Steuerstreit Bund ködert Länder mit mehr Geld für Bildung

Stets betonte die Kanzlerin, dass sie sich das Ja der Länder zu Steuerentlastungen nicht erkaufen will. Berichte zeigen das Gegenteil: Der Bund zahlt Milliarden Euro.

Mehr Geld für Bildung: Der Bund will Länder und Kommunen unterstützen

Mehr Geld für Bildung: Der Bund will Länder und Kommunen unterstützen

Im Gegenzug für zu erwartende Steuereinbußen hat der Bund den Ländern weitere Milliardenzuschüsse zugesagt. Wie mehrere Zeitungen berichten, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (beide CDU) Milliarden Euro umfassende Zugeständnisse des Bundes an die Länder in Aussicht gestellt. Teil dieses Handels könnte vor allem ein Entgegenkommen des Bundes bei den gemeinsam geplanten, zusätzlichen Bildungsausgaben sein.

Hintergrund sind Einbußen der Bundesländer bei den Steuereinnahmen durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz der Regierung: Vor allem Schleswig-Holstein hat deshalb seine Zustimmung zu dem Gesetz im Bundesrat infrage gestellt, andere Länder des unionsregierten Lagers sich zumindest kritisch geäußert. 

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Die Suche nach einer Lösung noch vor der Bundesratsabstimmung am Freitag läuft seit Wochen: Wie die Bild-Zeitung unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen berichtet, soll der Bundesanteil an den vorgesehenen 13 Milliarden Euro Mehrausgaben für die Bildung auf bis zu 40 Prozent steigen, um die Länder zu entlasten. Über ein ähnliches Zugeständnis berichtet auch die Leipziger Volkszeitung. Sie beruft sich auf ein ihr vorliegendes, abgestimmtes Eckpunktepapier für den Bund-Länder-Bildungsgipfel am Mittwoch. Demnach will der Bund die Länder und Kommunen in Milliarden-Höhe entlasten: Bis 2015 trägt er 5,6 Milliarden Euro Kosten der Länder und 1,8 Milliarden Euro Kosten der Kommunen.

Dem Bericht zufolge ist unter anderem vorgesehen, dass der Bund künftig die Hälfte der Kosten für die Sprachförderung von Kindern vor der Einschulung übernimmt. Darüber hinaus will der Bund seine Angebote zur Weiterqualifizierung von Erziehern erweitern. Zudem soll der Betreuungsschlüssel in den Kindertageseinrichtungen gesenkt werden, was kleinere Gruppen bedeuten könnte. Das Angebot des Bundes sieht auch vor, die Bafög-Bedarfssätze um zwei Prozent und die Freibeträge um drei Prozent zu erhöhen. 

Laut den Kieler Nachrichten wird damit allein Schleswig-Holstein im Sektor Forschung und Bildung um bis zu 100 Millionen Euro jährlich entlastet. Damit, so berichten auch die Lübecker Nachrichten, sei das von Carstensen im Bundesrat angedrohte Veto vom Tisch. Zusammen mit seinem Koalitionspartner FDP hatte der schleswig-holsteinische Regierungschef damit gedroht, das erste Reformpaket der neuen schwarz-gelben Bundesregierung im Bundesrat zu blockieren.

Sowohl die Bild als auch die Lübecker Nachrichten berichten von weiteren Entlastungen für die Länder: So sollen sie bei der Neuregelung der Arbeitsvermittung nur maximal zehn Prozent der Kosten von Jobcentern tragen. Ferner werde auch über eine sogenannte Öffnungsklausel bei den Sozialkosten diskutiert. Sie soll es den Landesregierungen ermöglichen, von Vorgaben des Bundes abweichen zu können. So sei beispielsweise denkbar, dass der bereits beschlossene Anspruch auf kostenlose Kindergartenplätze nicht vollständig umgesetzt werden müsse, hieß es. Darüber hinaus soll im Zuge der für 2011 geplanten Steuerreform der Verteilungsschlüssel der Steuern zugunsten der Länder verändert werden. Dies könnte auf einen zusätzlichen Anteil an den Mehrwertsteuereinnahmen hinauslaufen.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wehrte sich gegen den Eindruck, der Bund würde die Länder für ihre Zustimmung zum Wachstumsbeschleunigungspaket ködern. "Wenn die zwölf Milliarden Euro, die der Bund für die Bildung gibt, dazu helfen, dass sich einzelne Länder weniger beschwert fühlen, ist das ein gutes Ergebnis", sagte die CDU-Politikerin dem Handelsblatt. Doch die Zusage des Bundes stehe längst, fügte sie hinzu. "Alles, was mit dem Bildungsgipfel zu tun hat, war lange klar", so Schavan.

Das vom Bundestag bereits beschlossene Wachstumsbeschleunigungsgesetz steht im Bundesrat am Freitag zur Entscheidung an. Ohne die Zustimmung der Länder können die geplanten Steuerentlastungen von jährlich bis zu 8,5 Milliarden Euro für Familien, Unternehmen und das Hotelgewerbe nicht zum 1. Januar in Kraft treten. Um die Zustimmung der schwarz-gelb regierten Länder soll bis Donnerstagnacht gerungen werden.

Ein Kompromiss dürfte bereits beim Treffen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Merkel am Mittwoch ausgelotet werden. Dabei geht es nach Regierungsangaben um weitere Gespräche über die Finanzbeziehungen von Bund und Ländern und die Verteilung der geplanten Milliarden-Mehrausgaben für die Bildung. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) und die Regierungschefs von CDU/CSU wollen am Donnerstag ihre Gespräche fortsetzen. Merkel kann an diesem Treffen allerdings nicht mehr teilnehmen, da sie beim Klimagipfel in Kopenhagen angekündigt ist.

 
Leser-Kommentare
  1. Man will also Wachstum beschleunigen, in dem man auf Steuern zugunsten von Besserverdienenden und Hoteliers (verkürzt - ich weiß) verzichtet und diesen Vorgang noch dadurch verteuert, in dem man die Bundesländer ausgleichend bezuschusst. Ich bin jetzt schon gespannt, welche Steuern und Abgaben dann im Gegenzug erhöht werden. Es ist schon spannend, was für Klimmzüge die Koalition veranstaltet, um ein Gesetz durch zu peitschen, das aller Voraussicht überhaupt keinen erwähnenswerten Effekt haben wird.

    Es ist schon absurd. Die chinesische Regierung stützt ihre Werften mit Abnahmegarantien und 20 Milliarden und wir hier heben das Kindergeld und den Kinderfreibetrag an und glauben, dass wir so Wachstum beschleunigen. Und die Hoteliers? Vielleicht bieten sie chinesischen Delegationen die Zimmer dann etwas günstiger an, während diese sich ansehen, wie man in Deutschland Wachstum macht. Vermutlich wird man diese Reisen im Reich der Mitte dann als eine Art Comedy-Veranstaltung anbieten.

  2. .
    Dafür, dass Sie Kanzlerin ist und bleibt!

    Alles andere ist verhandelbar!

  3. Unsere derzeitige Regierung zeichnet sich ja durch eine ungeheure Dynamik aus! Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich sie ja direkt wählen können, toll, was die alles umgraben und verschleiern.
    Das merkwürdige ist nur, daß nichts oder weniger als nichts dabei heraus kommt.
    Irgendwie erinnert mich das daran, daß hier kürzlich in einer großen Supermarktkette abgelaufene Waren einfach wieder verkaufbar gemacht wurden, indem man das Haltbarkeitsdatum erneuerte.

    • CM
    • 15.12.2009 um 9:42 Uhr

    Wenn diese Regierung angesichts einer ungeheuren Neuverschuldung teure, unsinnige Projekte, die nur Lobbyisten nützen, zusätzlich noch mit viel Geld erkauft stellt sich die Frage, wer eigentlich unser Land regiert.

    Der Wähler ist tot, es lebe die Lobby!

  4. .
    Warten Sie bis zur NRW-Wahl!

    (Es trifft leider nur die Falschen!)

  5. Mehr Geld für die Bildung hört sich erstmal gut an. Nur was passiert denn im Endeffekt. Die Gelder, die der Bund übernimmt werden im Land und den Kommunen sofort wieder eingespart und anders verwendet.

    Beispiel Konjunkturpaket II - die Gelder werden nun als Argument benutzt, um bei uns im Landkreis Harburg massiv an den Bildungsausgaben (-10% in der Verwaltung, -40% bei den Investitionen für 2010 und 2011) zu sparen. Zusatzeffekte - keine.

    Statt dessen werden kommunal nun Leuchtturmprojekte wie der Ausbau des Reitzentrums in Luhmühlen mit 11 Millionen Euro gesponsert.

    Beim Bildungsbudget führt die föderalistische Struktur nur zu einer völligen Intransparenz, die vor allem einer Gruppe nicht nützt - den Schülern.

    • Piepe
    • 15.12.2009 um 10:42 Uhr

    wurde berichtet, dass die Kanzlerin versprochen hat, die Bildungsausgaben um x% zu erhöhen.
    Was ist daran jetzt neu?

    • Gafra
    • 15.12.2009 um 10:43 Uhr

    ähnliche Kampagne der Medien wie bei "Ypsilanti-Lügilanti".
    Aber das wäre ja Insubordination und so bleibt es bei einer milde kritisierten Beschreibung von Tatsachen, die sich aber häufen: Klima, Steuersenkungen unter Haushaltsvorbehalt, Neuschulden, kein Kauf der Zustimmung der Bundesländer, Finanzmarktregeln etc.
    Und Merkel mitsamt ihrer CDU-CSU ist ja überzeugt von dem Naturrecht ihrer Partei auf die Regierungsmacht, während die SPD-Politiker beim Ertappen bei Unwahrheiten oder sonstigen Peinlichkeiten schnell zurück treten.
    Naja, wer das natürliche Recht bei sich weiß, der hat keinen Anlass zur Selbstkritik. Und das Volk, der dumme Michel vergisst bei der nächsten Runde Versprechungen die vorherigen Lügen.

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