Gesetzliche Krankenversicherung Krankenkassen fordern Kostendämpfung
Gesetzlich Krankenversicherten drohen kommendes Jahr Zusatzbeiträge. Doch auch die Kassen fürchten die Beiträge - die Kunden könnten ihnen davonlaufen.
So grundstürzend neu, dass sie die politische Aufregung erklären könnten, sind die Zahlen nun wirklich nicht. Auf vier Milliarden Euro hat der sogenannte Schätzerkreis das voraussichtliche Defizit der gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr beziffert. Das sind gerade mal 450 Millionen mehr als in der Oktoberschätzung. Hinzu kommt, dass die Prognose überaus vage ist, denn die Experten aus Bundesversicherungsamt, Krankenkassen und Gesundheitsministerium haben nur die drohenden Ausgaben neu hochgerechnet. Die erwarteten Kasseneinnahmen für 2010 ließen sie der Einfachheit halber auf dem alten Stand. Man wolle hierzu, so entschuldigten sie sich, erst noch aktuellere Prognosen von Regierung und Instituten abwarten.
Was die neue Defizitrechnung so brisant macht, ist etwas anderes: enttäuschte Hoffnung. Die meisten Kassenexperten hatten erwartet, dass sich die Aussichten zum Jahresende doch ein wenig bessern. Und der neue Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatte geradezu damit gepokert. Die Krankenkassen zeichneten ein viel zu düsteres Bild, lautete sein Standardargument vom ersten Amtstag an. "Wir gehen davon aus, dass das Wachstum besser wird als erwartet", sagt er auch jetzt noch. Dass die Kassen im harten nächsten Jahr immer noch auf erwirtschaftete Überschüsse zurückgreifen könnten. Und dass man "sehr gelassen bleiben" müsse in der Frage der Zusatzbeiträge.
Richtig daran ist, dass die meisten Versicherten, die solche Aufschläge dann ohne Arbeitgeber stemmen müssen, noch eine kleine Gnadenfrist haben. Ins neue Jahr will erklärtermaßen keine der großen Krankenkassen damit starten. Doch dass es bei manchem Anbieter bereits zum Februar so weit sein könnte, ist in der Branche ein offenes Geheimnis. "Wir planen das nicht, schließen es aber auch nicht aus", sagte etwa DAK-Sprecher Frank Meiners dem Tagesspiegel. Betroffen wären in diesem Fall rund 4,6 Millionen Mitglieder.
Und wenn der Zug erst einmal gestartet ist, springen auch andere auf. Im Laufe des Jahres, so prognostiziert die designierte Chefin der neuen Barmer/GEK, Birgit Fischer, müssten wohl so gut wie alle Krankenkassen Zusatzbeiträge erheben. Definitiv ausgeschlossen haben dies fürs kommende Jahr bislang nur zwei große Versicherer: Die AOK Rheinland/Hamburg und – "unter den momentanen Bedingungen" – die AOK Thüringen/Sachsen. Und nur eine ganz kleine, die Bremische hkk, ging noch weiter und versprach ihren 219.000 Mitgliedern wegen eines "Rekordüberschusses" für 2010 sogar eine Rückerstattung von 60 Euro im Jahr.
Von der ministeriell erwünschten Gelassenheit ist in der Branche folglich wenig zu spüren. Die Kassen treibt die Sorge um, dass ihnen die Zusatzbeiträge gar nicht viel helfen – wegen des dann drohenden Mitgliederschwunds. Zwar hätten Wechsler bei anderen Anbietern über kurz oder lang ebenfalls Aufschläge zu erwarten. Doch ein Ausdruck des Protests wäre die Kündigung allemal, und nach einer Umfrage des Forschungsinstituts Iges wären dazu auch 62 Prozent der Kassenmitglieder grundsätzlich bereit.
So dringen die Kassen nun noch stärker auf etwas, was die neue Regierung in ihrer Koalitionsvereinbarung nicht interessiert hat: Kostendämpfung. Diese sei "das Gebot der Stunde", findet der Chef der KKH- Allianz, Ingo Kailuweit. Insbesondere bei den Arzneikosten gebe es Sparpotenzial – etwa über Preisobergrenzen für patentgeschützte Originale. Und die Senkung der Mehrwertsteuer für Medikamente auf sieben Prozent würde die Kassen jährlich auch um drei Milliarden Euro entlasten. "Die Politik muss sich um die Ausgabenseite kümmern", meint auch der Chef des Ersatzkassenverbandes, Thomas Ballast.
Druck macht zudem die Opposition. Die SPD etwa fordert ein gesetzliches Sofortprogramm, um Zusatzbeiträge zu verhindern – und auch sie verlangt zuvorderst ein Arzneisparpaket. Man müsse "nur den Willen und auch den Mut haben, der Pharmalobby die Stirn zu bieten", meint die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Carola Reimann. Im Zweifel seien auch weitere Steuerzuschüsse nötig, sagt SPD-Vize Elke Ferner und stellt klar: "Wer jetzt nicht handelt, hat die Zusatzbeiträge zu verantworten."
(Erschienen im Tagesspiegel vom 11.12.2009)
- Datum 11.12.2009 - 12:50 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Wohin soll man den vor einer Pflichtversicherung flüchten? Gibt es da etwas, was ich nicht bekommen habe?
...medizinische Behandlung" versprochen. Dafür zahlten die Menschen. Gegen dieses Versprechen trieben sukzessive Regierungen Geld ain. Unsere beste medizinische Versorgung ist schlechter als die in der Schweiz oder USA. Das bekommt man aber nicht auf die Billige. Das wußten aber die Politiker, Parteien und Beamten damals auch schon oder hätten es wissen müssen. Man bezahlte sie schließlich dafür.
... also die Vorteuschung demokratischer Politiker, und deren Familienmitglieder bekommen doch die bestmögliche Krankenversorgung, die ein Mehrfaches dessen kostet, was für freilaufende Bürger bezahlt wird, zu sensationell günstigen Beiträgen.
Man kann nicht sagen, daß sich unsere vorgeblichen Parteien nicht um die Interessen der Klientel kümmern, die sie vertreten.
"Die beste medizinische Versorgung" versprechen, konnten Kohl und Blüm garnicht, denn seit GKV-Beginn gilt: Der Versicherte hat Anspruch auf, die Kassen dürfen bezahlen, der Leistungserbringer (früher Arzt) darf veranlassen: Leistungen die wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig sind (WANZ)! Punkt
Die "beste mögliche Versorgung" haben immer andere - wider besseres Wissen - versprochen. Derzeit befinden sie sich in der Opposition!
... also die Vorteuschung demokratischer Politiker, und deren Familienmitglieder bekommen doch die bestmögliche Krankenversorgung, die ein Mehrfaches dessen kostet, was für freilaufende Bürger bezahlt wird, zu sensationell günstigen Beiträgen.
Man kann nicht sagen, daß sich unsere vorgeblichen Parteien nicht um die Interessen der Klientel kümmern, die sie vertreten.
"Die beste medizinische Versorgung" versprechen, konnten Kohl und Blüm garnicht, denn seit GKV-Beginn gilt: Der Versicherte hat Anspruch auf, die Kassen dürfen bezahlen, der Leistungserbringer (früher Arzt) darf veranlassen: Leistungen die wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig sind (WANZ)! Punkt
Die "beste mögliche Versorgung" haben immer andere - wider besseres Wissen - versprochen. Derzeit befinden sie sich in der Opposition!
ist so groß,Sie hatte sich seinerzeit schon bei Schröder freigekauft,und auch Herr Rösler wird bald deren Macht zu spüren bekommen.Es handelt sich um Firmen deren Größe und Marktmacht nur noch durch die Ölmultis übertroffen wird. Da wäre Einsparpotenzial genug vorhanden. (Siehe zb Aspirinpreise Deutschland und USA zb.gleiches Produkt)Die Apotheker (Gott schütze sie) verdienen schon dadurch ein heidengeld, Produkte im Großhandel zu bestellen ,und über den Tresen zu schieben.Die Krankenversicherungen arbeiten,lange nicht wirtschaftlich genug,hier wird noch genug Geld für unsinige Glasbauten, Werbungen, sowie zweifelhafte Therapien und zweifelhafte Heil und Hilfsmittel verschleudert. Es fließt noch anscheinend zuviel Geld in die Hände der Krankenkassen, die ansonsten wie jedes Unternehmen vernünftig rechnen müßten. (Wenns nicht gerade Geld vom Staat gibt)
... also die Vorteuschung demokratischer Politiker, und deren Familienmitglieder bekommen doch die bestmögliche Krankenversorgung, die ein Mehrfaches dessen kostet, was für freilaufende Bürger bezahlt wird, zu sensationell günstigen Beiträgen.
Man kann nicht sagen, daß sich unsere vorgeblichen Parteien nicht um die Interessen der Klientel kümmern, die sie vertreten.
werden in den letzten 10 Prozent des Lebenszeit für die Menschen ausgegeben. Nicht für Pflege, Schmerzlinderung, sondern für Operationen, Beatmung, Bestrahlung, Chemotherapie. Biologicals usw. Je näher der Tod, desto schlechter die physische Lebensqualität, desto ineffektiver jede aufwendige Therapie. Hier muss ein anderer Weg eingeschlagen werden.
Kostendämpfung im Gesundheitswesen funktioniert doch seit Jahren nach dem Prinzip, je stärker die Lobby, desto weniger Dämpfungsbeitrag.
Die schwächste Lobby haben die Patienten, also zahlen sie in aller Regel die Zeche.
Es folgen die kassenärztliche Vereinigungen, die Krankenversichungsträger (zu unterscheiden ist da noch nach gesetzlichen und privaten Versicherern) und ganz oben mit der stärksten Gruppe die Pharmaindustrie.
Es werden Medikamentenpreise unkontrolliert festgesetzt, Wirkstoffe marginal verändert, um ein Medikament als neu und teuerer verkaufen zu können, Weichen zu Ungunsten der Patienten gestellt und keiner gebietet Einhalt.
Ein Richtungswechsel ausgerechnet unter einem FDP-Minister, der 'keine Eingriffe in den freien Markt' dulden wird, der zudem den Privatversicherungen sehr gewogen ist (mitsamt Parteikollegen Cheflobbyist Daniel Bahr - wahrscheinlich hat die Versicherungbranche schon die Korken edelster Flaschen knallen lassen),ist kaum zu erwarten.
Die Umverteilung der Zusatzkosten allein auf die Schultern der Versicherten hat die alte Regierung mit einer SPD-Ministerin(!)noch zu Wege gebracht. Tolle Aussichten für die kommenden Jahre!
Dieser Lobbyistensumpf muß ausgetrocknet werden, sonst wird das nichts!
Da müht sich die Regierung mit Gesetzen ab, die dem Bürger ein paar Euro Steuerersparnis oder 20 Euro Kindergeld in die Taschen spülen sollen, um die "Binnennachfrage" zu stärken - gleichzeitig wird die milde Gabe dann wieder vom Sozialversicherungssystem einkassiert.
Fantastisch. Ist das Ganze vielleicht eine Beschäftigungstherapie für Regierungsbeamte?
Also den Apothekern wird die Konkurrenz der online-Apotheken vom Hals geschafft, den Hoteliers die der auslaendischen Hotels, den Steuerberatern wird Arbeit zugeschanzt durch die erneute Absetzbarkeit der Kosten,....
Ok, die meisten, die dummerweise FDP gewaehlt haben, zahlen drauf, aber die Kernmannschaft profitiert.
Also den Apothekern wird die Konkurrenz der online-Apotheken vom Hals geschafft, den Hoteliers die der auslaendischen Hotels, den Steuerberatern wird Arbeit zugeschanzt durch die erneute Absetzbarkeit der Kosten,....
Ok, die meisten, die dummerweise FDP gewaehlt haben, zahlen drauf, aber die Kernmannschaft profitiert.
"Wir gehen davon aus, dass das Wachstum besser wird als erwartet", sagt er auch jetzt noch.
Klar : der Eimer hat riesige Loecher, also beten wir mehr Regen her.
Wenn es nicht so traurig und so teuer fuer die meisten von uns waere, koennte man das Schauspiel der blau-gelben "Kinderpost"-Spieler einfach nur geniessen - sie sind so drollig in ihrer Einfalt.
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