Streit um Vertriebenenzentrum
Breite Front gegen Steinbach
Die Opposition drängt Merkel, die Debatte um die Vertriebenenpräsidentin zu beenden. Und sie hat dabei deren Koalitionspartner FDP an der Seite, wie sich im Bundestag erneut zeigte
© Hannibal/dpa

Polarisiert auch in der schwarz-gelben Koalition: Die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach
Es war sehr viel von Versöhnung die Rede in der aktuellen Stunde des Parlaments zu dem Konflikt, der die schwarz-gelbe Koalition nun schon seit Tagen beschäftigt: Darf der Bund der Vertriebenen (BdV) seine Präsidentin in den Beirat der geplanten Stiftung und Gedenkstätte zur Vertreibung entsenden? Doch versöhnliche Töne waren von den Abgeordneten in der von der SPD beantragten Debatte kaum zu vernehmen.
Die Positionen waren schon vorher klar: SPD, Grüne und Linke sind gegen die Berufung von Steinbach in das Gremium, die FDP mit ihrem Außenminister Guido Westerwelle ebenfalls. Die Union dagegen hält es für das Recht des BdV, selber zu entscheiden, wen er in den Stiftungsbeirat entsendet.
Neu war aber die teilweise Schärfe, mit der die Auseinandersetzung inzwischen geführt wird. So warf die SPD-Abgeordnete Angelika Schwall-Düren gleich zu Beginn Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, sie schade dem berechtigten Anliegen der Vertriebenen und schüre "Misstrauen" in Polen und den anderen osteuropäischen Ländern, wenn sie Steinbach nicht zum Rückzug bewege. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse forderte Merkel auf, "dieser Hängepartie endlich ein Ende zu bereiten". Ähnlich hatte sich vor der Debatte auch schon SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier geäußert, der Westerwelle ermunterte, gegenüber der Union in dieser Frage nicht nachzugeben.
Thierse erinnerte daran, dass die geplante Gedenkstätte in Berlin von der SPD in der Großen Koalition mitbeschlossen worden war. Kern des Projekts sei immer der Geist der Versöhnung gewesen. Das könne aber "nicht gegen Polen verwirklicht werden", betonte er, es dürfe kein neues Misstrauen im Nachbarland wachsen: "Frau Steinbach und der BdV schaden dem so unterstützenswerten Anliegen, einen Ort zu schaffen, wo an Opfer und Leiden und Ursachen und Folgen von Flucht und Vertreibung angemessen und würdig erinnert werden kann."
Für die Grünen stellte sich deren Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Beck ausdrücklich hinter das Ziel der Stiftung, "die Menschenrechtsverletzungen an den Vertriebenen" aufzuarbeiten. Er warf aber wie andere Redner der Opposition Steinbach vor, 1991 im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie gestimmt und auch später von "offenen deutsch-polnischen Fragen" gesprochen zu haben. Deshalb sei sie für den Stiftungsbeirat nicht geeignet.
Die Union machte hingegen klar, dass sie trotz des Widerstands ihres Koalitionspartners an der Berufung von Steinbach festhält. Die Gedenkstätte "ohne angemessene Vertretung der größten Vereinigung der Betroffenen darf und wird es nicht geben", sagte Klaus Brähmig als Sprecher der Vertriebenen in der CDU/CSU-Fraktion. Und sein Fraktionskollege Stefan Mayer sekundierte, das Vertriebenenzentrum sei das "geistige Kind" von Steinbach. Deshalb sei es "selbstverständlich", dass sie im Beirat mitarbeiten dürfe.
Spannend wurde es erst, als die Differenzen zwischen Union und FDP genau an diesem Punkt offen zu Tage traten. Brähmig warf Westerwelle vor, es wäre für deutsch-polnischen Beziehungen besser gewesen, wenn er bei seinem Antrittsbesuch in Warschau zu dieser Frage geschwiegen hätte. Die FDP-Redner versuchten erkennbar, den Koalitionsstreit nicht noch mehr anzuheizen. So nahm der außenpolitische Sprecher der Liberalen, Rainer Stinner, Steinbach gegen "Verunglimpfungen" aus Polen in Schutz. Diese seien "unsäglich", "das hat sie nicht verdient". Aber er ließ keinen Zweifel, dass die FDP eine Berufung Steinbachs in den Stiftungsbeirat weiterhin ablehnt. "Die Entscheidung fällt letztlich die Bundesregierung" - und dort wird Außenminister Westerwelle, wie er angekündigt hat, seine Zustimmung verweigern.
- Datum 25.11.2009 - 19:22 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die (Möchtegern-)Vertriebene Steinbach sollte Ihrer Klientel ein wenig Geschichts- und Ethikverständnis beibringen. Die Grenzen sind gezeichnet, die Menschen lange schon woanders verwurzelt und viel zu viel Unrecht geschehen. Für das zwangsdemokratisierte Deutschland, Urheber des menschenfeindlichen Generalgouvernements, gab es statt Morgentauplan den Marschallplan und ein Autowirtschaftwunder - für das ehemals demokratische "Siegerland" Polen die stalinistische Diktatur und Kapitalarmut. Das ein paar ehemalige Bewohner ehemaliger Deutscher Gebiete meinen müßten, sie könnten noch Bedingungen stellen, ist mir als Deutscher heute befremdlich. Die Sieger haben Geschichte geschrieben.
Die Aufregung über die Kleinigkeit Steinbach kann ich bei meinen (ehemaligen) Landsleuten nachvollziehen, nicht aber die Ignoranz gegenüber der Polarisation in den Medien auf beiden Seiten der Oder. Mehr Klartext sollte von Oben kommen, sonst kommt es wieder zu unehrlichen Abhandlungen wie bei den KZ-Häftlingsentschädigungen. Mein Großvater könnte Ihnen davon lange Geschichten erzählen, wenn er noch am Leben wäre.
Ebenso wie beim deutsch - französische Revanchismus gehört dieses Thema endgültig ehrlich abgewickelt. Dafür kann ruhig der Kopf von Frau Steinbach die Treppen herunterkullern.
Nimmt man die in einem Interview von Hermann 0tto Solms diesen Sommer für Steinbachs Sitz eintretende Meinung, die
heute von FDP-Exvorsitzendem Wolfgang Gerhardt heute in der
Springer-Presse auch pro Steinbach gemachten Äußerungen, vor
allem aber die Aussagen Westerwelles vor 6 Jahren in der Oppo=
sition gemachten Äußerungen ebenfalls für Steinbach, die er
schlicht vergessen hat, dann wird die Spannung in der FDP um
diesen Vorgang offenbar! Westerwelle hätte eben wie sein
poln. Außenamtskollege das Wort "Steinbach" meiden müssen, dann säße er nicht in der Bredouille! Nebenbei sagen und
schreiben die meisten sich an der Diskussion Beteiligten dem
Herrn W. das Recht ab, sich in die Belange der vom BdV
initierten Ausstellung gegen V,ertreibungen einzumischen,
viele verurteilen seine Haltung als den Deutschen schäd=
lich. Die ZEIT-Redaktion scheint dies aber nicht wahrzu=
nehmen!
Wichtig ist eine europäische Vereinigung aller europäischer Vertriebener. Junge Istrier (Italiener), mit Sitz in Triest, versuchen dies bereits. Ostpreussen, Schlesier und ein Teil der Sudetendeutschen ist bereits dabei. Der BDV sollte sich auch anschliessen.
@1: Es handelt sich um die grösste ethnische Säuberung der Geschichte, bei der von 15 Millionen Vertriebener 3 Millionen umkamen.
In Afrika sterben heute Menschen in ähnlicher Größenordnung durch Vertreibung, Hunger und Krieg. Wieso sollten Geschehnisse von damals nur aus der Perpektive der deutschen Vertriebenen betrachtet werden, wie es der BDV gerne möchte. Das deutsche Volk war in einem militärisch aggressiven Staat organisiert und hat zum zweiten Mal einen Krieg gewaltigen Ausmaßes verloren. Glauben Sie im Ernst, die Menschen in Osteuropa hätten nicht gerne Ihr altes Land behalten? Im Anbetracht der Tatsache, dass fast jede Familie in Polen ein Mitglied in diesem schrecklichem Krieg verloren hat, klingen für mich die Forderungen des BDV wie ein Hohn.
Allerdings stimme ich gerne einer europäischen Betrachtungsweise zu, schließlich sind auch in dieser Zeit viele Russen, Polen, Deutsche, Menschen jüdischen Glaubens, Rumänen, Äthiopier, Armenier, etc Ihrer Heimat für immer beraubt worden.
Merkel weiß genau, daß sie zum Regieren Westerwelle braucht und nicht Störenfriedin Steinbach. Es fragt sich nur, wie sie das dem Störenfried Seehofer und dem Störenfriedsverein BDV beibringt - es riecht schon jetzt nach einem Kuhhandel.
Das ist ein klassisches Merkel-Versagen: statt einer klaren Richtung wird herumgeeiert. Wie konnte eine solche Person nur Kanzlerin werden? Sie will den Beruf ja gar nicht ausüben!
sollte nach ihrer Ansicht nahe Beim Holocaust-Mahnmal stehen und die Vertriebenen, die zum großen Teil Flüchtlinge waren wie auch meine mütterl. Familie (mit einem überzeugten Nazi-Großvater), sollten im gleichen Atmezug wie die rassisch Verfolgten und Ermordeten der Nazis genannt werden können.
Und das ist der Geburtsfehler von Steinbachs "Kind" und der ist nur zu heilen, wenn sie endlich bescheiden verzichtet, was ihr ja nicht schwer fallen würde, wäre die Versöhnung ihr ein Herzensanliegen.
Mal abgesehen davon, dass die Mehrzahl der Vertriebenen und Flüchtlinge sich gar nicht duurch diesen Verband vertreten fühlen dürfte.
"...Westerwelle hat sich mit seiner unüberlegten Stellungnahme bzgl. Frau Steinbach gleich bei seinem ersten Auslandstermin völlig unnötig selbst ein Bein gestellt..."
Obwohl ich FDP mund Westerwelle nicht abkann, hat der aber sehr wohl in dieser Sache überlegt gesprochen und sich kein Bein gestellt.
Alles klar: BdV schlägt vor, Westerwelle legt Veto ein, fertig!!
Westerwelle hat sich mit seiner unüberlegten Stellungnahme bzgl. Frau Steinbach gleich bei seinem ersten Auslandstermin völlig unnötig selbst ein Bein gestellt - so unbedarft ist unser Außenminister; da hätte er von seinem polnischen Gesprächspartner etwas lernen können. Nach einem schlechten Start steht der schwarz-gelben Koalition jetzt also der erste Streit ins Haus - wegen was eigentlich: einer Lappalie! Westerwelle sucht also auch einem verhältnismäßig belanglosen politischen Feld die Konfrontation um etwas Profil zu gewinnen - natürlich nur um des Profil Gewinnens wegen - und Merkel sowie seine Kabinettskollegen werden ihm das nicht vergessen, daß er hier agiert wie ein Dilettant. Und daß, nachdem Westerwelle sieben Jahre lang Generalsekretär der FDP war, sowie im Anschluß seit 2001 (nun also acht Jahren) deren Bundesvorsitzender. Würde er für irgendetwas stehen, wüßte man es mittlerweile. Da wir aber nichts wissen, ist Westerwelle offenbar ein Mann ohne Eigenschaften - vermutlich auch ohne besondere Talente. Die FDP wird den Zugewinn bei der Bundestagswahl bald eingebüßt haben, soviel steht fest; sie betreibt in der großen Koalition Klientelpolitik wie eh und jeh und zerschlägt ansonsten außenpolitisches Porzellan; diese Partei ist so unnötig wie andere Lobby-Organisationen auch.
"...Westerwelle hat sich mit seiner unüberlegten Stellungnahme bzgl. Frau Steinbach gleich bei seinem ersten Auslandstermin völlig unnötig selbst ein Bein gestellt..."
Obwohl ich FDP mund Westerwelle nicht abkann, hat der aber sehr wohl in dieser Sache überlegt gesprochen und sich kein Bein gestellt.
Alles klar: BdV schlägt vor, Westerwelle legt Veto ein, fertig!!
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