Kundus-Katastrophe Guttenberg, der Getriebene
Er versprach Transparenz, doch neue Details zur Kundus-Affäre erfährt die Öffentlichkeit stets aus der Presse. Der selbst ernannte Aufklärer Guttenberg gefährdet seinen guten Ruf. Ein Kommentar
Karl-Theodor zu Guttenberg kann einem fast leid tun. Einen neuen Politikstil wollte er schaffen, wollte Schluss machen mit der intransparenten Öffentlichkeitsarbeit seines Vorgängers. Er gab sich als Aufklärer in der undurchsichtigen Affäre um das Tanklaster-Bombardement von Kundus. Doch das Bild, das der Verteidigungsminister von sich selbst zeichnet, will immer weniger zur Wirklichkeit passen. Guttenberg, der Eindruck verfestigt sich, agiert nicht. Er reagiert.
Schon sein vermeintlich mutiges Durchgreifen am 26. November, als er die Rücktritte von Generalinspekteur Schneiderhan und Staatssekretär Wichert erzwang, war in Wahrheit nur eine Reaktion. Denn am gleichen Tag hatte die Bild-Zeitung gemeldet, dass im Verteidigungsministerium ein Feldjägerbericht vorlag, in dem bereits kurz nach dem verheerenden Bombenabwurf auf die zwei Tanklaster von zivilen Opfern die Rede war. Guttenberg musste von der Existenz des Berichts aus der Presse erfahren. Sagt er jedenfalls.
Seither vergeht kaum ein Tag, an dem nicht weitere Details über das Wissen oder Nichtwissen des Verteidigungsministers die Runde machen. Gestern berichtete stern.de, dass zu Guttenberg schon am 6. November, dem Tag, an dem er den Luftschlag als "militärisch angemessen" verteidigte, ein Bericht des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) vorlag, der eben diese Angemessenheit stark in Zweifel zog. Heute meldete wiederum die Bild-Zeitung in großen Lettern, dass der für das Bombardement verantwortliche Oberst Klein in jener Nacht mit der Eliteeinheit KSK zusammenarbeitete.
Problematisch für den Verteidigungsminister sind weniger die jeweiligen Inhalte des Mediendauerfeuers. So belastet der IKRK-Bericht Guttenberg nicht mehr als der Nato-Bericht, der ihm am 6. November ebenfalls schon bekannt war. Und auch dass das KSK hin und wieder in Afghanistan zugange ist, überrascht nicht wirklich. Die meisten Mitglieder des Verteidigungsausschusses jedenfalls wussten darüber Bescheid.
Nein, problematisch für zu Guttenberg ist, dass nicht er, sondern die Medien den Informationsfluss steuern. Dass nicht er, sondern andere für Transparenz sorgen. Schon einem "gewöhnlichen" Minister kann das nicht gefallen. Für einen Minister aber, der Offenheit als neuen Stil propagiert, der die Ehrlichkeit zu seinem Markenzeichen erkoren hat, werden derartige Informationspannen nicht verziehen. Sie untergraben das Fundament seiner Politik.
Guttenberg ist gut beraten, das Heft des Handelns wieder in die eigene Hand zu nehmen. Er muss in die Offensive. Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, endlich zu erfahren, was die Bundeswehr in Afghanistan treibt.
- Datum 10.12.2009 - 19:51 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 16
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Waehrend die linkisch-linke Republik zusehends krummer wird, steigert sich BILD zu ernsthaftester Nachrichtenquelle auf dem ansonsten so ziemlich gleichgeschalteten Nachrichtenmarkt
"...steigert sich BILD zu ernsthaftester Nachrichtenquelle auf dem ansonsten so ziemlich gleichgeschalteten Nachrichtenmarkt."
Tatsächlich?
Woran genau ist das denn festzustellen?
"...steigert sich BILD zu ernsthaftester Nachrichtenquelle auf dem ansonsten so ziemlich gleichgeschalteten Nachrichtenmarkt."
Tatsächlich?
Woran genau ist das denn festzustellen?
"...steigert sich BILD zu ernsthaftester Nachrichtenquelle auf dem ansonsten so ziemlich gleichgeschalteten Nachrichtenmarkt."
Tatsächlich?
Woran genau ist das denn festzustellen?
Guttemberg, der Schnellschiesser, verbrennt sich Schnellschuss vielleicht ebenso die Finger, wie sein Oberst in Afghanistan.
Er hat sich ja plakativ vor den Oberst gestellt. Schneidig, gewiss, aber klug ?
Wie, wenn nun herauskommt, dass es eine völlig überzogene Panikreaktion war, rechtswidrig, weil man es hätte besser wissen können. Weil die militärische Logik, das waren alle Taliban, ich habe doch Bomben auf sie werfen lassen,weil ich ja nur Bomben auf Taliban werfe, wenn die militärische Logik nicht aufgeht, sondern sich nach gründlicher Untersuchung als professioneller Fehler herausstellt.
Wie schnell kann Guttemberg dann noch zurückrudern ?
... Taktik ist halt nicht Alles!
Wovon? Na dass er Mutti in der Beliebtheitskala gefährlich wurde. War doch nur eine Frage der Zeit oder vielmehr der BILD bis Mutti zurück schlägt. Sie hat einfach die bessere Vernetzung.
Ja ich weiß, bei unseren freien Medien klingt das wie ein Anflug von Paranoia, aber ist schon jemandem aufgefallen, dass außer ein paar Artikel über einen holprigen Start der neuen Regierung, Mutti von dieser wiederum völlig losgelöst scheint?
Ihre Minister schießen sich in den Fuß, stechen sich ein Auge aus und hacken sich eine Hand ab, aber Mutti scheint es nicht zu kümmern solange ihre Beliebtheit unangetastet bleibt.
Und sonst scheint es auch nur wenige zu kümmern.
Nicht falsch verstehen. Im Gegensatz zum Schreiber empfinde ich nicht einmal fast Mitleid mit unserem neuen Verteidigungsminister, wenn er so großkotzig tut. Jetzt ist der Kronprinz vor seiner Krönung, der Königin auf die Schleppe getreten und ausgerutscht.
Ich sehe das ebenso, was könnte Frau Merkel besseres passieren als ausgerechnet denjenigen frühzeitig ins Abseits zu drängen der Ihr bei der nächsten Bundestagswahl gefährlich werden könnte.
kann man nur eins sagen: BRAVO.
Also treffender kann man das Ganze nicht in Worte packen.
Mamas Liebling - das triffts genau.
Wenn diese Geschichte glatt geht, ist zu Guttenberg spätestens 2017 Kanzler. Ich denke nicht die Kanzlerin, sondern vor allem die Opposition würde ihn gerne loswerden...
Ich sehe das ebenso, was könnte Frau Merkel besseres passieren als ausgerechnet denjenigen frühzeitig ins Abseits zu drängen der Ihr bei der nächsten Bundestagswahl gefährlich werden könnte.
kann man nur eins sagen: BRAVO.
Also treffender kann man das Ganze nicht in Worte packen.
Mamas Liebling - das triffts genau.
Wenn diese Geschichte glatt geht, ist zu Guttenberg spätestens 2017 Kanzler. Ich denke nicht die Kanzlerin, sondern vor allem die Opposition würde ihn gerne loswerden...
Diese real-existierende Wahrheit, die unsere heutigen Pseudo-Elitaristen allesamt auszuzeichnen scheint, ist vielleicht eine bittere Wahrheit, aber eine, die wir langsam akzeptieren sollent.
Statt uns vom Infotainment unserer Massenmedien verblöden zu lassen und nach dem Straßenköterprinzip jedem Prommibericht hinterher zu rennen, sollten wir die Realitäten unter den Tarnnetzen hervor zerren, unter denen sie von unseren Alphatieren, Führungs-, Lenkungs- und Leitungskräften versteckt werden.
So gesehen ist dieser Minister nichts anderes als die Menschwerdung des Slogans: Können? Muss nicht sein - Kennen, muss sein. Früher sagte man: Vettern- und Günstlingswirtschaftsprotegee.
Oder irre ich mich?
Respekt!- Wenn dieser Besuch der umfänglichen Aufklärung des Vorgangs dient, tut er genau das Richtige! Bleibt zu hoffen, dass endlich einmal Klarheit über die Befehlskette entsteht und die Frage beantwortet wird, wer oder was auf die Befehlsgebung vor Ort Einfluss genommen hat!
Im Übrigen würde es mich interessieren, wer wann in Deutschland erstmalig über die Lage vor Ort informiert war? Insbesondere, ob es ein konkretes Lagebild bereits vor dem Bombenabwurf gegeben hat oder nicht?- Ich bin überzeugt: Derzeit warten viele (ungestellte) Fragen noch auf eine schlüssige Antwortung!
Ich kann es nicht verstehen das nun ein Herr Guttenberg für die "Dummheiten" der anderen herhalten soll. Er ist der, der sich um eine reibungslose Aufklärung bemüht. Ich finde das sollte man nicht ausser acht lassen.
Ich denke das größte Problem aller beteiligten ist das der Kommunikation!
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