Steuerstreit Einigung zwischen Merkel und Carstensen absehbar

Nach dem Treffen zwischen der Bundeskanzlerin und dem Kieler Ministerpräsidenten könnte der Steuerstreit bis zur Abstimmung am kommenden Freitag beigelegt werden.

Gemeinsam wollen Angela Merkel und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen eine Lösung im Steuerstreit finden

Gemeinsam wollen Angela Merkel und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen eine Lösung im Steuerstreit finden

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (beide CDU)  sind in Berlin zusammengekommen, um eine Lösung im Steuerstreit zu finden. Carstensen sagte nach dem Treffen, der Bund habe deutlich gemacht, dass er die Sorgen der Länder ernst nehme und sie auf dem Weg der Konsolidierung unterstützen wolle. Es werde keine Sonderreglung für sein Land geben. Dennoch sei die Zustimmung Schleswig-Holsteins zum geplanten schwarz-gelben Steuerpaket wahrscheinlicher geworden, "Wir sehen die Möglichkeit, zu einer Einigung zu kommen." Über genauere Inhalte sei allerdings Stillschweigen vereinbart worden, sagte Carstensen. Details sollen am Dienstag im Landeskabinett besprochen werden.

Auch FDP-Landtagsfraktionschef Wolfgang Kubicki zeigte sich zuversichtlich, dass man zu einem guten Ergebnis kommen werde. Eine Zustimmung Schleswig-Holsteins zu dem Steuerpaket am Freitag im Bundesrat sei "heute eher wahrscheinlich als es noch gestern der Fall war". 

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Carstensen hatte die Zustimmung zum Wachstumsbeschleunigungsgesetz am kommenden Freitag im Bundesrat bisher abgelehnt. Kiel fürchtet Einnahmeausfälle von 130 Millionen Euro für Land und Kommunen. Ohne Änderungen will das Land im Bundesrat nicht Ja sagen. Dann aber könnte das Gesetz nicht wie geplant Anfang 2010 in Kraft treten, da die Koalition im Bundesrat auf die Stimmen aller sieben schwarz-gelben Landesregierungen angewiesen ist.

An dem Treffen im Kanzleramt nahmen auch FDP-Chef Guido Westerwelle und der Kieler FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki teil. Beobachter erwarten, dass es erst kurz vor der entscheidenden Sitzung im Bundesrat am 18. Dezember zu einer konkreten Lösung kommt. Das erste große Gesetz der schwarz-gelben Koalition umfasst Entlastungen für Familien, Firmen, Erben und Hotels im Umfang von 8,5 Milliarden Euro.

Die schwarz-gelbe Regierung von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hat klargestellt, es gehe ihr nicht um eine Sonderlösung, sondern um finanzielle Verbesserungen für alle Länder. Erwogen wird etwa, dass der Bund ihnen mehr Bildungsinvestitionen in Aussicht stellt. Regierungskreisen zufolge ist noch nicht mit einer Entscheidung zu rechnen.

Vor der Spitzenrunde im Kanzleramt lehnten mehrere Länderchefs Zusagen an Schleswig-Holstein ab. Auch die Koalition will finanzielle Zusagen vermeiden. Somit könnte das erste große Vorhaben der zweiten Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Vermittlungsausschuss landen. Angesichts der geplanten Steuersenkungen kündigte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schmerzhafte Einschnitte im Bundeshaushalt an.

Sachsen-Anhalts Regierungschef Wolfgang Böhmer (CDU) hält die Zustimmung der Länderkammer am kommenden Freitag für ungewiss. "Ich bin sehr zurückhaltend und skeptisch", sagte er. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) lehnte eine "Lex Carstensen" strikt ab.

"Das Gerede über Sonderkonditionen für Schleswig-Holstein finde ich langsam unerträglich", sagte Schleswig-Holsteins Finanzminister Rainer Wiegard (CDU). "So etwas haben wir nie gefordert." Sein Ministerium hatte vorgeschlagen, die Länder könnten einen größeren Anteil am Umsatzsteueraufkommen bekommen, und die geplante Ausnahme für Hotels bei der Mehrwertsteuer könne zurückgestellt werden. So heißt es in einem Schreiben an die CDU-Länderfinanzminister, über das die Welt am Sonntag berichtete.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder kündigte an, konkrete Finanzzusagen werde es nicht geben. "Es bleibt dabei: Es wird kein Land herausgekauft", sagte er der Berliner Zeitung. Kauder lehnte den Vorschlag ab, den Ländern einen höheren Anteil an der Mehrwertsteuer zuzugestehen. Auch die Finanzierung der Unterkunftskosten von Hartz-IV-Empfängern sei kein Thema, das mit dem Steuerpaket in Verbindung gebracht werden könne. "Der Bund hat nichts zu verschenken", sagte er.

Als Ausweg wird über eine stärkere Beteiligung des Bundes an den Bildungsaufwendungen diskutiert. Bund und Länder kommen am Mittwoch zu einem Bildungsgipfel mit Merkel zusammen. Dort soll beraten werden, wie das Ziel erreicht werden kann, die Ausgaben für Bildung und Forschung bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Bildungsministerin Annette Schavan sagte der B.Z. am Sonntag, der Bund sei bereit, zusätzliches Geld in Bildung zu investieren. "Ich stelle allerdings die Verbindung zur Bundesratsentscheidung nicht her", fügte sie hinzu. Der Bund hat bis 2013 Mehrausgaben von zwölf Milliarden Euro zugesagt.

Die FDP zeigt sich zuversichtlich. Parteichef Guido Westerwelle sagte der Welt am Sonntag, er gehe davon aus, dass die Bundesregierung die Länder mit guten Argumenten überzeuge. Die FDP-Wirtschaftsminister Bayerns und Niedersachsens kündigten im Tagesspiegel an, nicht zuzustimmen, wenn das Paket aufgeschnürt werde.

Die Opposition erneuerte ihre Kritik am Steuerkurs der Regierung. "Schwarz-Gelb feiert eine Orgie der Klientelpolitik", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier der Rheinischen Post. Das geplante Gesetz sei schädlich, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. "Es ist eine Frage von Stärke, wenn man es zurückziehen würde." Ähnlich äußerten sich die Linken.

 
Leser-Kommentare
    • Gafra
    • 13.12.2009 um 10:20 Uhr

    Die Ministerpräsidenten sollen das ablehnen und sich nicht herunter handeln lassen.
    Steuersenkungen und 100 Milliarden Neuschulden, sieht so der angeblich bei CDU und FDP angesiedelte wirtschaftliche Sachverstand aus? Nee, offenbar haben sie diesen Ruf völlig zu Unrecht!

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    Der wirtschaftliche Sachverstand zeigt sich natürlich nicht in deren Umgang mit den Staatsfinanzen, sondern in den Spenden, welche diese Parteien Seitens großer Konzerne erhalten (jede große Partei erhält solche Spenden, manche allerdings ein paar mehr).

    Der wirtschaftliche Sachverstand zeigt sich natürlich nicht in deren Umgang mit den Staatsfinanzen, sondern in den Spenden, welche diese Parteien Seitens großer Konzerne erhalten (jede große Partei erhält solche Spenden, manche allerdings ein paar mehr).

    • joG
    • 13.12.2009 um 10:20 Uhr

    ...Missverrständnis des Charakters der Demokratie beleuchtet. Jede Regierung wird von den Wählern der Gebietskörperschaft, die sie vertritt, mandatiert seinen Haushalt zu verantworten. Sie hat diesen Haushalt selbst zu führen und nicht den anderer Gebietskörperschaften. So muss der Bund seine Steuern mit seinen Ausgaben und Schleswig die seinen zu vertreten und nicht die der anderen Länder oder des Bundes. Der Rest ergibt sich aus der Logik der Demokratie.

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    Märchentante Merkel kommt langsam in der rauen Wirklichkeit an. Fraglich nur, wann ihre Wähler, vor allem die die sich dieser Wirklichkeit schon länger ausgesetzt sehen, Konsequenzen ziehen.

    Es gibt doch eine beängstigende Duldsamkeit im Volk.

    Märchentante Merkel kommt langsam in der rauen Wirklichkeit an. Fraglich nur, wann ihre Wähler, vor allem die die sich dieser Wirklichkeit schon länger ausgesetzt sehen, Konsequenzen ziehen.

    Es gibt doch eine beängstigende Duldsamkeit im Volk.

  1. Ich habe nicht mitbekommen, dass in der Union mal irgendeine Kritik am Inhalt dieses "Wachstumsbeschleunigungs"-Gesetzes geuebt wurde - der Rest Deutschlands tut es (alle Experten, viele Medien inzwischen, jeder normal denkende Mensch sind zumindest gegen die Hoteliers-Beglueckung).
    Dass manche Laender jetzt wegen Ebbe in der eigenen Kasse protestieren, ist zwar in Ordnung (es ist fuer mich ohnehin unfassbar, wie einer Ausgaben fuer andere beschliessen kann), aber ersetzt eben keine sachliche inhaltliche Auseinandersetzung.
    Interessant waere es, den Preis fuer diesen Unsinn zu erfahren, den die FDP da zahlen muss.

  2. Im DLF-"Interview am Sonntag" erklärt Minister Röttgen noch, die Bekämpfung der Krise bräuchte temporäre Impulse. Die Subventionierung von Hotels wird aber dauerhaft bleiben. Auch ist Erben kein besonders krisengeprägter Bereich: gestorben wurde schon immer.

    Die Bundesregierung setzt zum goldenen Schuss an. Sie könnte aber bereits bei der NRW-Wahl das Ergebnis sehen: für weitere Klientelgeschenke ist kein Geld mehr da. Laut Rheinischer Post verpasst Rüttgers den Wahlkampfauftakt und hat in den Umfragen bereits keine Mehrheit mehr.

    Wenn die Hotelerben am Starnberger See wichtiger sind als die kleine Kumpel an der Ruhr, wird der Liebesentzug in der Wahlkabine gerächt.

  3. Gut das es noch Politiker gibt, die Ihren Verstand einsetzen und nicht zu alles Ja sagen und dann für Nicht-oder Schlechtleistung Geld einstecken!
    Die Wirtschaft ist ein empfindlicher Kreislauf, in dem man kein Ungleichgewicht fördern sollte!
    Die Regierung sollte das Geld dort investieren, wo es am schnellsten wieder in den Wirtschaftskreislauf gelangt und so die Konjunktur ankurbelt.
    Ich meine eine Entlastung von gering Verdienern, wie z.B. 400,- Euro Jobbern, die nach Abzug nur eine Aufwandsentschädigung übrig behalten. Das halte ich dann auch nicht mehr für eine gerechte Entlohnung, wie sie in den Menscherechten zugesichert wird.
    http://www.un.org/Depts/g...
    Auch andere Arbeitnehmer sollten davon profitieren, die sich mit Ihrem Einkommen am Existenzminimum bewegen.

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    • joG
    • 13.12.2009 um 13:12 Uhr

    "Die Wirtschaft ist ein empfindlicher Kreislauf, in dem man kein Ungleichgewicht fördern sollte!"

    Sie meinen durch die Wegnahme von den Bürgern über viele Jahre hinweg von 50% des BIP? Wenn das kein Programm zur Herstellung eines "Ungleichgewichts" war, dann ist die Wirtschaft nicht sehr empfindlich.

    • joG
    • 13.12.2009 um 13:12 Uhr

    "Die Wirtschaft ist ein empfindlicher Kreislauf, in dem man kein Ungleichgewicht fördern sollte!"

    Sie meinen durch die Wegnahme von den Bürgern über viele Jahre hinweg von 50% des BIP? Wenn das kein Programm zur Herstellung eines "Ungleichgewichts" war, dann ist die Wirtschaft nicht sehr empfindlich.

  4. eine offene Debatte um Steuererhöhungen. Diese müssen zweckgebunden sein und dürfen nur dem Schuldenabbau dienen. Diese Steuererhöhungen müssen kommen, so lange die Generationen, die die Schulden angehäuft haben, noch einen Beitrag zur Rückzahlung leisten können. schwarz-GELB fährt Deutschland -besonders die Jungen- mit Volldampf voraus tiefer in den Sumpf. Sonntagsreden über Nachhaltigkeit und Chancen für zukünftige Generationen besitzen keine Glaubwürdigkeit. Der "Generationenvertrag" (K Adenauer:"Kinder haben die Leute sowieso", "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern") wurde nur von einer Seite unterschrieben, weil die "Vertragspartner" noch unmündig oder ungeboren waren. Und der Zug fährt weiter in diese Richtung. Vor diesem Hintergrund finde ich das Wort "Lösung" im Titel des Artikels zynisch.

  5. Märchentante Merkel kommt langsam in der rauen Wirklichkeit an. Fraglich nur, wann ihre Wähler, vor allem die die sich dieser Wirklichkeit schon länger ausgesetzt sehen, Konsequenzen ziehen.

    Es gibt doch eine beängstigende Duldsamkeit im Volk.

  6. Es ist kaum vorstellbar, dass Merkel ein Nein im Bundesrat nicht im Vorfeld verhindert. Sie hat bei ihrem Lehrmeister Kohl gelernt, wie man das macht. Es ist immer nur eine Frage des Preises und der wird gezahlt werden-unabhaengig davon, ob sich die Gesellschaft das leisten kann.Sie kann sich eher die Niederlage einer Ablehnung im Bundesrat nicht leisten. Man stelle sich die sofort ausbrechenden Machtkaempfe und die Fragen nach der Fuehrungskraft und-faehigkeit vor. Die FDP-Fuehrung wird ihren Einfluss ebenfalls geltend machen und ihren Landesableger Kubicki zur Ordnung rufen. Letztlich hat man der Hotelier-Klicke einen ordentlichen Zuschuss aus dem Steuersaeckel versprochen.Koste es, was es wolle. Zahlen muessen es die Steuerbuerger und zwar spaetestens wenn das mittlerweile gesetzlich festgeschriebene Schuldenverbot gilt.

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