SPD-Parteitag Leichtes Spiel für GabrielSeite 2/2

Nichtsdestotrotz schaut der neue Parteichef auch zurück. Eine Partei, sagt Gabriel, die bei der Bundestagswahl so sehr verliert, die habe eines nicht: ein klares Profil. Wer so ein Wahlergebnis einfahre, der habe "mehr als nur ein Kommunikationsproblem".

Zwar geißelt er nicht konkret die Rente mit 67 und die Hartz-Gesetze, doch er räumt ein, dass die SPD gegen ältere Arbeitslose Politik gemacht habe. Und dass während der sozialdemokratischen Regierungszeit die Zeitarbeit für viele zum Regelfall geworden ist. Das würden die Menschen draußen nicht akzeptieren.

“Die Menschen draußen“ – sie erwähnt Gabriel in seiner Rede oft. Die SPD müsse endlich wieder Kontakt zu ihnen bekommen. "Früher", sagt er, "hatte die Partei die Nerven-Enden hinein in die Gesellschaft". Heute wirke die Politik der SPD oft "aseptisch", klinisch rein. "Wir müssen raus. Da wo es anstrengend ist, ist das Leben", ruft er. Die SPD müsse sich wieder für die Gesellschaft öffnen, in den Vereinen, Gewerkschaften und Kirchen verwurzelt sein. Die heutige Mitgliederstruktur der Partei bilde die Gesellschaft nicht ab.

Auch in der Kommunikation nach innen verspricht Gabriel Änderungen. Das gefällt den Genossen, denn in den vergangenen Jahren mussten sie oft erleben, dass Beschlüsse in der Führungsetage der Partei gefasst und anschließend zum Abnicken nach unten durchgereicht wurden. Das soll anders werden, sagt Gabriel. Wie seinerzeit, als das legendäre Parteiprogramm von Bad Godesberg vorbereitet wurde, sollen nun Themen gezielt von unten nach oben diskutiert werden.

Gabriel, der früher einmal als Siggi-Pop belächelt wurde, weil die Partei damals bloß das Amt des Popmusikbeauftragten für ihn übrig hatte, hat sich heute zum Retter der deutschen Sozialdemokratie aufgeschwungen. Er gibt den Genossen, was sie so lange vermisst haben: einen selbstkritischen Blick zurück, vor allem aber Träume für die Zukunft. Träume, die den Alp der letzen Monate oder gar Jahre vergessen machen könnten. Träume aber auch, die sie zweifellos auch schon in den zurückliegenden elf Jahren Regierungsarbeit hätte verwirklichen können. Jetzt, in der Opposition, werden es Träume für eine noch weit entfernte Zukunft bleiben.

 
Leser-Kommentare
  1. Auf mich wirkte die Rede von Gabriel eher wie die eines (politischen) Eunuchen.

    Theoretisch, also in der Opposition, weiß und kann er alles besser. Und weil es nicht zur Sache geht, können alle euphorisch applaudieren.

    Wenn es aber um die Praxis geht, also die konkrete Regierungsarbeit in Regierungsverantwortung, dann zeigt sich schnell, dass da nichts läuft und schon gar nichts bei rumkommt.
    Das "Weib" der Politik, das Volk, hat also wenig Freude zu erwarten. Und die Zukunft, die nächste Generation, wird auch nicht gesichert.

    Meinte das seine Generalsekretärin Nahles, als sie sagte: "'Basta und Testosteron hatten wir in den letzten Jahren genug!"?

  2. 2. Danke

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    • SJH
    • 13.11.2009 um 23:56 Uhr

    Alle, wirklich alle, auch neue "Führungsfiguren" sind durch Interessenkollisionen nicht nur beschädigt, sondern verbrannt.

    Schade um vormalige Talente.

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    • wp
    • 14.11.2009 um 0:56 Uhr

    Welche Talente?

    • wp
    • 14.11.2009 um 0:56 Uhr

    Welche Talente?

    • FA39MD
    • 14.11.2009 um 0:03 Uhr

    Nichts gegen Parteitage, doch wem nützen jetzt solche Reden, wo am Ende der Müntefering nicht mal soviel Anstand besaß um seine diktatorischen Auswüchse und seine Mitschuld am Untergang der eigenen Partei einzugestehen. Mitschuld und Versagen, wo Menschen laut Regieanweisung seit 2005 öffentlich als reiche Sozialschmarotzer beschimpft und diskriminiert werden können, wo man Bonibankern den Zugang zum organisiertem Betrug leicht machte, wo Hunderttausende Leiharbeiter durch die BRD für wenig Geld gejagt werden dürfen, wo Leute wie Sinn&Hundt die arbeitende Bevölkerung drangsalieren und erpressen dürfen, wo der Steuerzahler auch den DAX-Unternehmern die Löhne mit zahlen darf, wo in den ARGEN Menschen wie Kriminelle rhetorisch behandelt werden, wo man Medien freien hoch bezahlten Lauf ließ damit sie gegen die Verlierer dieser Gesellschaft regelrechte Hetzkampagnen initiieren können. Diese SPD hat durch ihr Verhalten, durch ihre Zugeständnisse an die Welt des sozialen Mittelalter und ihrer Unterlassungen eine ganze Nation in Abgrund von Vogelfreiheit getrieben. Menschen, die die positiven Werte dieses Landes einst mit schufen, wurden nun einer Idelogie geopfert, deren Folgen erst noch kommen - aber die Schuldigen die Leiter hochfielen und weiter am großen Speiltisch sitzen - uns auslachen...
    Was sind die Worte dieser SPD eigentlich noch Wert und an wen sind sie gerichtet? An uns wohl nicht, denn dann sollten vor Scham einige Leute nicht mehr da sein...

    • wp
    • 14.11.2009 um 0:56 Uhr
    5.

    Welche Talente?

    • hardob
    • 14.11.2009 um 1:25 Uhr

    ist das nun ein Bericht oder ein Kommentar oder ihr persönliches Meinungsstübchen. Nehmen Sie doch bitte mal zur Kenntnis; der Wahlkampof ist vorbei, Schwarz-Gelb hat schon lange gewonnen. Sie brauchen die SPD nicht noch weiter schwach zu schreiben. Es würde reichen, wenn Sie nur berichteten. Ich habe geradein SZ-Online den Bericht gelesen. Das liest sich so, als käme der von einer ganz anderen Veranstaltung. Ich verlange nicht von Ihnen, dass Ihnen die SPD sympathisch wäre, aber irgendwie kommt mir in ihrem Artikel zu viel Häme rüber.

    @ #2 haTikvah "DDR" und "Volkskammer", das ist nun vielleicht zu viel der Ehre für einen SPD-Parteitag. Für Sie mag die Enttäuschung ein Leben lang reichen, die Ihnen diese Paretei bereitet haben mag, aber diese Hozhammervergleiche sind nun doch ein wenig ärmlich, wie ich unmaßgeblich finde. Und warten wir mal ab, ob Schwarz-Gelb um so vieles erfolgreicher regieren werden als Rot-Grün und Schwarz-Rot.

    Gabriel hat heute seine Sache gut gemacht. Und er ist zu Recht belohnt worden mit der Zustimmung. Ob er es so leicht gehabt hat, wie Herr Horeld meint? Das von manchen erhoffte Chaossignal aus Dresden ist ausgeblieben. Das Totenglöckchen für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands läutet immer noch nicht. Und ich glaube, darüber sind Horeld und andere ein wenig enttäuscht. Ich hingegen bin vorerst mal zufrieden.

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    Redaktion

    Ihre Kritik erschließt sich mir nicht ganz. An welcher Stelle schreibe ich die SPD schwach. Dass Sigmar Gabriel wirklich gut geredet hat und den Delegierten Hoffnung und Zuversicht vermitteln konnte, steht doch in meinem Text drin.

    Beste Grüße, Markus Horeld

    Redaktion

    Ihre Kritik erschließt sich mir nicht ganz. An welcher Stelle schreibe ich die SPD schwach. Dass Sigmar Gabriel wirklich gut geredet hat und den Delegierten Hoffnung und Zuversicht vermitteln konnte, steht doch in meinem Text drin.

    Beste Grüße, Markus Horeld

  3. Es ist bereits zuviel geschrieben und lamentiert worden. Das Gabriel und Nahles an die Spitze gebracht wurden, bedeutet nur Eines:

    Die SPD ist am Ende.

    • sudek
    • 14.11.2009 um 6:24 Uhr

    Ja!1 Wenn man die Rede Wort für Wort gehört und liest die meisten Kommentare - samt dem Artikel - dann bemerkt man den Unterschied zwisachen Realität und gewollter Spekulation.

    Allein, die Tatsache, dass bei der Wahl der Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse von der unbürgerlichen Rechten weniger Stimmen bekam als die SED-Funktionärin Petra Pau entlarvt alles Gerede angesicht einer RoT-Rot-Koalition über Mauertote, Unrechtsstaat als absoltes Geschwätz und Nullpunkt der Moral und Propaganda und das von sogenannten christlichen Parteien.Schande über diese "Truppenteile" wie man in Ostdeutschland sagt!!

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