Steuerschätzer Spielraum für schwarz-gelbe Steuersenkung schrumpft

An ihrem Wahlversprechen, die Steuern zu senken, hält Schwarz-Gelb fest. Der Spielraum wird jedoch immer enger: Steuerschätzer rechnen nur mit einem geringen Einnahmeplus.

Für die schwarz-gelben Steuersenkungspläne sieht es düster aus. Trotz der wirtschaftlichen Erholung werden die Einnahmen des Bundes im kommenden Jahr nur um knapp 3,5 Milliarden Euro über den Schätzungen vom Mai liegen, berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf den Kreis der Steuerschätzer. Das bedeutet: Im laufenden Jahr kann der Bund mit zusätzlichen Einnahmen von etwa 2 Milliarden Euro rechnen. Insgesamt lägen die Einnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden in den beiden Jahren etwa um 10 Milliarden Euro über den bisherigen Annahmen.

Die neue Bundesregierung will aber durch Steuersenkungen im Gesamtumfang von 24 Milliarden Euro ab 2011 das Wachstum nach der Rezession ankurbeln. Im Gegenzug hofft sie auf sprudelnde Staatseinnahmen für den Abbau der horrenden Defizite. Mit ihrem Vorhaben laufen Union und FDP Gefahr, die erst im Sommer im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse zu verletzen.

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Auch stößt die Koalition auf heftige Kritik aus den Ländern. Mehrere Bundesländer, darunter das CDU-geführte Sachsen-Anhalt, erwägen eine Verfassungsklage gegen die geplanten Steuersenkungen. Sie fürchten Steuermindereinnahmen, Einbrüche in den Haushalten und einen Verstoß gegen die ab 2011 im Grundgesetz wirkende Schuldenbremse.

FDP-Chef Guido Westerwelle wehrte sich gegen die Kritik aus den Ländern und ermahnte am Sonntag beim Bundeskongress der Jungen Liberalen die Ministerpräsidenten aus den Unions-geführten Ländern. "All denjenigen, die sich in der Steuerpolitik jetzt abseilen möchten von dem, was gerade schwarz auf weiß vereinbart worden ist, rufe ich zu: Koalitionsverträge schließt man, damit sie gelten", sagte Westerwelle

Kritik an schwarz-gelben Plänen von DGB und Opposition 

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warf der schwarz-gelben Koalition eine einseitige Politik zugunsten der Wohlhabenden vor. Von der geplanten Steuerentlastung profitierten vor allem die Besserverdienenden, sagte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki der Leipziger Volkszeitung. Mehr Netto vom Brutto gebe es nur für die dicken Geldbeutel. So landeten die Steuergeschenke entweder auf dem Sparbuch oder an der Börse. Daran ändere auch die für 2011 angekündigte Einkommenssteuerreform nichts. Ein Drittel der Beschäftigten zahle ohnehin keine Steuern, weil ihr Bruttoverdienst so niedrig sei.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier warf der schwarz-gelben Bundesregierung wegen ihrer Steuersenkungspläne eine unseriöse Politik vor. Steuersenkungen müssten "seriös finanziert" werden, sagte er am Sonntagabend im Bericht aus Berlin der ARD. Steuersenkungen finanzierten sich allenfalls zu einem Drittel aus sich selbst heraus. "Alles andere wird dann schuldenfinanziert sein", kritisierte Steinmeier. Die Haushalte von Ländern und Kommunen dürften nicht noch mehr belastet werden.

Der Vorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Dieter Ondracek, warf der neuen Bundesregierung mangelnde Ehrlichkeit in der Steuerpolitik vor. So sei es ein "Wunschtraum", dass Steuersenkungen automatisch zu Steuermehreinnahmen führten, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Koalition flüchte sich in die Neuverschuldung und zwinge künftige Generationen über Schuldenbremse und Neuverschuldungsgebot zum Sparen, was man selber nicht umsetzen könne oder wolle.

Schäuble schließt schnelle Steuersenkungen aus

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich unterdessen gegen eine Steuerreform noch in dieser Legislaturperiode ausgesprochen. Er sieht keinen finanziellen Spielraum für eine umfassende Steuerreform in den kommenden vier Jahren. "Am Ende dieser Legislaturperiode werden wir weder einen ausgeglichenen Haushalt noch ein grundlegend neues Einkommenssteuersystem haben", sagte Schäuble dem Handelsblatt. Es gehe um begrenzte Korrekturen, sagte er mit Blick auf weitergehende Forderungen der FDP. "Wir werden uns auf das beschränken", was im Koalitionsvertrag stehe.

 
Leser-Kommentare
  1. Bleibt alle hier, die Steuern werden gesenkt, nicht abhauen... Wissen die vorher nicht, was sie wollen und wie leer die Töpfe sind? http://kallewestrich.blog...

    • Chali
    • 02.11.2009 um 9:36 Uhr

    "Steuersenkungen finanzierten sich allenfalls zu einem Drittel aus sich selbst heraus."

    Es sei denn, das Geld wird in Mineralöl, Zigaretten oder Schnaps angelegt.

  2. "All denjenigen, die sich in der Steuerpolitik jetzt abseilen möchten von dem, was gerade schwarz auf weiß vereinbart worden ist, rufe ich zu: Koalitionsverträge schließt man, damit sie gelten"

    ok, Guido, Du hast es jetzt lange genug versucht, aber die Realität ist eine andere! Der Wahlkampf ist vorbei! Niemand wird Dir das noch lange vorhalten.

    Krempel die Ärmel hoch und gehe an die (Außen-)Arbeit!

    Da gibt es viel zu tun (Afganistan, Palästina, Iran, Irak ......).

  3. Die Wahl ist vorbei.

    Nun werden unter bedauerndem Kopfschütteln und mit maximalem Medien-Tam-Tam die Wahlversprechen Stück für Stück eingesammelt.

    Wer etwas anderes erwartet hat - ist einfach nur dumm.

  4. Kaum ist der Koalitionsvertrag in trockenen Tuechern, ueberschlagen sich ministerpraeidenten, KAbinettsmitglieder, Oppositionsgruppen und Zeitungen mit Kommentaren und neuen meldungen zur Steuerdebatte.
    Das koennte man jetzt allmaehlich mal herunterfahren. Dieses Jar wird sowieso nichts mehr beschlossen werden und wenn die Reform 2010 oder 2011 dann wirklich kommt, sind die wirtschaftlichen Kennziffern wieder ganz andere. Jetzt dauernd ueber 2 Milliarden hin oder her zu diskutieren ist doch albern. Abwarten bis zum richtigen Diskussionsprozess und dann Argumente austauschen.

    Aber nicht jetzt mit Drohungen um sich werfen, deren VErfallsdatum zu Beginn der richtigen Diskussion schon wieder abgelaufen ist.

  5. das Wachstum. Können wir denn nicht mal abrücken von dieser Fetten-Polster-Theorie, dass die Staatseinrichtungen über 50 % des Steueraufkommens schlucken müssen? Das ist doch absoluter Luxus, diese Verwaltungsgiganten, Posten und Pöstchen, Sonderausgaben einzurichten und bei echten Aufgaben keine Luft mehr zu haben. Es scheint alles so zementiert, dass die Zukunftspläne der Partner nur auf dem Papier möglich sind. Hauptsache, die Staatsdiener sind beschäftigt. http://viereggtext.blogsp...

    • panjao
    • 02.11.2009 um 11:17 Uhr

    Herrn Vieregg stimme ich zu. Warum nicht endlich mal die Ausgabenseite des Staates und der öffentlichen Verwaltungen für sich selbst durchleuchten? Warum geht kein unabhängiger professioneller Sanierer mal durch die Amtsstuben wie sonst durch marode privatwirtschaftliche Betriebe? Sollte das daran liegen, dass die Damen und Herren im Bundestag mehrheitlich Beamte sind?? In unserem 9000-Seelen-Nest kenne ich aus sechsjähriger kommunalpolitischer parlamentarischer Arbeit (in der Opposition) das Gezerre um den Haushalt und den riesigen Posten der Verwaltung. Wo in anderen Institonen das Investieren in effiziente EDV-Technik das Ziel von Einsparungen hat, braucht unsere Kommunalverwaltung nur immer noch teurere EDV, dazu viele hundert Stunden Schulung während der Dienstzeit, neben dem gesetzlichen Urlaub 10 weitere zusätzliche freie Tage (Geburtstag, 2 Heimatfeste, Fastnacht, ...), und ohne dass eine einzige Planstelle nach Pensionierung ausgeschiedener Mitarbeiter ausläuft/wegfällt. Kein Wunder, dass die Damen und Herren mit Einfluss sich bei der Stadt um die Ausbildungsplätze für ihren Nachwuchs reißen. Und den Haushalt nach der Umstellung Kameralistik-Doppik legte die Verwaltung trotzdem grob fehlerhaft und mit mit mehrmonatiger Verspätung vor. Wenn ich mir vorstelle, dass das im ganzen Land so läuft, sehe ich hier mindesten 10 Prozent Sparpotenzial.

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    ... durchgedrungen zu sein, dass wir uns nicht in einer Konjunkturphase befinden, in der Sparen hilfreich wäre.

    Natürlich ist es auch nur mäßig nützlich, denen die Staatsgelder mittels Steuersenkungen zukommen zu lassen, die eh schon satt konsumieren können. Das wäre Bushismus, der nur kostet.

    ... durchgedrungen zu sein, dass wir uns nicht in einer Konjunkturphase befinden, in der Sparen hilfreich wäre.

    Natürlich ist es auch nur mäßig nützlich, denen die Staatsgelder mittels Steuersenkungen zukommen zu lassen, die eh schon satt konsumieren können. Das wäre Bushismus, der nur kostet.

  6. Es handelte sich bei den Versprechungen um offensichtliche Wahlkampflügen. Alle kannten die Daten über die Einnahmen und Ausgaben und alle kannten die gegenwärtige Krise. Die Überschrift dieses Artikels ist daher im Grunde genommen eine Irreführung der Öffentlichkeit.

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