Konflikt mit den Ländern Merkel sucht den Ausweg aus dem SteuerdilemmaSeite 2/2

Der Kieler FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki fordert wie sein Koalitionspartner Carstensen einen finanziellen Ausgleich, und er machte öffentlich auch bereits einen Vorschlag: "Vorstellbar" sei, dass "der Bund den Ländern befristet bis 2013 zusätzlich einen Prozentpunkt aus der Mehrwertsteuer überlässt", sagte er. Die Zustimmung Kiels sei jedenfalls ohne Kompensation unvorstellbar, so Kubicki: "Wir brauchen Hilfen und stattdessen wirft uns der Bund eine Bleiweste zu."

Seehofer äußert sogar Verständnis für die Signale aus Kiel. Jedes Land müsste "die eigenen Interessen vertreten", sagt er. Das Maximum herauszuholen sei "die Pflicht" von Carstensen. Er verfahre ja ähnlich, indem er die Hoteliers begünstigen und die Übernachtungen billiger machen will. Das Festhalten beider an ihren Forderungen macht eine Einigung allerdings nicht leichter.

Mit einer Verschiebung bei der Mehrwertsteuer wird in Berlin allerdings nicht gerechnet. Die Lösung könnte vielmehr so aussehen, dass die Bundesländer vom Bund eine indirekte Ausgleichszahlung erhalten. Zwar dementiert die Kanzlerin dies. Sie möchte nicht als erpressbar dastehen. Sonst könnte ja künftig jeder Landesfürst kommen und die Zustimmung zu Gesetzen der Bundesregierung von irgendwelchen Sonder-Finanzspritzen abhängig machen. Deshalb wurde heute in Koalitionskreisen verbreitet, dass es "andere Pfade" der Kompensation gebe. Zum Beispiel könnten die Länder von der Rückzahlung von Mitteln aus dem Konjunkturpaket befreit werden, worauf zum Beispiel Sachsen hofft, das zuletzt auffällig ruhig geblieben ist. Das stünde zwar nicht in einem direkten Zusammenhang zu den Steuermindereinnahmen. Aber die Finanzspritze könnte den Ländern die Zustimmung erleichtern.

Der Bundesrat soll über das Steuerpaket am 18. Dezember abschließend entscheiden. Bis dahin wird es noch Verhandlungen geben. Merkel will das Paket verabschieden, deshalb wird sie mit Engelsgeduld nach einer Lösung suchen. Und zur Not auch einzelne Länder für ihre Zustimmung finanziell belohnen, wenngleich sie das am Wochenende noch ausgeschlossen hatte.

Kritik kommt bereits von der Opposition. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) forderte ein Ende des "CDU-internen Gemauschels". Es sei unverschämt, wenn die schwarz-gelbe Bundesregierung sich die Zustimmung einzelner Länder zu Steuersenkungen erkaufe. Vergessen haben dürfte Beck dabei allerdings, dass der damalige SPD-Kanzler es im Jahr 2000 genauso gemacht hatte. Damals ebenfalls unter heftigem Protest der Opposition. Deren Anführerin heiß seinerzeit: Angela Merkel.

Mitarbeit: Tilman Steffen

 
Leser-Kommentare
  1. Mutti hat doch gesagt, dass sie niemanden rauskaufen wird.

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    • joG
    • 02.12.2009 um 7:02 Uhr

    ...wie Mutti und Herr Schäuble davon ausgehen können, dass die Ministerpräsidenten überhaupt zahlen dürfen. Es geht um ein Wahlversprechen der Parteien zur Bundesregierung. Sie haben das Mandat ihre Steuereiinnahmen zu reduzieren.
    Dieses Mandat gaben die Wähler des Saarlands, Sachsens oder Kiels nicht.

    Deren Regierung haben andere Mandate und sollen ihre Steuereinnahemen für Dinge ihres eigenen Mandates verwenden. Alles andere wäre doch Untreue.

    • joG
    • 02.12.2009 um 7:02 Uhr

    ...wie Mutti und Herr Schäuble davon ausgehen können, dass die Ministerpräsidenten überhaupt zahlen dürfen. Es geht um ein Wahlversprechen der Parteien zur Bundesregierung. Sie haben das Mandat ihre Steuereiinnahmen zu reduzieren.
    Dieses Mandat gaben die Wähler des Saarlands, Sachsens oder Kiels nicht.

    Deren Regierung haben andere Mandate und sollen ihre Steuereinnahemen für Dinge ihres eigenen Mandates verwenden. Alles andere wäre doch Untreue.

  2. Weil der Gegenentwurf alles Logischen, dass die größeren Lasten nicht diejenigen zu stemmen haben, die es im Kreuz hätten, sondern diese nach wie vor von den Schwächsten getragen werden, ohnehin noch nie eine Zukunft besaß, erübrigt sich sämtlich jedwede Debatte. Sollte die neue Bundesregierung von einem solchen Gegenentwurf kurze Zeit nach ihrem Amtsantritt nicht lassen können, verstummt sie dadurch bis an das ihrer Tage.

  3. Ich bin mir ziemlich sicher, dass A.M. keinen einzigen Cent an die Länder zahlen wird.
    Vielmehr wird sie (wahrscheinlich) Geld der Steuerzahler - unser Geld - ausgeben, wie immer.
    Von Journalisten wünsche ich mir zu Weichnachten und für das neue Jahr trennschärfere und ehrlichere Formulierungen.
    Besten Dank im Voraus!

    • ddkddk
    • 01.12.2009 um 21:21 Uhr

    wird die Sache für den gewöhnlichen Steuerzahler (natürlich nicht für Merkel wie @ 3 ganz zutreffend bemerkt hat).

    Es kommt wie es kommen mussste und ich anderer Stelle bereits vorhergesagt habe:

    Wenn es bei 2 Regelungen im Steuerrecht eine einfache und eine komplizierte gibt, kommt immer die komplizierte.

    Wenn es ein sinnvolle und eine sinnlose Regelung gibt, kommt immer die sinnlosere.

    Wichtig aber sind 2 Punkte:

    1. Merkel muss Kanzlerin bleiben, koste es was es wolle.

    2. Der Koalitionsvertrag muss eins zu eins umgesetzt werden, auch wenn das Ergebnis zirkusreif ist.

    Kleiner Nebeneffekt: Da dann die Kassen noch leerer sind als bisher, kann künftig jede sinnvolle Maßnahme allein mit dem Hinweis auf die leeren Kassen abgeschmettert werden.

  4. Schaut man sich die verschuldeten Landesbanken an, so kann das eine oder andere Bundesland nicht mehr teuer sein. Besser gleich ganz kaufen, als lange rumverhandeln. Berlin, Brandenburg, Schleswig-Höllstein, Hamburg etc. das sind doch nur noch symbolische übernahmen für nen Euro. Langfristige Investition. Spart die Ministerien, Landtage und den ganzen Zwergstaatenquatsch ein. Ausserdem verbessert es die Lage im Bundesrat. Keine störrischen Widersacher aus den Blockparteien, äh Koalisationspartner. Äh, ach ja und die Steuereinnahmen, so es welche gibt, fallen dann ja auch dem Bund zu und der kannse ja dann gleich wieder erlassen, vorausgesetzt der Steuerzahler ist Solvent. Ab-Frack-Prämie für starrköpfige Landesväter/mütter/töchter, Koalitionspartner und äh oder Zuhausebleibprämie für Ministerpräsidenten. Ah Angie auf Schnäppchentour? Oder noch besser: Angie mach Schluss mit dem Westernwelle, der Kerl passt doch gar nicht zu dir. Das Biene-Maya-Regierungs-Trikot steht dir außerdem auch nicht. Wir lieben dich alle. Fröhliche Weihnachten.

    • Hipper
    • 01.12.2009 um 21:48 Uhr

    Mich würde ja mal brennend interessieren, welches Wachstum dadurch beschleunigt wird, dass man Hoteliers Steuergeschenke zukommen lässt und die Länder/Kommunen in eine strukturelle Unterfinanzierung treibt.

    Vielleicht das Wachstum auf den Bankkonten der großen Parteispender von Union und FDP - volkswirtschaftliches Wachstum kann jedenfalls nicht gemeint sein.

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    • ddkddk
    • 01.12.2009 um 21:57 Uhr

    geht es bei der Hotelier-Regelung.

    Ich habe schon einmal an anderer Stelle deutlich gemacht, dass das Bayern nicht viel kostet, weil der Finanzausgleich vor allem durch die Höhe des jeweiligen Umsatzsteueranteils der Länder geregelt wird. Wird das Umsatzsteueraufkommen in Bayern also gemindert, mindert das lediglich den verhältnismäßig kleinen Rest-Umsatzsteuerbetrag, der Bayern verbleibt.

    Also ganz logische Klientelpolitik der Bayern auf Kosten des Rests der Bevölkerung.

    Aber soviel muss uns wohl die CSU und Bayern wert sein.

    Ist doch egal was wächst, die Staatsverschuldung, Armut, Klassenunterschiede, hauptsache Mutti bleibt Mutti. Und die FDP muss diese Weihnachtsgeschenke an ihre Klienten liefern, sonst drohen hohe Konventionalstrafen, wegen Vertragsbruch und sie müssen ihre "Spendengelder" plus Zinsen zurück zahlen.

    MfG
    Ringo81

    • Chali
    • 02.12.2009 um 9:56 Uhr

    Das der Schulden, natürlich.

    Denken Sie an die Generationen-Gerächtigkeit!

    • ddkddk
    • 01.12.2009 um 21:57 Uhr

    geht es bei der Hotelier-Regelung.

    Ich habe schon einmal an anderer Stelle deutlich gemacht, dass das Bayern nicht viel kostet, weil der Finanzausgleich vor allem durch die Höhe des jeweiligen Umsatzsteueranteils der Länder geregelt wird. Wird das Umsatzsteueraufkommen in Bayern also gemindert, mindert das lediglich den verhältnismäßig kleinen Rest-Umsatzsteuerbetrag, der Bayern verbleibt.

    Also ganz logische Klientelpolitik der Bayern auf Kosten des Rests der Bevölkerung.

    Aber soviel muss uns wohl die CSU und Bayern wert sein.

    Ist doch egal was wächst, die Staatsverschuldung, Armut, Klassenunterschiede, hauptsache Mutti bleibt Mutti. Und die FDP muss diese Weihnachtsgeschenke an ihre Klienten liefern, sonst drohen hohe Konventionalstrafen, wegen Vertragsbruch und sie müssen ihre "Spendengelder" plus Zinsen zurück zahlen.

    MfG
    Ringo81

    • Chali
    • 02.12.2009 um 9:56 Uhr

    Das der Schulden, natürlich.

    Denken Sie an die Generationen-Gerächtigkeit!

    • ddkddk
    • 01.12.2009 um 21:57 Uhr

    geht es bei der Hotelier-Regelung.

    Ich habe schon einmal an anderer Stelle deutlich gemacht, dass das Bayern nicht viel kostet, weil der Finanzausgleich vor allem durch die Höhe des jeweiligen Umsatzsteueranteils der Länder geregelt wird. Wird das Umsatzsteueraufkommen in Bayern also gemindert, mindert das lediglich den verhältnismäßig kleinen Rest-Umsatzsteuerbetrag, der Bayern verbleibt.

    Also ganz logische Klientelpolitik der Bayern auf Kosten des Rests der Bevölkerung.

    Aber soviel muss uns wohl die CSU und Bayern wert sein.

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    Das Schlimme ist ja, dass Seehofer noch dazu sagt, dass diese Art von politik ganz normal sei und jeder das Beste fuer sein Land herausholen muesse. Abstrus.
    BAyern wird von dieser Senkung wenig profitieren. Es uebernachtet jemand doch nicht im Hotel im Ausland, nur weil es dort 5 Euro billiger ist. Und man faehrt auch nicht ueber die Grenze nach Oesterreich, wenn dort der Schweinebraten nen Euro weniger kostet. (was uebrigen gar nicht so ist). Verbraucher werden dadurch gar nicht entlastet, sondern das Geld fliesst eins zu eines in die kassen der Hoteliers. Klassische Klientelpolitik. Dass die FDP, die dem doch immer entgegenstand, so etwas mittraegt, ist doch ein Skandal. Mit Marktwirtschaft hat das alles auf jeden Fall gar nichts zu tun.

    Das Schlimme ist ja, dass Seehofer noch dazu sagt, dass diese Art von politik ganz normal sei und jeder das Beste fuer sein Land herausholen muesse. Abstrus.
    BAyern wird von dieser Senkung wenig profitieren. Es uebernachtet jemand doch nicht im Hotel im Ausland, nur weil es dort 5 Euro billiger ist. Und man faehrt auch nicht ueber die Grenze nach Oesterreich, wenn dort der Schweinebraten nen Euro weniger kostet. (was uebrigen gar nicht so ist). Verbraucher werden dadurch gar nicht entlastet, sondern das Geld fliesst eins zu eines in die kassen der Hoteliers. Klassische Klientelpolitik. Dass die FDP, die dem doch immer entgegenstand, so etwas mittraegt, ist doch ein Skandal. Mit Marktwirtschaft hat das alles auf jeden Fall gar nichts zu tun.

  5. Ist doch egal was wächst, die Staatsverschuldung, Armut, Klassenunterschiede, hauptsache Mutti bleibt Mutti. Und die FDP muss diese Weihnachtsgeschenke an ihre Klienten liefern, sonst drohen hohe Konventionalstrafen, wegen Vertragsbruch und sie müssen ihre "Spendengelder" plus Zinsen zurück zahlen.

    MfG
    Ringo81

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