Der Höhepunkt der Infektionswelle scheint überwunden, die von einigen Experten vorhergesagten Massenerkrankungen sind zunächst ausgeblieben: Auf diese veränderte Gefahrenlage im Zusammenhang mit der unter dem Namen Schweinegrippe bekannt gewordenen Amerikagrippe will nun auch die Politik reagieren. Die für die Impfung zuständigen Bundesländer haben angekündigt, einen Teil der bereits bestellten Impfdosen wieder abzubestellen.

Nach einem Bericht des Bielefelder Westfalen-Blatts wollen die Gesundheitsminister der Bundesländer nur noch die Hälfte der 50 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix abnehmen. Da eine einmalige Schutzimpfung pro Person ausreiche, seien 25 Millionen Impfdosen genug, sagte der Thüringer Gesundheits-Staatssekretär Hartmut Schubert der Zeitung. Das hätten die Länder dem Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline bereits mitgeteilt.

Bei der Bestellung von 50 Millionen Impfdosen sei noch von einer Zweifach-Impfung ausgegangen worden. Somit habe sich die Vertragsgrundlage für die Abnahme der 50 Millionen Dosen geändert, sagte Schubert weiter. Bereits am 7. Januar würden die Länder mit dem Hersteller über die Reduzierung der Liefermengen verhandeln. 

Auch nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht die Zahl der Infektionen in Deutschland zurück. Überhaupt sei in den meisten Ländern in der nördlichen Hemisphäre – bis auf die östlichen Staaten und in Teilen Asiens – der Höhepunkt der Grippewelle erreicht. Bislang sind weltweit 11.516 Menschen nachweislich an der Schweinegrippe gestorben. Da nicht alle Fälle registriert werden, dürfte die tatsächliche Zahl der Toten aber höher sein. Bestätigte H1N1-Fälle wurden aus 208 Ländern und überseeischen Gebieten gemeldet.

Besonders betroffen von der neuen Grippe ist Afrika. Um die Regierungen dort im Kampf gegen den Virus stärker zu unterstützen, will die Bundesregierung nach Informationen des Nachrichtenmagazins Focus 14 Millionen Euro investieren. Das Geld soll das Entwicklungshilfeministerium vom Haushaltsausschuss des Bundestages außerplanmäßig genehmigen lassen. Mit den Mitteln will Deutschland die Impfungen der WHO mitfinanzieren. Die Hilfe für die bedürftigsten Menschen südlich der Sahara sei "zeitlich dringend geboten", erklärte das Ministerium dem Bericht zufolge. Nur eine "schnellstmögliche Reaktion" biete die Chance, die Grippewelle dort effektiv einzudämmen.