Wachstumspaket Merkel will Ja der Bundesländer erkaufen

Erstmals tagt der Koalitionsausschuss – und die Liste der Konflikte ist lang. Dazu zählt der Steuerstreit mit den Ländern, für die Merkel einen besonderen Köder auswirft.

Am 1. Januar soll das milliardenschwere Wachstumspaket in Kraft treten. Damit will die neue Regierungskoalition ihr Kernprojekt, sprich Steuersenkungen, voranbringen. Es sieht neben einer Erhöhung des Kindergeldes unter anderem Steuervorteile für Konzerne, Erleichterungen bei der Erbschaftsteuer und eine Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für Hotelübernachtungen von jetzt 19 auf sieben Prozent vor.

Doch mehrere Bundesländer mit CDU-geführten Regierungen – Ausnahmen sind Bayern und Nordrhein-Westfalen – wehren sich dagegen, fehlen ihren ohnehin klammen Haushalten dadurch weitere Milliarden Euro. Insbesondere Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen sperrt sich gegen die Maßnahmen und hatte laut einem Bericht des Spiegel  gar mit Rücktritt gedroht. Kanzlerin Angela Merkel braucht aber die Zustimmung der Länderfürsten, nur so kann das Gesetz den Bundesrat rechtzeitig passieren.

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Offenbar hat die schwarz-gelbe Regierung nun einen Weg gefunden, um Länder und Kommunen zu einem Kompromiss zu bewegen. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge sollen die Ministerpräsidenten Mittel aus den beiden Konjunkturpaketen des Bundes abrufen können, deren Vergabe bisher an die Einhaltung strikter Kriterien geknüpft war. Eine Neuverteilung der Mehrwertsteuer-Einnahmen wie in früheren Streitfällen lehne Merkel dagegen ab.

Wie das Blatt weiter schreibt, soll das sogenannte Zusätzlichkeitskriterium bei der Vergabe von Mitteln aus den Konjunkturprogrammen gelockert werden. Diese Regelung besagt, dass nur neu aufgelegte Bau- oder Modernisierungsvorhaben aus den Hilfstöpfen bezahlt werden dürfen. Damit sollte bislang verhindert werden, dass die Länder und Gemeinden bereits laufende Projekte statt mit eigenem Geld einfach mit Bundesmitteln weiterbezahlen. Genau das wäre künftig in begrenztem Umfang aber möglich, so die Süddeutsche.

Bislang hatten sich Merkel und vor allem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble strikt gegen finanzielle Hilfen für die Länder ausgesprochen. Die CDU-Chefin soll bei einem Treffen mit den Ministerpräsidenten von CDU und CSU am vergangenen Donnerstag gesagt haben: "Ich kaufe niemanden raus." Schäuble wiederum verwies darauf, dass die Regierungschefs dem Koalitionsvertrag mit der FDP schließlich zugestimmt hätten.

Der Streit um das Wachstumsbeschleunigungsgesetz war mit das bestimmende Thema des Koalitionsausschusses, der am Dienstagmorgen unter der Leitung von Merkel und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erstmals im Kanzleramt zusammenkam.

Besonders umstritten war der Plan, für Übernachtungen künftig den ermäßigten Mehrwertsteuersatz anzuwenden. Nach intensiver Diskussion sei man aber übereingekommen, diese Regelung wie vorgesehen weiterzuverfolgen, sagte Unionsfraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier. So werde das Gesetz den Bundestag noch am Freitag passieren und noch vor Jahresende durch den Bundesrat bestätigt werden.

Auch weitere Konflikte hatten die Spitzen von Union und FDP diskutiert. Dazu gehörten etwa der Streit um das Betreuungsgeld für Eltern, die Gesundheitspolitik und die Besetzung des Beirats der Vertriebenen-Stiftung. Auch der geplante Mindestlohn für die etwa 170.000 Beschäftigten in der Abfallwirtschaft stand auf der Tagesordnung.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Mittel aus dem konjunkturprogramm sind doch einmalig ausgeschrieben, die Steuererleichterungen jedoch bedeuten jaehrliche Mindereinnahmen. Warum sollte man, wenn es einem ums Prinzip und nichtum Populismus geht, diesem Vorschlag dann zustimmen?

    • CM
    • 01.12.2009 um 9:26 Uhr

    Frau Merkel möchte also mit unserem Geld die Bundesländer dazu bringen, noch mehr von unserem Geld für höchst zweifelhafte Steuergeschenke an Konzerne, reiche Erben und Hoteliers auszugeben. Glückwunsch, die nächste wirtschaftspolitische Großtat in Folge.

    Frau Merkel hat eines wohl noch nicht verstanden: egal, wie gewieft sie im Machtpoker agiert, egal, wie gut sie Gegner ausbremst oder durch Zugeständnisse kauft, das alles ersetzt nicht das Wissen und Können in Sachfragen und den Willen, die Probleme unseres Landes zu lösen.

    Mit diesem Defizit befindet sie sich in diesem Kabinett leider unter Kollegen. Unser politisches System bringt wohl nur noch Leute an die Macht, die das Machtspiel beherrschen und sonst gar nichts.

  2. Vermutlich kommt MUTTI demnächst noch auf die Idee, die Vergütung von Ministerpräsidenten um 100 Prozent zu erhöhen, um ein wohlwollendendes Abstimmverhalten im Bundesrat zum InsolvenzBeschleunigungsGesetz (fälschlicherweise als "WachstumsBeschleunigungsGesetz" bezeichnet) zu erreichen.

    In den Aufsichtsräten der Landes- und Bundeseigenen Banken hat sich diese Vorgehensweise ja bereits bewährt.

    Geld macht blind !

    • joG
    • 01.12.2009 um 10:05 Uhr

    ...um als ehrlicher Versuch des Ausgleichs zu gelten. Das mag zwar die beliebteste Art sein seine Angelegenheiten zu regeln. Es sind aber nicht die Angelegenheiten der Politiker. Es sind unsere Angelegenheiten. Es ist unser Geld.

    Der Wähler, der Steuerzahler muss wissen wieviel, von wem wofür ausgegeben wird. Das will offenbar Dr Merkel verschleiern.

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    • knuham
    • 01.12.2009 um 10:21 Uhr

    Da haben Sie ganz schön fromme Wünsche. Macht aber nichts, das Fest steht ja bald vor Tür.Hilfreich wäre es alledings, wenn man sich das Thema Finanzausgleich auf die Agenda setzte, denn dann würde sehr rasch deutlich, political correctness führt uns nicht aus diesem Sumpft. Die Münchhausen-Festspiele müssten dann wo anders stattfinden.

    • knuham
    • 01.12.2009 um 10:21 Uhr

    Da haben Sie ganz schön fromme Wünsche. Macht aber nichts, das Fest steht ja bald vor Tür.Hilfreich wäre es alledings, wenn man sich das Thema Finanzausgleich auf die Agenda setzte, denn dann würde sehr rasch deutlich, political correctness führt uns nicht aus diesem Sumpft. Die Münchhausen-Festspiele müssten dann wo anders stattfinden.

  3. Und in einem Monat fordert die CSU dann wieder, dass die ærmeren Lænder erst einmal ihren Haushalt in Ordnung bringen, bevor aus dem Lænderfinanzausgleich Geld nach Nordosten fliesst.

    Cle.mens hat den grossen Schwachpunkt ja schon genannt: Steuerausfælle muessen jedes Jahr kompensiert werden, Konjunkturpackete dagegen sind zeitlich begrenzt.

    • knuham
    • 01.12.2009 um 10:21 Uhr

    Da haben Sie ganz schön fromme Wünsche. Macht aber nichts, das Fest steht ja bald vor Tür.Hilfreich wäre es alledings, wenn man sich das Thema Finanzausgleich auf die Agenda setzte, denn dann würde sehr rasch deutlich, political correctness führt uns nicht aus diesem Sumpft. Die Münchhausen-Festspiele müssten dann wo anders stattfinden.

  4. die neuen abhörsicheren Handys der Regierung finanziert, liegt es doch auch nahe, ein Stück von dem Kuchen den lautesten Schreiern in den Mund zu stopfen.

    Das Bewusstsein, dass es um u n s e r Geld bei der Mehr-wertsteuerermäßigung geht, müsste doch schon Demonstrationen
    in Berlin nach sich ziehen.

    Die Kanzlerin zieht die unangenehmen Dinge jetzt durch.

    Aber dansch müssen Horst und Guido die Klappe halten!

  5. und NRW hält schön brav still. Wir haben's ja!

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