Afghanistan-Strategie Mutlosigkeit als KonzeptSeite 2/2
Daran wird sich auch mit der neuen Strategie der Bundesregierung nichts ändern. Denn so gut gemeint der Ansatz ist, dass die Bundeswehr künftig gemeinsam mit afghanischen Sicherheitskräften "Präsenz in der Fläche" zeigen soll – mit 500 zusätzlichen Soldaten (350 weitere sind nur Reserve) ist dies in diesem riesigen Gebiet nicht zu schaffen, selbst wenn ein Teil der bisher 4500 Soldaten umgruppiert wird. Zumal die Afghanen während dieser Einsätze erst noch ausgebildet werden sollen. Denn Schutz der Bevölkerung und Ausbildung der einheimischen Sicherheitskräfte sollen nach der neuen Strategie gleichzeitig ablaufen.
Das Konzept der Bundesregierung brüskiert überdies US-Präsident Obama. Lange Zeit wurde die Strategie der USA in Deutschland kritisiert. Doch anders als die Deutschen waren die Amerikaner bereit zu lernen: Präsenz in den Dörfern statt große Offensiven. Kontakt mit der Bevölkerung statt massiver Luftangriffe mit vielen zivilen Opfern. Obama will nicht Armageddon in Afghanistan. Er will das Zivile im Militärischen. 30.000 Soldaten schickt er für diesen Zweck zusätzlich an den Hindukusch. Deutschland will es – nachdem alle Umstrukturierungen abgeschlossen sind (so wird die Quick Reaction Force aufgelöst) – mit insgesamt 1400 versuchen. Das ist ein Armutszeugnis.
Die Bundesregierung ignoriert damit die Forderung der Nato nach deutlich mehr Soldaten. Und sie missachtet die Wünsche der Afghanen. Es ist die Abwesenheit von Sicherheit, was die Menschen dort am meisten stört. Kürzlich plädierte der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammed Omar, dafür, dass sich doch bitte "effektivere Länder" als Deutschland um die Sicherheit in seinem Gebiet kümmern mögen. Die USA haben schon reagiert: Sie verlegen 2500 ihrer Soldaten in die Nordprovinz. Sie werden einmal mehr die Aufgaben übernehmen, zu denen die Deutschen nicht willens sind.
Dabei war zumindest im Verteidigungsministerium der tatsächliche Bedarf durchaus bekannt. Doch als ein General dort kürzlich verriet, dass mindestens 6000 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gebraucht würden, war die Aufregung groß und das Dementi laut. Zu groß ist die Angst der Bundesregierung vor der eigenen Bevölkerung. Und zu groß ist ihre Furcht, die SPD könne die Gelegenheit nutzen, Stimmung gegen den ungeliebten Einsatz zu machen und im Bundestag gegen das neue Mandat zu stimmen. Etliches am "Gesamtkonzept" der Bundesregierung kann deshalb getrost als innenpolitische Konzession an die Sozialdemokraten interpretiert werden: die geringe Zahl der zusätzlichen Soldaten ebenso wie den Beginn des Abzugs 2011, vielleicht sogar schon Ende diesen Jahres.
Internationale Verantwortung sieht anders aus. Mit diesem ängstlichen Konzept wird die Bundesregierung Afghanistan keinen Schritt weiterhelfen. Das Engagement in Afghanistan erfordert Mut und Ehrlichkeit – und wenn das nicht vorhanden ist: den schnellstmöglichen Abzug.
- Datum 26.01.2010 - 16:16 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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ich bin immer wieder erstaunt, wie es der deutschen regierung gelingt, eine ohnehin schon blamable vorstellung noch weiter zu verschlimmern. mit dieser jaemmerlichen "strategie" jedenfalls veraendert sie am katastrophalen status quo nicht im mindesten, sondern schafft es bestenfalls, sich endgueltig flaechendeckend unbeliebt zu machen:
bei der bundeswehr: die nach wie vor nur ein faehnlein fieselschweif mit panzern ist.
bei den alliierten: die sich mit einem solchen verbuendeten im ruecken so sicher fuehlen duerfen wie in einem minenfeld.
bei den kriegsgegnern: die die fortfuehrung des angeblich nicht stattfindenden krieges mit sicherheit nicht befuerworten werden.
bei den afghanen: die sich schon mal in gedanken auf die rueckkehr der taliban vorbereiten duerfen.
pluspunkte kann man mit so einem derartigen konzept bestenfalls bei den taliban gewinnen, vielleicht sind diese fuer die langfristigen perspektiven, die sich aus daraus ergeben ein klein wenig dankbar. aber die sollen demnaechst ja ohnehin mit kuschelkurs und scheckbuch umworben werden....
Leider ist das vernichtende Urteil von Herrn Horeld über die bundesdeutsche Politik weitgehend zutreffend.
Das gesamte Parlament hat noch nicht verstanden, dass Sicherheitspolitik nicht auf dem Altar innenpolitischer parteipolitischer Ränkespiele geopfert werden darf.
Diese Situation wird zwangsläufig vom Feind ausgenutzt, was in letzter Konsequenz Menschenleben kostet.
Die verlogene feige deutsche Besatzungspolitik hat dazu geführt, dass eine einst stabile Provinz zum Problemgebiet wurde. Und nun hat man zwar gemerkt, was die deutsche Politik falsch gemacht hat, behebt die Fehler aber nicht.
Deutschland kann sich von nun an eine nennenswerte Rolle in der Internationalen Politik abschminken. Denn wer bei sicherheitspolitischen Problemen nicht zur Übernahme von Verantwortung in der Lage ist, der spielt auch sonst keine Rolle.
Die Bundesrepublik war mal erste Liga in der Welt. Heute ist unser Land maximal noch 3. Liga, politisch und bald auch wirtschaftlich.
Deutschland muss keine "Internationale Rolle" in der Welt spielen. Diese sogenannte "Internationale Rolle" ist nichts anderes als die Einbindung in die U.S. Politik welche diese "Internationale Rolle" definiert. Bisher war diese Politik gekennzeichnet von Hegemoniebestrebungen und Abenteuern. Wir brauchen keine neue Weltordnung unter der Ägide der USA.
Im Prinzip stimme ich Ihnen (und joG) sogar zu, die Politik der Bundesregierung ist armselig.
Nur kleben Sie beide hartnäckig an dem gleichen Basisfehler: Sie halten das Miniengagement der Bundesregierung für einen Einzelfall und das Ergbnis einer falschen Lageanlyse. Anschließend wird mit tragischer Geste auf das Engagement der Amerikaner hingewiesen.
Wie Sie selbst wissen, spätestens seit ich Ihnen die notwendigen Truppenzahlen -für ganz Afghanistan- für ein erfolgreiches Engagement vorgerechnet habe, SIND AUCH DIE AMERIKANER mit viel zu wenig Truppen im Land um diesen Konflikt wirklich erfolgreich zu beenden.
Insofern sind die Deutschen nicht besser und nicht schlechter.
WENN Afghanistan wirklich so wichtig wäre, wie Sie beide immer wieder behaupten, dann würden sich zumindestens die USA stärker engagieren, völlig unabhängig davon, ob Engländer, Franzosen, Holländer, Kanadier oder Deutsche mitmachen oder nicht.
Im Gegenteil, gerade die Tatsache, das man versucht diesen Konflikt seinen Vasallen aufzuhalsen zeigt, das die Amerikaner diesen Klotz am Bein, der ihnen nichts nützt, loswerden wollen.
Das Sie beide diese strategische Linie in der Politik der Natostaaten nicht sehen (wollen?) wundert mich ein wenig, zumindestens Ihre operationellen, manchmal auch die taktischen Analysen sind ja recht ordentlich.
"Die Bundesrepublik war mal erste Liga in der Welt. Heute ist unser Land maximal noch 3. Liga, politisch und bald auch wirtschaftlich."
Als Deutschland beim Kriegführen noch in der 1. Liga war, hieß das hier noch nicht Bundesrepublik, sondern 3. Reich ... und die politisch und wirtschaftlich motivierte Kriegsrhetorik des Artikels und einiger Kommentatoren unterscheidet sich von der damaligen auch nur marginal.
Deutschland muss keine "Internationale Rolle" in der Welt spielen. Diese sogenannte "Internationale Rolle" ist nichts anderes als die Einbindung in die U.S. Politik welche diese "Internationale Rolle" definiert. Bisher war diese Politik gekennzeichnet von Hegemoniebestrebungen und Abenteuern. Wir brauchen keine neue Weltordnung unter der Ägide der USA.
Im Prinzip stimme ich Ihnen (und joG) sogar zu, die Politik der Bundesregierung ist armselig.
Nur kleben Sie beide hartnäckig an dem gleichen Basisfehler: Sie halten das Miniengagement der Bundesregierung für einen Einzelfall und das Ergbnis einer falschen Lageanlyse. Anschließend wird mit tragischer Geste auf das Engagement der Amerikaner hingewiesen.
Wie Sie selbst wissen, spätestens seit ich Ihnen die notwendigen Truppenzahlen -für ganz Afghanistan- für ein erfolgreiches Engagement vorgerechnet habe, SIND AUCH DIE AMERIKANER mit viel zu wenig Truppen im Land um diesen Konflikt wirklich erfolgreich zu beenden.
Insofern sind die Deutschen nicht besser und nicht schlechter.
WENN Afghanistan wirklich so wichtig wäre, wie Sie beide immer wieder behaupten, dann würden sich zumindestens die USA stärker engagieren, völlig unabhängig davon, ob Engländer, Franzosen, Holländer, Kanadier oder Deutsche mitmachen oder nicht.
Im Gegenteil, gerade die Tatsache, das man versucht diesen Konflikt seinen Vasallen aufzuhalsen zeigt, das die Amerikaner diesen Klotz am Bein, der ihnen nichts nützt, loswerden wollen.
Das Sie beide diese strategische Linie in der Politik der Natostaaten nicht sehen (wollen?) wundert mich ein wenig, zumindestens Ihre operationellen, manchmal auch die taktischen Analysen sind ja recht ordentlich.
"Die Bundesrepublik war mal erste Liga in der Welt. Heute ist unser Land maximal noch 3. Liga, politisch und bald auch wirtschaftlich."
Als Deutschland beim Kriegführen noch in der 1. Liga war, hieß das hier noch nicht Bundesrepublik, sondern 3. Reich ... und die politisch und wirtschaftlich motivierte Kriegsrhetorik des Artikels und einiger Kommentatoren unterscheidet sich von der damaligen auch nur marginal.
Die Deutschen wollen dem friedensschaffenden Auftrag der UNO bis zum bitteren Ende nachkommen.
Wir geben nochmals Geld statt Blut. Etwa in dem Sinne: Eine Ende mit Schulden ist besser als Schulden für Afghanistan ohne Ende.
Die Deutschen Bürger haben wohl gelernt, dass man Kriege gegen Partisanenkämpfer mit klassichen Mitteln über diese Distanzen einfach nicht gewinnen kann.
Man stelle sich vor, unsere Jungs gehen demnächst mit Dolmetschern in die Dörfer um sog. Kristallisastionspunkte für die Ordnung und Sicherheit zu schaffen.
Allein schon die Vorstellung ist Surrealismus. Deshalb raus aus diesem Lande - Regionalisieren wir die Risiken.
Zitat: "Deshalb raus aus diesem Lande - Regionalisieren wir die Risiken."
Sie wissen schon, dass Sie damit eine Situation riskieren, die sich durchaus als Lunte zum 3. Weltkrieg entpuppen kann?
Die Situation in Zentralasien kann man durchaus als wesentlich angespannter ansehen, als im Europa von 1914.
Haben Sie sich noch nie gefragt, warum inzwischen selbst Russland ISAF mehr als nur mit Worten unterstützt?
Zitat: "Deshalb raus aus diesem Lande - Regionalisieren wir die Risiken."
Sie wissen schon, dass Sie damit eine Situation riskieren, die sich durchaus als Lunte zum 3. Weltkrieg entpuppen kann?
Die Situation in Zentralasien kann man durchaus als wesentlich angespannter ansehen, als im Europa von 1914.
Haben Sie sich noch nie gefragt, warum inzwischen selbst Russland ISAF mehr als nur mit Worten unterstützt?
Entweder wir gehen ganz raus oder wir stocken wesentlich mehr auf. Aber das ist halbherzig, blamabel und auch wirkungslos.
Zitat: "Deshalb raus aus diesem Lande - Regionalisieren wir die Risiken."
Sie wissen schon, dass Sie damit eine Situation riskieren, die sich durchaus als Lunte zum 3. Weltkrieg entpuppen kann?
Die Situation in Zentralasien kann man durchaus als wesentlich angespannter ansehen, als im Europa von 1914.
Haben Sie sich noch nie gefragt, warum inzwischen selbst Russland ISAF mehr als nur mit Worten unterstützt?
Meine strategischen Analysen gehen von den jeweiligen Wirkungspotentialen aus. Geowirtschaftliche Analysen sind sehr hilfreich dabei.
Danach ist diese Region unerheblich. In Pakistan sind die USA dabei, die A-Waffen zu sichern. Mittlerweile ist klar: Gesellschaftliche Instabilitäten lassen sich nicht künstlich stabilisieren, die müssen in der Gesellschaf aufgegearbeitet werden - auch evtl. durch sehr harte Konflikte.
Grundsätzlich: Die Kriege in Asien sprechen eine klare Sprache für Konfliktregionalsierung. Ich hoffe, Sie sind kein Kalter Krieger, der sich nach Kampf sehnt.
Meine strategischen Analysen gehen von den jeweiligen Wirkungspotentialen aus. Geowirtschaftliche Analysen sind sehr hilfreich dabei.
Danach ist diese Region unerheblich. In Pakistan sind die USA dabei, die A-Waffen zu sichern. Mittlerweile ist klar: Gesellschaftliche Instabilitäten lassen sich nicht künstlich stabilisieren, die müssen in der Gesellschaf aufgegearbeitet werden - auch evtl. durch sehr harte Konflikte.
Grundsätzlich: Die Kriege in Asien sprechen eine klare Sprache für Konfliktregionalsierung. Ich hoffe, Sie sind kein Kalter Krieger, der sich nach Kampf sehnt.
... für alle.
Für die Politiker in Deutschland, die Bundeswehrangehörige in Afghanistan und für die Afghanen selbst. Um die Sicherheit einer Gruppe zu erhöhen, wird die Sicherheit der beiden anderen Gruppen verringert. Das war, mit Sicherheit, nicht der letzte Schritt. Das Thema Afghanistan ist geweckt, und wird noch für Viele zu schlaflosen Nächten führen. Frieden bleibt ein Traum. Frieden für die Bundeswehr, Frieden für die Politik, Ruhe in der Gesellschaft, die bisher Afghanistan ignorieren konnte, all dass kann man mit einem Abzug erreichen. Frieden, Demokratie, Freiheit in Afghanistan, diese Ziele sind längst unter Korruption, Drogenhandel und Miswirtschaft erstickt. Der Minderheitenschutz, freie faire Wahlen, wurde für Sicherheit geopfert. Denn am Hindukush wird inzwischen verteidigt, was in Deutschland nicht erlaubt ist. Der Abzug soll wieder Recht und Ordnung herstellen. Denn in Afghanistan droht die Zereissprobe für unsere political correctness. Denn das System Scheckbuch und Gutmensch funktioniert dort leider nicht.
Ein militärisches Engagement muss in jedem Fall gut durchdacht sein und sollte nicht vorschnell beschlossen werden. Aber wenn, wie in diesem Fall ein Eingreifen beschlossen wird, dann muss man doch auch sicherstellen, dass die Strategie zumindestens Aussicht auf Erfolg hat.
Das Verhalten der jetzigen und auch der vorigen Regierungen würde ich amnstatt mutlos eher als bürokratisch und feige bezeichnen. Und wenn es nicht um Menschenleben gehen würde, könnte man über das lächerliche Eingreifen sogar lachen.
Das aller schlimmste daran ist noch, dass das Verhalten aus vorweggenommener Angepasstheit herrührt. Die Bürger wollen halt keinen Krieg; natürlich nicht. Niemand will Krieg. Das heißt aber nicht, dass sich eine ganze Regierung aus der Verantwortung stehlen darf. Sie ist gewählt worden um dem Volke zu dienen und nicht sich hinter diesem zu verstecken! Mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre kann man nur hoffen, dass Deutschland irgendwann seiner internationalen Verantwortung gerecht wird. Denn das dürfen andere Staaten von uns erwarten.
...der vorgetragenen "Strategie" in etwa richtig. Sie geht dabei nicht auf die möglichen Folgen der Unverschäntheit der Regierung gegenüber den Alliierten für die Bundesrepublik ein, trifft aber in der Sache ziemlich genau: "Internationale Verantwortung sieht anders aus."
Grosse Teile der Bevölkerung werden nicht verstehen, wie schädlich dieser Vorschlag für das Land ist. Das ist bedauerlich, aber nach 40 Jahren Missinformation durch Medien, Staatsstellen und Politiker ist eine paradigmatische Realitätsferne der Bürger entstanden, die solche entsetzliche Entscheidungen wohl unvermeidlich macht.
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