Transparenz Opposition will Politiker öffentlich befragen

SPD, Grüne und Linke sind sich einig: Verteidigungsminister Guttenberg soll im Januar vom Untersuchungsausschuss befragt werden. Der Ausschuss soll öffentlich tagen, soweit möglich.

Unter den Augen von Medien und Öffentlichkeit soll Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Januar im Untersuchungsausschuss befragt werden

Unter den Augen von Medien und Öffentlichkeit soll Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Januar im Untersuchungsausschuss befragt werden

Der Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Aufklärung der Kundus-Affäre hat die Arbeit aufgenommen. Um kurz nach 9 Uhr begann die sechste Sitzung des neuen Verteidigungsausschusses, der sich heute zum Untersuchungsausschuss konstituiert. Vorher hatten sich die Obleute der fünf Fraktionen getroffen und das Vorgehen abgestimmt. Rainer Arnold (SPD) sprach von "einem guten Auftakt". Er und die Obleute der Grünen, Omid Nouripour und Paul Schäfer von der Linkspartei setzen auf ein Einlenken der Regierungsparteien in kritischen Fragen.

Denn widersetzen sich Union und Liberale, kann die Opposition jederzeit im Bundestagsplenum einen eigenen Untersuchungsausschuss beantragen, der die Öffentlichkeit nicht so leicht ausschließen kann wie der Verteidigungsausschuss, dem das Grundgesetz eine besondere Verschwiegenheit auferlegt.

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"Wir werden im Januar mit der richtigen Arbeit beginnen", sagte Ernst-Reinhard Beck (CDU). Der Obmann der Union versprach, dass alle Beweise auf den Tisch kommen sollen. Die Union will den Beweisanträgen der Opposition zustimmen. Streit gibt es darüber, welche Zeugen wann gehört werden. Und wie öffentlich der Untersuchungsausschuss arbeiten soll. "Über die Reihenfolge der Zeugen werden wir noch sprechen", sagt Beck.

96 Anträge stellen die Obleute der SPD, Linkspartei und Grünen gemeinsam. Sie fordern die Unterlagen des Verteidigungsministeriums, des Kanzleramtes, der Bundeswehr, des Bundesnachrichtendienstes und des Auswärtigen Amtes an. Es geht um Berichte, Protokolle, Befehle, Meldungen und Informationswege. Und sie laden Zeugen: Vom Hauptfeldwebel bis zur Bundeskanzlerin – alle, die in der Nacht zum 4. September und danach mit der Bombardierung zweier Tanklaster zu tun hatten, sollen aussagen.

Der Opposition will herausfinden, wer im Verteidigungsausschuss, im Kanzleramt und im Auswärtigen Amt wann was wusste. "Natürlich werden wir auch den ehemaligen Außenminister befragen, das gehört dazu", sagte Rainer Arnold. Das heißt: Auch Frank-Walter Steinmeier muss aussagen. Doch vor Nachfragen der Union und der FDP habe bei den Sozialdemokraten keiner Angst, versicherte Arnold bereits am Dienstag.

"Für uns ist klar, dass Guttenberg der erste Zeuge sein muss", sagte Rainer Arnold. Wenn es darüber kein Einverständnis gibt, dann kommt eine Art Reißverschlussverfahren: Opposition und Regierung benennen jeweils nacheinander einen Zeugen. Bei diesem Verfahren könnte die Opposition Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits im Januar vor den Ausschuss laden. Ob das umsetzbar ist, bleibt allerdings fraglich, denn der Bundestag nimmt erst am 16. Januar seine Arbeit wieder auf, und dann stehen zunächst Haushalts-Fragen auf dem Programm. Die Union hat weniger Interesse daran, die Kanzlerin zu befragen. Verhindern können wird sie es nicht, ist sich der SPD-Obmann sicher: "Die Regierung kann sich nicht aussuchen, ob Frau Merkel vor den Ausschuss kommt oder nicht", sagte Arnold.

Für Nouripour ist es ohnehin wichtiger, "den Verteidigungsminister zu verhören". Die Grünen wollen vor allem von ihm erfahren, wie er zu der Aussage kam, der Luftschlag sei militärisch "angemessen" gewesen. Dies hatte zu Guttenberg am 6. November gesagt, obwohl er damals bereits den Nato-Bericht vorliegen hatte, der zahlreiche Fehler rügte.

SPD und Grüne wollen dann auch die Frage klären, warum der Generalinspekteur Schneiderhan und Staatssekretär Wichert entlassen wurden. War es wirklich so, dass die beiden zu Guttenberg Informationen vorenthielten, wie der Verteidigungsminister zur Begründung anführte? In der ZEIT bezichtigt Schneiderhan den Minister der Lüge. Guttenberg habe zwar nicht alle Berichte, aber alle wesentlichen Informationen gehabt. Informationsdefizite gab es wohl dennoch. Das Bundeskanzleramt erhielt offenbar erst nach der Regierungserklärung von Kanzlerin Merkel vor dem Bundestag am 8. September zum Kundus-Bombardement die entscheidenden Berichte.

Zur Frage, wie öffentlich der Ausschuss tagen soll, könnten sich Regierungsparteien und Opposition auf einen Kompromiss einigen: Die wichtigen Zeugen würden öffentlich befragt, die beteiligten Soldaten, denen Strafverfahren drohen, und Geheimnisträger hingegen hinter verschlossenen Türen. Beck von der CSU und Elke Hoff von der FDP äußerten sich zur Frage der Öffentlichkeit nicht. 

Die Opposition setzt trotz aller ungeklärter Verfahrensfragen auf ein gemeinsames Vorgehen der Bundestagsparteien. Grünen-Obmann Nouripour sagte: "Es ist wichtig, dass wir das Vertrauen der Bevölkerung in die Bundeswehr und den Afghanistan-Einsatz wiederherstellen." Dafür sei Öffentlichkeit nötig. Ob es dem Untersuchungsausschuss wirklich gelingen wird, die Hunderten offenen Fragen zu beantworten, wird das kommende Jahr zeigen.

 
Leser-Kommentare
  1. -Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch verteidigt
    *blöder die Märchen nie klingen..

    -Bundeswehr, die Aufbauengel in Afghanistan
    *blöder die Märchen nie..

    -festgefahrene Diesel-Tanklaster sofort als Superbombe verwendbar
    *blöder die Märchen..

    -Taliban Hundertschaft Hochrangigkeit stundenlanger Tanklastertanz
    *blöder die..

    -keine zivilen Opfer, Menschenmassaker völlig ausgeschlossen
    *blöder..

    -SPD, Grünen, ihr Schneiderhahn und Konsorten um Klargesang bemüht
    *schöner die Glocken nie klingen..
    ---
    Barfüßler nun vor der Kapelle!
    Diejenigen, die Obrigkeitshörig den volksverdummenden Militär- und Regierungsmeldungen hinterher nachplapperten, den Ereignissen fahrlässig hinterherliefen, von BILD zum Marsch geblasen wurden, sich selbst zum Qualitätsjournalismus arrogant erhoben, spielen sich nun als alleinige Aufklärer auf.
    FRAGEN, vordringlichster Klärung:
    -Soll mit Hauruck-Druck auf Guttenberg das Wenige an mühsam errungener Klarheit wieder vertuscht werden?
    -Ist der Luftangriff von Kundus dem hochgeheimen KSK bzw. BND anzulasten?
    -Deckt Guttenberg Oberst Klein, weil der Bomben-Befehl nur bedingt seiner war?
    -KSK = deutscher Politruk des Sowjetsystems?

  2. 2.

    Ich finde es unerhört...Während des Wahlkampfs, hat die CDU immer brav verkündet, es ginge bei dem Krieg um eine art Aufbauhilfe, plötzlich aber, nachdem Menschen getötet und Politiker/Generäle ihr Blut für ihre verlogene Politik lassen mussten, geht es darum Taliban zu jagen. Also jemanden anzugreifen, der Detuschland im Leben noch nie angegirffen hat!

    Wie nennt man soetwas? Angriffskrieg. Was sagt das Grundgesetz dazu: Verboten!

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    • keox
    • 16.12.2009 um 14:52 Uhr

    "Es ist wichtig, dass wir das Vertrauen der Bevölkerung in die Bundeswehr und den Afghanistan-Einsatz wiederherstellen."

    Das wird mit legalen Mitteln nicht zu leisten sein, vor Allem deshalb, weil es das "Vertrauen der Bevölkerung" so nie gegeben hat.

    Und abgesehen davon gibt es kein belastbares Indiz dafür, daß die Politkaste der Bankenrepublik Deutschland sich auch nur einen humiden Flatus darum schert, was der gemeine Urnenpöbel für Interessen, Einstellungen, Bedürfnisse und Vorstellungen hat.

    • keox
    • 16.12.2009 um 14:52 Uhr

    "Es ist wichtig, dass wir das Vertrauen der Bevölkerung in die Bundeswehr und den Afghanistan-Einsatz wiederherstellen."

    Das wird mit legalen Mitteln nicht zu leisten sein, vor Allem deshalb, weil es das "Vertrauen der Bevölkerung" so nie gegeben hat.

    Und abgesehen davon gibt es kein belastbares Indiz dafür, daß die Politkaste der Bankenrepublik Deutschland sich auch nur einen humiden Flatus darum schert, was der gemeine Urnenpöbel für Interessen, Einstellungen, Bedürfnisse und Vorstellungen hat.

    • human.
    • 16.12.2009 um 12:54 Uhr

    Es ist tatsächlich beruhigend zu wissen, wie engagiert die Volksvertreter sich um Aufklärung bemühen - im ersten Moment. Im zweiten Moment vermutet man allerdings dann nur noch, dass die Oppositions-Parteien wie halbverhungerte Raubkatzen auf zu Guttenberg rummhacken, um ihn am liebsten absetzen zu können. Es geht hier wohl mittlerweile mehr um politischen Profit, als um selbstbefriedigende Aufklärung. Egal was kommt, zu Guttenberg hat meine Stimme...

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    Das funktioniert nur im Bild. Es sind keine Raubkatzen und schon garnicht halbverhungert. Sie sind Zornig darüber, dass sie nich tinformiert wurden, sondern mehr über die Talkshows erfahren, in dne Guttenberg spazieren geht, anstatt durch die Bundesregierung. Da wäre ich auch sauer und würde, für die vielene getöteten Menschen, nach aufklärung schreien!

    • ezoo
    • 16.12.2009 um 14:36 Uhr

    "Egal was kommt, zu Guttenberg hat meine Stimme..."

    Dank einer Novelle des Wahlrechts können Sie jetzt schon die Briefwahlunterlagen für 2023 anfordern.

    Das funktioniert nur im Bild. Es sind keine Raubkatzen und schon garnicht halbverhungert. Sie sind Zornig darüber, dass sie nich tinformiert wurden, sondern mehr über die Talkshows erfahren, in dne Guttenberg spazieren geht, anstatt durch die Bundesregierung. Da wäre ich auch sauer und würde, für die vielene getöteten Menschen, nach aufklärung schreien!

    • ezoo
    • 16.12.2009 um 14:36 Uhr

    "Egal was kommt, zu Guttenberg hat meine Stimme..."

    Dank einer Novelle des Wahlrechts können Sie jetzt schon die Briefwahlunterlagen für 2023 anfordern.

    • qorl
    • 16.12.2009 um 13:15 Uhr
    4.

    Amüsant ist doch, dass auch die SPD, die hier jetzt als große Erklärer gelten, fast bereitwillig den USA (respektive der NATO) nach Afghanistan gefolgt sind. Wenn man schon versucht ein Land zu befrieden, dann muss man auch die vollste Verantwortung für sein Handeln übernehmen.

    Zu Guttenberg scheint hier bloß zwischen die Räder geraten zu sein, er muss ja nun ausbügeln, oder versucht es zumindest, was sein absolut inkompetenter Vorgänger hinterlassen hat.

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    Klar, der Vertreidigungsminister hat keine Schuld. Es ist immer die SPD. Neuerdings Sündenbock für alles...

    Offenbar ist der Herr Baron so wundervoll, dass er niemals schuldig sien könnte. Wie auch, er sit Aristokrat, reich, beliebt, jung, weiß, gutaussehend. Wie kann ein solcher Mensch gottlose freveltaten vollziehen! Nein, es sind die Sozis!

    Klar, der Vertreidigungsminister hat keine Schuld. Es ist immer die SPD. Neuerdings Sündenbock für alles...

    Offenbar ist der Herr Baron so wundervoll, dass er niemals schuldig sien könnte. Wie auch, er sit Aristokrat, reich, beliebt, jung, weiß, gutaussehend. Wie kann ein solcher Mensch gottlose freveltaten vollziehen! Nein, es sind die Sozis!

    • xpol
    • 16.12.2009 um 13:24 Uhr

    Am Ende der Arbeit des Untersuchngsausschusses wissen wir also, wer wann welche Information hatte - na toll.

    Die Berwertung militärisch angemessen oder unangemessen hat Guttenberg ja schon erklärt:
    Angemessen, weil Tanklaster mitsamt Entführern ohne eigene Verluste kostengünstig entsorgt. Möglicherweise einige zivile Benzindiebe gleich mit.
    Unangemessen, weil Zivilverluste in nennenswerter Anzahl bestätigt.

    Klingt plausibel.

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    Wie kann man nur so zynisch, von einer Massentötung und Ihrer Opfer sprechen? benzindiebe, nichts weiter? Widerwärtig!

    Wie kann man nur so zynisch, von einer Massentötung und Ihrer Opfer sprechen? benzindiebe, nichts weiter? Widerwärtig!

  3. 6.

    Das funktioniert nur im Bild. Es sind keine Raubkatzen und schon garnicht halbverhungert. Sie sind Zornig darüber, dass sie nich tinformiert wurden, sondern mehr über die Talkshows erfahren, in dne Guttenberg spazieren geht, anstatt durch die Bundesregierung. Da wäre ich auch sauer und würde, für die vielene getöteten Menschen, nach aufklärung schreien!

  4. 7.

    Klar, der Vertreidigungsminister hat keine Schuld. Es ist immer die SPD. Neuerdings Sündenbock für alles...

    Offenbar ist der Herr Baron so wundervoll, dass er niemals schuldig sien könnte. Wie auch, er sit Aristokrat, reich, beliebt, jung, weiß, gutaussehend. Wie kann ein solcher Mensch gottlose freveltaten vollziehen! Nein, es sind die Sozis!

    Antwort auf "Kommentar Nr. 4"
  5. 8.

    Wie kann man nur so zynisch, von einer Massentötung und Ihrer Opfer sprechen? benzindiebe, nichts weiter? Widerwärtig!

    Antwort auf "Wie aufregend!"
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    • xpol
    • 16.12.2009 um 14:43 Uhr

    Was bitte sonst hätte Oberst Klein auf den Videos sehen können als die Lastwagen, die Entführer und (vielleicht) noch ein paar Benzindiebe.

    Dass die Taliban aus der Sache ein Event für die umliegenden Ortschaften gemacht hatten, konnte er nicht wissen.

    Wir wissen das jetzt, Guttenberg reichlich verspätet auch, daher in der Rückschau "unangemessen".

    • xpol
    • 16.12.2009 um 14:43 Uhr

    Was bitte sonst hätte Oberst Klein auf den Videos sehen können als die Lastwagen, die Entführer und (vielleicht) noch ein paar Benzindiebe.

    Dass die Taliban aus der Sache ein Event für die umliegenden Ortschaften gemacht hatten, konnte er nicht wissen.

    Wir wissen das jetzt, Guttenberg reichlich verspätet auch, daher in der Rückschau "unangemessen".

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