Tanklaster-Bombardement Deutschland übernimmt Verantwortung für die zivilen Opfer von Kundus
So deutlich wie nie zuvor hat sich Merkel zur deutschen Verantwortung für die Folgen des Bombardements in Afghanistan bekannt. Sie versprach vollständige Aufklärung.
©Fabrizio Bensch/Reuters

Angela Merkel übernimmt im Namen Deutschlands die Verantwortung für die Opfer von Kundus. Es ist das erste Mal, dass sie sich so deutlich zu dem umstrittenen Angriff äußert
Es ist mir ganz wichtig, dass das, was infolge unseres Handelns geschehen ist, auch von uns verantwortet wird.
Bundeskanzlerin Angela Merkel
Im Namen Deutschlands hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Verantwortung für die zivilen Opfer des umstrittenen Luftangriffs auf zwei entführte Tanklastzüge bei Kundus übernommen. Sie bedauere, dass als Folge deutschen Handelns zivile Opfer zu beklagen seien, sagte Merkel am Dienstag in Berlin. Deutschland übernehme dafür die Verantwortung. Die Vorgänge müssten nun lückenlos aufgeklärt werden.
"Es ist mir ganz wichtig, dass das, was infolge unseres Handelns geschehen ist, auch von uns verantwortet wird." Mit diesen Worten bekannte sich Merkel so deutlich wie nie zuvor zur deutschen Verantwortung für das Bombardement in Afghanistan.
Merkel entschuldigt zurückhaltende Regierungserklärung vom September
In ihrer Regierungserklärung am 8. September hatte Merkel zivile Opfer zwar bedauert, aber nicht die Verantwortung für die Opfer übernommen. "Jeder in Afghanistan unschuldig zu Tode gekommene Mensch ist einer zu viel. Wir trauern um jeden Einzelnen", hatte Merkel damals – vier Tage nach dem Luftangriff – gesagt, ohne konkret auf die Toten einzugehen. Stattdessen griff sie die Nato-Verbündeten scharf an, die Deutschland wegen des Angriffs rasch an den Pranger gestellt hatten.
Am Dienstag verteidigte Merkel nun ihre zurückhaltenden Aussagen vom September: Damals sei noch nicht völlig klar gewesen, ob zivile Opfer zu beklagen seien. Zudem sei es richtig gewesen, dass sie sich in ihrer Regierungserklärung Vorverurteilungen durch die Nato-Partner verbeten hatte.
Die Kanzlerin ließ zunächst offen, ob Deutschland zivile Opfer und Angehörige entschädigen wird. In der Vergangenheit war dies stets geschehen – etwa, wenn deutsche Soldaten afghanische Zivilisten erschossen, weil sie sich angegriffen fühlten.
Regierung gerät zunehmend unter Druck
Das Kanzleramt, das Verteidigungs- und das Außenministerium bewerteten den Fall derzeit neu. Falls die Bundeswehr die Regeln der Nato-Truppe Isaf bei der Anordnung des Luftangriffs Toten nicht eingehalten haben sollte, werde die Bundesregierung daraus Konsequenzen ziehen, sagte die Kanzlerin.
Ihre schwarz-gelbe Regierung war in den vergangenen Tagen zunehmend unter Erklärungsdruck geraten – trotz der Entlassung des ehemaligen Verteidigungsministers Franz Josef Jung. SPD, Linke und Grüne forderten am Montag Aufklärung darüber, was die Kanzlerin vor der Bundestagswahl über zivile Opfer und Verstöße gegen Einsatzregeln bei der Bombardierung wusste.
Einer Untersuchung der afghanischen Regierung zufolge kamen bei dem durch die Bundeswehr angeordneten Angriff am 4. September neben 69 Taliban auch 30 Zivilisten ums Leben, die Benzin aus den Tanklastern zapfen wollten. Einem geheimen Untersuchungsbericht der Nato zufolge gab es insgesamt bis zu 142 Tote.
- Datum 01.12.2009 - 15:25 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
- Kommentare 69
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






So einfach kann "Verantwortung übernehmen" sein!
Es wäre ein Traum, die Regierung Merkel tritt zurück.
Ein schöneres Weihnachtsgeschenk könnte ich mir gar nicht vorstellen. Frau Merkel bitte mehr.
Sie entschuldigt sich für die "zurückhaltende" Regierungserklärung VOR der Bundestagswahl. Je nach Auslegung könnte man dies auch als offensichtliche Wählertäuschung interpretieren. Es ist unbeschreiblich was diese Regierung uns zumutet.
...gegen die Ausländer und vor allem Amerikaner hetzen, sie hätten "voreilig" die Deutschen "Vorverurteilt". Was denkt sich diese Frau!?! Wie peinlich leichtfertig das wertvolle Instrument bundesrepublikanischer Politik und gesellschaftlicher Kohärenz so offensichtlich zu machen! Das darf nicht wieder passieren.
Es wäre ein Traum, die Regierung Merkel tritt zurück.
Ein schöneres Weihnachtsgeschenk könnte ich mir gar nicht vorstellen. Frau Merkel bitte mehr.
Sie entschuldigt sich für die "zurückhaltende" Regierungserklärung VOR der Bundestagswahl. Je nach Auslegung könnte man dies auch als offensichtliche Wählertäuschung interpretieren. Es ist unbeschreiblich was diese Regierung uns zumutet.
...gegen die Ausländer und vor allem Amerikaner hetzen, sie hätten "voreilig" die Deutschen "Vorverurteilt". Was denkt sich diese Frau!?! Wie peinlich leichtfertig das wertvolle Instrument bundesrepublikanischer Politik und gesellschaftlicher Kohärenz so offensichtlich zu machen! Das darf nicht wieder passieren.
Es wäre ein Traum, die Regierung Merkel tritt zurück.
Ein schöneres Weihnachtsgeschenk könnte ich mir gar nicht vorstellen. Frau Merkel bitte mehr.
Sie entschuldigt sich für die "zurückhaltende" Regierungserklärung VOR der Bundestagswahl. Je nach Auslegung könnte man dies auch als offensichtliche Wählertäuschung interpretieren. Es ist unbeschreiblich was diese Regierung uns zumutet.
merkel uebernimmt keine verantwortung, sie hat die verantwortung. allerdings wird ihr das scheinbar immer erst sehr spaet bewusst. ich hoffe nur dass sie mit ihrem lavieren und dem kundtun was gerade opportun ist bald auf die sch......... faellt. am besten waere : ab in die uckermark !
Ui, ein seitlich aufgenommenes Foto von Frau Merkel. Das gabs während der kompletten großen Koalition nicht.
Gab es eigentlich schon einmal eine Koalition, die es geschafft hat sich innerhalb von 1 Monat in einen Skandal zu verwickeln?
Ich schließe mich der Aufforderung aus Kommentar 1 an. Zeigen Sie uns, dass die Merkel-Show mehr ist als eine traurige Kohl- Travestie, Frau Kanzlerin. Zeigen Sie einmal Haltung, Konsequenz und etwas das einem Standpunkt nahe kommt!
und Bernard Kouchner, dem französichen Außenmenister, dass sie so nett waren und die Infos über Kundus mit den zivilen Opfern bis nach der Wahl zurückgehalten haben.
Wenn sie denn die Verantwortung übernehmen könnte, müsste sie sofort zurücktreten und eine strafrechtliches Verfahren gegen sie eingeleitet werden.
Ich denke 15 Jahre Sicherheitsverwahrung müsste von der Staatsanwaltschaft mindestens gefordert werden.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren