Vier Tage nach dem vereitelten Anschlag auf ein US-Flugzeug sind die Sicherheitsvorkehrungen an deutschen Flughäfen nochmals verschärft worden. Wie das Bundesinnenministerium in Berlin mitteilte, wurden die Passagier- und Handgepäckkontrollen "zielgerichtet" erhöht. Zugleich schlossen neben Unions- auch einige FDP-Politiker den Einsatz sogenannter Nacktscanner an deutschen Flughäfen nicht mehr aus, um die Sicherheit zu verbessern. Die Persönlichkeitsrechte der Passagiere müssten aber gewahrt werden.

Bisher verfügbare Nacktscanner, die von der Bundespolizei geprüft werden, sind nach Aussagen einer Sprecherin des Bundesinnenministeriums noch nicht einsatzbereit. Eine Voraussetzung für den Einsatz der Geräte sei, dass die Persönlichkeitsrechte der kontrollierten Passagiere nicht verletzt würden, sagte sie. Es gebe zwar inzwischen eine Software, die lediglich Oberflächenbilder der Fluggäste liefere. Die Aufnahmen seien so verpixelt, dass keine intimen Details sichtbar würden. Allerdings könnten diese Geräte Sprengstoff noch nicht ausreichend sicher erkennen. Auch die Geschwindigkeit der Kontrollen lasse noch zu wünschen übrig.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Jörg van Essen, sagte im Westdeutschen Rundfunk (WDR), wenn die Eingriffe in die Intimsphäre der Fluggäste erheblich minimiert würden, seien die Geräte für den einzelnen Bürger sogar von Vorteil. "Wenn man technisch durchsucht wird, etwa auf Sprengstoff, ist das immer angenehmer, als wenn man von anderen Personen angefasst wird", sagte er. Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion, Gisela Piltz, sagte in der Rheinischen Post: "Wenn die Würde des Menschen gewahrt wird, müssen wir zur Sicherheit der Passagiere auch in solche Systeme investieren."

Am Freitag hatte ein 23-jähriger Nigerianer versucht, ein Flugzeug aus Amsterdam kurz vor der Landung in Detroit (USA) zum Absturz zu bringen. Bisher unbestätigten Berichten zufolge soll er im Jemen von dem dortigen Al-Qaida-Ableger ausgebildet worden sein und dort auch den Sprengstoff erhalten haben. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte: "Die Bundesregierung nimmt den Anschlagsversuch in den USA sehr ernst." Es gebe aber keinen Anlass für unnötige Panik. Der Minister bat die Fluggäste um Verständnis für die intensiveren Kontrollen und riet ihnen, möglichst wenig Handgepäck mitzunehmen.