Schwarz-Gelb Auf Merkel kommt es an
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Steuersenkung oder solider Haushalt

Ebenfalls einer Lösung harrt der Streit um die Steuerreform, die sich Union und FDP für 2011 vorgenommen haben. Die Kanzlerin hat sich in ihrer Regierungserklärung vor einer Woche zwar unter dem Jubel der Liberalen zu einem "einfachen, niedrigerem und gerechten Steuersystem" sowie einem Stufentarif bekannt, also den Kernpunkten der FDP. Doch sie ließ sowohl den Umfang als auch die genaue Ausgestaltung der Steuerentlastung bewusst offen. Finanzminister Wolfgang Schäuble, der sich als starker Mann im Kabinett vor allem der Haushaltskonsolidierung verpflichtet fühlt, machte denn auch kurz darauf klar, dass er keinen Spielraum für eine umfassende Steuerstrukturreform in der laufenden Legislaturperiode sieht – sehr zum Ärger der Liberalen. Ähnlich tönt auch CSU-Chef Horst Seehofer.

In der Tat ist der Handlungsspielraum des obersten Haushälters und damit auch der der Koalition äußerst begrenzt. Wegen der im Sommer im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse und der Defizitobergrenze im europäischen Stabilitätspakt muss Schäuble bis 2013 nach Schätzung von Regierungsexperten schon jetzt rund 50 Milliarden Euro im Bundeshaushalt einsparen. Nicht mitgerechnet sind dabei die knapp 20 Milliarden Euro, die Union und FDP den Bürgern ab 2011 bei der Einkommensteuer erlassen wollen. Um dies zu finanzieren, müsste die Regierung entweder - wie die FDP und Merkel - auf ein durch die Steuersenkung ausgelöstes Wachstumswunder und als Folge sprudelnde Staatseinnahmen hoffen. Oder sie müsste tief in Leistungsgesetze einschneiden, was die sozialdemokratisierte Union den Wählern wohl nicht zumuten wird.

Erste Aufschlüsse soll es deshalb erst nach der wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen und der nächsten Steuerschätzung im kommenden Mai geben. Dann wird die Steuerkommission ihre Arbeit aufnehmen. Merkel, aber vor allem Schäuble werden hoffen, dass die FDP bis dahin aus ihren Steuerträumen erwacht und im harten Regierungsalltag mit den ernüchternden Etatzahlen angekommen ist. Dann bliebe es wohl bei einer maßvollen Entlastung vor allem der kleinen und mittleren Einkommen sowie einem Abschmelzen der so genannten kalten Progression, wie es der Union vorschwebt. Ein einfacher Tarif mit drei Stufen von 10, 25 und 35 Prozent, wie ihn die FDP ursprünglich propagierte, dürfte Illusion bleiben, da dies nach Schätzungen von Experten bis zu 60 Milliarden Euro kosten würde.

Im Finanzministerium weist man darauf hin, dass auch der jetzige linear-progressive Steuertarif in Wahrheit aus Stufen bestehe, nur eben ganz vielen. Deren Zahl könnte man ja verringern.

Bis zu einem solchen möglichen Kompromiss werden wir aber noch viele Koalitionsscharmützel erleben. Und wenn Westerwelle und seine Mannen am Ende doch auf ihrer Maximalposition beharren, wird Merkel auch hier sagen müssen, was ihr zentraler ist: die Entlastung der Bürger auf Kosten noch höherer Kredite und damit der Frieden mit der FDP. Oder ein solider Haushalt, das Versprechen ihrer ersten Kanzlerschaft.

Die CDU als führende Kraft

Kaum weniger schwer zu überbrücken sind schließlich die Differenzen in der Gesundheitspolitik. Die FDP und ihr agil-juveniler neuer Gesundheitsminister Philipp Rösler verfolgen den Plan, das bisherige Beitragssystem bei den gesetzlichen Krankenkassen auf eine einheitliche Prämie umzustellen, die alle entrichten müssten, die Sekretärin und Verkäuferin genauso wie ihr Chef. CSU-Chef Seehofer, der im Streit um eine solche Kopfpauschale 2004 als Fraktionsvize zurückgetreten war, lehnt genau dies jedoch ab. Und zwar nicht nur für diese Legislaturperiode, sondern "für das ganze nächste Jahrzehnt", wie er dem Spiegel sagte. Denn der dann fällige Sozialausgleich für Geringverdiener aus der Steuerkasse würde nach seinen Angaben einen zweistelligen Milliardenbetrag verschlingen. 

Merkel, als Leipziger Reformerin einstmals selber eine Anhängerin der einheitlichen Kopfprämie, wird sich vermutlich auch hier, wie oft, auf einem Mittelweg bewegen. Eine Prämie ja, aber nur als Zusatzbeitrag, der allein von den Versicherten aufzubringen ist, neben einem einkommensabhängigen, paritätisch auch von den Arbeitgebern zu entrichteten Kassenbeitrag. So könnte die Kanzlerin nebenbei auch den Gesundheitsfonds retten, der erst zu Jahresanfang startete und den die FDP am liebsten wieder abschaffen würde.

Fürs Erste werden aber auch hier die Koalitionäre an ihren widersprüchlichen Positionen festhalten. Merkel wird die Diskussion laufen lassen und erst dann Position beziehen, wenn es anders nicht mehr geht. Eine "Basta"-Politik, von der sich nun auch die SPD verabschiedet hat, war nie ihr Ding. Doch als Regierungschefin hat sie nicht nur die Richtlinienkompetenz. Sondern sie hat nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen auch klargemacht, wer nach ihrer Ansicht die führende Kraft in der schwarz-gelben Koalition ist: die CDU und damit sie als deren Vorsitzende. Nun muss sie liefern. Sonst tun es andere.

 
Leser-Kommentare
    • jps-mm
    • 16.11.2009 um 17:57 Uhr

    Im Jahr 2005 stellte die Merkel das Programm für die Legislaturperiode unter das Motto "Mehr Freiheit wagen". Tatsächlich aber hat die Merkel in den letzten 4 Jahren u.a. dafür gesorgt, dass
    - die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art unverändert fortgesetzt wurden,
    - die dafür verantwortlichen Rechtsbrechter systematisch der Strafverfolgung entzogen wurden,
    - mittels Vorratsdatenspeicherung sämtliche Verbindungsdaten von Internet- und Handy-Verbindungen über einen Zeitraum von 6 Monaten gespeichert werden,
    - das BKA eigenmächtig - ohne Beaufsichtigung durch einen Staatsanwalt -präventive Ermittlungen ohne konkreten Tatverdacht durchführen darf,
    - die Befugnisse des BKA zu Lauschangriffen auf Wohnungen nochmals deutlich ausgeweitet wurden,
    - das BKA auch die Befugnis für Video-Überwachungen von Wohnungen erhalten hat,
    - die Durchsuchung und Überwachung von Computern im Wege der sogenannten Online-Durchsuchung zulässig ist.

    Die Merkel hat die Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt.

    Die Merkel hat den Begriff "Freiheit" damit vollständig entkernt.

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    "Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt" haben Sie doch auch schon bei SZ-online zum Besten gegeben.
    Mann o Mann, tuts nicht langsam weh?

    "Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt" haben Sie doch auch schon bei SZ-online zum Besten gegeben.
    Mann o Mann, tuts nicht langsam weh?

    • joG
    • 16.11.2009 um 19:00 Uhr
    2.

    "Ein einfacher Tarif mit drei Stufen von 10, 25 und 35 Prozent, wie ihn die FDP ursprünglich propagierte, dürfte Illusion bleiben, da dies nach Schätzungen von Experten bis zu 60 Milliarden Euro kosten würde."

    Das wird gesagt, aber es ist nicht grundsätzlich wahr. das behaupten lediglich die Gegner der Reform. Es kommt aber nur darauf an, wo die Steuersatzsprünge sind und welcher Freibetrag oder Kindergeld bezahlt wird. Prinzipiell kann man die Strukturreform auch Beitragsneutral durchführen und ist grundsätzlich von der Steuerminderung zu trennen, wenn man Verwirrung vermeiden will.
    Die Probleme der Steuerstruktur, wie sie von der FDP vorschlägt sind andere und bspw in den Steuersatzsprüngen und daher sprunghaften Steuerbeträge zu sehen. Das kann dazu führen, dass ein relativ kleiner Gehaltsanstieg zu einem geringeren Nettolohn führen kann. Man bekommt sagen wir, 10% Lohnsteigerung und muss 15% mehr Steuern zahlen. Da kommt Freude auf.

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    "...Ein einfacher Tarif mit drei Stufen von 10, 25 und 35 Prozent...
    ...10% Lohnsteigerung und muss 15% mehr Steuern zahlen...."
    .
    Diese Fälle würden sich doch bei dem FDP-Modell mit 10, 25 und 35 %
    noch gravierend verschärfen.
    Denn wenn ich durch Steigerung meines Brutto-Einkommens von der 10%
    in die 25% Stufe komme, was hätte ich dann wohl netto (weniger)?
    Und wie sollte man jemand erklären, das er mit 2000€ Brutto-Einkommen
    10 % Steuer bezahlen soll, mit 2001€ Brutto-Einkommen aber 25%?
    .
    Aber natürlich, Spitzenverdiener würden die 35% genießen - typisch
    FDP eben, dieser Vorschlag.

    "...Ein einfacher Tarif mit drei Stufen von 10, 25 und 35 Prozent...
    ...10% Lohnsteigerung und muss 15% mehr Steuern zahlen...."
    .
    Diese Fälle würden sich doch bei dem FDP-Modell mit 10, 25 und 35 %
    noch gravierend verschärfen.
    Denn wenn ich durch Steigerung meines Brutto-Einkommens von der 10%
    in die 25% Stufe komme, was hätte ich dann wohl netto (weniger)?
    Und wie sollte man jemand erklären, das er mit 2000€ Brutto-Einkommen
    10 % Steuer bezahlen soll, mit 2001€ Brutto-Einkommen aber 25%?
    .
    Aber natürlich, Spitzenverdiener würden die 35% genießen - typisch
    FDP eben, dieser Vorschlag.

    • franti
    • 16.11.2009 um 19:32 Uhr

    Wenn man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht und diesen, bildlich gesprochen, nicht mehr wahrnimmt

    sollte man diesen ohne Orientierung und Marschrichtung auch nicht betreten.

    Gerade zu Abenteuerlich wie man hier ohne Kompass und Sicht
    umher - Irrt.

  1. Deshalb haben sie auch keine Lösungen mehr - das alte DDR Phänomen kommt zurück.

    Marktwirtschaft und Demokratie sind in der Freiwirtschaft auch ohne Geldlismus möglich!

  2. "Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt" haben Sie doch auch schon bei SZ-online zum Besten gegeben.
    Mann o Mann, tuts nicht langsam weh?

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    Auch wenn es übertrieben dargestellt wird muß ich sie fragen: Sind ihren zum Beispiel schon einmal die vielen kameras an Autobahnen aufgefallen oder warum benötigt man im Paß einen Chip, den schon sehr viele auslesen können?
    Nur ein Staat, der seiner Bevölkerung mißtraut, muß diese so überprüfen (Finanzen, Handys, Aufenthaltsorte etc.).

    Auch wenn es übertrieben dargestellt wird muß ich sie fragen: Sind ihren zum Beispiel schon einmal die vielen kameras an Autobahnen aufgefallen oder warum benötigt man im Paß einen Chip, den schon sehr viele auslesen können?
    Nur ein Staat, der seiner Bevölkerung mißtraut, muß diese so überprüfen (Finanzen, Handys, Aufenthaltsorte etc.).

  3. Die Staatsschuld beläuft sich 2009 voraussichtlich auf 1,7 Billionen € bei einem Nationaleinkommen von in etwa 2,6 Billionen €. 65% macht der Schuldenstand 2009 also in etwa aus.

    Die Relation ist also nicht besorgniserregend. Viel wichtiger ist die strukturelle Leistungsfähigkeit des Standortes BRD. Erst dann, wenn wir im Wettbewerb abgehängt würden, wäre die Gesamtschuld neu zu bewerten. Was ist von der Wählerschaft gewollt? Was soll die FDP durchziehen?

    Die Umstrukturierung des Steuersystems soll den Mittelstand nachhaltig entlasten. Dazu sollen 70 Mrd. € in die Hand genommen werden, die teils über Schulden, teils über Einsparungen aufgebracht werden sollen.

    Wollte man diese Entlastungsziele ausschließlich über Schulden finanzieren, dann erhöhte sich die Gesamtschuld um "nur" 4,2%. In Bezug auf das Gesamtvolumen und die Leistungsfähigkeit der BRD ist das Volumen in der Tat Peanuts.

    Der Kampf zwischen den Parteien geht also darum, mit Hilfe von Totschlagargumenten (Generationengerechtigkeit usf.) den Mittelständlern ein Beinchen zu stellen, damit die Ziele der FDP durch die Schuldenbremse abgeblockt werden können. CDU/CSU will also auf Zeit spielen. Schäuble ist schon am Werk.

    Allerdings sehe ich Risiken, dass Rot-Gelb schon nach der NRW-Wahl am Ende sein könnte und dann die Karten ohne Frau Merkel und Herrn Westerwlle neu gestellt werden.

  4. Das Geschrei um die Steuersenkungen hat nur einen Zweck. Senkt der Staat Steuern, gibt es weniger für diejenigen, die die Hand aufhalten.
    Selbstverständlich kämpfen sämtliche Lobbyisten dagegen an, denn hier geht es nicht darum ob der eine oder der andere den Topf erhält, sondern ob der Topf insgesamt abgebaut wird.

    Das sollte sich jeder bewusst machen, der mit den Totschlagargumenten Sozialabbau, Reichenbegünstigung und Ähnlichem geködert wird.
    Ich weis zwar nicht, ob die Steuersenkungen ihre ökonomische Wirkung wie erhofft entfalten, aber sie wären das seit langem Sozialste, was in der BRD auf den Weg gebracht würde.

    H.

  5. "...Ein einfacher Tarif mit drei Stufen von 10, 25 und 35 Prozent...
    ...10% Lohnsteigerung und muss 15% mehr Steuern zahlen...."
    .
    Diese Fälle würden sich doch bei dem FDP-Modell mit 10, 25 und 35 %
    noch gravierend verschärfen.
    Denn wenn ich durch Steigerung meines Brutto-Einkommens von der 10%
    in die 25% Stufe komme, was hätte ich dann wohl netto (weniger)?
    Und wie sollte man jemand erklären, das er mit 2000€ Brutto-Einkommen
    10 % Steuer bezahlen soll, mit 2001€ Brutto-Einkommen aber 25%?
    .
    Aber natürlich, Spitzenverdiener würden die 35% genießen - typisch
    FDP eben, dieser Vorschlag.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 2"
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    Der Kommentar zeigt super, wie wenig die meisten eigentlich von Steuern verstehen. Ist aber auch kein Wunder, denn es ist im Moment auch etwas kompliziert. Der Begriff vom Stufenmodell und was die Steuersätze bedeuten wird von einigen in diesem Blog jedenfalls gründlich missverstanden. Der Fall, dass man durch 1 Euro mehr Verdienst auf einmal weniger Netto haben kann, kann so nicht auftreten.

    Also, mal kurz zur Aufklärung:
    Situation jetzt ist der linear progressive Steuersatz. Heisst (bitte jetzt nicht auf die genauen Prozente und Beträge schauen, die weiss ich nämlich selbst nicht auswendig):
    1. Bis zum Freibetrag zahlt man keine Steuern.
    2. Auf den ersten Euro über dem Freibetrag zahle ich x% Steuern (17%?).
    3. Auf den zweiten Euro über dem Freibetrag zahle ich x+1% (z.B. 18%).
    D.h. der Steuersatz ist eigentlich auch jetzt schon ein "Stufen"-Satz -- nur dass die Stufen in einzelnen Euros sind.

    Was würde sich ändern nach dem FDP-Stufenmodell?
    1. Bis zum Freibetrag zahle ich keine Steuern.
    2. Auf die ersten 10000(?) Euro über dem Freibetrag zahle ich 10% Steuern.
    3. Auf die nächsten 25000 Euro(und nur die ÜBER den 10000 Euro in Punkt2 und ÜBER dem Freibetrag) zahle ich einen Anteil von 25%.
    Der Fall, dass man durch 1 Euro mehr Verdienst auf einmal weniger Netto haben kann, kann also gar nicht auftreten.

    Warum aber das ganze?
    Der Vorteil an diesem System wäre
    1. Man brauch keinen Dr.-Titel, um zu verstehen, wieviel Steuern man zahlt, wenn man 40000 Euro verdient, vielleicht schafft man es sogar selbst auszurechnen.(Dreimal Prozentrechung machen für die einzelnen Stufen und das Ergebnis addieren).
    2. Man spart ein paar Steuerberater und Finanzbeamte. (Ich habe mal ausgerechnet, dass es etwa 4 Arbeitnehmer braucht von meinem Brutto-Verdienst, um von der Lohnsteuer einen Finanzbeamten zu bezahlen.)

    Eine Schlussbemerkung noch:
    Auch ich bin eher gegen Steuersenkungen, da ich die Aussicht auf eine ausufernde Staatsverschuldung nicht gerade berauschend finde.
    Aber ich bin sehr für eine Vereinfachung des Steuerrechts, denn ansonsten blickt ja wohl keiner mehr durch, und zu viele Leute verschwenden ihren Grips.

    Der Kommentar zeigt super, wie wenig die meisten eigentlich von Steuern verstehen. Ist aber auch kein Wunder, denn es ist im Moment auch etwas kompliziert. Der Begriff vom Stufenmodell und was die Steuersätze bedeuten wird von einigen in diesem Blog jedenfalls gründlich missverstanden. Der Fall, dass man durch 1 Euro mehr Verdienst auf einmal weniger Netto haben kann, kann so nicht auftreten.

    Also, mal kurz zur Aufklärung:
    Situation jetzt ist der linear progressive Steuersatz. Heisst (bitte jetzt nicht auf die genauen Prozente und Beträge schauen, die weiss ich nämlich selbst nicht auswendig):
    1. Bis zum Freibetrag zahlt man keine Steuern.
    2. Auf den ersten Euro über dem Freibetrag zahle ich x% Steuern (17%?).
    3. Auf den zweiten Euro über dem Freibetrag zahle ich x+1% (z.B. 18%).
    D.h. der Steuersatz ist eigentlich auch jetzt schon ein "Stufen"-Satz -- nur dass die Stufen in einzelnen Euros sind.

    Was würde sich ändern nach dem FDP-Stufenmodell?
    1. Bis zum Freibetrag zahle ich keine Steuern.
    2. Auf die ersten 10000(?) Euro über dem Freibetrag zahle ich 10% Steuern.
    3. Auf die nächsten 25000 Euro(und nur die ÜBER den 10000 Euro in Punkt2 und ÜBER dem Freibetrag) zahle ich einen Anteil von 25%.
    Der Fall, dass man durch 1 Euro mehr Verdienst auf einmal weniger Netto haben kann, kann also gar nicht auftreten.

    Warum aber das ganze?
    Der Vorteil an diesem System wäre
    1. Man brauch keinen Dr.-Titel, um zu verstehen, wieviel Steuern man zahlt, wenn man 40000 Euro verdient, vielleicht schafft man es sogar selbst auszurechnen.(Dreimal Prozentrechung machen für die einzelnen Stufen und das Ergebnis addieren).
    2. Man spart ein paar Steuerberater und Finanzbeamte. (Ich habe mal ausgerechnet, dass es etwa 4 Arbeitnehmer braucht von meinem Brutto-Verdienst, um von der Lohnsteuer einen Finanzbeamten zu bezahlen.)

    Eine Schlussbemerkung noch:
    Auch ich bin eher gegen Steuersenkungen, da ich die Aussicht auf eine ausufernde Staatsverschuldung nicht gerade berauschend finde.
    Aber ich bin sehr für eine Vereinfachung des Steuerrechts, denn ansonsten blickt ja wohl keiner mehr durch, und zu viele Leute verschwenden ihren Grips.

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