Konflikt mit den Ländern Merkel sucht den Ausweg aus dem Steuerdilemma
Die Koalition ist sich einig: Die Steuersenkungen zum 1. Januar sollen kommen. Doch einige CDU-Länder mauern. Merkel wird an sie zahlen müssen.
Schwarz-Gelb zankt nicht mehr, die Koalition ist sich einig, allem gegenteiligen Eindruck zum Trotz. Das zumindest ist die Botschaft, die führende Politiker von CDU, CSU und FDP an diesem Dienstag nach dem ersten Treffen der Koalitionsrunde unters Volk zu bringen versuchen. Hervorragend sei die Stimmung, "deutlich besser als das Wetter", sagt zum Beispiel der Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Peter Altmaier, an diesem regnerischen ersten Dezembermorgen in Berlin, kurz nachdem die Koalitionsspitzen wieder auseinander gegangen waren.
Trotz des Widerstands einiger CDU-geführter Länder geben sich die Führungen der drei Koalitionsparteien überzeugt, dass sie das Wachstumsbeschleunigungsgesetz mitsamt den darin enthaltenen Entlastungen für Familien, Erben und Hoteliers wie vereinbart durchsetzen werden. "Ich gehe davon aus, dass wir das Gesetz vor Weihnachten sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat verabschieden werden", sagt Altmaier.
Horst Seehofer will an diesem Dienstag ebenfalls Optimismus und Tatkraft ausstrahlen. Der CSU-Chef ist "extra" nach Berlin gekommen, um aufzupassen, dass das, was vor fünf Wochen in den Koalitionsvertrag hineingeschrieben worden ist, nun auch ohne Abstriche umgesetzt wird.
Und das sei auch gelungen, berichtet Seehofer: Man habe beschlossen, das Gesetz in der vereinbarten Form am Freitag dem Bundestag zur Abstimmung vorzulegen. Nach dem "holprigen Start" sei es wichtig, nun das erste große Projekt der Bundesregierung nicht auch noch "zu verwurschteln", sagt Seehofer. Denn das wäre in der Tat nach der Kundus-Affäre, dem Rücktritt von Arbeitsminister Franz Josef Jung und der dadurch erzwungenen Kabinettsumbildung eine weitere schwere Panne des noch jungen Regierungsbündnisses.
Umso wichtiger ist den Koalitionsmatadoren deshalb, dass die versprochenen Steuerentlastungen nun tatsächlich zu Jahresanfang in Kraft treten, um der Konjunktur einen Schub zu geben. Allerdings: Auch wenn die FDP-Fraktionsvorsitzende Brigitte Homburger sagte, sie rechne "fest" mit einer Mehrheit für das Paket – die notwendige rechtzeitige Zustimmung im Bundesrat dafür ist noch keineswegs sicher. Vor allem das ebenfalls schwarz-gelb regierte Land Schleswig-Holstein, aber auch das gleichfarbig regierte Sachsen legen sich noch quer. Sie sorgen sich wegen der zu erwartenden Mindereinnahmen für ihre Landeskasse und fordern vom Bund dafür einen Ausgleich. Ohne ihr Ja hätte Schwarz-Gelb im Bundesrat aber bei der Abstimmung in der Länderkammer am 18. Dezember keine Mehrheit; es käme zum Vermittlungsverfahren, die Steuersenkungen könnten nicht pünktlich in Kraft treten.
Vor allem eine Maßnahme hatte zuletzt Kritik provoziert: die geplante Absenkung des Umsatzsteuersatzes bei Übernachtungen im Hotelgewerbe von 19 auf 7 Prozent. Die Abgeordneten von CDU und CSU stritten in der Unions-Fraktionssitzung am Dienstag intensiv darüber, während die anderen Punkte kaum beanstandet wurden, berichtete einer der Parlamentarier.
Am anderen Ende der Republik, in Kiel, sieht Ministerpräsident Harry Carstensen deshalb ebenfalls bislang keinen Grund, von seiner Forderung abzulassen. Sein Land befürchtet jährliche Mindereinnahmen von 70 Millionen Euro und weitere 60 Millionen bei den Kommunen. Carstensen hatte seinen Unwillen gegen die Steuersenkungen bei einem Treffen der Unions-Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin vergangene Woche mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht ("Ihr habt sie doch nicht alle") und damit gedroht, dem Gesetzespaket die Zustimmung zu verweigern.
Der Streit verläuft diesmal nicht entlang der Partei-, sondern entlang der Landesgrenzen. Auch die schleswig-holsteinische FDP, an sich eine ausgewiesene Freundin von Steuersenkungen aller Art, ist wie Carstensen strikt gegen das Gesetz in der vorliegenden Form: "Wir werden nichts unterschreiben, was unser Land in den Ruin treibt", sagt Fraktionspressesprecher Frank Zabel.
Der Kieler FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki fordert wie sein Koalitionspartner Carstensen einen finanziellen Ausgleich, und er machte öffentlich auch bereits einen Vorschlag: "Vorstellbar" sei, dass "der Bund den Ländern befristet bis 2013 zusätzlich einen Prozentpunkt aus der Mehrwertsteuer überlässt", sagte er. Die Zustimmung Kiels sei jedenfalls ohne Kompensation unvorstellbar, so Kubicki: "Wir brauchen Hilfen und stattdessen wirft uns der Bund eine Bleiweste zu."
Seehofer äußert sogar Verständnis für die Signale aus Kiel. Jedes Land müsste "die eigenen Interessen vertreten", sagt er. Das Maximum herauszuholen sei "die Pflicht" von Carstensen. Er verfahre ja ähnlich, indem er die Hoteliers begünstigen und die Übernachtungen billiger machen will. Das Festhalten beider an ihren Forderungen macht eine Einigung allerdings nicht leichter.
Mit einer Verschiebung bei der Mehrwertsteuer wird in Berlin allerdings nicht gerechnet. Die Lösung könnte vielmehr so aussehen, dass die Bundesländer vom Bund eine indirekte Ausgleichszahlung erhalten. Zwar dementiert die Kanzlerin dies. Sie möchte nicht als erpressbar dastehen. Sonst könnte ja künftig jeder Landesfürst kommen und die Zustimmung zu Gesetzen der Bundesregierung von irgendwelchen Sonder-Finanzspritzen abhängig machen. Deshalb wurde heute in Koalitionskreisen verbreitet, dass es "andere Pfade" der Kompensation gebe. Zum Beispiel könnten die Länder von der Rückzahlung von Mitteln aus dem Konjunkturpaket befreit werden, worauf zum Beispiel Sachsen hofft, das zuletzt auffällig ruhig geblieben ist. Das stünde zwar nicht in einem direkten Zusammenhang zu den Steuermindereinnahmen. Aber die Finanzspritze könnte den Ländern die Zustimmung erleichtern.
Der Bundesrat soll über das Steuerpaket am 18. Dezember abschließend entscheiden. Bis dahin wird es noch Verhandlungen geben. Merkel will das Paket verabschieden, deshalb wird sie mit Engelsgeduld nach einer Lösung suchen. Und zur Not auch einzelne Länder für ihre Zustimmung finanziell belohnen, wenngleich sie das am Wochenende noch ausgeschlossen hatte.
Mitarbeit: Tilman Steffen
- Datum 01.12.2009 - 22:03 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Mutti hat doch gesagt, dass sie niemanden rauskaufen wird.
...wie Mutti und Herr Schäuble davon ausgehen können, dass die Ministerpräsidenten überhaupt zahlen dürfen. Es geht um ein Wahlversprechen der Parteien zur Bundesregierung. Sie haben das Mandat ihre Steuereiinnahmen zu reduzieren.
Dieses Mandat gaben die Wähler des Saarlands, Sachsens oder Kiels nicht.
Deren Regierung haben andere Mandate und sollen ihre Steuereinnahemen für Dinge ihres eigenen Mandates verwenden. Alles andere wäre doch Untreue.
...wie Mutti und Herr Schäuble davon ausgehen können, dass die Ministerpräsidenten überhaupt zahlen dürfen. Es geht um ein Wahlversprechen der Parteien zur Bundesregierung. Sie haben das Mandat ihre Steuereiinnahmen zu reduzieren.
Dieses Mandat gaben die Wähler des Saarlands, Sachsens oder Kiels nicht.
Deren Regierung haben andere Mandate und sollen ihre Steuereinnahemen für Dinge ihres eigenen Mandates verwenden. Alles andere wäre doch Untreue.
Weil der Gegenentwurf alles Logischen, dass die größeren Lasten nicht diejenigen zu stemmen haben, die es im Kreuz hätten, sondern diese nach wie vor von den Schwächsten getragen werden, ohnehin noch nie eine Zukunft besaß, erübrigt sich sämtlich jedwede Debatte. Sollte die neue Bundesregierung von einem solchen Gegenentwurf kurze Zeit nach ihrem Amtsantritt nicht lassen können, verstummt sie dadurch bis an das ihrer Tage.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass A.M. keinen einzigen Cent an die Länder zahlen wird.
Vielmehr wird sie (wahrscheinlich) Geld der Steuerzahler - unser Geld - ausgeben, wie immer.
Von Journalisten wünsche ich mir zu Weichnachten und für das neue Jahr trennschärfere und ehrlichere Formulierungen.
Besten Dank im Voraus!
wird die Sache für den gewöhnlichen Steuerzahler (natürlich nicht für Merkel wie @ 3 ganz zutreffend bemerkt hat).
Es kommt wie es kommen mussste und ich anderer Stelle bereits vorhergesagt habe:
Wenn es bei 2 Regelungen im Steuerrecht eine einfache und eine komplizierte gibt, kommt immer die komplizierte.
Wenn es ein sinnvolle und eine sinnlose Regelung gibt, kommt immer die sinnlosere.
Wichtig aber sind 2 Punkte:
1. Merkel muss Kanzlerin bleiben, koste es was es wolle.
2. Der Koalitionsvertrag muss eins zu eins umgesetzt werden, auch wenn das Ergebnis zirkusreif ist.
Kleiner Nebeneffekt: Da dann die Kassen noch leerer sind als bisher, kann künftig jede sinnvolle Maßnahme allein mit dem Hinweis auf die leeren Kassen abgeschmettert werden.
Schaut man sich die verschuldeten Landesbanken an, so kann das eine oder andere Bundesland nicht mehr teuer sein. Besser gleich ganz kaufen, als lange rumverhandeln. Berlin, Brandenburg, Schleswig-Höllstein, Hamburg etc. das sind doch nur noch symbolische übernahmen für nen Euro. Langfristige Investition. Spart die Ministerien, Landtage und den ganzen Zwergstaatenquatsch ein. Ausserdem verbessert es die Lage im Bundesrat. Keine störrischen Widersacher aus den Blockparteien, äh Koalisationspartner. Äh, ach ja und die Steuereinnahmen, so es welche gibt, fallen dann ja auch dem Bund zu und der kannse ja dann gleich wieder erlassen, vorausgesetzt der Steuerzahler ist Solvent. Ab-Frack-Prämie für starrköpfige Landesväter/mütter/töchter, Koalitionspartner und äh oder Zuhausebleibprämie für Ministerpräsidenten. Ah Angie auf Schnäppchentour? Oder noch besser: Angie mach Schluss mit dem Westernwelle, der Kerl passt doch gar nicht zu dir. Das Biene-Maya-Regierungs-Trikot steht dir außerdem auch nicht. Wir lieben dich alle. Fröhliche Weihnachten.
Mich würde ja mal brennend interessieren, welches Wachstum dadurch beschleunigt wird, dass man Hoteliers Steuergeschenke zukommen lässt und die Länder/Kommunen in eine strukturelle Unterfinanzierung treibt.
Vielleicht das Wachstum auf den Bankkonten der großen Parteispender von Union und FDP - volkswirtschaftliches Wachstum kann jedenfalls nicht gemeint sein.
geht es bei der Hotelier-Regelung.
Ich habe schon einmal an anderer Stelle deutlich gemacht, dass das Bayern nicht viel kostet, weil der Finanzausgleich vor allem durch die Höhe des jeweiligen Umsatzsteueranteils der Länder geregelt wird. Wird das Umsatzsteueraufkommen in Bayern also gemindert, mindert das lediglich den verhältnismäßig kleinen Rest-Umsatzsteuerbetrag, der Bayern verbleibt.
Also ganz logische Klientelpolitik der Bayern auf Kosten des Rests der Bevölkerung.
Aber soviel muss uns wohl die CSU und Bayern wert sein.
Ist doch egal was wächst, die Staatsverschuldung, Armut, Klassenunterschiede, hauptsache Mutti bleibt Mutti. Und die FDP muss diese Weihnachtsgeschenke an ihre Klienten liefern, sonst drohen hohe Konventionalstrafen, wegen Vertragsbruch und sie müssen ihre "Spendengelder" plus Zinsen zurück zahlen.
MfG
Ringo81
Das der Schulden, natürlich.
Denken Sie an die Generationen-Gerächtigkeit!
geht es bei der Hotelier-Regelung.
Ich habe schon einmal an anderer Stelle deutlich gemacht, dass das Bayern nicht viel kostet, weil der Finanzausgleich vor allem durch die Höhe des jeweiligen Umsatzsteueranteils der Länder geregelt wird. Wird das Umsatzsteueraufkommen in Bayern also gemindert, mindert das lediglich den verhältnismäßig kleinen Rest-Umsatzsteuerbetrag, der Bayern verbleibt.
Also ganz logische Klientelpolitik der Bayern auf Kosten des Rests der Bevölkerung.
Aber soviel muss uns wohl die CSU und Bayern wert sein.
Ist doch egal was wächst, die Staatsverschuldung, Armut, Klassenunterschiede, hauptsache Mutti bleibt Mutti. Und die FDP muss diese Weihnachtsgeschenke an ihre Klienten liefern, sonst drohen hohe Konventionalstrafen, wegen Vertragsbruch und sie müssen ihre "Spendengelder" plus Zinsen zurück zahlen.
MfG
Ringo81
Das der Schulden, natürlich.
Denken Sie an die Generationen-Gerächtigkeit!
geht es bei der Hotelier-Regelung.
Ich habe schon einmal an anderer Stelle deutlich gemacht, dass das Bayern nicht viel kostet, weil der Finanzausgleich vor allem durch die Höhe des jeweiligen Umsatzsteueranteils der Länder geregelt wird. Wird das Umsatzsteueraufkommen in Bayern also gemindert, mindert das lediglich den verhältnismäßig kleinen Rest-Umsatzsteuerbetrag, der Bayern verbleibt.
Also ganz logische Klientelpolitik der Bayern auf Kosten des Rests der Bevölkerung.
Aber soviel muss uns wohl die CSU und Bayern wert sein.
Das Schlimme ist ja, dass Seehofer noch dazu sagt, dass diese Art von politik ganz normal sei und jeder das Beste fuer sein Land herausholen muesse. Abstrus.
BAyern wird von dieser Senkung wenig profitieren. Es uebernachtet jemand doch nicht im Hotel im Ausland, nur weil es dort 5 Euro billiger ist. Und man faehrt auch nicht ueber die Grenze nach Oesterreich, wenn dort der Schweinebraten nen Euro weniger kostet. (was uebrigen gar nicht so ist). Verbraucher werden dadurch gar nicht entlastet, sondern das Geld fliesst eins zu eines in die kassen der Hoteliers. Klassische Klientelpolitik. Dass die FDP, die dem doch immer entgegenstand, so etwas mittraegt, ist doch ein Skandal. Mit Marktwirtschaft hat das alles auf jeden Fall gar nichts zu tun.
Das Schlimme ist ja, dass Seehofer noch dazu sagt, dass diese Art von politik ganz normal sei und jeder das Beste fuer sein Land herausholen muesse. Abstrus.
BAyern wird von dieser Senkung wenig profitieren. Es uebernachtet jemand doch nicht im Hotel im Ausland, nur weil es dort 5 Euro billiger ist. Und man faehrt auch nicht ueber die Grenze nach Oesterreich, wenn dort der Schweinebraten nen Euro weniger kostet. (was uebrigen gar nicht so ist). Verbraucher werden dadurch gar nicht entlastet, sondern das Geld fliesst eins zu eines in die kassen der Hoteliers. Klassische Klientelpolitik. Dass die FDP, die dem doch immer entgegenstand, so etwas mittraegt, ist doch ein Skandal. Mit Marktwirtschaft hat das alles auf jeden Fall gar nichts zu tun.
Ist doch egal was wächst, die Staatsverschuldung, Armut, Klassenunterschiede, hauptsache Mutti bleibt Mutti. Und die FDP muss diese Weihnachtsgeschenke an ihre Klienten liefern, sonst drohen hohe Konventionalstrafen, wegen Vertragsbruch und sie müssen ihre "Spendengelder" plus Zinsen zurück zahlen.
MfG
Ringo81
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