Partei in der Krise
SPD sinkt erstmals unter 20-Prozent-Marke
Auch als Oppositionspartei kann die SPD bislang offenbar nicht von sich überzeugen. Laut aktueller Umfrage kommen die Sozialdemokraten nur noch auf 19 Prozent.
© Arno Burgi/dpa

Ein Schlag für die Sozialdemokraten: Trotz kämpferischen Parteitags und Selbstkritik kann die SPD keine Wählerstimmen zurückgewinnen – im Gegenteil
Es ist das schlechteste Umfrageergebnis, das das Forsa-Institut je für die SPD gemessen hat. Im Stern-RTL-Wahltrend sackten die Sozialdemokraten im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf 19 Prozent. Damit liegt die Partei vier Punkte unter ihrem Ergebnis bei der Bundestagswahl, bei der sie mit 23,0 Prozent ihr schlechtestes Resultat in der Geschichte der Bundesrepublik einfuhr – und das zwei Wochen nach ihrem Bundesparteitag in Dresden, bei dem die Sozialdemokraten den Aufbruch in eine neue Zukunft beschworen hatten.

1946 - 1952: Kurt Schumacher
1952 - 1963: Erich Ollenhauer
1964 - 1987: Willy Brandt
1987 - 1991: Hans-Jochen Vogel
1991 - 1993: Björn Engholm
1993 - 1995: Rudolf Scharping
1995 - 1999: Oskar Lafontaine
1999 - 2004: Gerhard Schröder
2004 - 2005: Franz Müntefering
2005 - 2006: Matthias Platzeck
2006 - 2008: Kurt Beck
2008 - 2009: Franz Müntefering
Seit 2009: Sigmar Gabriel
Trotz seiner umjubelten Antrittsrede auf dem Parteitag konnte offenbar auch der neue SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel bei den Wählern nicht punkten. Auf die Frage, wen sie direkt zum Kanzler wählen würden, entschieden sich nur 19 Prozent der Deutschen für Gabriel, 60 Prozent zogen Merkel vor. Damit schnitt Gabriel schlechter ab als der damalige Parteichef Kurt Beck, der zu Beginn seiner Amtszeit im Mai 2006 auf eine Zustimmung von 25 Prozent kam.
Hätten die Bürger die Wahl zwischen Frank-Walter Steinmeier und Merkel, würden sich nach dem Wahltrend ebenfalls 19 Prozent für den ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten, aber bei dieser Konstellation nur 57 Prozent für die CDU-Chefin entscheiden.
Forsa-Chef Manfred Güllner sagte dem Stern, der neue SPD-Chef habe "für die Menschen noch keine Konturen". Alarmierend für Gabriel sei, dass sich lediglich 15 Prozent der Jüngeren (18- bis 29-Jährige) für ihn entscheiden würden. Und nur 46 Prozent der SPD-Wähler würden ihn zum Kanzler wählen, Steinmeier habe dagegen im Augenblick noch 54 Prozent der SPD-Wähler hinter sich.
Von dem Verlust der SPD profitieren die Grünen, die in der Forsa-Umfrage um einen Punkt auf 13 Prozent stiegen. Die Union legte im Wahltrend um einen Punkt auf 37 Prozent zu, die Liberalen fielen um einen Punkt auf 12 Prozent.
Ungeachtet der Spekulationen um die Zukunft des erkrankten Parteichefs Oskar Lafontaine würden sich – wie in den Wochen zuvor – 12 Prozent der Wähler für die Linke entscheiden. Für "sonstige Parteien" würden 7 Prozent der Wähler stimmen.
- Datum 25.11.2009 - 11:58 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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auch Umfrageergebnisse ändern nichts an der Analyse der Probleme und an der Richtigkeit von Gestaltungsvorschlägen.
Der Wahltrend spiegelt mal eben die bundespolitische mediale Wirkung der Parteien wider.
Die (Bundes-)wähler sind verunsichert und flüchten zu der Linken, Horst Schlämmer oder zu Mutti.
In der Sache liegt die SPD richtig!
DAS, lieber Farmer56, ist genau die Falle, in die viele Sozialdemokraten rennen. Die Wähler flüchten nicht - sie entscheiden sich um. In der politischen Ausseinandersetzung ist es gut, sich zu fragen, warum sie das tun. Ihnen mit "Flucht", "Mutti" zu unterstellen, sie würden reflexhaft unüberlegt entscheiden, ist fatal. Mit dieser "Es sind Schafe"-Haltung erreicht man nichts. Das die SPD in Allem Recht hat, möchte ich bezweifeln, kann es aber auch nicht abschließend beurteilen. Ganz offenbar ist es aber wohl so, dass man der SPD nicht glaubt. Das ist der Punkt. Daran haben nicht die Medien Schuld, die Menschen sind auch nicht dumm - die Verantwortung dafür trägt allein die SPD.
Genau!...macht nicht´s! Das sehe ich auch so. Nichts ist ja oft peinlicher, als die eigentlich überflüssige (denn es wurde ja erst gerade gewählt) Politsternendeuterei unserer Wahlmeinungsastrologen. Was sollen sie in Sauregurkenzeiten auch tun, als weiterhin daruaf hinzuweisen, dass sie sich als wichtig empfinden. Warten wir mal noch ein Jahr ab, vielleicht sieht dann ja der Politsternenhimmel schon wieder ganz anders aus. Der Krise sei dank und der Unfähigkeit der neuen Regierung wohl auch, das sich da noch einiges ändern dürfte. Wie dann die SPD aufgestellt ist, auch das steht noch in den Sternen, aber ich halte es nunmehr wieder für möglich das sie diesbezüglich die Kurve kriegt.
Nun, das mag ja so sein. Aber - und hier ist die Curx der Feststellung - das gilt nur, wenn man zu jenen Profiteuren des arrivierten Funktionärssystems im Deutschland des Jahres 2009 zählt.
Da aber lt. Statistischem Bundesamt, per 2007, weniger als 15% aller Privathaushalte über mehr als 85% aller Privatvermögen verfügt, wir also in Deutschland qua Definition aller /- bekannten Volkswirtschaftler, Historiker und Sozioökonomen eine klassische Feudalgesellschaft haben, gilt der Begriff SPD nicht mehr in dem Sinne, wie er unter Schumacher, Ollenhauer, Brandt und Schmidt gegolten hat. Er ist längst zur (S)chröder (P)artei (D)eutschland verkommen und die ist qua Definition des Begriffs Korruption, wie er von Hans-Wolff Graf - siehe: www.efv-ag.de/.../Der_Unb...
gesetzt ist, derart kompromitiert und entwertet, dass nur noch vollständig desinformierte Optimisten oder aber infantil-naive Gutmenschen diese Schröder Partei Deutschlands als Wahloption akzeptieren können.
Aber. Wie sagte doch Friedrich II. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Wer zu den Scientologen will, um sich ausschlachten zu lassen - wohl an. Nur die allerdümmsten Kälber, wählen sich ihre Metzger selber.
Der Wechsel nach der Wahlniederlage an der Spitze der Partei ist frisch. Das Misstrauen und die Missachtung der SPD gegenüber, wird sich auch durch ein paar Verbalschmankerl a la Gabriel nicht verflüchtigen. Zudem gilt Gabriel als Schröderianer, wird mit dem fulminant gescheiterten "Fordern und Fördern" verbunden. Ob er das besser kann, wird er erst noch zeigen müssen und der Weg dort hin wird lang werden. Was hinzu kommt, ist nicht zwingend politischer Natur. Es ist eine Frage von Sympathie. Diese ist nicht unentscheident, wenn zwei Lager sich nicht deutlich unterscheiden. Hier ist es nachvollziehbar, wenn eine "nett" wirkende Merkel deutlich besser abschneidet, als ein Gabriel, der jetzt versucht, sich zu profilieren, aber außer einer etwas merkwürdigen Mitte-Definition nicht viel zu bieten hat. Außer einer Deutungshoheit-Debatte war nicht viel zu verspüren. Ich habe den Parteitag verfolgt, war dann aber doch etwas verdutzt, weil ich mir die Frage stellte, was das eigentlich war? Bei Gabriel kam es mir oft so vor, als würde der Vertreter einer Agentur für Verkaufsförderung sprechen und kein politischer Mensch mit einer klaren Alternative. Es ging um die Zurückgewinnung von Marktanteilen - die SPD macht nicht sauber, sie macht rein. Das mag als Motivationsrede für die Parteimitglieder nach einem derartigen Debakel so schlecht nicht sein - für den Wähler indes ist es weitgehend inhaltslos. Schröder wurde abgewählt und bei Gabriel will man es nicht so weit kommen lassen.
Günther Jauch, Thomas Gottschalk, Anne Will, Maybritt Illner und sogar Horst Schlämmer kommen wesentlich glaubwürdiger rüber als Sigmar Gabriel und die SPD.
Wann reden wir mal über die "Sache"?
Oder ist die nicht mehr relevant?
Das Problem ist, das Glaubwürdigkeit wiedermal als ein mediales Herüberkommen diskutiert wird. Aber ob jemand glaubwürdig ist können m. e. am allerwenigsten die Bildermedien herüberbringen. Manchmal muß man sich die Mühe machen näher hinzuwirken, zum Beispiel ein Buch lesen. Bei Sigmar Gabriel bietet sich da sein neuestes Buch "Links neu denken. Politik für die Mehrheit" an. Dem kann man entnehmen was er denkt und was er politisch umsetzen möchte. Wer sich die Mühe macht soetwas zu Papier zu bringen, den halte ich für etwas glaubwürdiger, er bräuchte das ja nicht zu tun, da es nicht unbedingt notwendig ist für die politische Karriere. Zum Inhalt des Buches ist zu sagen, das hier klare Aussagen getroffen werden. Man kann sich zu ihnen als Wähler also verhalten (ob zustimmend oder ablehnend). Mir wäre es auch lieber gewesen, wenn auf dem Parteitag noch entschiedener gegen die Hartz-IV Fehlentwicklungen aufgetreten worden wäre, aber andererseits ist doch der Wille zu einer Neuorientierung festzustellen und in Gabriels Buch kann man das auch nachlesen.
DAS, lieber Farmer56, ist genau die Falle, in die viele Sozialdemokraten rennen. Die Wähler flüchten nicht - sie entscheiden sich um. In der politischen Ausseinandersetzung ist es gut, sich zu fragen, warum sie das tun. Ihnen mit "Flucht", "Mutti" zu unterstellen, sie würden reflexhaft unüberlegt entscheiden, ist fatal. Mit dieser "Es sind Schafe"-Haltung erreicht man nichts. Das die SPD in Allem Recht hat, möchte ich bezweifeln, kann es aber auch nicht abschließend beurteilen. Ganz offenbar ist es aber wohl so, dass man der SPD nicht glaubt. Das ist der Punkt. Daran haben nicht die Medien Schuld, die Menschen sind auch nicht dumm - die Verantwortung dafür trägt allein die SPD.
Nachdem die Tabuisierung der Linkspartei spätestens jetzt, da sie mit Hilfe von Lafontaine im Westen (Saarland) angekommen ist, nicht mehr möglich ist, sitzt die SPD unkomfortabel eingeklemmt zwischen Linkspartei und der - immer mehr "sozialdemokratisierten" - CDU. Dazu gibt es für die partial-interessierten pseudo-links-alternativen Hedonisten unter den Besserverdienenden auch noch die Grünen als Wahlalternative. Es wird nicht leicht werden für die solchermassen von allen Seiten kanibalisierte SPD, Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten; das Vermächtnis Schröders wird es nicht einfacher machen. Dazu erodiert die Basis und der "Arbeiter" als Identifikationsfigur verschwindet im Strukturwandel. Die SPD muss nichts weniger als sich selbst neu erfinden - eine Herkulesaufgabe!
Die SPD muß sich nicht neu erfinden: Auf gut Deutsch: Back to the roots, ganz einfach.
Das ganze aber glaubwürdig und nicht nur für den Wahlkampf.
in die Falle sondern Anerkennung der Realität.
Davon geht die Welt nicht unter, wenn die SPD auf 20 oder gar auf 15 Prozent fällt. Die SPD trägt nicht die Verantwortung dafür, sondern es ist ihr Schicksal.
Die Amerikaner haben auch 2 mal Busch gewählt, bevor sie zu einer anderen Einsicht kamen. So läuft die Entwicklung politischer Prozesse nun mal.
Nun hat die SPD also die VErmoegenssteuer beschlossen, mehr innerparteiliche Demokratie gewagt und einen Bildungssoli verinbart und sie kommen dennoch nicht aus dem tal der Traenen heraus.
Der von vielen geforderte Linksruck ist also nicht die schnelle Loesung. Auch eine Absage zur Rente mit 67 haette das Ergebnis doch nur marginal beeinflusst.
Die SPD muss Vertrauen zurueckgewinnen. Wichtig dafuer ist eine Kommunikation, die sich an ALLE Schichten der BEvoelkerung wendet.
Am Entscheidensten feur eine solche Entwicklung ist jedoch faehiges PErsonal. Und das hat die SPD nicht. GAbriel ist sicher kein schlechter Redner, aber niemand, der die SPD wieder an die 30% fuehren kann. Leider gibt es auch sonst keine Aussicht auf einen besseren Kandidaten. Die SPD wird also noch lange im Umfragetief stecken, das muessen jetzt alle erkennen.
Herausfuehren kann sie da aber keine Annaeherung an die Linkspartei sondern nur eine starke Fuehrungspersoenlichkeit. Wenn sie die denn haette.
Eben nicht! Wederinhaltlich noch personell ist die SPD in Dresden von der Agendapolitik abgerückt. Die Ankündigung, die Rente mit 67 zu überprüfen, reicht nicht, um in neues Fahrwasser zu kommen.
Steinmeier, der sich nach der desaströsen Wahlniederlage zu seiner Verantwortung ( - am Sessel zu kleben) bekannte, geißelt jetz als Oppositionsführer seine eigene Politik.
So kann das nichts werden mit den Sozialdemokraten.
Ja, ich habe Gregor Gysi im Wahlkampf erlebt und seine Voraussagen gehört.
Nicht nur, dass er mir das bestätigte, was ich als aufmerksamer Zeitgenosse schon lange festgestellt hatte, nein, er kann auch mit Zahlen und Fakten umgehen und redet nicht um den heißen Brei herum, wie eine Frau Merkel.
Die LINKE heute noch an ihrer SED-Vergangenheit zu messen, das wäre genau so töricht, wie die SPD an ihre großen Zeiten unter Brandt und Schmidt zu erinnern.
Die Welt verändert sich und die Prinzipien der Parteien ändern sich auch.
Nur hat die SPD sich dahin gehend verändert, dass sie sich vom Volk abgewendet und dem Kapital zugewandt hat. Diesen Verrat am Wähler kann kein Volk akzeptieren.
Die SPD wird sich über kurz oder lang der LINKEN zuwenden, wenn auch Zähne knirschend - in der Politik geht es schließlich um die Macht und da sind allen Parteien alle Mittel recht. Das beste Beispiel dafür sind DIE GRÜNEN, die der Macht wegen ihre eigentlichen Ursprünge langsam, aber sicher, ablegen werden.
Im Politiker-Deutsch nennt man das dann "Kompromissbereitschaft" oder "machtpolitisches Kalkül". Schließlich geht es nicht allein um das Volk, sondern um die eigenen Dienstbezüge und Pensionen.
Der Dumme ist dann wieder das Volk, denn es zahlt.
DIE LINKE hingegen wird weiter an Bedeutung gewinnen und zwar dann, wenn mit Hilfe von Merkel und Westerwelle der deutsche Mittelstand noch weiter abrutschen wird und auch der letzte treue "freie Demokrat" begreift, dass auch er nur Mittel zum Zweck ist.
Richtig, besser kann man es nicht sagen !
Von mir bekommen Sie 10 Sterne.
Wer die Linke an Ihrer SED-Vergangenheit misst, muß auch die CDU an ihren alten Nazis ( bis zum Bundeskanzler Kiesinger ) messen.
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