Politische Linke Rot-rot-grünes Modellland gesucht

Immer wieder reicht es für SPD, Linke und Grüne zu einer rechnerischen Mehrheit. Doch die Parteien machen nichts daraus – wohl auch 2010 in Nordrhein-Westfalen.

"Eine doofe Lage." Hans-Christian Ströbele, einer der Wortführer des linken Flügels der Grünen, mag nichts schönreden, wenn er an die Landtagswahl am 9. Mai 2010 in Nordrhein-Westfalen denkt. Seine Partei könnte dort nach Umfragen zusammen mit SPD und Linken auf eine rechnerische Mehrheit kommen, also die schwarz-gelbe Regierung von CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ablösen. Nur: Die drei Parteien sind nicht auf einem Nenner. In der Linkspartei gibt es starke Kräfte, die viel lieber in die Opposition gehen würden, die SPD hat kein Verhältnis zur Linken gefunden und die Grünen schauen sich auch nach anderen potenziellen Partnern um. Ströbele sagt: "Ich würde mir wünschen, dass Rot-Rot-Grün in so einem wichtigen Land klappt. Aber ich kann die Probleme ja nicht einfach wegdiskutieren. Nach derzeitigem Stand hat das keine Chance."

Auch der Kölner Linken-Bundestagsabgeordnete Paul Schäfer sagt, es werde "verdammt schwierig", seine Parteifreunde zu überzeugen, in NRW die Option für eine Regierungsbeteiligung oder wenigstens eine Tolerierung zu eröffnen. Er selbst meint: "Für einen guten Wahlerfolg muss man vermitteln, dass man den Wechsel will." Und weiß doch, dass in den eigenen Reihen "die Skepsis überwiegt". Es gebe einen "harten Stimmungsblock" gegen eine Regierungsbeteiligung, auch SPD und Grüne sieht Schäfer als "Unsicherheitsfaktoren" für eine Liaison.

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Das Problem der Strategen, die nach einem Referenzprojekt für Rot-Rot-Grün im Bund suchen: Nicht nur in Nordrhein-Westfalen ist die Situation kompliziert. Zwar wird bis zur Bundestagswahl 2013 noch in zehn Ländern gewählt. In einzelnen Ländern wie Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind rot-rote Bündnisse denkbar, Grüne werden dort wohl nicht gebraucht. Rot-Grün in Bremen will es wieder allein schaffen, Hamburg wird von Schwarz-Grün recht erfolgreich regiert. In Bayern und Baden- Württemberg, wo die Linke bei den vergangenen Landtagswahlen gescheitert ist, spricht nichts für ein Linksbündnis, in Rheinland-Pfalz wenig. Auch in Niedersachsen hat die Linke einen starken radikalen Flügel, der der SPD eine Kooperation schwer machen wird.

Die frühere stellvertretende PDS-Chefin Angela Marquardt, die heute für die SPD arbeitet und im Auftrag der "Denkfabrik" ihrer Bundestagsfraktion jüngere Politiker von SPD, Linken und Grünen ins Gespräch bringt, sagt: "Es gibt gerade keine Stimmung für Rot-Rot-Grün, weder in der Bevölkerung noch in den Parteien. Doch so ein Bündnis braucht einen Vorlauf, man kann das nicht einfach machen." Der Linken-Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich, Sprecher des Reformerflügels, nennt es ärgerlich, dass Chancen für die Bildung linker Regierungen in Serie vergeigt wurden, erst in Hessen, später auch in Thüringen und im Saarland. Schuld mögen vor allem die anderen gewesen sein – in Hessen und Thüringen die SPD, an der Saar die Grünen –, die Suche aber geht weiter: "Es wäre besser, wenn wir 2013 auf ein gut funktionierendes Bündnis verweisen könnten", sagt Liebich.

Und wenn nicht? "Dann muss es auch so gehen. Ein K.-o.-Kriterium darf das nicht sein." Die Chancen, Rot-Rot-Grün bald mal irgendwo auszuprobieren, stehen schlecht, gibt Liebich zu. Immerhin ein mögliches Modellland hat er im Auge – die Hauptstadt selbst. Denn in Berlin könnte es nach der Wahl im Herbst 2011 sein, dass zwei Parteien alleine keine Regierungsmehrheit haben. Ein Bündnis von SPD, Linken und Grünen wäre dann – wer auch immer dann die stärkste Kraft wird – "eine Option, auf die man sich einstellen muss, und für Berlin als Ost-West-Stadt auch nicht so übel". Das übrigens sieht auch der Berliner Grünen- Veteran Ströbele so.

(Erschienen im Tagesspiegel vom 23.12.2009)

 
Leser-Kommentare
  1. ...wenn sich die drei Parteien nicht einig werden. Auch die Linken lassen sich doch leicht an Board hohlen, wenn man denn zentale Forderungen Ihrerseits erfüllt, wie die Vergesellschaftung der Energiekonzerne und der legalisierung von Cannabis (wofür ja auch die Grünen sind). Wenn SPD und Grüne endlich ihren linken Wurzeln gnädig werden, wäre NRW ein Paradies für jeden Menschen der nichts von Konservativen Traditionen und Liberalem Sozialfrost hällt. Man was wär das schön....

  2. ....finde ich es fast schon Skandalös zu behaupten es gebe keine Stimmung für Rot-Rot-Grün. Die Bürger hier sehen das anders, mich eingeschlossen. Auch dass diese Koalition nicht bereit wäre leuchtet mir nicht ein, es mag zwar sein, dass es probleme geben wird, besonders am anfan, aaber selsbt eine schlechte Rot-Rot-Grüne regierung ist immernoch um Meilen besser als das was wir hier grade von den Konservativen Präsentiert bekommen.

    • delsa
    • 23.12.2009 um 16:30 Uhr
    3. Irrtum

    Der Kommentator irrt sich aber gewaltig !
    Jede Wette, daß Rot-Rot-Grün nicht über 50% in NRW kommt !
    Wunschdenken war die Mutter dieser Vorhersage !

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lepkeb
    • 23.12.2009 um 19:55 Uhr

    Das hängt davon ab ob Merkel,Westerwelle und Schäuble ihre Sparideen verlauten lassen, bevor es in NRW zur Wahl kommt. Glaube es ja nicht und der dt. Michel glaubt dann wieder der Märchenstunde "Mehr Netto von Brutto".

    nicht unangebracht zu erklären,dass die Steuerschätzung und damit das Ausmaß des Defizits erst im Mai dargelegt werden soll,also rein zufällig nach der Landtagswahl in NRW.

    • lepkeb
    • 23.12.2009 um 19:55 Uhr

    Das hängt davon ab ob Merkel,Westerwelle und Schäuble ihre Sparideen verlauten lassen, bevor es in NRW zur Wahl kommt. Glaube es ja nicht und der dt. Michel glaubt dann wieder der Märchenstunde "Mehr Netto von Brutto".

    nicht unangebracht zu erklären,dass die Steuerschätzung und damit das Ausmaß des Defizits erst im Mai dargelegt werden soll,also rein zufällig nach der Landtagswahl in NRW.

  3. tun ihr bestes, um Rot-Rot-Grün schlecht zu reden. Ständig wird mit unterschwelliger Propaganda vorgeworfen, dass so eine Koalition nicht regierungsfähig wäre, im Streit untereinander. Dabei werden die Augen davor verschlossen, dass gegenwärtig sämmtliche Schwarz-Gelben oder Schwarz-Roten Koalitionen eher verwalten, denn regieren.
    Das größte Problem sehe ich auch nicht in den Parteiprogrammen, denn hier liegen SPD, Grüne und Die Linke dicht beisammen. Das größte Problem sind, wie überall, persönliche Befindlichkeiten von Funktionären. Hier ist die Basis jeder Partei gefragt, ihre Spitzen zu zwingen, Befindlichkeiten hinten anzustellen.

    MfG
    AoM

  4. nur wegen einiger persönlicher Animositäten hat man uns der schwarz-gelbe Desozialisierungs-Knute anheim gegeben und lässt die Scharen ohnmächtiger Menschen, die dringend eine solidarische Politik der Anständigkeit, angemessenen Teilhabe und menschenwürdige Existenzsicherung ersehnen, einfach im Regen stehen, ja teils sogar schon kalt absaufen?!

    Schade, dass es in der Opposition offensichtlich wichtiger war/ist, selbst ein kleines Lichtlein zu bleiben, respektive wie die SPD immer noch weiter zu verblassen, als in unserem Land etwas wirklich Großes zu bewegen und zu gestalten.

    Soviel zum Thema, "Was unseren Politikern wirklich am Herzen liegt!"

    • lepkeb
    • 23.12.2009 um 19:55 Uhr

    Das hängt davon ab ob Merkel,Westerwelle und Schäuble ihre Sparideen verlauten lassen, bevor es in NRW zur Wahl kommt. Glaube es ja nicht und der dt. Michel glaubt dann wieder der Märchenstunde "Mehr Netto von Brutto".

    Antwort auf "Irrtum"
  5. nicht unangebracht zu erklären,dass die Steuerschätzung und damit das Ausmaß des Defizits erst im Mai dargelegt werden soll,also rein zufällig nach der Landtagswahl in NRW.

    Antwort auf "Irrtum"
  6. 8.

    Für alle, die hier große Hoffnungen in solch ein Bündnis setzen, eine Frage: Macht rot-rot in Berlin linke Politik, hat rot-grün im Bund linke Politik gemacht? Verfolgte die SPD unter Schmidt eine linke Politik?

    Ein befreundeter Politikwissenschaftler sagte dazu einmal: richtig rechte Poltik wird NIE von rechten Parteien durchgesetzt werden können, richtig linke nie von linken Parteien. Die Opposition würde sonst in beiden Fällen ohne Ende gewinnen.

    Nicht das Schwarz-Geld (:-) ) momentan linke Poltik machen würde, aber unter Kohl lag der Höchststeuersatz bei 53% . unter Schröder auf einmal bei 44% und die Börsenumsatzsteuer wurde auch abgeschafft. Und habt ihr schon einmal mitbekommen, was in Berlin abgeht?

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