Streit um Steuersenkungen Schwarz-Gelb unter Erfolgsdruck
Im Steuerstreit muss der Bund den Ländern entgegenkommen – und zugleich den Eindruck eines Kuhhandels unter allen Umständen vermeiden. Von Antje Sirleschtov
© dpa - Bildfunk

Ringen noch um eine Einigung im Steuerstreit: Peter-Harry Carstensen (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, und Kanzlerin Angela Merkel (CDU)
"Kuhhandel" oder "Herauskaufen" sind beides Vokabeln, mit denen die Bundesregierung sich selbst und ihr "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" keinesfalls in Verbindung gebracht wissen will. Weshalb Regierungssprecher Ulrich Wilhelm den Verdacht, die Regierung wolle sich die Zustimmung der Bundesländer im Steuerstreit erkaufen, am Montag auch deutlich zurückwies. Mit Blick auf die anstehende Entscheidung im Bundesrat am 18. Dezember, sagte er, "wird es kein Herauskaufen einzelner Länder geben".
Und doch ist klar: Die schwarz-gelbe Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird sich Mitte Dezember in der Länderkammer keine Schlappe erlauben dürfen. Zum einen, weil der Regierungsanfang ohnehin von Pannen und innerkoalitionärem Krach begleitet ist und ein Dämpfer des Bundesrates schon beim ersten gemeinsamen Gesetzesvorhaben den Eindruck eines Fehlstarts komplett machen würde.
Zum anderen, weil das Wachstumsbeschleunigungsgesetz ein Steuersenkungsgesetz und damit zentraler Ausdruck des politischen Willens von Union und FDP ist. Bringen Merkel und ihr Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) das Gesetz am Donnerstag kommender Woche nicht durch den Bundesrat, brauchen sie im kommenden Jahr über weitere – drastischere – Steuersenkungen, wie sie im Koalitionsvertrag beschrieben sind, gar nicht erst zu sprechen. Vom Imageschaden ganz zu schweigen. Vor allem FDP und CSU hatte ihren Wählern Steuersenkungen versprochen.
Für die Regierungskoalition heißt es daher in den nächsten zehn Tagen: Den Ländern Angebote machen und gleichzeitig den Eindruck verwischen, die Angebote stünden im Zusammenhang mit der Zustimmung im Bundesrat. Mehrere Bundesländer haben bisher Widerstand angekündigt.
- Bildung
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Durch die geplanten Steuersenkungen (Wachstumsbeschleunigungsgesetz) drohen Ländern und Kommunen jährliche Steuerausfälle von 3,9 Milliarden Euro.
Schleswig-Holstein und Sachsen, beide von Union und FDP regiert, wollen dem Gesetz im Bundesrat nicht zustimmen, wenn sie nicht an anderer Stelle Kompensationen erhalten. Zur Verabschiedung im Bundesrat braucht das Gesetz die Zustimmung aller schwarz-gelben Länder.
Derzeit wird auf allen Ebenen über eine Lösung des Problems verhandelt. Eine Möglichkeit könnte darin bestehen, dass der Bund mehr als bisher für Bildung und Forschung ausgibt.
Gegenwärtig übernimmt er acht Prozent. Die Hälfte tragen die Länder. Bildungspolitisches Ziel von Schwarz-Gelb ist es, die Gesamtausgaben in diesem Sektor bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes von bisher knapp neun Prozent zu steigern. Das wären 25 Milliarden Euro pro Jahr. Die neue Koalition hat beschlossen, ab 2010 pro Jahr drei Milliarden Euro mehr für Bildung/Forschung auszugeben.
- Mehrwertsteuer
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Schleswig-Holstein und Sachsen haben außerdem eine Umverteilung des Umsatzsteueraufkommens zugunsten der Länder ins Gespräch gebracht.
Derzeit erhalten die Länder nach einem komplizierten Verteilungsschlüssel rund ein Drittel der Einnahmen aus der Mehrwertsteuer. Das Gesamtaufkommen wird für 2010 auf 180 Milliarden Euro geschätzt.
- Konjunkturprogramm
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Sachsen fordert weniger strenge Vergaberegeln zum Konjunkturprogramm II für Bau- und Energieinvestitionen vor allem in Schulen und Kindergärten.
Die Auflage, dass Fördergelder nur für neue Vorhaben abgerufen werden können, blockiert in einigen Ländern Investitionen.
- Zinshilfen
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Für fünf Länder mit besonderen Finanzproblemen wurden in der Föderalismusreform II mit Festlegung der Schuldbremse Zinshilfen vereinbart. Diese könnten jetzt wegen der zusätzlichen Belastungen durch das Steuerpaket aufgestockt werden.
Bisher sollen von 2011 bis 2019 jährlich 800 Millionen Euro an Bremen, das Saarland, Berlin, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein fließen.
- Hartz IV
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Im Gespräch ist auch ein Entgegenkommen des Bundes bei den Kosten für die Unterbringung von Hartz-IV-Empfängern. Diese Aufwendungen treffen vor allem die Kommunen.
Allerdings steht zu dieser Frage noch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus, das abgewartet werden dürfte.
Solche, auf deren Stimmen die Koalition wegen ihrer schwarz-gelben Landesregierungen angewiesen ist, sind Schleswig-Holstein und Sachsen. Solche, auf die es wegen der Andersfarbigkeit ihrer Regierungen nicht ankommt, sind etwa Thüringen, Hamburg oder Sachsen-Anhalt. Alle für Schwarz-Gelb relevanten Länder haben ihren Widerstand jetzt noch einmal dokumentiert. Und keines der Länder darf ablehnen oder sich enthalten.
Verhandelt wird um mehrere Themen. Einerseits geht es um die bereits von der schwarz-roten Regierung verabschiedeten Konjunkturhilfe-Programme für Länder und Kommunen. Sachsen etwa hätte gern, dass der Bund die Zweckbindung dafür aufhebt, damit die Länder selbst über die Verwendung entscheiden dürfen.
Andererseits geht es um Bildungsinvestitionen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte am Wochenende im Tagesspiegel deutlich gemacht, dass der Bund den Ländern mehr Geld für die Bildungsinvestitionen in Aussicht stellen wolle.
FDP-Vizechef Andreas Pinkwart aus Nordrhein-Westfalen begrüßte zwar den Vorschlag von Schavan. Allerdings kritisierte Pinkwart, dass Schavan die zusätzlichen Bildungsinvestitionen aus dem 12-Milliarden-Zusatzpaket finanzieren will, das Union und FDP im Koalitionsvertrag festgeschrieben hatten. Diese Ausgaben, sagte Pinkwart, dürften nicht mit der notwendigen Steigerung der Bildungsausgaben in den Ländern vermengt werden. Dafür will die FDP den Ländern einen Mehrwertsteuerpunkt, also rund acht Milliarden Euro, aus der Bundeskasse zugestehen. Dies seien Finanzmittel, die den Ländern dauerhaft zur Verfügung stünden, sagte Pinkwart.
Im CDU-Präsidium standen die unterschiedlichen Wünsche der Länder am Montag auf der Tagesordnung. Eine klare Richtung, wie die Bundesregierung verhandeln will, gibt es allerdings noch nicht. Am kommenden Sonntag sind erst einmal Schleswig-Holsteins Regierungschef Peter Harry Carstensen (CDU) sowie FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki ins Kanzleramt geladen. Mit dem Ziel, jemanden "herauszukaufen", sagte CDU-Generalsekretär Herrmann Gröhe, habe das allerdings nicht das Geringste zu tun.
- Datum 08.12.2009 - 10:57 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel, 7.12.2009
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ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert!
Irgendwann werden sie doch abgewählt - dann kann die nächste Regierung sich mit der Schuldenbremse im GG herumärgern!
So leben wir, so leben wir, soleben wir alle Tage!
.
landwirtschaftlicher (kaufmännischer) Art, in denen es überwiegend fair zuging und haben daher mit moderner Politk nichts gemein.
Merkel 2.0 ist zum Erfolg verdammt, das mag jetzt auch Opfer (finanzieller Art zu Lasten Dritter) kosten.
Aber danach wird regiert (sofern Guido und Horst es zulassen)!
... Zeile eines relativ bekannten deutschen - sagen wir - Liedermachers in den Sinn: "... Guido fuhr noch im Guidomobil.."
Schade, wirklich schade, dass diese Zeiten vorbei sind.
Merkel darf keine Schlappe erleiden!
Sinn oder Unsinn des Ganzen wird überhaupt nicht mehr in Frage gestellt.
Natürlich sollten wir mehr in Bildung investieren!
Wenn wir dafür die mindestens eine Milliarde geplante Hotelier-Entlastung nehmen würden, wäre das ein guter Anfang.
Aber wie bereits gesagt: Jetzt geht es nur noch darum, dass der Unsinn durchgesetzt wird, damit das Gesicht gewahrt wird. Um die Hoteliervergünstigung zu finanzieren können ja nächstes Jahr andere Vegünstigungen, mit sicher anderer Begründung, z. B. Steuervereinfachung, gestrichen werden.
Vielleicht sind Sie auch bei den Finanziers, die draufzahlen, falls Sie nicht zufällig Hotelier sind.
Ich hoffe und bete, dass einige der Länderregierungen standhaft bleiben und das Gesetz zu Fall bringen, ansonsten müsste ich dreifach bezahlen.
1. Müsste ich als Steuerzahler Geld für die aufbringen, die ohnehin schon mehr Geld haben als ich (wohlhabende Familien und Hotelbesitzer).
2. Müsste ich als Steuerzahler Geld aufbringen, mit dem die Länder gekauft werden (was ja die Lippenbekenntnisse zum Sparen absolut konterkariert - es sei denn das Geld geht auf Kosten der Länder die ohnehin dagegen stimmen).
3. Müsste ich als noch junger Steuerzahler das Geld aufbringen, um die Schulden zurückzubezahlen, die aufgenommen worden sind, um das Klientel der Regierungsparteien zu beglücken.
Ich wünschte ich wäre auch ein Klientel - dann hätte es das Gesetz nie geben und die Regierung hätte schon mit dem Sparen angefangen...
das ist kein stimmenkauf, das ist schon gar keine einflussnahme zu dem abstimmverhalten im bundesrat und schon mal überhaupt gar nicht ist das gestzeswidrig. das ist d0itschland.
das volk ist natürlich nicht in der lage so hochkomplexe sachzusammenhänge richtig zu bewerten - das kann nur und ausschließlich die politik.
Jeder ist käuflich, es kommt nur auf die Summe an!!!!!!!
Ein englisches Sprichwort besagt: „A woman, a dog and a walnut-tree, the more you beat them, the better they’ll be.” – Und tatsächlich wird vielerorts mit Stöcken auf Walnussbäume eingeschlagen, woraufhin diese gemäss den Aussagen vieler, beteiligter Akteure mehr und bessere Nüsse tragen. (Weitere, erwähnte Ziele werden weitgehend als konfliktiv eingestuft)
Wie war das aber mit demjenigen, der am Grase zog und zerrte? Konnte er das Gras dazu bringen, schneller und üppiger zu wachsen? – Nein! – Wachstumsbeschleunigung per Gesetz kann nur zu einer sozialen Verunstaltung führen und uns in ein nächstes, tiefes Krisenloch stürzen. Nur in einer Sozialen Plastik, wo jeder endlich Künstler werden sollte, liegen Ethik und Ästhetik nahe genug beieinander, um uns Wege in Richtung von Nachhaltigkeiten zu weisen. Wo wir in der Nähe von natürlichen Zuständen (Sein), uns unser Wesen gestalten könnten ... besuchen SIE mein Profil.
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