Opposition SPD-Troika mit SchwachstelleSeite 3/3

Mehr als zwei Stunden stehen sie den Genossen Rede und Antwort. Am Ende gibt es viel Beifall dafür, dass beide einen neuen innerparteilichen Umgang versprechen – also das Ende jener Basta-Politik, mit der Gerhard Schröder und eben auch Müntefering regiert haben. Obendrein stellen Gabriel und Nahles Korrekturen an den SPD-Positionen zur Rente mit 67 und Hartz IV innerhalb eines Jahres in Aussicht. Ein völlige Abkehr von den Reformen der Regierungsjahre auf dem Parteitag in Dresden soll verhindert werden. Die SPD dürfe nicht "alles in die Tonne treten", warnt Nahles. Sie dürfe aber auch nicht alles so belassen, wie es ist.

Das ist der Unterschied. Nahles und Gabriel können sich viel weiter von der Reformpolitik der vergangenen Jahre distanzieren als Steinmeier. Der Architekt der Agenda 2010 und Vizekanzler im ersten Kabinett Merkel dagegen läuft Gefahr, seine politische Glaubwürdigkeit zu verlieren, je stärker die Kurskorrektur der SPD auffällt. Manche sagen, wenn die Abkehr zu deutlich ausfalle, könne Steinmeier auf Dauer schon aus Gründen der Selbstachtung nicht im Amt bleiben.

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"Ist Frank-Walter Steinmeier der richtige Oppositionsführer?" Diese Frage begegnet Sigmar Gabriel und Andrea Nahles oft bei ihren Basis-Besuchen in den vergangenen Wochen. In Loxstedt bei Bremerhaven ist sie nicht rhetorisch gemeint. Dort haben sich 250 Genossen aus dem SPD-Bezirk Niedersachsen-Nord in der Turnhalle versammelt. Ein Parteifreund im Vorruhestandsalter wirft Gabriel und Nahles vor, ihr Erneuerungskurs sei halbherzig. "Wir müssen personell und in der Sache einen viel deutlicheren Schlussstrich ziehen", verlangt er. Gabriel – "Ich bin nicht in der Abteilung Weichei zu Hause" – hält vehement dagegen: Er wolle nicht Vorsitzender einer Partei werden, die Steinmeier als Spitzenkandidaten am Freitag vor der Wahl am Brandenburger Tor bejubele, um ihn am Montag fallen zu lassen: "Hosianna und kreuziget ihn – ist der deutschen Sozialdemokratie nicht würdig."

Im Bundestag schreitet Steinmeier vom Pult zurück zu den Sitzreihen der Sozialdemokraten. Die Abgeordneten klatschen noch immer. Auf dem SPD-Parteitag muss er in ein paar Tagen schon wieder eine Rede halten. Es wird wieder eine Bewährungsprobe. Mit einem so gewogenen Publikum wie der eigenen Fraktion kann er in Dresden nicht rechnen.

(Erschienen im Tagesspiegel vom 11.11.2009)

 
Leser-Kommentare
  1. Die Antwort auf die Regierungserklärung von Hr Steinmeier auf die Regierungserklärung war hervorragend. Als Opositionsführer hat er heirmit seine Prüfung bestanden. Ich traue ihm zu, dass er mit dieser selbst angenommenen Rolle etliche Abtrünnige der SPD wieder gewinnen kann. Ich sehe hier kein Problem der damalig getroffenen Entscheidungen. Es spricht für ihn, wenn er heute noch aus der damaligen Situation heraus dazu steht.
    Dieses so genannte "seltsame Trio" hat gute Chancen, die SPD wieder nach vorne zu einer echten Volkspartei zu tragen.
    Der Umgang mit der Linken wird sicherlich das schwierigste Problem sein, welches gelöst werden muss.

    • Manu84
    • 11.11.2009 um 17:25 Uhr

    Zitat:
    "Damit ist klar: Gabriel wird SPD-Chef, Nahles Generalsekretärin. "

    Das ist peinlich und einer Volkspartei nicht würdig. Selbst nach einer solchen Schlappe werden die Posten doch wieder nur unter den Spitzenfunktionären ausgeklüngelt.

  2. Steinmeier ist als der "Verlierer der Bundestagswahl 2009" und "die personifizierte Agenda 2010" unauslöschlich für die Öffentlichkeit markiert; insoweit aus Sicht vieler in der SPD, auch der ungeeigenste Kandidat für den Fraktionsvorsitz!

    Die Fraktion hat ihn dennoch gewählt und die Stimmungslage in der Partei (wieder mal) vollends ignoriert!

    Steinmeier ist somit zwangsläufig die Sollbruchstelle im Erneuerungsprozess der SPD!

    Denn wen die SPD die inhaltliche Erneuerung aktiv und konsequent ausgestalten will, dann lastet auf Steinmeier die Umsetzung dieser Inhalte in der Rolle des Oppositionsführers!- Bislang hat er sich eher unbelehrbar gezeigt, wenn es um das Infragstellen der von ihm mitgetragenen politischen Entscheidungen der letzten Jahre ging!

    Bleibt die Hoffnung für die SPD das Steinmeier sich ändert!- Nur kann er das überhaupt ohne sich selber als Politiker in Frage zu stellen?- Ich glaube nicht...

    • Harzer
    • 11.11.2009 um 18:49 Uhr

    Ich glaube, es geht Herrn Steinmeier ähnlich wie Egon Krenz 1989 als der versprach, es werde mit ihm eine ganz neue SED geben.
    Entweder die SPD wird mit ihm wieder in ihr altes Bett zurückfallen, oder sie erneuert sich wirklich, dann wohl eher ohne Steinmeier.

  3. erneuern.Nahles - Gabriel und Scholz sind der Untergang der SPD.

  4. Mal Klartext. Neben Fischer war Clement einst wichtigster Minister. Dieser hat SPD verraten, nicht erst 2008/2009. Hartz IV-Gesetz Murks hoch 3. Weise zum Chef gemacht.BA, Nürnberg, Pleiten, Skandale, Fehlleistungen ohne Ende. Berufsberatung erbärmlich, Vermittlung obermies, Leistungsbateilung bestenfalls "mittel". Viele Agenturen und Job-Center beantworten nicht mal einfache Anfragen per mail.
    Nun Klartext. SPD kämpft nicht nur gegen CDU, CSU, FDP u. a., sondern hat mächtige Konzerne bspw SPRINGER, Bertelsmann, Verlagshäuser, Funkhäuser, milliardenschwere Lobbyisten "am Hals". Wird zwar niemand "erschossen", der SPD wählt, aber was vor Wahlen in Medien abgeht, ist vordemokratische. Nicht viel anders als in Italien, Frankreich. Macht des Groß- und Finanzkapitals schlägt voll durch. Für Konservative unangenehme Themen werden unterschlagen. Jugendzeit der Kanzlerin, sehr fragwürdiges Milieu, Stasi im Umfeld, ihre Partner, erste Ehemänner. Hunderte bohrende Fragen!! Geschieht aber nicht. Der Minister de Maiziere, durch Skandale in Sachsen hochbelastet. Justiz? Ewiger Schlaf! (Stark gegen Schwache; schwach gegen Starke, ist ja in D. bekannt). Jetzt soll sich die SPD bei irgendwelchen Leuten noch "entschuldigen", weil "nur" 23 % magere Ausbeute. Fähige Journalisten würden die Frage nach fairen Wettbewerbsbedingungen der Parteien stellen. Stattdessen wird den total verrufenen DIE LINKE zuviel suppoert gegeben. Leider. Warum dies alles? Ich denke: Es gilt: pecunia non olet!

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