CSU-Chef Horst Seehofer geht in der Gesundheitspolitik erneut auf Konfrontationskurs zum Koalitionspartner FDP: Zwar begrüßte Seehofer Röslers Ankündigung, nicht berufstätige Ehepartner und Kinder in die prämienfreie Familienmitversicherung einzubeziehen. "Zu dieser Entscheidung kann man ihm nur gratulieren, weil damit die deutsche Krankenversicherung solidarisch ausgerichtet bleibt", sagte Seehofer. Gleichzeitig ist aus seiner Sicht jedoch die von Rösler und der FDP favorisierte Kopfpauschale gescheitert, welche statt der prozentualen Beiträge zur Krankenkasse eine für alle Versicherten festgelegte Prämie vorsieht. Die CSU lehnt die Einführung einer solchen Regelung ab.
 

Seehofer argumentierte, dass Rösler durch das gleichzeitige Versprechen eines steuerfinanzierten Sozialausgleichs von der Pauschale abrücke: "Wenn man mit dieser richtigen Entscheidung 20 Millionen nicht erwerbstätige Ehepartner und Kinder weiter von der Beitragszahlung ausnimmt, würde sich die Kopfpauschale für die übrigen 50 Millionen dramatisch erhöhen." Ein durch den Bundeshaushalt finanzierter Sozialausgleich sei dadurch unrealistisch. "Ein Beispielfall: Ein Rentner mit 1000 Euro Einkommen zahlt heute etwa 70 Euro Krankenversicherungsbeitrag", sagte Seehofer. "Der Beitragssatz bei einer Kopfpauschale würde aber nach der Entscheidung des Bundesgesundheitsministers weit über 200 Euro im Monat liegen. Solche Differenzen kann man den Bürgern nicht zumuten und auch nicht über den Bundeshaushalt ausgleichen." Deshalb sei die Entscheidung für die beitragsfreie Familienmitversicherung der Anfang vom Ende der Kopfpauschale.

Rösler hatte am Vortag in einem Gespräch mit der ZEIT erstmals Details seiner Reformpläne skizziert. Darin sagte er, die Kopfpauschale helfe dabei, "die Höhe der Sozialabgaben und die Kostenentwicklung zu entkoppeln". Zudem erhofft sich der Gesundheitsminister von ihrer Einführung mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen. Die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU, CSU und FDP lässt bislang offen, ob die Beiträge teilweise oder ganz auf Pauschalen umgestellt werden sollen.