Solidarsysteme

Bayern stellt Länderfinanzausgleich infrage

Ministerpräsident Seehofer will gemeinsam mit finanzstarken Bundesländern gegen den Solidarausgleich vorgehen. Kritiker warnen vor neuen Mauern durch Deutschland.

Will nicht mehr für andere Bundesländer zahlen: Seehofer

Will nicht mehr für andere Bundesländer zahlen: Seehofer

Bisher halfen die Starken den Schwachen, doch das Solidarsystem der Länder ist nicht bei allen beliebt: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) stellte die Ausgleichszahlungen von reichen an ärmere Bundesländer infrage. "Solidarität und Eigenverantwortung müssen eine gesunde Balance halten", sagte er der Bild am Sonntag. "Diese Balance ist beim Länderfinanzausgleich in Gefahr." 

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Der Süden ist historisch stark, zu den ärmsten zählt der Osten Deutschlands oder der Stadtstaat Bremen. Seehofer erläuterte, ab 2009 werde es mit Bayern, Hessen und Baden-Württemberg nur noch drei Geberländer geben. Diese überwiesen voraussichtlich sieben Milliarden Euro an die übrigen Länder. "Davon schultert Bayern mit weit über drei Milliarden Euro den Löwenanteil – fast ein Zehntel des bayerischen Haushalts", monierte der CSU-Chef.

Das System des Länderfinanzausgleichs hat nun die Aufgabe, die sich durch die Steuerverteilung ergebenden Finanzkraftunterschiede unter den Ländern angemessen auszugleichen, so dass alle Länder in die Lage versetzt werden, den ihnen zugewiesenen Aufgaben nachzukommen.

Solidarität und Eigenverantwortung müssen eine gesunde Balance halten

Bayerns Ministerpräsident Seehofer

Ministerpräsident Seehofer will nach eigenen Worten in einem ersten Schritt Gespräche mit seinen Kollegen der anderen Geberländer aufnehmen. Solidarität dürfe Eigenverantwortung nicht ersetzen. "Ist es wirklich richtig, dass in so hohem Maße der Finanzunterschied zwischen den Ländern ausgeglichen wird?", fragte er und zweifelte auch daran, ob es richtig sei, wenn ein Land fast jeden zehnten Euro aus seinem Haushalt abgeben müsse. "Wird da nicht eine Grenze überschritten?"

Verärgert zeigte sich Seehofer über die Verwendung der Mittel: "Einige Nehmerländer im Finanzausgleich leisten sich trotz klammer Kassen eine Reihe staatlicher Wohltaten, die es in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg so nicht gibt – vom kostenfreien Kindergartenjahr bis zum Verzicht auf Studiengebühren."

Der stellvertretende Vorsitzende der Linken, Klaus Ernst, warf Seehofer vor, er wolle zwanzig Jahre nach dem Mauerfall neue Mauern errichten. "Und diesmal nicht nur zwischen Ost und West sondern zwischen starken und schwachen Ländern in allen Himmelsrichtungen. Das ist geschichtsvergessen." Ernst wies darauf hin, dass Bayern "nach dem Krieg durch die Solidarität der anderen Länder stark geworden" sei.
 

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Leser-Kommentare

  1. 1. Berlin

    Länderfinanzausgleich an sich ist notwendig.
    Die Geberländer sollten aber deutlich mehr Mitsprache erhalten. Wenn man sich ansieht, wieviel Geld Berlin verbrennt kann ich aber Seehofer sehr gut verstehen.

    Oder einfach solange die rot-rote Verbrennungsanlage in Berlin an der Macht ist, den Transfer einstellen:)

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    berlin...   hanspaulmartin

    ...hat immer schon geld 'verbrannt', unter einer schwarzen regierung vmtl noch weit mehr als unter rot-rot und im uebrigen auch bevor die mauer fiel! (der beruechtigte berliner 'schlampfaktor'...)

    dennoch stimme ich zu, laenderfnanzausgleich sollte begrenzt und die gewaehrung der mittel vom verwendungszweck/haushalt des beduerftigten landes abhaengig gemacht werden.

    seehofer   rainer60

    ich kann herrn seehofer nicht verstehen. was er macht ist populistisch und nicht solidarisch. als bayern nach dem krige bis weit in die 80er jahre am ausgleichstropf hing hat von dort auch keine die abschaffung des finanzausgleichs gefordert. ohne die , vornehmlich durch nrw, zahlungen waeren die bayern noch immer "ein raeuberisches voelkchen am fusse der alpen

  2. Zahlungen an strukturschwache Bundesländer sind Geldgeschenke; sie sollen die Schächen und Mängel beseitigen.

    Somit sollten diese Zahlungen hinsichtlich Planung und Verwendung auch von den Zahlenden geprüft, genehmigt und kontrolliert werden.

  3. Das Wort Solidaritaet wird bei den 'christlichen' Parteien neuerdings lieber durch Eigenverantwortung ersetzt.
    Schliesslich sind die Schwachen alles nur Schmarotzer, die die Reichen ausnutzen.
    Gute Nacht Deutschland

  4. ...hat immer schon geld 'verbrannt', unter einer schwarzen regierung vmtl noch weit mehr als unter rot-rot und im uebrigen auch bevor die mauer fiel! (der beruechtigte berliner 'schlampfaktor'...)

    dennoch stimme ich zu, laenderfnanzausgleich sollte begrenzt und die gewaehrung der mittel vom verwendungszweck/haushalt des beduerftigten landes abhaengig gemacht werden.

    Antwort auf "Berlin"
  5. Ich fürchte, die Solidarität zählt nun umso mehr als aussterbende Art!

  6. Der Süden ist historisch stark ?

    Bayern war von 1950-1986 und 1992 selbst Nehmerland. Damals gab es von dort allerdings keine Stimmen zum Thema Gerechtigkeit.
    http://www.dradio.de/dkul...

    Immer viel nehmen, aber bitte nix geben...

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    Einen sehr wichtigen Zusammenhang haben Sie dabei aber unterschlagen: Bayern hat die Chance, die ihm die Zuwendungen über den Finanzausgleich boten, tatsächlich genutzt, indem es den Strukturwandel aktiv gestaltete, statt ihn, wie die Nord- und Ostbundesländer, im Wesentlichen unter dauerndem Lamento nur geschehen zu lassen.

    Deshalb hat Bayern auch insgesamt schon wesentlich mehr netto an Finanzausgleich bezahlt als es in Summe erhielt.

    Und genau das meint Seehofer, sofern ich ihn richtig verstanden habe: Sofern gar nicht erkennbar ist, daß die Nehmerländer ihrerseits etwas dazutun, um langfristig aus der Nehmerperspektive herauszukommen, kann sich der Geber sehr wohl brüskiert fühlen, wenn er nur mehr zum dauernden Zahlen da sein soll.

    Andernfalls müssten Sie mir erklären, weshalb die Bayern, die Baden-Württemberger oder die Hessen in ihren Bundesländern teilweise harte Einschnitte hinnehmen sollen, die ihnen ihre jeweiligen Regierungen verordnet haben, während dies in anderen Bundesländern nicht der Fall ist und von dort stattdessen immer nur Klagen kommen über die, die sich beim Zahlen fragen, wofür sie zahlen?

    • 21.11.2009 um 19:13 Uhr
    • ddkddk

    Auch Bayern leistet sich, gerade wegen des Finanzausgleichs, Wohltaten auf Kosten anderer Länder.

    Nur auf bayerischen Wunsch (unterstellt, dass Seehofer Bayern ist) soll die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen gesenkt werden.

    Ohne Finanzausgleich würde Seehofer dies nie fordern! Bayern ist wegen des Finanzausgleichs, der vor allem über das Umsatzsteueraufkommen erfolgt, kaum am Mehrwertsteueraufkommen beteiligt. Die Steuerermäßigung kommt also den bayerischen Hoteliers zu Gute, ohne dass der Freistaat hierdurch finanzielle Einbußen erleidet. Im Gegenteil wird die bayerische Wirtschaft auf Kosten anderer Bundesländer subventioniert. Dies führt zu einer Stärkung der Ertragssteuern, die überwiegend in Bayern verbleiben.

    • 21.11.2009 um 19:41 Uhr
    • L. B.
    8. Zitat

    "Solidarität und Eigenverantwortung müssen eine gesunde Balance halten."

    Mehr als Herrn Seehofer zu zitieren, fällt mir an dieser Stelle nicht ein.
    Ich finde damit ist alles gesagt und so soll es auch sein.

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