimmt

    sollte man diesen ohne Orientierung und Marschrichtung auch nicht betreten.

    Gerade zu Abenteuerlich wie man hier ohne Kompass und Sicht
    umher - Irrt.

  1. Deshalb haben sie auch keine Lösungen mehr - das alte DDR Phänomen kommt zurück.

    Marktwirtschaft und Demokratie sind in der Freiwirtschaft auch ohne Geldlismus möglich!

  2. "Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt" haben Sie doch auch schon bei SZ-online zum Besten gegeben.
    Mann o Mann, tuts nicht langsam weh?

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    Auch wenn es übertrieben dargestellt wird muß ich sie fragen: Sind ihren zum Beispiel schon einmal die vielen kameras an Autobahnen aufgefallen oder warum benötigt man im Paß einen Chip, den schon sehr viele auslesen können?
    Nur ein Staat, der seiner Bevölkerung mißtraut, muß diese so überprüfen (Finanzen, Handys, Aufenthaltsorte etc.).

    Auch wenn es übertrieben dargestellt wird muß ich sie fragen: Sind ihren zum Beispiel schon einmal die vielen kameras an Autobahnen aufgefallen oder warum benötigt man im Paß einen Chip, den schon sehr viele auslesen können?
    Nur ein Staat, der seiner Bevölkerung mißtraut, muß diese so überprüfen (Finanzen, Handys, Aufenthaltsorte etc.).

  3. Die Staatsschuld beläuft sich 2009 voraussichtlich auf 1,7 Billionen € bei einem Nationaleinkommen von in etwa 2,6 Billionen €. 65% macht der Schuldenstand 2009 also in etwa aus.

    Die Relation ist also nicht besorgniserregend. Viel wichtiger ist die strukturelle Leistungsfähigkeit des Standortes BRD. Erst dann, wenn wir im Wettbewerb abgehängt würden, wäre die Gesamtschuld neu zu bewerten. Was ist von der Wählerschaft gewollt? Was soll die FDP durchziehen?

    Die Umstrukturierung des Steuersystems soll den Mittelstand nachhaltig entlasten. Dazu sollen 70 Mrd. € in die Hand genommen werden, die teils über Schulden, teils über Einsparungen aufgebracht werden sollen.

    Wollte man diese Entlastungsziele ausschließlich über Schulden finanzieren, dann erhöhte sich die Gesamtschuld um "nur" 4,2%. In Bezug auf das Gesamtvolumen und die Leistungsfähigkeit der BRD ist das Volumen in der Tat Peanuts.

    Der Kampf zwischen den Parteien geht also darum, mit Hilfe von Totschlagargumenten (Generationengerechtigkeit usf.) den Mittelständlern ein Beinchen zu stellen, damit die Ziele der FDP durch die Schuldenbremse abgeblockt werden können. CDU/CSU will also auf Zeit spielen. Schäuble ist schon am Werk.

    Allerdings sehe ich Risiken, dass Rot-Gelb schon nach der NRW-Wahl am Ende sein könnte und dann die Karten ohne Frau Merkel und Herrn Westerwlle neu gestellt werden.

  4. Das Geschrei um die Steuersenkungen hat nur einen Zweck. Senkt der Staat Steuern, gibt es weniger für diejenigen, die die Hand aufhalten.
    Selbstverständlich kämpfen sämtliche Lobbyisten dagegen an, denn hier geht es nicht darum ob der eine oder der andere den Topf erhält, sondern ob der Topf insgesamt abgebaut wird.

    Das sollte sich jeder bewusst machen, der mit den Totschlagargumenten Sozialabbau, Reichenbegünstigung und Ähnlichem geködert wird.
    Ich weis zwar nicht, ob die Steuersenkungen ihre ökonomische Wirkung wie erhofft entfalten, aber sie wären das seit langem Sozialste, was in der BRD auf den Weg gebracht würde.

    H.

  5. "...Ein einfacher Tarif mit drei Stufen von 10, 25 und 35 Prozent...
    ...10% Lohnsteigerung und muss 15% mehr Steuern zahlen...."
    .
    Diese Fälle würden sich doch bei dem FDP-Modell mit 10, 25 und 35 %
    noch gravierend verschärfen.
    Denn wenn ich durch Steigerung meines Brutto-Einkommens von der 10%
    in die 25% Stufe komme, was hätte ich dann wohl netto (weniger)?
    Und wie sollte man jemand erklären, das er mit 2000€ Brutto-Einkommen
    10 % Steuer bezahlen soll, mit 2001€ Brutto-Einkommen aber 25%?
    .
    Aber natürlich, Spitzenverdiener würden die 35% genießen - typisch
    FDP eben, dieser Vorschlag.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 2"
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    Der Kommentar zeigt super, wie wenig die meisten eigentlich von Steuern verstehen. Ist aber auch kein Wunder, denn es ist im Moment auch etwas kompliziert. Der Begriff vom Stufenmodell und was die Steuersätze bedeuten wird von einigen in diesem Blog jedenfalls gründlich missverstanden. Der Fall, dass man durch 1 Euro mehr Verdienst auf einmal weniger Netto haben kann, kann so nicht auftreten.

    Also, mal kurz zur Aufklärung:
    Situation jetzt ist der linear progressive Steuersatz. Heisst (bitte jetzt nicht auf die genauen Prozente und Beträge schauen, die weiss ich nämlich selbst nicht auswendig):
    1. Bis zum Freibetrag zahlt man keine Steuern.
    2. Auf den ersten Euro über dem Freibetrag zahle ich x% Steuern (17%?).
    3. Auf den zweiten Euro über dem Freibetrag zahle ich x+1% (z.B. 18%).
    D.h. der Steuersatz ist eigentlich auch jetzt schon ein "Stufen"-Satz -- nur dass die Stufen in einzelnen Euros sind.

    Was würde sich ändern nach dem FDP-Stufenmodell?
    1. Bis zum Freibetrag zahle ich keine Steuern.
    2. Auf die ersten 10000(?) Euro über dem Freibetrag zahle ich 10% Steuern.
    3. Auf die nächsten 25000 Euro(und nur die ÜBER den 10000 Euro in Punkt2 und ÜBER dem Freibetrag) zahle ich einen Anteil von 25%.
    Der Fall, dass man durch 1 Euro mehr Verdienst auf einmal weniger Netto haben kann, kann also gar nicht auftreten.

    Warum aber das ganze?
    Der Vorteil an diesem System wäre
    1. Man brauch keinen Dr.-Titel, um zu verstehen, wieviel Steuern man zahlt, wenn man 40000 Euro verdient, vielleicht schafft man es sogar selbst auszurechnen.(Dreimal Prozentrechung machen für die einzelnen Stufen und das Ergebnis addieren).
    2. Man spart ein paar Steuerberater und Finanzbeamte. (Ich habe mal ausgerechnet, dass es etwa 4 Arbeitnehmer braucht von meinem Brutto-Verdienst, um von der Lohnsteuer einen Finanzbeamten zu bezahlen.)

    Eine Schlussbemerkung noch:
    Auch ich bin eher gegen Steuersenkungen, da ich die Aussicht auf eine ausufernde Staatsverschuldung nicht gerade berauschend finde.
    Aber ich bin sehr für eine Vereinfachung des Steuerrechts, denn ansonsten blickt ja wohl keiner mehr durch, und zu viele Leute verschwenden ihren Grips.

    Der Kommentar zeigt super, wie wenig die meisten eigentlich von Steuern verstehen. Ist aber auch kein Wunder, denn es ist im Moment auch etwas kompliziert. Der Begriff vom Stufenmodell und was die Steuersätze bedeuten wird von einigen in diesem Blog jedenfalls gründlich missverstanden. Der Fall, dass man durch 1 Euro mehr Verdienst auf einmal weniger Netto haben kann, kann so nicht auftreten.

    Also, mal kurz zur Aufklärung:
    Situation jetzt ist der linear progressive Steuersatz. Heisst (bitte jetzt nicht auf die genauen Prozente und Beträge schauen, die weiss ich nämlich selbst nicht auswendig):
    1. Bis zum Freibetrag zahlt man keine Steuern.
    2. Auf den ersten Euro über dem Freibetrag zahle ich x% Steuern (17%?).
    3. Auf den zweiten Euro über dem Freibetrag zahle ich x+1% (z.B. 18%).
    D.h. der Steuersatz ist eigentlich auch jetzt schon ein "Stufen"-Satz -- nur dass die Stufen in einzelnen Euros sind.

    Was würde sich ändern nach dem FDP-Stufenmodell?
    1. Bis zum Freibetrag zahle ich keine Steuern.
    2. Auf die ersten 10000(?) Euro über dem Freibetrag zahle ich 10% Steuern.
    3. Auf die nächsten 25000 Euro(und nur die ÜBER den 10000 Euro in Punkt2 und ÜBER dem Freibetrag) zahle ich einen Anteil von 25%.
    Der Fall, dass man durch 1 Euro mehr Verdienst auf einmal weniger Netto haben kann, kann also gar nicht auftreten.

    Warum aber das ganze?
    Der Vorteil an diesem System wäre
    1. Man brauch keinen Dr.-Titel, um zu verstehen, wieviel Steuern man zahlt, wenn man 40000 Euro verdient, vielleicht schafft man es sogar selbst auszurechnen.(Dreimal Prozentrechung machen für die einzelnen Stufen und das Ergebnis addieren).
    2. Man spart ein paar Steuerberater und Finanzbeamte. (Ich habe mal ausgerechnet, dass es etwa 4 Arbeitnehmer braucht von meinem Brutto-Verdienst, um von der Lohnsteuer einen Finanzbeamten zu bezahlen.)

    Eine Schlussbemerkung noch:
    Auch ich bin eher gegen Steuersenkungen, da ich die Aussicht auf eine ausufernde Staatsverschuldung nicht gerade berauschend finde.
    Aber ich bin sehr für eine Vereinfachung des Steuerrechts, denn ansonsten blickt ja wohl keiner mehr durch, und zu viele Leute verschwenden ihren Grips.

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