Dietmar Bartsch hat seinen Rückzug vom Amt des Bundesgeschäftsführers angekündigt. Nach Vorwürfen, er habe sich illoyal gegenüber dem Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine verhalten, will Bartsch beim Parteitag Mitte Mai nicht mehr für das Amt des Bundesgeschäftsführers kandidieren. 

Diese Entscheidung hat sich angebahnt. Zwei Tage, nachdem sie klar wurde, sitzt Dietmar Bartsch in einem Café in der Nähe seines Büros, er hält sich an seinem Kaffee fest und erzählt, wie das ist, wenn man fallen gelassen wird, von einem Moment auf den anderen. Seine Geschichte handelt von Intrigen und Machtkämpfen, wie sie in der Politik immer wieder vorkommen. Und sie handelt von einer schmerzhaften persönlichen Enttäuschung.

Bartsch, 51 Jahre alt, Bundesgeschäftsführer der Linken und einer der erfahrensten Manager seiner Partei, wird nicht erneut für dieses Amt kandidieren, wenn die Linke im Mai eine neue Führung wählt. Weil der erkrankte Parteichef Oskar Lafontaine nicht mehr bereit ist, mit ihm zusammenzuarbeiten. Und weil der zweite mächtige Mann in der Linkspartei, Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi, nicht mehr bereit war, für ihn zu kämpfen.

Herr Bartsch, hat Gysi Sie verraten?

"Verrat?" Bartsch denkt einen Moment nach. "Nein, das ist ein falscher Ausdruck." Aber als "Demütigung" habe er es schon empfunden, was Gysi da mit ihm gemacht hat.

Zwei Tage zuvor, am Montagmittag, spricht Gysi im Berliner Congress Centrum am Alexanderplatz. Mehrere hundert Genossen sind zum politischen Jahresauftakt der Linken-Bundestagsfraktion gekommen. Vor diesem Publikum hält Gysi Bartsch vor, er habe sich gegenüber Lafontaine "nicht loyal" verhalten, dies werde Folgen haben. Der Vorwurf lautet, Bartsch habe eine vertrauliche Information an den "Spiegel" weitergegeben, die nur Eingeweihte kannten: dass nämlich Lafontaine schon Anfang 2009 mit der engsten Parteiführung überlegte, sich vom Fraktionsvorsitz zurückzuziehen. Während Gysi spricht, sitzt Bartsch mit versteinerter Miene in der ersten Reihe, manchmal klatscht er. Später gibt er nur einen kurzen, trotzigen Kommentar ab: "Ich trete nicht zurück."

Wenn Bartsch nun, 48 Stunden später, über diese Vorgänge berichtet, fällt immer wieder das Wort "Verletzungen". Die Stimme klingt belegt. Er hat Gysi für einen guten Freund gehalten. "Illoyalität, das ist vermutlich der schwerste Vorwurf, den man einem Bundesgeschäftsführer machen kann", sagt Bartsch. Es ist ein Schuldspruch, der eigentlich nur eine Konsequenz haben kann: Bartsch muss das Amt abgeben.

Die vergangenen Tage haben Spuren in seinem Gesicht hinterlassen, er hat einen müden Zug um die Augen. Doch wenn es darum geht, die aktuelle Lage in der Partei zu analysieren, erlebt man auch den Politprofi, der er sonst ist: sachlich, trocken, manchmal witzig.